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Feuilleton.

D i r Duppitche.

Frei aus dem Französischen, von Emma v- Nindorf.

(Fortsetzung.) 1

3j, bei der ist sie erzogen," fuhr Bergniaud fort,Hai wacker gelerni, nur ' ui"i - aber ihr Herz ist frisch geblieben, so wahr ich ein achter Egvpter bin ! fliein Weib und ich, wir haben das Kind zu einer Weißzeugnäherin in die .

Stabt aeihan: va ist sie gut aufgehoben mit ihren weißen, feinen Fingern, und (liebelt . He, Kleine, bist so blaß! Was wirb die Mutter sagen, gieb Acht! dast mir gewiß wieder Nächte durch gearbeitet?"

Diesmal durste der redselige Veteran noch lange fvrtsprudeln, ohne daß der Anwalt an die Gvlvwage seiner Minuten dachte. Es lag etwas so Lieblich- Natürliche«, Tieswahres in jener einfachen Erscheinung, daß sich Derville ange. nehm davon überrascht fand, doppelt durch den Kontrast des Hellen Bildes mit ... tüiifrii, farblosen Umgebungen. Um das Köpfchen war ein buntes Tuch oefifclunaen, aus welchem sich einzelne verrätherische Locken stahlen. Große dunkle Auaen leuchteten au« dem runden Gesichtchen. Fülle der Gesundheit in der bieg, kirnen Gestalt. Der ärmliche, beinahe etwa« zu kurz gewordene Rock zeigte die niedlichsten Füße; blendend weiß die Schürze; am Arm ein kleiner Korb. Ni- nette mochte Manche« au« dem Gespräche gehört, aber zum Thetle mißverstan- den haben Sie zog ihren Vater mit ängstlicher Eile am Kleide und flüsterte: Vater laßt den unbekannten Herrn! Borgt nicht von Fremden, «eht, hier S6r'bd)en f-lnC einige Goldstücke, die ich ernäht habe, und ein« hat mir meine $rQU ..schenk,, weil ich in den Feierstunden und Sonntag« ihren Kindern Un- ttrrichi gebe," setzte sie vergnüg, hinzu.Glaubt Ihr nicht, daß e« reicht? Unb dann habe ich ja noch ein goldene« Herz von der Pathe; da« mußt Ihr nehmen Vater. Bald schaffe ich mehr; an Arbeit fehl, e« nicht und ich dm ja minnb'unb stark. Nehmt nur! Wollt Ihr e« denn lieber von Fremden, al« n Furer Nina? Und du« Stückchen Küche,i, seht, da« ist für unfern Oberst. Pie Madleine hat e« mir geschenkt vom Taufschmause," setzte sie mit ter Ver- fläruna guter Seelen hinzu, mit jenem Sonnenscheine in den Zügen, den die schönere Freude, die Freude Anderer, oft aus dunkeln Wolken de« Geschickes eckt Das hübsche Mädchen war in diesem Augenblicke schön, o weit reizender als 'jene Salonsgöttinnen, gefallene Engel, deren Unnatur den Jüngling anwte. oerte Nina hatte lispelnd begonnen, war aber im Eifer der Rede lauter ge- n,orten und Derville, der es sich nicht versagen konnte, die Ohren zu spitzen, v,mabm jede« Wort und hatte nun Gelegenheit, die Bemerkung sor,zusetzen, daß eben in den ungünstigsten Lagen, in den drückendsten Verhältnissen, weltver- a-ffen, selbstvergeffenv, Tugend im Duldersiege aufleuchtet, lächelnd unter Dornen- fronen Goldkörner im Flußsande! Tugend hat Veilchenart unsichtbar Wohl-

