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Das Testament des Großonkels.

Achtes Kapitel.

(Fortsetzung)

John nahm Abschied von Mutter und Tochter, welche ihm nachblickten, bis er nicht fern vom Hause im Gebüsche verschwand. Er fühlte sich in diesem Au­genblicke glücklicher als seit langen Jahren. Bis dahin war es stets der Ge- danke an den unersetzlichen Verlust seines Vaters gewesen, der wie ein dunkler Schleier sein Gemüth umflort hatte. Welchen Weg würde er im Leben gemacht haben, welche Stellung würde er in diesem Augenblick in der Gesellschaft ein- nehmen, wenn diese schützende Hand ihn seine Lebensbahn geführt hätte! Er würde von Tausenden beneidet worden sein; er würde ein glücklicher Mensch gewesen sein! Statt dessen war ihm ein Leben der Kämpfe und Entbehrungen, mißlungener Pläne und getäuschter Hoffnungen, des Ringens nach dem Noth- wendigen und der gänzlichen Verlassenheit zu Theil geworden; er hatte Welt- theile durchgewandert, ohne Ruhe und Befriedigung zu finden, und war endlich in die Heimath zurückgekehrt, nicht in der Erwartung, endlich den Frieden zu finden, den er |o lange vergebens gesucht, nein, um endliche Vergeltung aus­zuüben gegen diejenigen, die ihn so bitter gekränkt, die ihn so tief verletzt, die ihm das Herz gebrochen hatten. Mit dem Wiedersehen der Heimath kamen auch die alten Erinnerungen wieder, er gedachte ver wenigen Freunde seiner Vergan­genheit und seiner Jugend, er gedachte auch jenes schönen Mädchens, deren En­gelskopf ihm oft in weiter Ferne aus den dunklen Wolken seiner trüben Erin­nerungen zugelächelt hatte, deren Bild nie aus seinem Gedächtniß entschwunden war, und stehe, anstatt des Mädchens sah er eine Jungsrau wieder, welche alle Vorzüge in stch vereinigte, welche seine kühnste Phantasie nur dtm höchsten Ideale seiner Wünsche hätte andichtcn können. Von jenem Augenblicke an hatte der innere Kummer, das Gefühl der Einsamkeit anderen Wünschen Platz gemacht, sein Leben hatte eine neue Richtung bekommen, denn er strebte jetzt nach einem Ziele, und der Gedanke an ste gab ihm die Kraft wieder, wo diese ihm fehlen zu wollen schien. Und wenn ihn Jemand gefragt haben würde, ob er sie liebe, eine solche Frage würde ihn beschämt haben; er würde es nicht gewagt haben die zu lieben, welche er wie eine Gottheit verehrte; er würde gefürchtet haben, ein Gedanke der Liebe würde sein Idol entweiht, ihm seinen Heiligenschein ge- nommcn haben. Liefert uns doch die Geschichte der Könige von Spanien zwei Beispiele, wo ein Weib es war, welches ihren Monarchen vor der Verzweiflung rettete, doch etwa nicht dadurch, daß sie denselben durch ein Band ctr Liebe fesselte, nein, sondern durch ein Gefühl der Hochachtung, der Verehrung, welches nur solche weibliche Wesen einflößen können, die so sichtlich den Stempel gött­licher Vollendung auf ihrer Stirn tragen, als Deliah Mac Lane. Wäre sie gestorben, er würde sie nicht betrauert haben, im Besitz ihres Bildes, im Besitz ihres Andenkens würde er ebenso glücklich gewesen sein, denn für ihn war sie kein Wesen dieser Welt, sie gehörte höheren Sphären an, und würde dann nur zu einem Jenseits hinübcrgegangen sein, welche ihre eigentliche Heimath gewesen.

So schritt er seines Weges dahin, Alles um sich her vergessend, nur ihrer gedenkend, als des guten Engels, den Gott ihm vom Himmel gesandt habe. Der Weg führte jetzt im Walde dicht an einer hölzernen Fenz vorüber, die sich rechts vom Fußsteig hinzog, links war der Boden sumpfig, und hie und da rag­ten einzelne große Steinklötze hervor. John hatte etwa die Mitte der Fenz er­reicht, als sich plötzlich hinter derselben eine männliche Gestalt kaum drei Fuß von ihm entfernt erhob und ihm mit aller Kraft, deren sie Herr werden konnte, einen Feldstein an die rechte Seite des Kopfes schmetterte. John griff mit den Händen in die Luft, drehte sich ein Mal um sich selbst, und am ganzen Körper zitternd, stürzte er mit einem dumpfen Angstgcschrei zur Erde platt aus's Gesicht nieder. Es rasselte im Gesträuch und Tomasio und Carlo kletterten über die Hecke.

