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®raf Bismarck in den Hofkreisen Gegner hat, ist ja zweifellos, aber dieselben haben bi« jetzt den König noch nicht von der Entbehrlichkeit Bismarck'« über- zeugen können. Da« neu« Witzblatt, welche« mit dem t. October erscheinen soll, wird den Namen Miau" führen und nicht, wie einige Blätter mel­ken, den konservativen Interessen dienen, sondern von einem der liberalen Partei angehörigen Manne rrdr- girt werden.

Frankfurt, 25. Aug. Der König langte, von Coblenz kommend, heute Morgen um 9% Ühr hier auf der Taunusbahn an, wurde auf dem Bahnhofe von dem Commandanten, Generalmajor von Fran- kenberg-LudwigSdorf, dem Polizei-Prastdenten v. Ma- Vai und in Abwesenheit des ersten Bürgermeisters Dr. Mumm, von dem Bürgermeister Dr. Berg em­pfangen, fuhr zu Wagen nach dem Hanauer Bahn- Hof und setzte von dort um 10 Uhr die Reise nach Hanau fort, wo er die zum Brigade-Exerziren zu- sammengezogenen Regimenter Nr. 82 und 88 besich­tigte und ein ihm von der Stakt Hanau angebotenes Dejeuner einnahm. Gegen 2^ Uhr traf der König von Hanau wieder hier ein und setzte um 2J/2 Uhr seine Reise mittel- der Main-Weser-Bahn fort.

Wien, 22. Aug Der nieberösterreichische Land­tag wurde heute um 11 Uhr eröffnet. Der Lan- vesmarschall von Pratobevera sprach von dem fri­schen, kräftigen Geist, der jetzt Oesterreich vurchwehe, warnte vor demHauptfehler" der Deutschen, der Ueberschätzung de« Fremden, und forderte die Ver­sammlung auf, für da- Land und für Wien in ächt deutschem Geiste zu wirken; ker Landtag von Nie» deröstcrreich habe vor allen die Aufgabe, da« heilige Feuer des deutschen Nationalgefühls zu erhalten. Der Erzbischof von Wien und der Bischof von St. Pölten waren nicht erschienen. Der Landtag hat nicht weniger als 83 Vorlagen zu erledigen.

Wien, 23. Aug. Die steigende Opposition ker Slaven kommt den gouvernementalen Organen sehr sehr bedenklich vor. Die Unzufriedenheit der Tsche­chen, Polen und Slovencn mit der neuen Eonstitui- rung Oesterreichs ist allerdings eine Tvatsache, die sich nicht Hinwegleugnen läßt. Wenn es nicht ge- länge, diese Unzufriedenheit zu beseitigen, so würde, sagt heutePresse", wohl die letzte Stunde Oester­reichs geschlagen haben, aber nicht die des österrcichi- scheu Deutschthums. Wenn der Uebermuth der Ma- gvaren und der Aberwitz der Tschechen und Polen die Zertrümmerung der Habsburg - lothringen'schen Monarchie hkrbeiführen sollte, so würden allerdings die Deutschöstcrreicher am wenigsten dabei verlieren; e« bleibt ihnen immer die Wiedervereinigung mit Deutschland. DieDebatte" schreibt:Eine Freimaurerloge soll in Innsbruck errichtet werden. Man tbeilt hierüber Folgende« mit: Freimaurer- logen bestanden bekanntlich unter dem großen Kaiser Joseph an mehreren Orten Tprols: zu Jnnspruck, Bozen und auch zu Brixen. Wie das Inns- brucker Tageblatt meldet, wurde bereits an die Neu­errichtung derselben gedacht. Bei dem Kampfe, den man in Tyrol gegen den Blödsinn mittelalterlicher Fanatiker zu führen hat, könnte sie jedenfalls nützen. An der Genehmigung des Ministeriums, da« auch dem Jesuitismus den Weg frei läßt, zweifeln wir nm so weniger, da jetzt dasgleiche Recht für Alle" nicht bloß auf dem Papier stehen darf."

