Militair-VorbereiLunB-Anstalt f. b. Offizier-Fühnrich-Seecadettm- und Frei- milligen-Examen (23. März). Standesgemäße Pension. Ausführl. Prospecte sind durch die unterzeichneten Dirigenten und in allen renommirten Buchhandlungen Deutschlands zu beziehen. 1940)
Jochens, Major z. D., W. Mayer,
Lehrer am Cadettencorps, Berlin, Berlin, Blumenstr. 4. Niederwallstr. 21.
1960) In ein Eisen- und Colonial- Geschäft nächster Nähe wird ein Lehrling gesucht, der sogleich eintreten kann. Näheres bei der Exped. d. Bltts._____________________
Zur Nachricht!
1936) Zusammenkunft zu der Freitag den 27. März l. I. stattfindenden Control- Versammlung in der Stein'schen Wirth- schaft in der Neustadt. Abmarsch von dort 8.i/2 Uhr.
1845) Meinen Unterricht im Französischen und Englischen bringe ich hiermit in empfehlende Erinnerung.
Lehrer W. Plaut, im Schwanen.
1852) Ein Junge ordentlicher Eltern, welcher Luft hat, die Eonditorei zu erlernen, kann unter günstigen Bedingungen zu jeder Zeit eintreten bei Conditor Sattler.
wird in wöchentlichen Sendun- gen pr. Casse zu kamen gesucht, gut getrocknet und gesalzen, also haltbar. — Offerten erbittet W. Senftleben in Berlin, Fischerbrücke 19. (1901)
Briefkasten.
Den Einsendern des Nachrufs „An Nexer!", welche die Veröffentlichung desselben im Anzeiger nochmals dringend verlangen und im Weigerungsfälle damit drohen, ferner nicht mehr auf den Anzeiger abonniren zu wollen diene hiermit zur Nachricht, daß der.Nachruf deshalb keine Aufnahme gefunden hat weil der Inhalt alle und jede, einem Verstorbenen schuldige Achtung ganz und gar außer Acht läßt; man kann solches Machwerk wohl einmal im engeren Freundeskreise anhören, aber zum Abdruck in einem Blatte ist es durchaus nicht geeignei. Der größte Theil unserer Leser würde uns dies nur verübeln. — Hätten die Einsender sich nicht hinter die Anonymität versteckt und persönlichen Aufschluß wegen der Nichtaufnahme des fragt. Nachrufs verlangt, so wären sie aus das Verletzende des Inhalts von uns aufmerksam geinacht worden und wir zweifeln nicht, daß ihr Zartgefühl die Richtigkeit unserer Ansicht gefunden haben würde.
Die Redaction des Gießener Anzeigers
Theater in Gießen
Zum
78
Ducaten
5
Börseimachrichten.
24. März 1868.
57-/2-58'/- 49-51 50-52 54-56 37-39
30-31 54-58
50-52 28-29
Geld Sorten.
Pr. Gass. Sch. 1 443/4-45
Sonntag den 5. April: Letzte Boo stellung. W. Kern, Direktor.
5% National 55
50/0 Metall. Obi. — M. steuerf. 51%
(Im Caf« Leib.)
Freitag den 27. März 1868.
Benefiz des Schauspielers Max Busch.
Zum Erstenmale:
Weibetthränen wirken
Wechsel.
Amsterd. k. 8. 100%
Augsb. k. 8. 993/4 Berlin k. 8. 105
Bremen k. S. 98
Cöln k. 8. 1047/8
Hamburg k. 8. 883 2
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 1193/<
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 95% Wien k. 8. 103%
Disconto 3% G.
20 Frankenst. 9
Engi. Souver. 11
Buss. Imper. 9
Doll, in Gold 2
Actieii.
