Feuilleton.
ich auch suchte, ich fanv es nicht in den Gesellschaftszimmern meiner Mutter, und so mutzte ich mich begnügen, kS in einsamen Stunden vor meine Seele zu führen und mich der Hoffnung hingeben, ihm eines Tage- in Wirklichkeit zu
begegnen.
Ich hatte ein Lieblingsplätzchen im Holze — der alte Förster hatte mir dort eine kleine Holzbank gezimmert, als ich noch ein achtzehnjähriges Kind war. — Nach und nach war sie mit Epheu überwuchert, bis auf den kleinen Sitzplatz, den ich mir frei dielt, und so satz ich denn dort unter den drei hohen Linden, die ihr herrliches Laubdach schützend über mich wölbten, im Grünen. Meine Gedanken waren aber keineswegs erfreulicher und beruhigender Art. Seit einiger Zeit hatte ich nämlich bemerkt, daß der Graf von Brosenberg, ein halber Greis, mich mit Aufmerksamkeiten überhäufte, die ein alter Freund nicht einem Kinde zu Theil werden lätzt. Der Graf war reich, seine Familie eine der angesehensten der Gesellschaft, und ich sah zu meinem Entsetzen, datz meine Mutter diesem Manne mit mehr Freundlichkeit entgegenkam, als jedem anderen. Anfangs freilich schöpfte ich nicht den geringsten Verdacht, bis ich eines Tages ohne meinen Willen Zeuge eines Gespräches zwischen meinen Eltern wurde, das mich vollkommen über die Ansichten des Grafen Brosenberg aufklärte und mich in den größten Zustand der Angst und Verzweiflung versetzte. Meine Mutter bat nämlich den Vater, mir nichts von den Bewerbungen des Grafen zu sagen, Kinder wie ich hätten gewöhnlich romantische Ideen, und sie wolle mich erst allmählig an den Gedanken an eine Verbindung zwischen ihm und mir gewöhnen. Weiter hörte ich nichts, aber es genügte, um mein ganzes, mühsam erbautes Luftschloß von Glück und Liebe lumzustürzen. Und doch sehnte ich mich so sehr nach Glück und Liebe!
Mit ernstlicher^Spannung betrachtete ich jetzt das Benehmen des Grafen Brosenbcrg, und nun ich erst etwas davon wußte, traten mir seine Bewerbungen klar genug entgegen. Ich wies sie entrüstet zurück, ich suchte ihn durch Spöttereien von mir zu scheuchen — Alles vergebens — es brachte mir nur Tadel von meiner Mutter ein, die kein Verständniß für mein kindisches Beneh- nun hatte. Aber mit der eigenen Sorglosigkeit der Jugend vergaß ich dieses Werben bald, da Graf Brosenberg mit keinem offenen Anträge hervortrat, und ich gab mich schon der süßen Hoffnung hin, er möchte das Unpassende einer solchen Verbindung eingesehen haben, als ich an dem erwähnten Tage, durch seine reichen Geschenke, welche er meiner Mutter brachte, wieder davon erneuert war, denn die eleganten Armbänder und sonstigen Schmucksachen schienen mir eher für ein sechszehnjähriges Mädchen, als für eine alte Dame berechnet zu sein, und eine eigenthümliche Beklommenheit ließ mich das Freie suchen.
Traurig und besorgt für'die Zukunft saß ich auf meiner Bank und über- dachte mein freudenleeres Dasein, das bald sogar wohl noch ein trüberes Aussehen gewinnen würde, und suchte vergebens nach einem Menschen in meiner Bekannt- schäft, der mir vielleicht eine Stütze hätte werden können. Ich kannte indessen Niemanden, meine MutterNitt es nie, daß ich mit den Untergebenen der Schloßherrschaft in näherer Verbindung stand, urft) -zu anderen fühlte ich mich nicht hingezogen. Das Gefühl einer gänzlichen Hülflosigkeit überkam mich und drückte mich so nieder, daß ich Alles um mich her vergaß und in ein heftiges
Weinen ausbrach.
Wie lange ich so gesessen hatte, wußte ich nicht, aber ich wurde durch ein anhaltendes Hundcgebell in meiner Ruhe gestört, und als ich aufblickte, sah ich dicht vor mir einen anscheinend noch jungen Mann stehen, der mich mit seinen sanften Augen so mitleidig ansah, daß es mir ganz warm um's Herz wurde und flammende Röthe mein G-sicht bedeckte. Aber nicht allein die Stellung, worin er mich traf, brachte mich in Verlegenheit, sondern vielmehr sein eigenes Selbst. Das war ganz derselbe Mann, uen ich nie zuvor gesehen, aber dessen Bild mir sttts vor Augen geschwebt; das waren die dunklen Augen, das leicht gekräuselte Haar und'das feine Gesicht, vielleicht nur Den schmerzlichen Zug um seine Lippen hatte ich mir nicht gedacht — aber sogar die hohe kräftige
Gestalt war dieselbe.
(Fortsetzung folgt.)