Paris, 24. Aug. DerConstitutionnel" mel­det : Die Reise des Kaisers und der Kaiserin nach Biarritz ist durch den in Aussicht stehenden Besuch de« Grafen von Girgenti und seiner Gemahlin, In­fantin von Spanien, uno die beabsichtigte Reise des Kaisers und des kaiserlichen Prinzen nach dem La- ger von Chalons auf die zweite Hälfte des Sep­tember verschoben worben. DerConftitutio- nel" sagt:Die Worte des Kaisers zu Troyes beginnen ihre Früchte zu tragen. Frankreich ver­traut dem Frieden. Preußen hat keine Neigung einen Krieg anzufangen. Die anderen Mächte haben ein Interesse daran, drohende Eventualitäten zu ent­fernen. Möge also die Industrie ihre Arbeiten mit Eifer wieder ausnehmen, mögen die Capitalien dem Aufruf der Regierung, ker eine Bürgschaft für die allgemein- Sicherheit ist, entsprechen. " Die schlimm- sten Tage sind endlich vorüber," Die Subskription auf das französisch-atlantische Kabel waren sehr er- folgreich und stehen die Aktien fortwährend Agio. DieFrance" sagt, die Ernennung Laguerronniöre'« zum Gesandten in Brüssel beweise die aufrichtige und unentkräftbare Freundschaft Frankreichs und Belgiens.

Petersburg, 24. Aug. Heute Nacht sind die Petersburger Flachs - und Hanflager abgebrannt, und berechnet man den Schaden, welchen das Feuer an- gerichtet hat, auf ungefähr % Millionen Rubel.

Vermischte«.

Gießen, 26. Aug. Einem hier verbreiteten Gerüchte i»folge soll gestern der Stube« der Fürsten von Solms-Braun -

fels, Prinz Bernhard, bei Oberbiel durch einen Sturz vvm Pferde getödtet worden sein.

Gießen. In derFranks. Ztg." liest man: liebet da« berüchtigte Sloman sche Au«wandererschiffLiebig", früherLeib- nitz", Capitän Bornhold, liegen der Illinois Staat«zeitung zufolge der deutschen Gesellschaft in Ehicago beschworene Aus­sagen sehr gravirenden Inhalt« vor. SchiffLiebig" segelte am 3. Mai mit 450 Passagieren von Hamburg ab, und kam am 3. Jul! in Quebec an. Die Passagiere erklärten: daß von 100 Kranken 49 (Kinder von 1 bi« 7 Jahren und 1 Erwachsener! starben, und zwar, daß fast alle starben-, denen der vorgebliche Echiffsarzt Medicin verabreicht; daß ferner diese Medicin erst dann verabreicht wurde, al« der Kranke schon halb todt war, und daß von Krankenpflege überhaupt auch erst im letzten Stadium die Rede gewesen. Ferner wird über da« empörende Betragen der Offiziere und Schiffsmann­schaft gegen die weiblichen Passagiere scharfe Klage geführt.

Darmstadt, 20 August. Das heute erschienene Regie- mngSdlatt Nr. 46 enthält:

I. Bekanntmachung. Großherzoglichen Ministeriums der Großherzogiichen Hauses und de« Äeußern, den zwischen dem Deutschen Zoll- und Handelsverein und dem Kirchenstaat ab­geschlossenen Handels- und SchissfahrtSvertrag betreffend.

II. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 21. Juli den Gymnasiallehramts - Accesfisten Georg Weihrich aus Bent­heim, im Kreise Bensheim, zum Lehrer an der Realschule zu Alzey zu ernennen, dem evangelischen Schullehrer zu Richen, im Kreise Dieburg, Johann Philipp Reinheimer, die zweite evangelische Schulstelle zu Gimbsheim, im Kreise Worms, und dem Schullehrer an der zweiten evangelische» Schule zu Gimbsheim, im Kreise Worin«, Heinrich Fischer, die evan­gelische Schulstelle zu Richen, im Kreise Dieburg, zu übertra­gen; an demselben Tage den Gerichtsvollzieher Ludwig Wolf zu Wöllstein in gleicher Eigenschaft nach Wörrstadt, den Gerichtsvollzieher Philipp Wilhelm Dapper zu Pfedders­heim in gleicher Eigenschaft nach Mainz zu versetzen, den Aspiranten des Gerichtsvollzieher-Dienstes, Martin Orschicd zu Alzey, zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtsfitze zu Alzey und den Aspiranten des Gerichtsvollzieher-Dienstes, Johannes Theodor Bernhardt« zu Alzey, zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtsfitze zu Pfeddersheim zu ernennen; am 25. Juli den Steuercommiffär de« Steuercommiffariats Schlitz, Ludwig Deibel, in da» Steuercommissariat Wörrstadt zu versetzen; am 27. Juli dem Hofkanzlisten erster Klaffe, Friedrich Nau, die Stelle eines Secretär« bei dem Oberst-Ceremonienmeister- AmtS und des Rechners der Kammerherrntargelderkaffe zu über­tragen; am 28. Juli den penstonirten Geheimen Obersteuer­rath Florentin Hallwachs zu reactioiren und zum Mitglied und Rath bei der Ober-Steuer-Direction und zugleich bei der Ober-Zall-Direction zu ernennen; am 1. August den Schul­lehrer an der evangelischen Schule zu Elbenrod, im Kreise Als­feld, Johann Friedrich Greim, die evangelische Schulstelle zu Darsberg, im Kreise Heppenheim, dem Schullehrer an der evangelischen Schule zu Willofs, im Kreise Lauterbach, Carl M ergo tt, die evangelische Schulstelle zu Elbenrod, im Kreise Alsfeld, dem Schulamts-Aspiranten, Theodor Weitz au« RübingShain, im Kreise Schotten, bie evangelische Schulstelle zu Höckersdorf, im Kreise Schotten, zu übertragen unb ben Beschlirßer-Gehülfen an btm CorrectionShaus zu Darmstadt, Jacob Kalbfleisch, zum Kreisbiener bei bem KreiSamte Dieburg zu ernennen.