Frankf. Bank 124
Oester. Bank 730
„ Creditact. 195 Hz Darmst. Bankact. 232
Preuss. 4%% Obi. 95s/s Frankf. 3%% Obi. 81 Nass. 41/2% Obi. 94%
Kurh. 40/0 Obi. 89%
Hess. 40/o Obi. b. Roths. -— „ 31/2(1/0 do. do. -
Bayer. 5% Obi.' 102% n 4,/2°/o 1jährige 93% n 4-/2% -/2jährige 93%
Würtemb. 4‘/20/0 Öbl. 93% Baden 4'/2% Obi. c. E.L. 935 Oestr. 50/0 b. R. 64%
Amer. 6% 1882r Bds. 75% „ 6% 1885r 733/4
Div. Cass.-A.
Pr. Friedrdor. 9
Pistolen . . 9
„ doppelte 9
Holl. fl. 10 St. 9
Aus Christen, Inden, Türken!
Lustspiel in 1 Akt, von Hörner.
Hierauf: Monsieur Merkules. Posse in 1 Akt, von Belly. Zum Schlüsse: Das Versprechen hinterm Herd. Alpenscene mit Gesang in 1 Akt, von Bauman n.
Zu dieser Vorstellung ladet ergebenft ein Max Busch.
1928) Ein Dienstmädchen, welches bürgerlich kochen kann und Hausarbeit versteht, kann sofort eintreten bei
PH. llhl, Seltersberg.
1929) Ein Lehrling
wird in eine hiesige Handlung gesucht- Eintritt kann sofort erfolgen. Näheres bei der Exped. d- Bltts.______
1686) Von einer bedeutenden, auf solider Basis beruhenden
Lebensversicherungs-Gesellschaft werden cautionsfähige Vertreter unter sehr vortheilhaften Bedingungen gesucht. Franro- Adressen nebst Angabe der Referenzen sub JF. II. 8 befördert das allgemeine Annonccn- Bureau von
Jacob Türkheim in Hamburg.
Prioritäten.
5»/o östr. F. St. E. B. 260% Ludwigsh.-Bexbach 156% Maxbahn 106%
Bayer. Ostbahn 120% Hess. Ludwigsbahn 132% 30/o östr. Stsb.-Prior. 52 3% östr. s. Lombard. 43% 3% Livorneser 27% Toscaner 41%
Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 73% do. II. Emiss. 70%
Anlehensloose.
Kurh. -iO Thlr. Loose 55% Nassau fl. 25 b. Roth. 35% Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144% Gr. Hess. fl. 25 b. R. 38% 4% bayr. Präm. Anl. 98% 4% badische Loose 98% Badische fl. 35 Loose 51% 1858r Prioritätsloose 136% 1860r Loose 72% 18641- „ 88%______
Feuilleton.
Das Testament des Großonkels.
Erstes Capitcl.
Die Paläste der Ncw-Iorker feinen Welt in der fünften Avenue sind schon so oft beschrieben worden, daß wir cs für überflüssig halten, eine lange Schilderung Eines tiefer luxuriös eingerichteten Braunsteinhäuser zu geben; wir über- lassen es dem Leser selbst, sich nach seinem Geschmack einen dera.tigen Tempel des Luxus mit den buntesten Farben seiner Phantasie so blendend wie möglich auszumalen^ möge Alles von Sammet, Seide und Damast schimmern; möge Gold und Silber im Uebermaße verschwendet sein; möge die Kunst ihre Schätze hergegeben haben, um die Hallen und Gemächer auszuschmücken, wir erlauben uns, über diese Decorationen des Dramas, welches wir vor den Augen unserer Leser zu entwickeln gedenken, hinwegzuschlüpfen uns gleich auf die Personen überzugehen, die in demselben handelnd auftreten w-rden.
