FeuLl le t o n.
den
blicken lassen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Namenlose.
Novelle von Theodor König.
den Krieg unvermeidlich machen. , ,
Werden Sie sich denn gar nicht ängstigen, wenn er in den Krieg zieht < „Natürlich werden wir Alle das thun," entgegnete die arme Hyacintha, der es war, als ob das Herz ihr brechen müßte.
Hier trat eine ältere Dame, welche Hyacintha schon öfters in ihren Schutz genommen hatte, zu den beiden jungen Mädchen, und Fräulein von Lauterbach entfernte sich, um andere Damen zu Vertrauten ihres Entzückens über Berthold
* Hyacintha fühlte sich wahrhaft erleichtert, als ihre bejahrte Freundin ihr Neuigkeiten aus dem Dorfe und der nahen Hafenstadt zu erzählen begann.
Die Landedelleute jener Zeit pflegten bei Gelegenheiten wie dieser lange Zeit beim Weine zuzubringcn und gar häufig mehr zu trinken, wie den Damen, die sich nachher mit ihrer Gesellschaft zu beehren hatten, lieb sein konnte.
Berthold war indessen in dieser Beziehung mäßiger.
Er war stets der Erste, welcher das Damenzimmer aufsuchte, und obgleich ein wenig später wie gewöhnlich, fand er sich doch auch an diesem Abende am Theetische ein, lange bevor die übrigen Herrn auch nur daran dachten, die letzten $ '^Beim Eintritte Bettholv's begann Hyacintha's Herz zu klopfen, als wollte es Vie Brust zersprengen.
„Ob er wohl zu ihr kam und sie anredete — und wenn es auch nur em paar Worte waren? ’ , . .
Eine ihr erwiesene, so unbedeutende Aufmerksamkeit konnte bei den Gasten doch unmöglich Anstoß erregen."
Ja, ihr Wunsch ging in Erfüllung.
Berthold, den der Wein in einen etwas aufgeregten Zustand versetzt hatte, benahm sich nicht ganz so vorsichtig, wie er es beabsichtigt hatte.
Er näherte sich ihr, erbot sich, sie In ihrer Iktz'gen Verrichtung zu unter stutzen und wußte ihr, von allen Gasten unbemerkt, so viele zärtliche «chmeiche- eien zuzuflüsiern, daß das arm- Mädchen sich vor Erstaunen und Freud- ganz
ich habe eine große Vorliebe für Militärpcrsoncn. Sic nicht auch, Fräulein Hyacintha?"
„Ich bin der Meinung, daß wir ihnen dankbar zu sein haben, weil sie unser Vaterland vertheidigen, erwiderte Hyacintha.
„Und er sagt, sie werden bald zu fechten bekommen," fuhr Fraulem von
Lauterbach fort. „ _
„Er meint, die gährenden Zustände in fast allen europäischen Staaten wer-
SellL Welch' ein reizender Mensch Ihr Bruder ist, Fräulein Hyacintha!" sagte sie.
Wirklich, es ist mir fast, als hätte .ch in .hm den Helden emer Novelle , " gngffh1 ejnm herrlichen Schnurrbart er tragt.
e" Ja wohl ,a wohl," entgegnete Hyacintha, bald errothend, bald erblassend.
Ich «e ß a so recht eigentlich ist er Ihr Bruder nicht, doch vermuthe id), vaß Sie ihn i in. Lichte eines solchen ansehen," fuhr Fraulem von Lauterbach fort. .
Natürlich thue ich das," entgegnete Hyacintha.
"«Bit jammerschade, daß das Familiengut Majorat ist und sich nicht zu alcicken Thcilen auf die beiden Brüder vererbt," meinte Auguste von Lauterbach, ^voch würde ^t>r jüngerer Bruder dann wohl kaum so liebenswürdig sein wie j'etzt da er da'nn wohl nicht Militär geworden wäre, und ich muß offen gestehen,
(Fortsetzung.)
Nein, wahrhaftig, es liegt viel Edelmuth in Ihrem Charakter, Carl," ries Willert mit unwillkürlicher Bewunderung aus. „Der Baron aber, er würde sicherlich niemals seine Einwilligung zur Verbindung seines Sohnes mit einem namenlosen Mädchen geben." , _ , , . ...
Das weiß ich noch nicht so gewiß," meinte Carl. „Berthold ist ;a nicht der Virecte Stammhalter der Familie von Bergen und des Vaters Liebe zu Cvntbia mag vielleicht über feinen Stolz den Sieg davon tragen.