Darmstadt. In Meriko am ConchoSfluffe würbe im vo­rigen Jahre eine neue Stabt in einer sehr fruchtbaren Gegenb gegrünbet, unb berselben von ihrem Grünber, Herrn G. Schleicher au« Darmstabt, brr mit bet Darmstädter Answanderererpebition 1847 nach TeraS ging unb dort sich großes Vermögen und An­sehen erwarb, der NameBismarck" beigelegt. Auch eine Sta­tion der Jron-Montani-Eisenbahn bei St. Louis hat den Na­menBismarck" erhalten. Beweis, daß der berühmte Minister sich bei ben Deutschen im Ausland einer größeren Popularität erfreut, als vielfach im eigenen Vaterland.

Berlin, 17. Aug. DieZeidler'sche Corresp." bestätigt die Nachricht, daß der Bunbesrath auf eine, in einer ber letz­ten Sitzungen bes Reichstages angenommene Resolution in Bezug auf bie Hebung berAusternfischerei" beschloffen habe, Preußen, Hamburg und Oldenburg zu Erhebungen, resp. gut­achtlichen Aeußerungen aufzufordern. Außerdem hat sich übri­gens zu gleichem Zwecke ein Privatcomitö aus Reichstagsmit- gliedern gebildet, welche« gleichfalls auf seine Kosten durch Sachverständige Erhebungen an den deutschen und außerdeut­schen Seeküsten über die Austernzucht vornehmen läßt und mit den Regierungen in Verbindung bleiben will.

Berlin. Man hat viel von der Errichtung einer päpst­lichen Gesandtschaft in Berlin gesprochen; wenn das aber nun auch nicht wahr ist, so ist doch gewiß, daß bie große Zahl ber Katholiken baselbst binnen Kurzem einen Bischof in ihrer Mitte sehcn wirb. Der vom Papst zum Bischof von Agathopoli« ernannte katholische Felbpropst bes katholischen Theil« be6 preußischen Heere«, früherer Pfarrer von Königsberg, NamSza- nowski, wirb in Berlin seinen Wohnsitz aufschlagen. Berlin zählt gegenwärtig neun größere und kleinere katholische Kirchen, unb u. A. bie weiblichen Orden ber Ursulinerinnen, der Damen vom guten Hirten, ber grauen Schwestern unb der Töchter des heiligen Karl Borromäus. Damit, denken wir, füniten sich selbst die baierischen Ultramontanen zufrieden geben und ber großen Ketzerstabt mehr Wohlwollen schenken.

Berlin. Da«Jahn-Denkmal" ist jetzt, wie bieVoss. Ztg." melbet, im Mvbell beinahe fertig. Der Bilbhauer Enke wird zunächst einen GyPSabguß machen und ihn öffentlich aus­stellen. Da« erzene Standbild soll 1870 auf dem Turnplatz in der Hasenhaide aufgestellt werden. Da« Standbild wird, auf seiner Grundlage von Steinen au« allen Theiien Deutsch­lands und aus fernen Ländern, sich sechs Fuß hoch erheben. Da« Modell zeigt Iah» al« eine kraftvolle Männergestalt im deutschen Rock, das gewaltige Haupt auf bem nicht minder gewaltigen Körper ruhend, die festgeballte Faust auf einen Eichenftamm gestützt, vorwärts schreitend.