Aus drm Mm einer Nonnr.
Novelle von I. H.
(Fortsetzung.)
a Ml
sorgfältig die Thüre Der Zelle Kraft und Deinen Muth nur, Glück und Deinen Seelenfrie-
„Nicht so, Elisabeth," sagte sie, nachdem sie hinter sich geschlossen hatte, „das schwächt Deine Den Du so fthr nöthig hast, w-nn Du Dir dein Den bewahren willst. Wirf Dich vor dem Bild Der Mutter Gottes nieder, aber nicht in Verzweiflung, sondern mit Der demüthigen Bitte, daß sie Dir beistehen möge in Der Stunde der Gefahr, wenn sie hcrannaht —"
Elisabeth erhob sich beschämt, aber ihr Antlitz war noch von Thränen überfluthet und ihre Augen blickten so trostlos vor sich nieder, daß Schwester Martha mitleidig ihr Haar streichelte, bas in langen Ringeln über ihren
Racken floß-
„Rur nicht Den Muth verlieren," fuhr sie tröstend fort, „das taugt nicht. Du bist noch nicht für immer eingeschloffen, und wenn Du Deinen festen Willen behauptest, wird es nicht geschehen."
„Aber, Schwester Martha, schluchzte Elisabeth, „warum hast Du Deinen festen "Willen nicht bewahrt?"
„Weil ich nicht wollte, mein Kind," entgegnete die Nonne, indem sie sich auf Die hölzerne Bank setzte uno Elisabeth neben sich niederzog, „und eben Dir dieses zu erklären, bin ich zu Dir gekommen. Du kannst mich sonst nicht be- greifen, und ich will Dein Gemüth nicht mit Zweifeln beunruhigen."
Elisabeth drückte ihr stumm die Hand.
„Sei aber ruhig, fuhr die Nonne fort, „Niemand darf erfahren, daß ich noch bei Dir gewesen bin, Denn die Aebtisstn weiß es, daß es hier in dem Herzen noch bisweilen bebt, und fürchtet meinen Einfluß auf Dich. Sieh', Elisabeth," fuhr sie, gleich zu ihrer Erzählung übergehend, fort: „Das sind nun geraoe zwölf Jahre, als ich eben so jung, vielleicht auch eben so schön war, als Du. Der Nanz und Reichthum meiner Eltern — ich brauche Dir ihren Namen nicht zu nennen — ließ mich eine glänzende Stellung in der Welt einnehmen, und ich wurde so gefeiert, wie nur je eine meiner vielen Freundinnen. Ein Bewerber nach den andern stellte sich um Die reiche Erbin ein, aber sie wurden zu meiner großen Freude abgewiesen. Ich wußte damals nicht genau, warum dies geschah, ick glaubte meiner Jugend willen, leider sollte ich nur zu bald erfahren, daß meine Mutter bereits für mich gewählt hatte, und zwar einen Mann, den ich nicht allein nicht liebte, sondern sogar verabscheute. In jener Zeit aber lernte ich einen jungen Mann kennen, Der bald mein ganzes Herz gewann, Es war, wie man sagte, Der Neffe unseres Försters, ein noch unbekannter, wenn auch talentvoller Maler.
Ich hatte nie Jemanden gehabt, dem ich mich hätte anschließen können. Mein Vater verließ nur selten sein Bibliothekszimmer, wo er stets mit seinen Büchern beschäftigt war, meine Mutter bekümmerte sich nie um mich, sie mutzte dafür sorgen, den Glanz des Hauses aufrecht zu halten und unfern Salon zu Dem prächtigsten zu machen, und Geschwister hatte ich nicht. So lernte ich Denn nie Liebe und Theilnahrne kennen, trotzdem sich mein Herz darnach sehnte, wie Die durstige Erde nach frischem Wasser. Einsam wandelte ich mein freu- Dknleeres Dasein dahin, Denn die Festlichkeiten in unserem Hause ermüdeten mich nur ohne mich zu zerstreuen. Es war aber feine Liebe, die ich auf dem glatten Par'quetboden des Salons traf, sondern nichts als Verstellung, Höflichkeit und Schmeicheleien und dieses widerte mich schließlich so an, daß ich mich freute, wenn Die duftenden, frifirten, süßlichen Herren und Damen unser Hauö verließen. Es war an einem solchen Frühlingstage, wie der heutige gewesen ist, als ich allein dem nahen Hölzchen zuschleuderte, um Dort einmal frische Lust zu schöpfen. Ich batte ein kleines GeDichtbuch, worin ich gerne las, mitgenommen, um mich unter tim fnschtn Laubdache M WalbeS nieberzusetzen uno zu schwärmen. Solche Stunden lählte ich zu den köstlichsten meines Daseins, ich gab mich dann allen möglichen ^Träumereien, deren eben nur ein junges Mädchenherz fähig .st, h.n Ich hatte damals ein Ideal, was mir stets vor Augen schwebte. Aber so vttl.