Sei dem aber auch wie ihm wolle, meines Bruders Schulden müssen einmal bezahlt werden und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie außerordentlich ich Ihnen für die Hülfe verbunden bin, die Sie nur zu diesem Zweck leihen wollen."
Er ergriff die Hand des Informators und drückte sie mit Wärme.
Ueber Willert'S Gesicht zuckte es wie ein plötzlicher Kampf, doch erwiederte er den Händedruck eben so warm wie er ihn empfangen und wiederholte die Betbeuerunaen seiner treuen Anhänglichkeit an seinen alten Zögling.
3 Am Tage nach der Abreise Willert'S gab der Baron den adeligeri Familien ver Nachbarschaft ein Diner, dem Anscheine nach zur Feier VeS Besuches seines -weiten Sohnes, in Wirklichkeit aber, um Berthold, seinen Wünschen gemäß, womöglich zu einer reichen Braut zu verhelfen.
Der junge Mann hatte den Vater bereits sogleich nach seiner Ankunft hierum gebeten und dieser, wiewohl er sich im Stillen darüber wunderte, daß ?jn so junger Mann schon aufs Heirathen erpicht war , ihmi das Versprechen aeaebrn seinem Wunsche nachzukommen, zumal das zunge Madcyen, welches Betthol'v hauptsächlich im Auge hatte, °ie Tochter cines rcr nächsten Freunde
des alten Herrn war. , .......
Auguste von Lauterbach war -ine Erbin, Vie eben so wohl -m hübsches Mädch-n war, wie sie ein treffliches und warmes Herz b-laß, doch hatte B r- tbold sie nach s-iner Rückkehr noch gar nicht einmal w.evcrgesehen, als er bereits vcn Entschluß faßte, sich um ihr- Hand zu bewerben.
Das Diner sollte in jeder Beziehung ein splendides und des Gastgebers würdiaes werden, und so hatte denn Hyacintha mit der Haushälterin Tage lang vorher vollauf "mit den Vorbereitungen zu demselben zu thun gehabt.
9 Urbtr M’n ^ntWn Zweck °er Festlichkeit befand sich u» er- lunge Fr-un. din natürlich in der glücklichsten Unwissenheit und sah derselben daher mit unschuldiger Neugier entgegen.
Bei der geringsten Ahnung von Berthold'« selbstsüchtigem Plane hatte sie über das für diesen wichligen Tag von Felicie für sie angeferligte, reizende Rleid wohl weniger freudiges Entzücken geäußert.
Ja, wahrhaftig entzückend schon mußte man sie nennen, als sie in s Gesell schaftSzimmer trat, um die cintreffenven Gäste zu bcwillkommnrn, und Berthold JÄJt umhin, sich selbst heimlich zu gestehen daß ihre ganze Erschcinun sowohl wie die unnachahmliche Grazie jeder, oud) cet geringsten, 'V» Zungen, die kräftiger blühende Schönheit und ländlich ungezwungenen Manieren die junge Erbin außerordentlich in den wchatten stellten.
Da -S indessen wie er bei sich selbst dachte, für feinen wichtigen Zweck ,inmal notbwcndig war, so wandte er seine Augen von Hyacintha ab und widmete sich gänzlich dem Streben, jene reiche Erbin durch geheuchelte Bewunderung und die gesuchtesten Aufmerksamkeiten zu hintcrgehen.
Er führte sie zu Tische und verschwendete alle jene seinen Künste, die ganze Liebenswürdigkeit seines Wesens an ihr, die er bisher nur Hyacintha gegenüber r0 haß Auguste von Lauterbach in ihrer ländlichen Unschuld unk bei einem Herren i°S noch niemals Falschheit oder Tücke geahnt, sich von illrem Tischgesährten gar bald ganz bezaubert zu suhlen begann ^ Sün gewandtes, militärisches Wesen, seine heute au, den besonderen Wunsch des Barons angelegte glänzende Uniform blendeten ihre Augen, und felne Unttr- ha tum die mit derjenigen Carl'«, mit feiner Büchergelehr amke.t, vor welcher 2 pjnnlQi Scbeu trua, fo gar nichts gemein hatte, entzückte sie.
' Er unterhielt sie von den eben jetzt in Paris ^rMenven Moden, von den snMFÄAufläufen welche gerade zu dieser Zeit in jener Weltstadt an der Tages- krdnun/waren, und von den 'Gefahren, denen man sich inmitten jener damals in allen ihren Elementen wild gährenden Bevölkerung ausfetzte.