Zwei Frauen, die Eine über die Mitte der Jahre hinaus, die Andere in der vollen Blüthe des Jungfrauenalters, Mutter und Tochter, sind allein in dem großen Doppelsaale des Erdzefchosses, die Erstere zurückgelehnt im Divan, die gefallene Stirn in Vie Hand^ gestützt, den Blick unverwandt auf den Boden gerichtet; die Andere auf einem Schemel links zu ihren Füßen sitzend, den rechten Arm auf ihren Schooß gelehnt und die Augen unverwandt auf die Mutter gerichtet, wartend, daß jene das -schweigen brechen möge. Doch wer sie so zusammen gesehen, Mutter und Tochter, würde kaum geglaubt haben, daß heilige Bande des Blutes sie vereinten, denn fe tt verwandter Zug in den Gesichtern »erriet^ die Ä.rwanvtjchaft. Oie Aeltere mit ihrem marmorbleichen Antlitz, ihren großen schwarzen leuchtenden Augen, dunkelbraunem, fast schwarzem Haar, in welchem noch kein Grau sich zeigte, mit der hohen Stirn, der regelmäßig getonnten, dem ovalen Antlitz angemessenen Nase, der kleinen schneeweißen Hand, aus deren Oberfläche einige blaue Adern schimmerten, mit der noch immer elastischen Taille, Vie auf eine wohlgeformte, schlanke Gestalt mittlerer Größe schließen ließ, schien eine Frau in ven vierziger Jahren, — und voch stanv sie an Der Schwelle De« sechzigsten. Das düstere Feuer, welches in ihren Augen brannte, hätte eher auf eine Tochter des Südens schließen lassen, als auf eine Tochter des kalten Nordens, in deren Adern anglo-germanifches Blut rollte. Eben so war auch die Tochter, wenn sie freilich schon lange vie Schwelle des Jungirauen- altcrs überschritten hatte, doch noch eine jener ätherischen Gestalten, bei deren Anblick man an die Pilger des Rheins denkt, an Evelyn und Tressylian, und an die Tänze der Elfen ; das leicht geröthete Gesicht, die sanften blauen Augen, der halb geöffnete, erwartungsvoll lauschenve Mund, durch veffen Rosenlipp n die weißen Peclenzähnc hervorschimmerten, das ganze liebliche Antlitz von einer Wolke blonden seidenen Haares umflossen, der kmvliche Ausdruck in ihren Zügen Dienen das Phantasiegedilve ver Dichtung eines MährchensängerS verkörpern zu wollen.
Die Mutter schien kaum der Gegenwart ihrer Tochter bewußt zu sein, als sie nach langem Sinnen das Haupt erhob und dann wievex in einen Brief blickte, ven sie geöffnet in der Hand hielt.
„Er kommt!" flüsterte sie, „er kommt!"
„Bruder Harri kommt?" fragte jetzt Eveline, „ist es wahr, Mama, Bruder Harn kommt?" Venn bas Postzeichen des von Lonvon gekommenen Briefes, sowie die bekannte Handschrift hatten ihr längst den Schreiber desselben verrathm. Doch als ihre Mutter immer noch nicht antwortete, fügte sie zögernd hinzu:
„Aber was ist Dir, liebe Mutter? Ist es Dir nicht lieb, daß Bruder Harri kommt? Du hast doch noch gestern geäußert, Du wünschtest, daß Harri jetzt nach zweijähriger Abwesenheit wiever zu uns heimkehren möge."
„Wenn er allein käme, Eveline, — o, wie freudig würde ich ihn empfangen, wie liebevoll würve ich ihn in meine Arme drücken. Wäre er doch nur erst hier, um uns nicht mehr zu verlassen, denn ich bedarf seiner! Freilich kommt er, und zwar bald, —- aber er kommt auch!"
„Und wer kommt noch?" fragte Eveline.