Cöslin, 14. Aug. Gestern verspätete sich der Nachmit­tagszug (von Stettin) um eine Stunde, weil sich in dieser wahrhaft afrikanischen Hitze bei Trampke (Station jenseits Stargard! bie Eisenbahnschienen ausgebehnt unb geworfen hat­ten. (Gleiches war am 25. Juli auch bei Caleum jenseits Düsseldorf vorgekommen.)

Danzig, 18 Ang. Auf hiesiger Werft ist der Kiel zu demFeuerschiff" für die Jahde gelegt; auch für die Glatt- deckcorvetteAriadne" wird in dieser Woche der Kiel gestreckt. Der Ablauf bet CorvetteElisabeth" wirb Mitte September stattfinben. Auf bet daburch frei werbenden Helling wirb da«

PanzerschiffHansa" aufgesetzt. Sobald dieGrille" die Hel ling »erlassen, wird da«Uebungsschiff für Schiffsjungen" ausgesetzt.

Hannover. Heber das Moorbrennen in Oftsriesland hat Prestel (in Göttingen) ein Schriftchen veröffentlicht, aus wel­chem viel zu lernen ist. Wie ungeheuer weit bet Moor- ober Höhenrauch, bichter ober dünner, über Mitteleuropa Hinsicht ist «uf der beigegebenen Karte ersichtlich. Im Westen liegen Cherbourg unb Dover, im Norden Emden, im Osten Krakau und Wien, im Süden Befanyon und Bern an den Grenzen des Höhenrauchs. Preffel zeigt, baß bie Fort­dauer de« Moorbrennens für die meisten Küstenstriche eine Le­bensfrage sei, und widerlegt die Annahme, daß der Höhenrauch' bie Folge ber Moorbränbe, ben Regen verhinbere.

Köln, 18. Slug. Freiligrath hat sich in Cannstabt nie- bergelaffen. Sein Aufenthalt im Bab Rippolbsau gab ihn, Anlaß zu einem neuen Gebicht. Er schrieb für bie Rippolbsau« Sommerbühne einen Theater-P-olog. Aus den Wunsch bei bem Dichtet befreunbeten Herausgebers ber hier erscheinenden humoristischen WochenschriftKölnische Funken" hat der Ver­fasser diesen Prolog al« Beitrag gegeben, und so wird bar erste wieber auf beutschem Boden entstandene Gedicht Frei- ligratb« in ber nächsten Nummer ber genannten Wochenschrift erscheinen.

Bremen. Die Meere finb in ihrer Tiefe eben so ver­schieben, wie bie Berge in ihrer Höhe. Der Ostsee gesteht Humbolbt eine mittlere Tiefe von 200 Fuß zu; ihre tiefste Stelle an ber Insel Gothlanb beträgt 1000 Fuß. Die Rorb- see hat eine mittlere Tiefe von 500 Fuß, biefe steigt bann dis zu 1000 Fuß unb barüber. Die tiefsten Stellen bes schwarzen Meeres süblich von der Krim betragen 3000 Fuß, diejenigen bes Mittelmeere« östlich von Malta 15,000 Fuß. Die höch­sten Wellen bet Ostsee zählen 12 Fuß, bie beb atlantischen Oceans 30 Fuß.

Bonn, 17- Ang. DerWeser-Ztg." wirb Folgende« de. richtet:Die philosophische Fakultät hat von ihren Ehren­promotionen einen ihr dringend Empfohlenen einstimmig aus­geschlossen : Herrn Stiehl, ben Mann bet allbekannten preußi­schen Schulregulative. So geheim bieß geschehen sein mochte, so ist bamit boch nichts geringeres al« eine bei solcher Gele­genheit unb an solcher Stelle außerorbentlich gewichtige Der. urtheilung seiner päbagogischen Thätigkeit ausgesprochen.. gen alle Jlluminationsflammen aus bem Gebächtniß ber Fest­genossen verschwinben, tiefe« Festlicht bleibt, es brennt hell burch alle Zeitungen, unb hoffen wir, baß es weiter leuchte."

Hanau, 15. Aug. A. Trabert ist in Wien unb bleibt auch bort. Er soll Mitarbeiter an irgenb einer Zeitung ge­worben sein; jebenfall« ist e« nicht biePresse" ober ba« Frembenblatt". Hier hat er seine Wohnung gefünbigt und ist mit Sack unb Pack abgegangen. Was er schließlich im Sperl unb auf dem Sömmering zuui Besten gab, war doch auch manchem seiner Anhänger zu stark.