gerüdje hauchend, will sie gesucht fein im verschwiegenen Thale. Fernab der aroken breiten Straße blüht dieser Balsam für Eure Wunden, müde Menschen- | finber ' O zweifelt nicht an dem Wunderkraute! ES giebt Stirnen, denen nie ein anderer Kranz wird, als der Todtenkranz, dann aber die Cppreffe zum Lor- Heer Aus stiefmütterlicher Erde, du-ch Schutt und Trümmer ringt sich Vie edle Pflanze nicht selten am lebeiiSkrästigsten auf. Schon deßhalb Ehrfurcht dem Uaalücke wenn e« nicht ohnehin unserem Mitgefühle hetltg wäre! Ehrfurcht dem Unglücke auch da, wo es nicht auf hohem Kothurn, sondern im geflickten vausvantöffelchen einherschreitet. Noch mehr da! denn ein großer Schmerz hat audt starke Arme, un« über manche kleine Widerwärtigkeiten zu tragen. Muß es verblutet fein : ein Streich mit blinkendem Schwerte! Wenn aber Vie arme Bsvche sich an Nadelstichen zu Tode zappeln soll? Ein Biß der Schlange un­ter Blumen, nur nicht die zahllosen Stiche °e« JnseetenheereS, unter Venen wir den Lebenskarren keuchenv binschleppen müssen!

Beruhigen Sie sich, mein Kind," sagte Derville.Ihr Vater darf mir .trauen. Ihm soll geholfen werten; vurch den Oberst oder durch mich. Daraus da« Wort eine« ehrlichen Manne«!" Er frug sie nach Namen und Wohnung ihrer Nähfrau, unv reichte ihr ein Röllchen:Legen Sie e« zu Ihrem Erkvarten das für Vater und Mutter bestimmt ist. Gott segnet kindlichen F-eiß. Ich habe auch für meine alte Mutter gearbeitet. Jetzt darf ich ihr freilich nicht« | mrhr hrinaen Sie schläft." Purpur überflog Nino'« Wangen; sie senkte vt?Augen und zupfte an der Schürze; er ließ da« Röllchen in ihren Korb gle.- ten. Glanzend von einer schönen Thrane, erhob sie da« große Auge zu ihm, wie man zu seinem Heiligen emporschaut, sah 'hm lange und tief in da« seine, hielt freundlich, fest, ohne Erröthe», seinen Blick aus, der sich tn den Unschulds- Himmel dieser Augen versenkte. Derville la« |o viel in ihnen, langst Verwisch- te«, ein frischere«, neuerstandenes Jugendsein. Sie erhob beide Hande, preßte sie stumm auf vte wogende Brust. Er rannte mit fluchtigem Gruße davon; das Derz war ihm so wohlthätig erwärmt! Ueber sich selbst lächelnd, fuhr er m, der Hand durch die dunkeln Locken und legte da« Gesicht wieder >n ernste kalte 8dllenglun .um Gegner!" dachte Derville, während er wieder in sein Kabriolet flip. " »,inen Blick in unser Spiel, da« feindliche, erforscht, mit einem Haupt- Lge gewonmn ! Gut wäre e«, sie zu erschrecken ... sie ist ein Weib - wa« schreckt Weiber am meisten? Sie fürchten sich nur vor . . dm» taU nur doch auf in der Stellung de« Grafen Ferraud: er, der so reich, |o getieb vom Äibniae ist - warum noch nicht Pair von Frankreich < E« mag Politik de« flbnia« sein, der Pr-nrie durch sparsame Ertheilung hohe Bedeutung zu geben. Aucb ist der Sohn eines Parlamentrathes von Paris (ein Crillon, noch ein Jio» Han: Graf Ferraud muß auf Nebenwegen in die erste Kammer Dringen. Wenn über seine Ehe getrennt würde, könnte er nicht mit Zustimmung des Königs die Pairie von einem jener alten Senatoren, die nur Töchter h-beu aus sich über- geben lassen? Da« soll hoffentlich ein dienliches Schreckgespenst für die Gräfin abgehen^( ahnungslos die geheime Wunde berührt, war bis an den Krebsschaden gedrungen, der am Leben der Gräfin zehrte. Als der Advoeat ihr Haus in der Straße Varenne« erreichte, ward er von seiner Klientin in einem hübschen Speisesaale empfangen, wo sie frühstückte, dabei mit einem Affen spielte, ter mit Ketten an einem kleinen Pfahle hing. Ein Morgenkle.d nut ostbaren Spitzen umfloß die schöne Gestalt. Dem schelmischen Morgenhaubchen entschlüpfte VffcUe« der Locken Fülle. Die Gräfin war rosig und in der heitersten e 1m5 niung. Silber, Gold, Perlmutter glänzten auf dem Tische; ringsumher blühten seltene Blumen in prächtigen Porzellanvasen. Der Anwalt sah die Gattin des

Grafen Ehabert, reich durch begangenen Raub, im Schooße des Luxus, auf der Höhe der Gesellschaft, während jener Unglückliche, bei einem armen Viehhalter, mittten unter Thieren lebte. Derville dachte:Aus dem Ganzen ist als Mural zu entnehmen, daß eine hübsche Frau in einem Manne mit altem Graumantel, zersauster Perrücke und durchlöcherten Stiefeln nimmermehr ihren Gatten, selbst nicht ihren Geliebten anerkennen wird."