Auauste aber hörte dem Allen unter fröhlichem Lachen und mit Hoch er- alüöenven Wangen zu, denn Berthold's Augen schienen ihr dabei fortwährend noch ganz 7ndere Dinge zu erzählen und fast mit Allem, was er sagte, waren
Vorsr^ieiden beschäftigt, nahm Hyacintha dennoch dies Alles sehr wohl wahr
Anfangs war -S außerordentliche Verwunderung, dann aber ein G fühl »mack,ende" Eifersucht, was sie so abwesend erscheinen ließ, baß ein gewtffer, r .ur Rechten sitz-nd-rJustizra.b sie bei sich selbst eine hübsche, a er nnsalt.g- -dknrin nannte der cs sogar an der allergewohnlichsten Erziehung fehlte.
Unsere junge Freundin war froh, als endlich der Augenblick erschien, wo
•»“>*-«”•.«« glühend?.«, Entzücken strahlendem Gesichte Auguste von Lauterbach an ihrer
Vertol8täuldnC von Lauterbach'S verwunderte und getäuschte Blicke riesen ihn nach einiger Zeit zur Besinnung zurück und er eilte nun sogleich wieder an ihre Seite, Hyacintha aber fühlte sich dadurch jetzt nicht mehr beunruhigt. Ihr Herz fantc ihr, daß er sie und nur sie allein liebte.
" Seine Aufmerksamkeit gegen Auguste von Lauterbach hielt sie nur für Laune des Augenblicks oder für ein Opfer der Höflichkeit, das er als Sohn des Haufes ^"°"Von ^jenem^Aügenbllcke ^>n erfüllte sie thre Pflichten als Wirthin auf'S Neue, und zwar mit einem Eifer und einer Grazie, welche ihr den Be,fall selbst der am strengsten auf Etiquettc hallenden Landdamen der Gesell,chast erwarben , so daß der Abend endlich zur Befriedigung aller Anwesenden vor- Uber8@ncltd) kam denn die Zeit zum Auseinandergehen der Gesellschaft heran.
Die Adieu'S wurden gewechselt, von Munde zu Munde gingen die letzten Artigkeiten des Tages und Berthold erhielt, nachdem er die Erbin in den Wagen gehoben, von dieser die Erlaubniß, sich mit seinen Bewerbungen um ihr
Gästc^bis"auf zwr?°altc Herren, die zu weit entfernt wohnten, um noch an diesem Tage auf ihre Güter Heimzukchren, und deshalb hier zu über- nachten beabsichtigten, hatten sich bereits entfernt.
' Zu diesen begaben sich Berthold und Earl, um noch eine Pietfe mit ihnen zu rauchen, so daß Hyacintha sich endlich allein sah.
Allein und dabei so außerodentlich ermüdet und erhitzt!
Sie lehnte sich aus dem Fenster, um die frische Nachlluft einzuathmen.
Wie außerordentlich erquickend diese war!
Sie fühlte sich versucht, in den Blumengarten hinauszutreten, um sie noch freier aihmen zu können, band ihr Taschentuch um den Hals und trat in s Freie.
Der liebliche Mond war aufgegangen und schimmerte durch die dicht be- ^"^Jasaün und°Grisblatt füllten die Luft mit würzigen Düften und der Ruf der Nachteule klang, wie er sich mit dem Geseufze der «ommerluftchen tm Laube
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tot)lrteie liebte Berthold und wußte ja jetzt gewiß, daß sie von ihm wieder ge- ÜCbt ZwaV'hatte er es ihr nicht mit Worten gesagt, vermochte sie jedoch noch länger daran zu zweifeln? n . 9
Waren seine Blicke, seine Worte mißzuverstehen gewesen <
Und'Hyalintha begann, sich ein stolze« Luftgebilde vor die Seele zu zaubern.
Sie entdeckte ihre Verwandten, war in voller Wirklichkeit eine Prinzessin, reich genug, um auch ihren Berthold mit Gold zu überhäufen und ihn dadurch sowohl Den Gefahren des Krieges zu entrücken, wie ihm den Schmerz einer Trennung von der Heimath zu ersparen.
Die Stunden verstrichen, der Mono stieg.hoch über die Baurnwipsel empor I und warf ein entzückend schönes Licht über Rasen und Wald.
Gedankenvoll, mehr mit den Gebilden ihrer Phantasie beschäftigt wie an die Wirklichkeit denkend, öffnete Hyacintha das gußeiserne Psortchen ihres Blumen- gartcns und trat in den Park hinaus.
Sie dachte nicht daran, wie oft der Baron sie davor gewarnt hatte, dies noch nach Eintritt der Dunkelheit zu thun, denn es hatten sich dort im Walde schon gar häufig außerhalb der Gesetze stehende Menschen, desperate Charaktere,