_ Schweiz. Am 11. d. M. fand zu Rapperswyl am Züricher See die Einweihung deö Denkmals zur Erinnerung an ben 100jährigen Freiheitskampf ber Polen statt. Wie bie vorliegenden kurzen Berichte melden, wurden die ankommenden Polen von Grafen Plater empfangen unb von ber in ber Zahl von 10,000 versammelten Menge enthusiastisch begrüßt. Die Festrebe hielt Graf Plater in französischer Sprache. Es folg­ten hierauf noch mehrere Reden von polnischer unb schweizerischer Seite. Alle Reben, die mit Enthusiasmus aufgenommen wur­den, betonten bie Nothwenbigkeit ber Bilbnng einer anti-russi­schen Union im Interesse Europa'« u-d stellten einen Angriff ber Russen auf Galizien als ben Moment be« Ausbruch« eine« Unionskrieges gegen Rußland fest. Den Schluß ber Feiet machte ein Bankett.

Pari«. DasMemorial diplomatigue" sagt, baß die Desavouirung der Note des Grafen Usedom einen ziemlich ern­sten Zwiespalt zwischen dem Könige von Preußen und dem Grafen Bismarck hervorgerufen habe. Die Ersetzung be« Ge­neral« von Falckenstein burch den General Manteuffel soll die Consequenz beS Zwiespaltes sein. In Folge biefet Meinungs­verschiedenheit habe bet König aus freien Stücken dem Wiener Hofe Aufklärungen gegeben, welche ben Eindruck ber Veröffent­lichung bet Depesche Usebom's abschwächen. Es ist aber un­richtig, baß die fragliche Angelegenheit officiell zwischen Wien und Berlin verhandelt worden sei. Die amtlicheWiener Ztg." reproducirt diese Nachricht.

London. (Chinesische Courtoisie.) Der englische Gelehrte Cooper, welcher sich aus einer Entdeckungsreise behufs Erforschung eines geeigneten Landweg« zwischen Europa und Indien befindet, erzählt in einem vom 28. März au« Ki-zan-ki in China gerichteten Briefe, daß der Chinese in bet Unterhal­tung die schmeichelhaftesten Complimente an seinen Milsprecher richtet, die dieser mit der größtmöglichsten Selbsterniedrigung beantworten muß. Herr Cooper giebt nachstehende Probe eine« derartigen Dialog«;Wie befindet sich ber berühmte und glorreiche Khan? Mein verächtlicher Balg befindet sich durchaus nicht schlecht. Wo liegt Ihr kostbarer Palast? Mein unwürdiges Hnndeloch liegt in Luchau. Ist Ihre edle Familie zahlreich? Ich habe nur fünf elende Mißgeburten. Ist die kostbare Gesundheit Ihrer ausgezeichneten Frau Ge­mahlin zufriedenstellend? Da« scheußliche alte Weib platzt vor Gesundheit." Man muß zugeben, raß sich die Beschei­denheit nicht weiter treiben läßt.

Petersburg, liebet die Srnteausfichten im Innern unb Süden Rußland« liegen Berichte vor, au« denen sich ergibt, daß in einer Reihe von Gouvernements bet im Juli reichlich gefallene Regen die Lage seht verändert hat und zum Theil eine gute Ernte zu ei warten ist; anderswo hat ber Regen nicht« mehr helfen können, unb aus Kolomna, im Gouverne­ment Moskau, wird sogar gemeldet, daß die Felder jetzt eben fo sehr von der großen Nässe litten, wie früher von bet Dürre.

Warschau, 19. Aug. Ein ostpreußisches Blatt theilt ben Brief eie er in Wilna lebenben beutschen Gouvernante au« Königsberg mit, au« bem hervorgeht, wie da« vielbesprochene barbarische Verbot de« Gebrauch« ber polnischen Sprache selbst im häuslichen Verkehre, sowie bie bamit verbundenen harther­zigen Nepresfivmaßregeln buchstäblich auSgesührt würden. Da« Denunciantenwesen steht jetzt dort in höchster Blüthe und die Strafgelder ein einziger Mann mußte an einem Tage 400 SUbetrubel zahlen fließen in Menge bem russischen FiScn, zu. Bei brittmaligem Ueberschreiten be« Verbot« erfolgt Aus­weisung au« ber Stabt. E« herrscht, fügt unsere Landsmännin hinzu, in der schönen Stabt und Gegend eine wahre Kirch­hofsruhe. eine überaus düstere Stimmung. Alle« öffentliche Leben hat ausgehört; Musik unb Concerte find verstummt. Jeder beschränkt sich auf seinen engsten Familienkreis.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gieße».