Ein beißendes Lächeln, das dieser Gedanke entlockte, verrieth alle theilö philosophischen, theilS neckenden Ansichten, die sich einem Manne ausdrängen mußten, welcher vermöge seines Berufes tief auf den Grund der Sache ging, trotz allen bunten Glanzlügen, hinter denen die Pariser Familien ihr Dasein verschleiern.Guten Morgen, Herr Derville," sagte die Gräfin, und fuhr fort, ihren Affen mit Kaffee zu tränken.Gnädige Frau," entgegnete er barsch, denn ihn wurmte der weggewursene Ton diesesguten Morgen";ich komme, mich mit Ihnen über eine wichtige Angelegenheit zu besprechen."Ich bedauere, Graf Ferraud ist nicht zu Hause."Ich, meine Gnädige, freue mich darüber und müßte bedauern, wenn er unserer Berathung beiwohnte. Zudem weiß ich ja von Delbecq, daß Sie nicht ungern Ihre Geschäfte selbst abmachen, ohne den Herrn Grafen damit zu behelligen."Ich will also Delbecq rufen lassen." Er würde Ihnen hier nichts nützen, wie gewandt er auch immer sein mag. Hören Sie mich, Frau Gräfin, ein Wort wird genügen, Sie ernst zu stimmen: Graf Ehabert lebt."Wollen Sie mich durch solche Possen ernst stimmen?" fragte sie laut lachend, erbebte aber zugleich von dem seltsam leuchtenden Blicke, mit welchem Derville sie durchbohrte, als ob er in ihrem Herzen lesen wollte.

Gnädige Frau," entgegnete er mit schneidenv-kaltern Ernste,Sie kennen den ganzen Umfang der Gefahr nicht, welche Ihnen droht. Ich verliere kein Wort über die unwiderlegliche Glaubwürdigkeit der Actenstücke, noch über ^oie sicheren Bürgschaften, die für das Dasein des Grafen Ehabert zeugen. Sie wissen, ich bin nicht der Mann, weicher sich mit einem schlimmen Handel befaßt. Widersetzen S,e sich unserer Einsprache gegen den Todtuschein, so verlieren Sie diesen ersten Prozeß; und die zu unseren Gunsten gelöste Streitfrage läßt uns alle folgenden gewinnen."Wovon wollen Sie denn also eigentlich mit mir re^n ,Weder vom Obersten noch von Ihnen. Eben so wenig von den Denkschriften, "welche geistreiche Advocaten mit Hülfe so merkwürdiger Thatsachcn verfassen könnten; auch nicht von den Rollen, welche dabei gewisse Briefe jpielen dürften, die Sie von Ihrem ersten Gemahle noch vor Vollziehung Ihrer zweiten Ehe empfingen unv ... ." ... ,

Da« ist nicht wahr!" sagte sie mit aller Heftigkeit einer verwohnten Schonen. Nie erhielt ich Briefe von Graf Ehabert, und wenn sich Jemand für ihn auägiebt, so Tann e« nur ein Betrüger fein, wohl gar irgend ein ent- svmngener Galeerenselave. Nur bei dem Gedanken überläuft e« mich falt! - . Äann der Oberst auferstehm! Bonaparte bat mir durch einen Adjutanten fein Beileid bezeugen lassen über den Todesfall, und noch heutigen Tags beziehe ich 3000 Franken Pension, die beide Kammirn der Wittwe des Grafen (Sbabert bereinigten Ich batte also tausendfach da« Recht, alle Ebabert« zurückzuweifen so wie ich alle zurückweise, die noch kämen."

