Politis che Rundschau
spondenz ans dem diesseitigen Postgebiete nach dem Königreiche Italien und vice versa — sofcrne die» selbe auf den Wegen über Wien resp. JnSbruck befördert wird — werden hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Das Gefammtporto beträgt: für frankirte Briefe nach dem Königreiche Italien 3 Sgr. beziehungsweise 12 fr., für unfrankirte Briefe aus dem Königreiche Italien 5 Sgr. beziehungsweise 18 fr., — bis zum Gewicht vou 1 Loth excl. Bei Briefen, welche das Gewicht von 1 Loth erreichen oder übersteigen, tritt für jedes Loth Mehrgewicht ein einfacher Portosatz hinzu. Recommandirte Briefe unterliegen demselben Porto, wie gewöhnliche fran- firte Briefe nach Italien unter Hinzutritt einer Re- commandationSgebühr von 2 Sgr., beziehungsweise 7 fr.; dieselben müssen bis zum Bestimmungsort frankirt, und mit einem Kreuz-Couvert versehen sein, welches mindestens mit zwei gleichen Siegeln mittelst Siegellacks zu verschließen ist. Der Absender eines recommandirten Briefes nach Italien fann verlangen, daß ihm das vom Empfängee vollzogene Recepisse zugestellt werde; — für solche Beschaffung des Re- cepisse ist vom Absender ein weiterer Betrag von 2 Sgr., beziehungsweise 7 fr., ,<u entrichten. Sendungen mit Waarenproben und Mustern fönnen gegen ein ermäßigtes Gesammtporto von */3 Sgr., beziehungsweise 2 fr., für je 24/3 Loth incl. versandt werden, sofern dieselben an sich keinen Kaufwerth haben, unter Band gelegt oder anderweitig dergestalt verpackt sind, daß über den Inhalt kein Zweifel obwalten kann. Den Waarenproben und Mustern darf kein Brief beigesügt werden; hingegen dürfen dieselben die Fabrik- oder Handelszeichen, sowie Nummern und Preise tragen. Waarenproben und Mustersendungen müssen, wenn das ermäßigte Porto darauf Anwendung finden soll, frankirt werden, thunlichst unter Verwendung von Postfreimarken. Dergleichen Sendungen können bis zum Gewicht von 15 Loth mit der Briefpost expedirt werden; der Beifügung von JnhaltS-Declarationen bedarf es nicht. Zeitungen Preis-Courante, Circulare, Kataloge, gedruckte Anzeigen unv sonstige gedruckte, lithographirte oder me- tallographirte Gegenstände, auch brochirte oder gebundene Bücher, sowie Correcturbogen nebst den dazu gehörigen Manuscripten unterliegen bei der Versen- düng unter Kreuz- und Streifband einem Gesammtporto von i/2 Sgr., beziehungsweise 2 fr., für je 2i/a Loth incl. Die derartigen Sendungen unter Band müssen vom Absender frankirt werden, thunlichst unter Verwendung von Freimarken. Die vorstehend
bezeichneten Portosätze für die Korrespondenz nach und aus dem Königreich Italien bei der Beförderung via Oesterreich sind erheblich billiger, als bei der Beförderung durch die Schweiz oder durch Frank- reich. Da nach den gegenwärtigen Verbindungen der größte Theil der Corrcspondenz nach dem Königreiche Italien auf dem Wege durch Oesterreich schneller oder eben so schnell befördert werden kann, als durch die Schweiz oder durch Frankreich, so gilt als Regel, daß die Briefe nach dem Königreich Italien via Oesterreich spcdirt werden, es sei denn, daß der Absender auf der Adresse die Beförderung de« Briefes via Schweiz oder via Frankreich ausdrücklich verlangt hat. Wegen der im Transit durch das Königreich Italien zu befördernden Correspondenz — z. B. nach und aus dem Kirchenstaat — tritt vorläufig eine Aenderung des Bestehenden nicht ein.