Hat er genug," fragte Carlo den neben dem Leblosen niederknieenden To­masio,oder soll ich ihm noch ein Loth Blei in den Hirnkasten jagen?"

Der braucht Nichts mehr," antwortete Tomasio,ich habe ihn gerade in die Schläfe getroffen, Du könntest eine Hand in die Wunde legen, der ganze Knochen ist entzwei und er wird bald ausgeblutet haben, er reckt und rührt sich nicht mehr."

Es wäre doch besser, wenn wir ganz fertig mit ihm würden," und schon wollte er den Lauf eines Revolvers auf John's linke Schläfe richten, als To­masio seinen Arm aufhielt mit den Worten:

Um Gotteswillen, Carlo, es ist überflüssig, er verreckt in diesem Augen­blick, Dein Schuß könnte Leute herbeirufen, denn die Landstraße ist nahe und nicht weit von hier wohnen Menschen."

Nun, so laß uns ihm wenigstens die Taschen leer machen."

Rühre ihn nicht an, Du Vieh," erwiederte Tomasio, er hat nicht viel Kupfer bei sich, und um der Uhr ist es nicht der Mühe werth, sich in Gefahr zu begeben. Wenn wir ihm nichts abnehmen, wird nie ein Verdacht auf uns fallen, denn man wird die That den Beweggründen persönlicher Rache zuschreiben. Sieh nur, wie seine Finger weiß und starr werden, komm, laß uns machen, daß wir fortkommen, die Paar Hundert Dollar sind ehrlich genug verdient."

Und die beiden Banditen kletterten rasch wieder über die Fenz und waren bald im Dickicht verschwunden.

Es war eine klare Helle Nacht, der volle Mond stand hoch am Himmel, umgeben von seimr Heerde, den Tausenden und Abertausenden von Sternen, Frieden und Ruhe herrschte in der Waldeinsamseit, kein menschliches Auge hatte die Unthat gesehen, nur das große allsehende Auge dort oben schaute herab auf die blutige That und ein Engel der Vergeltung schrieb sie nieder mit seiner Flammenfeder in das große Schuldbuch des ewigen Gerichts.

Neuntes Kapitel.

Es war am Morgen nach der im vorigen Kapitel beschriebenen Katastrophe, daß Harrt Gratman sich in der rosigsten Laune bereits früh in dem Privatzimmer seines Comptoirs befand. Er ging wie er in solchen Augenblicken zu thun pflegte, die Hände heftig in einander reibend, mit hastigen Schritten auf und ab, er pflegte nur dann lustig und guter Dinge zu sein, wenn ihm irgend eine Teufelei gelungen war. Er hatte von den Ereignissen des vorigen Abends noch keine Ahndung, doch ein Brief aus Saratoga, der ihm mittheilte, daß er Mutter und Schwester im Lauf des Tages erwarten könne, versetzte ihn in diese freudige Stimmung, denn seine Mutter hatte im Briefe ausdrücklich bemerkt:

Sobald ich angekommen bin, werde ich sofort nach Hoboken hin­überfahren, um mich mit Deinem Frauenzimmer zu arrangiren."

So mußte es kommen," sagte er zu stch selbst,Mama unterthänig und gefügig, wie ein Kind, wird jetzt einsehen, daß sie von jetzt an ihren Willen dem meinigen untervrdnen muß; sie wird alt und wird sich freuen, wenn sie mir die Besorgung ihrer Angelegenheiten unumschränkt allein überlassen kann, ich bin ihr unentbehrlich geworden, und sie muß schon gute Miene zum bösen Spiel machen; John w rd uns hoffentlich die längste Zeit beunruhigt haben, er gehört bereits zu den todten Zahlen; Eveline wiro stch nicht verheirathen, denn die Heirath mit Perry Myers wird unmöglich gemacht werden, und einen Andern nimmt sie nicht; Ellen ist im Süden und unter den jetzigen Verhältnissen werde ich ihren Mann mit einer Bagatelle abfinven; somit muß das ganze Vermögen, oder doch das Löwen-Antheil mir zufallen; dann ist cs immer noch Zeit, an eine reiche Frau zu denken, um am Ende ein Leben zu führen, wie ver Pascha

von Aegypten; um Gottes willen ernsthaft geblieben ! Ich werde es machen,

wie Julius Cäsar, welcher, als er im 32. Jahre seines Leden» ®iUf«uU Alexanders des Großen erblickte, ausrief du warst noch keine zwanzig Jahre alt, und hattest schon Vic halbe bekannte Welt erobert, und ich bin über dreißig,

und habe noch nichts gethan! Gewiß es wirv Zeit für mich, ich werve mich

daher auf Politik werfen und mich in den Congreß wählen lassen, und wenn es auch bloß darum wäre, meiner Mutter ein neues Felv zur Jntrigue zu eröffnen, es würde mich das sogar völlig mit ihr aussöhnen. Dock vorläufig muß ich jetzt daran denken, meiner büßenden Magvalena einen Mann zu verschaffen. Samiel hilf!" rief er, und drückte auf die Klingel, worauf Jansen sofort im Zimmer erschien.