Ium Glücke sind wir allein, meim Gnädigr. Wir können nach Gefallen lügen? sagte Derville kaltblütig und machte sich den Spaß, den flammenden Jom der Gräfin noch mehr zu reizen, um ihr eine Blöße zu entlocken. ES ist I eine bewährte Kriegslist der Advocaten, dem Aufbrausen ihrer Klienten mit ro- Ufaer Ruhe au begegnen.Nun denn," dachte er,eS gilt!" und hatte blitz­schnell eine Falle bei der Hand, um der Gräfin ihre Schwache recht augenschem- lich iu machen:Gnädige Frau, für die Uebergabe de« ersten Schreiben« liegen Beweise vor. E« enthielt Geldwertb -" - ,,O, an Geldwerth war nicht« Darin Sie erhielten also den ersten Brief," lächelte Derville.In der ersten Schlinge, die Ihnen ein Advoeat legt, fangen Sie sich, und meinen, mit Der Justiz in Die Schranken treten zu können.

Röthe und Blässe wechselten auf dem Angesichte der Gräfin; sie barg e« in beide Hände. Bald schüttelte sie jedoch die unbequeme Scham wieder ab, und nahm von Neuem mit einer Kaltblütigkeit das Wort, die nur Frauen zu erkünsteln vermögen:Da Sie der Anwalt des angeblichen Ehabert sind, so tbun Sie mir den Gefallen ..." -Frau Gräfin, ich bin für den Augen­blick noch Ihr Sachwalter, wie der de« Obersten! Glauben Sie, daß ich eine so geschätzte Klientschaft, wie die Ihrige, verlieren mochte? Aber «le borm ia nicht auf mich . . ."Reden Sie, mein Herr," entgegnete sie huldvoll.

Ihr Vermögen schreibt sich von dem Herrn Grasen Ehabert her. Sie haben" ihn verstoßen; sind krösusreich und lassen ihn betteln, gnädige Frau, die Advocaten sind sehr beredt, wenn die Rechtssachen so mächtig für sich selbst sprechen, und in vorliegendem Falle stößt man aus Umstände, welche die öffent­liche Meinung gegen Sie herausfordern könnte."

Aber mein Herr," sagte die Gräfin voll Ungeduld, daß Derville in so langsamer Qual sie auf die Folter spannte,wenn selbst die Gerichte zugäben, daß Ehabert lebt, müßte e« doch schon um der Kinder willen meine zweite Ehe vertreten, unv ich käme mit 20,025 Franken vavon."

«rau Gräfin, wir wissen nicht, wie der Gerichtshof die moralische streit- frage "behandelt. Haben wir auf der einen Seite Mutter und Kinder, so steht auf Der andern ein von Unglück gebeugter, durch Sie, durch Ihre Harte ergrau- ter Mann Wo fände er eine Frau? Können überhaupt Richter Gesetze über Den Hausen werfen? Ihre Ehe mit Dem Obersten hat da« Recht für sich, den Vorrang. Erscheinen Sie überdies in so ungünstigem Lichte, so mochte Ihnen leicht ein unerwarteter Gegner erwachsen. Hier liegt Die Gefahr, gnädige Grä »n vor Der ich Sie gern wahren möchte." -Ein neuer Gegner! welcher?" Graf SerrauD selbst, gnädige Frau " -Graf Ferraud hat zu innige An­hänglichkeit für mich, zu viel Achtung für die Mutter seiner Kinder . . ." - Nicht diese Possen un« Advocaten, die wir leider gewöhnt fein müssen, die Herzen zu durchschauen! Für den Augenblick bat Graf Ferraud nicht im Min­desten Lust feine Ehe zu zerreißen ; ick, bin überzeugt, daß er Sie anbetet; wenn ober Einer käme und ihm sagte, daß seine Helrath ungültig erklärt und ferne Ärflu als Verbrecherin vor Den Richterstuhl der öffentlichen Meinung gefordert werden kann . ."Er würde mich vertheldigen, Herr."Nein, gnädige Gräfin."Welchen Grund hätte er, mich zu verlassen?" Den, Die ein zige Tochter eine« Pair« von Frankreich zu HeiratHrn. Dessen Pairtbum durch königliche Verfügung aus den Grasen Überginge." ^rtfegung folgt.)