(Schluß folgt.)
Darmstadt, 28. Ian. Die erste Kammer der Stände genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung den Gesetzentwurf, die Wahlen zum Zollparlament betreffend, in der von dem anderen Hause angenommenen Fassung.
Berlin, 26. Jan. Der „Köln. Ztg." wird officiös geschrieben: Wie glaubwürdig versichert wird, sind heute zwischen dem Grafen Bismarck und Herrn Benedetti die Erklärungen ausgewechselt worden, die durch Entlassung Mecklenburgs aus dem Special- vertrage einerseits und einige Zollherabsetzungen Preußens, namentlich wegen des Weinzolles, andererseits den Eintritt Mecklenburgs in den Zollverein, so wie weiterhin den Abschluß des Handelsvertrages mit Oesterreich ermöglichen. Die vielbesprochene Angelegenheit wäre damit erledigt.
Schwerin, 25. Ian. Zwischen Preußen und Mecklenburg ist eine militärische Convention zur Erleichterung des Uebertritts höherer Officiere beider Staaten vereinbart worden.
Wie«. Im österreichischen Ministerrathe ist, übereinstimmenden Wiener Nachrichten zufolge, der Beschluß gefaßt worden, die Werbungen für die pjäpstliche Armee für den ganzen Umfang der deutsch-slavischen Erbländer zu untersagen und demgemäß sind auch an die betreffenden Stellen die nö- thigen Weisungen ergangen. Die Abweisung dieses Gesuches um Werbungen für die päpstliche Armee ist die erste Kundgebung einer von confesfioncllen Rücksichten freien Politik, die Manisestirung des redlichen Willens, jede Einmischung in fremde Angelegenheiten zu vermeiden und durch Beobachtung einer aufrichti-
Darmstadt, 24. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt enthält:
I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Bestätigung von Schenkun- gen an das Diakonissenhaus „Elisabe- thenstift" in'Darmstadt betreffend.
II. Bekanntmachung Großherzoglichen Kriegsmi- nisteriumS, die Stellvertretung der Mili- tärdienstpflichtigen 1867/68 betreffend. Die Zahl der für die nächste Truppenergänzung d. I. angenommenen Einsteher reicht nicht hin, um für diejenigen im Jahre 1867 gemusterten rc. Militärdienstpflichtigen, welche sich durch Zahlung der gefetz- lichen VertretungSfumme zur EinstandSkasse (bezie- hungSweise StaatsversicherungSkasse) vertreten lassen wollten, Stellvertreter zu verwenden. Auf Grund des §. 9 der Allerhöchsten Verordnung vom 8. d. Mts., Abänderungen des Recrutirungsgefetzes betreffend , wird daher hiermit den bezeichneten Dienstpflichtigen eine Frist von vier Wochen vom Heu- tigen an eröffnet, um innerhalb derselben nach Maßgabe des Art. 16 des Stellvertretungsgesetzes vom 14. Juli 1851 und beziehungsweise des §. 7 der genannten Verordnung vom 8. d. Mts. Stellvertreter zu präfenkiren. Die Präsentation von Unterosficieren oder Spielleuten hat bei dem betreffenden Compagnie- rc. Commando oder Kreisamte, diejenige von freige- loosten Militärpflichtigen der Altersklasse 1867/1868 aber nur bei dem Kreisamte zu erfolgen. In den hiernach zu errichtenden Protokollen ist die Erklärung des sich anmeldenden Einstehers aufzunehmen, von wem er Präfentirt wird, sowie daß er sich nach Maßgabe der mehrerwäbnten Verordnung zu siebenjähriger Dienstzeit im aktiven Heere verpflichte. Gelingt es dem Militärpflichtigen nicht, innerhalb der anbe- raumten Frist einen Einsteher zu präsentiren, der angenommen und verwendet wird, so hat er seiner Militärpflicht selbst zu genügen und der ihm zugehenden Einberusungsordre Folge zu leisten. — Hinsichtlich der persönlichen Ableistung der Militärpflicht wird auf die Bekanntmachung vom 10. Oktober v. I., die Bestimmung über den einjährigen, freiwilligen Militärdienst betreffend, aufmerksam gemacht. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien wollen die vorstehende Bekanntmachung unverzüglich in ihren Gemeinden zur allgemeinen Kenntniß bringen.
III. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post-Angelegenheiten, die Correspondenz nach dem KönigreicheJtalien betreffend. Nachstehende Bestimmungen in Betreff der Corre-
Gästen zu prunken!" sagte Herr Balder nachdenklich, sehen? Wie sieht er aus? Wie gefällt er Dir? Ein „O ja, Onkelchen, er sieht Ihnen sehr ähnlich.
dabei so fein, so bescheiden!"
„Bescheiden?" fragte der alte Herr; „da muß sich der Junge gewaltig verändert haben, denn früher war er keck wie eine Fliege, und resolut und ge« radaut wie ein ... . na, wie ein wackerer deutscher Junge, der es ist, trotzdem er in Holland geboren und ausgewachsen."
„Vas paßte eher auf den Vetter Rudolph, der mir wenigstens besser gefällt," sagte Pauline lächelnd und mit einem unwillkürlichen Erröthen.
„Wie, Rudolph ist auch schon da und hat mich noch nicht aufgesucht?"
„Er aß mit Robert, und der mag ihn veranlaßt haben, daß er sich auch der Frau vom Hause vorstelle," fuhr Pauline fort; „und so ging er hernach auch herunter in die Salons, wo ihn Franz nicht einlassen wollte, weil . . . . weil er nicht im Frack kam. Da Hub er einen gewaltigen Lärm an und sagte: wenn die Tante ihn nicht willkommen heißen wolle, so dürfe er es wenigstens nicht am nöthigen Respekt fehlen lassen, und dann sprach er etwas vom Maho- met und von einem Berg, wie: wenn der Berg nicht zu Mahomet kommen wolle, so müsse Mahomet eben dem Berge nachlaufen, oder so etwas Genug, die ganze Dienerschaft lief über den Lärm zusammen, und wollte ihn nicht ein« lassen; aber am Ende ertrotzte Herr Rudolph cs doch, denn keiner von den Leute» wagte sich an ihn."
„Und bas hätte er gethan? Rudolph?" fragte der Commerzienrath erstaunt. „Das sieht ja dem Jungen gar nicht gleich I das wäre eher ein Stückchen von Robert."
„Von Herrn Robert? Ach, mein bester Onkel, dem sähe so etwas nicht gleich," sagte Pauline und schüttelte lächelnd den Kopf. „Solch ein feiner, sanfter, glatter, junger Here ! ein Zuckermännchen!"
»Der ein Zuckermännchen und Rudolph ein solcher Rauschebart?" fragte Balder kopfschüttelnd; dann sind die Jungens wahrlich ausgetauscht. Wenn Du nicht meine gute, aufrichtige, wahrhaftige Pauline wärest, so könnt' ich es nicht glauben. . . ."
„Nun, so fragen Sie ihn selbst! da kommt er ja, der Herr Vetter Rudolph!" „Aha! ich komme wie der Wolf in der Fabel?" fragte der Eintretenve und eilte auf den Commerzienrath zu, dem er mit dem herzlichsten Willkommensgruße recht kräftig die Hand schüttelte. „Da bin ich nun, Onkelchen, und freue mich aufrichtig, meinem väterlichen Freund und Wohlthäter einen kleinen Theil meiner großen Verpflichtungen abtragen zu können!"
„Wie Du herangewachsen bist, Junge! so kräftig und stattlich, und so ganz ander«! Fast hält' ich Dich nicht wieder erkannt. Nur der allgemeine Familien- t»g, sonst aber auch keine Spur mehr von dem frühem sanften, schüchternen Knaben!"