Setzen Sie sich, lieber Jansen," redete Harri ihn an,ich muß Sie heute an Ihr Versprechen von neulich erinnern; haben Sie sich umgcsehen, und eine passende Partie für Maria ve Witt gefunden?"

(Fortsetzung folgt.)

i t i s ch e M rr n d s ch a u

P o l

Darmstadt, 16. Mai. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 25 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichcn Ministeriums des Innern, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

II. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post-Angelegenheiten, die Correspondenz nach Dänemark betreffend.

III. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 geneh. migten Umlagen zur Bestreitung von Communalbe- dürfniffen in den Gemeinden des Kreises Alzey.

IV. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Bensheim.

V. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse in den israeli­tischen R-ligionsgemcinden des Kreises Friedberg.

VI. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Ge­mäßheit des Art. 30 des Strafgesetzbuchs im Rcgie- rungsblait bekannt zu machender Straferkenntnisse der Gerichte der Provinz Rheinhessen.

VII. Ordensverleihungen. Seine König­liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu verleihen geruht: am 18. April dem ersten Elementar- Schullehrer Johann Conrad Bechtold in Schlitz, mit Rücksicht auf seine 50jährigen mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, das allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift:Für 50jährige treue Dienste;" am 5. Mai dem Gefangcnwärter im

Provinzial-Arresthause in Darmstadt, Anton Wolf, in Rücksicht auf seine 60jährigen treuen Dienste und am 6. Mai dem Domänenpfandmeister bei dem Rentamte Darmstadt, Johann Michael Kramer, das Ritterkreut zweiter Classe des Philipps-Ordens.

VIII. Namensveränderung. Seine König­liche Hoheit der Großhcrzog haben allergnädigst ge- ruht: am 2. Mai der Maria Catharina Krailing aus Mainzlar zu gestatten, in Zukunft den Fami­liennamen Klinkel zu führen.

Darmstadt, 19. Mai. Das gestern erschienene Regierungsblatt Nr. 26 enthält:

I. Gesetz, die Todes-rklärung von Personen, welche an dem Feldzuge des Jahres 1866 Theil genom­men haben und vermißt werden, betreffend.

II. Reglement, das Verfahren bei Anträgen auf Zurückstellung Militärpflichtiger in Berücksichtigung häuslicher k. Verhältnisse betreffend.

III. Namensveränderung. Seine König- liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 9. Mai ver Catharina Becker zu Ebcrstadt zu gestatten, statt ihres bisherigen Fami- liennamens Becker in Zukunft den Familiennamen H i n d e r m e y e r zu führen.

IV. Ertheilung von Erfindungspaten­ten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 25. April dem Ingenieur Peter Barthel aus Büttelborn, als Bevollmäch­

tigten des Maschinenbauers Peter Corsitz Möller und des Civil-Jngenieurs, Fervinand Walter, beide zu Leipzig, auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspa­tent auf den durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten Apparat zur Übertragung von Wärme, dem Wagnermeister Johannes Phi­lipps VII. zu Fauerbach im Kreise Friedberg, auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Con- struction eines Schaufel-Wendepflugs, den Ma­schinenfabrikanten Gebrüver Decker und Comp. in Canstadt auf deren Nachsuchen ein ErfinvungSpatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction einer Maschine zum Schälen und Rollen von Gerste und anderen Fruchten,- am 2. Mai den Ingenieuren Jean Baptist Camvzzi aus Mainz und Hermann Julius Schlösser aus Darmstadt, beide zu Frankfurt a. M. wohnhaft, auf deren Nachsuchen ein ErfinvungSpatent aus die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Con- struction einer selbstwirkenven Metallvichtung für Stopfbüchsen, dem Schlossermeister Heinrich Emmcl zu Darmstadt auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Be- schreibung näher erläuterte Construction eine« Ven­tils zum sichern Abschluß von Brunnen und dem Maschinenfabrikanten Johann Philipp Klein in Of­fenbach auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die vurch Zeichnung und Beschreibung näher erläu-