28. November.
Ein Telegramm von Ismaila, unterzeichnet Lesseps, heieichnct Die über den mangelhaften Zustand Des Suez-Kanals verbreiteten Gerüchte, in Folge Deren Die Kanalactien gefallen sind, als absurd und saat • Im Verlaufe von 10 Tagen seien 50 Schiffe ion zusammen 35,000 Tonnen Gehalt aus Dem Mittelländischen Meere durch Die Bitterseen nach Dem rochen Meer gefahren und nach Port SaiD zurück- gekehrt, ohne daß Die Ufer eine Beschädigung er- li"" hätten. 29. November.
Aus Spalato wird der Wiener „Presse" geschrieben: Die Situation in der Bocca ist eine hochernste. Generalmajor Auersperg vermochte nicht, trotz des Aufgebotes aller Truppen Den Aufstand im Norden zu bezwingen, Da Die Insurgenten sich tn Die unzu- aänqlichen Gebirgstheile zuruckzogen, und somit Die weitere Verfolgung derselben vermöge der Terrain- Verhältnisse nicht möglich war. Die Gefechte bet Knezlac und ZagvozDak am 17. und 18. November hatten, trotz unserer großen Verluste, nur Die momentane Freimachung Der Passage Cerkvize-Dragalj zur Folge. Die Insurgenten halten sämmtliche Hochgebirge besetzt und stören durch häufige Ueberfälle fort- während die Verbindung. Selbst das Hauptquartier, da; sich am 19. von Cerkviee nach Dragalj begab, wurde im Defilv Han überfallen, beschossen und büßte 37 Muli mit Bagage ein, trotz Der Errichtung vieler
kleiner Blockhäuser kann ein 4500 Mann starkes Expedit onScorpS Die Berge nicht besetzt halten, weil die Witterungsverhältnisse überaus ungünstig und massenhafte Erkrankungen unausbleiblich sind. Das Campiren im Freien ist wegen Der Kälte unmöglich, Überdies herrscht sortwährenD Wassermangel, und Das Wasser mutz mittelst Mulis unter starker Bedeckung hinauftransportirt werden. Demzufolge bleibt nichts übrig, als Die Operationen bis zum April einzustellen. Das ExpeditionseorpS wird Winter-Quartiere in den Küsten-Städten beziehen. Zur Besetzung Der montenegrinischen Grenze reichen Die vorhandenen Truppen nicht aus, denn die Verbindung ?er CrivoSeie mit Montenegro konnte nichi abgeschnitten werden. Das Hauptquartier ist .m 20. nach Eattaro zurückgekehrt. Unsere Verluste bei Der letzten Expedition sind sehr bedeutend; 100 Mann todt, verwundet und erkrankt über 200. Die Insurgenten haben keine Nachweis- baren Verluste; cs wurde keiner gefangen. Die Ge- fangenen wurden abermals von den Insurgenten em- setzlich verstümmelt, den todten Offizieren wurden Die Köpfe abgeschnitten und als Siegeszeichen aufgepflanzt. Die Expedition des Obersten Schönfeld gegen Braie, Poborp und Maina war nicht glücklicher. Am 19. kehrten von einer Compagnie des Regiments Wimpffen nur 22 Mann zurück. Die beiden SatNlpunkle auf der Landstraße oberhalb Risano bleiben besetzt und Die dortigen Blockhäuser weiden vervvllstänDigt, wodurch ein erneutes Vorrücken erleichtert wird. Dra>
galj ist auf Drei Monate verproviant'rt. Nach Meldungen von Nagusa geht das Gerücht, datz die österreichischen Truppen Die Forts Dragalj und Cerkvice räumten."
Der König von Italien hat Dem Kaiser von Oesterreich telegraphisch sein lebhaftes Bedauern aus- gtdrückt, daß fein noch immer geschwächtcr Gesund- heitszustand ihm nicht gestatte, die Reise nach Brindisi zu unternehmen, weshalb er Die Begrüßung DeS Kaisers derzeit als aufgegeben betrachten müsse. Zu- gleich sprach Der König die Hoffnung aus, datz sich demnächst wieder eine Gelegenheit zu persönlicher Begegnung Darbieten werde.
Lanza soll folgende Bedingungen für die Bildung eines neuen Ministeriums gestellt haben: Die Entfernung Menabrea's, Cambiay-Digr.y's u. Gualterio'S aus der Umge ung des Königs und Die ReDuclion des Militärbudgets auf 30 Mill. (Das jetzige Budget des Krieges beträgt über !421/2 und das Der Marine über 30 Mill.)
In Bukarest wurde vorgestern Die Kammersefsion durch Den Fürsten Karl eröffnet: Die Thronrede betont die nach allen Seiten hin guten Beziehungen zum Ausland, erwähnt Die grötztentheils beigelegten Grenzst.eitigkeitcn, Die Hebung Der Schifffahrt, Der- heißt Regelung Der gemeinsamen Interessen Durch internationale Verträge, Die behii)s Regulirung Der schweb end en Schuld vorzulegenden Gesetzentwürfe, die Organifation Der Armee, die Hebung des Unterrichts