„Ei natürlich, bester Onkel! die Blödigkeit verlernt sich draußen in der
Welt, und wenn man längere Zeit in England gelebt hat, wird man wider Wissen und Willen mehr oder weniger derb und bengelhaft. Die liebe Frau Tante wenigstens wird vieß finden wollen, weil ich ihr ein Bißchen unvermittelt in ihre Salons hereinfiel." ,
„Also wirklich?" fragte der Commerzienrath mit unwillkürlichem schadenfrohem Lächeln; „Du warst also oben, und in in diesem Aufzuge?"
„Ei, natürlich ! ich wollte doch mit eigenen Augen sehen, ob die Frau Tante sich wirklich so wenig aus mir mache! rief Rudolph; „denken Sie sich, bester Onkel, daß ich Mühe hatte, nur Zutritt in Ihrem Hause zu bekommen, daß ich mich erst mit verschiedenen Bengeln von Dienern ereifern mußte, ehe mir ein Unterkommen angewiesen ward in einer Art Taubenschlag im Kniestock, und daß ich, durchfroren und hungrig wie ich war, nicht einmal der Wohlthaten eines warmen Ofens und Abendbrods theilhaftig geworden wäre, ohne dieses liebe Väschen da, meine barmherzige Samariterin . . ."
„O stille, stille, Vetter!" bat Pauline halb verlegen.
„Die mir sogar ihr eigenes schmuckes Stübchen einräumte, damit die liebe Frau Tante wenigstens nicht vor dem armen Neffen erröthen sollte!" fuhr Ru- dolph lebhaft fort. „Ich gestehe, bester Onkel, die Schilderung, welche Sie mir von der Zärtlichkeit und dem Wohlwollen der Tante für arme Verwandte machten, ist von der Wirklichkeit noch übertroffen worden. Ein Glück daher, daß ich Ihres Wohlwollens gewiß bin, und als Ihr Buchhalter mehr mit Ihrem Geschäft als mit Ihrer Familie in Berührung kommen werde!"
Des Commerzienraths Züge verfinsterten sich. „Laß es gut fein, Rudolph!" sagte er. „Ich werde Dir Genugthuung verschaffen! daß Du auf dem Ball der Tante so erschienst, im Reiseanzug . . . ."
„Und ungebeten, ungeladen!" fiel ihm Rudolph in's Wort.
Das hat die stolze Frau, die so sehr auf Formen sieht, natürlich beleidigen müssen!"
„Aber folgerichtig könnt' ich doch in dem ungeheizten Bodenkämmerchen, das sie mir anweisen ließ, und das ich ohne des Väschens Herzensgüte hätte einnehmen müssen, keine Toilette machen, ohne mir einen tüchtigen Schnupfen oder Rheumatismus zu holen!'* sagte Rudolph lächelnd.
„Na, schon gut! ich sehe, Du hast Temperament und wirst der Tante nicht« schcnken — wozu Du auch von mir ans vollkommen autorisirt bist!" erwiederte der Commerzienrath. „Sie wird am Ende wohl oder übel andere Saiten gegen Dich aufziehen müssen, denn Du bist ihr gewachsen, wo nicht überlegen. — „Aber nun komm', setz' Dich hieher, und mach' Dir'S bequem. Dort sind Cigarren , hier Wein, uud Pauline mag Dir Gesellschaft leisten, bis ich wieder herunter komme, denn sie ist Dir sichtlich gewogener als die Tante!"
„Wirklich, Väschen? ist die Neigung gegenseitig?" fragte Rudolph, erfaßte ihre Hand und sah ihr offen und freundlich in die Augen.
(Fortsetzung folgt.)
„Und Du hast ihn ge- fixer Junge, nicht wahr?" Ein schöner Mann. und