„Run, er, der Andere, — Du weißt, — dessen Namen ich nicht nennen mag." Eveline stieß einen Seufzer aus und schwieg, die Mutter aber fuhr fort: „Soll ich denn niemals Ruhe haben vor Diesem, dessen Dasein sich wie rother Faden durch mein Leben zieht! Soll mich dieser Geist ewig verfolgen, und mir keine ungestörte Stunde lassen. Wie oft habe ich schon geglaubt, sicher geglaubt, der Himmel habe diesen vrückenven Alp von mir genommen, doch nein ! jedes Mal, wenn ich mich am sichersten fühlte, wenn ich sicherlich mich dem an- genehmen Wahne hingebcn zu dürfen glaubte, cs stehe jetzt Niemand mehr auf meinem Wege, wenn ich sicher sagen zu dürfen glaubte, ich habe über Alle triumphirt, die es gewagt haben, sich mir zu widersetzen, Alle, Alle, sinv dahin, nur ich allein bin übrig geblieben, mächtig, reich, angesehen und glücklich — ja glücklich, Venn ich will glücklich sein, ich kann glücklich sein, denn ich bedarf der Menschen nicht! — Da taucht jedes Mal dieser Unselige wieder an meinem Horizonte auf, und ich zittere vor dieser Erscheinung, die ich nicht zu bannen vermag, vie an mich geheftet scheint, wie ein Verhängniß."
—Sie hatte sich nach Viesen Worten erhoben unv ging mit langsamen Schritten im saal auf unv nieder.
„Was ist aus den Andern geworden?" fuhr sie fort, „sie sind Alle dahin! Die Wissenschaft, das Talent, die Liebe, Die Verwandtschaft und selbst das Geld, — mich konnten sie nicht besiegen; doch ich habe sie besiegt, zerschmettert und zertrümmert, und über ihren Trümmern bin ich festen Fußes dahin gewandelt, und das Schicksal und ich, wir bieiben uns immer treu. Dieser war der Letzte! Welcher Kampf mit ihm bis zu seinem zwanzigsten Jahre! Welche Leiden hatte ich ihn nicht dulden lassen, die hundert Andere zur Verzweiflung gebracht hätten, doch er widerstand — wie habe ich nicht seine innersten Gefühle des Herzens auf's Tiefste verwundet, daß fein Herz, wäre es das eines Kindes gewesen, hätte brechen müssen, — ich habe selbst das Andenken seines Vaters nicht geschont, denn das war ver einzige Punkt, wo er verwundbar war, — doch nein, trotzig hat er mir unverstanden bis zum letzten Augenblick, und alle meine Pfeile sind machtlos an diesem Einzigen, mir so Fürchterlichen abgeprallt."
Eveline weinte leise.
„Rege Dich doch nicht so auf, Mutter," sagte sie, „er ist ja noch nicht hier, und wenn auch, was kann er Dir wollen?"
Die Mutter, ohne auf viesc Unterbrechung zu achten, fuhr fort:
„Er wurde fünf und zwanzig Jahre, ich zog eine unübersteigliche Scheidewand zwischen uns — wenigstens so glaubte ich, und was auch die Welt sagen mochte, ich blieb fest, in diesem einen Punkte blieb ich fest, mein Wort war un- wiverruflich, denn das mütterliche Haus schloß sich ihm auf immer. Ich glaubte, der Tag des Triumphes sei für mich gekommen unv er werde unter den Tausenden von Menschenwogen dieser großen Metropole verschwinden, ja, ich hoffte, vie Gerechtigkeit hätte sich vielleicht seiner erbarmen können — doch nein, er ging nach Mexiko, blos mir zum Trotz, denn ich war gezwungen, mir Lobeserhebungen darüber machen zu lassen, daß mein Sohn für das Vaterland kämpfe. D e Nachricht der Schlacht von Monterey brachte ihn mit auf die Liste Der Vermißten, ich athmcte freier, die Mexicancr hatten alle Gefangenen getödtet, — doch nein, er war gerettet worden, — Tausende wurden verwundet, und er mit, — Tausende starben an ihren Wunden, doch er starb nicht, — der Krieg war zu Ende, er kehrte nicht heim, er blieb im Süden, in New-Orleans, — das gelbe Fieber raffte Tausende dahin, doch er blieb leben, — zwei Male war er dem Tode nahe, doch nein, er mußte leben um Meinetwillen. Ich wußte Alles, was er ließ und that, ich kannte sein ganzes Leben, doch weder Seuche noch wüstes Leben konnten ihn brechen und so sah ich ihn endlich nach drei Jahren hier in New Jork wiever. O, Eveline, Du weißt, was wir gelitten."
„Damals war Ellen noch bei uns, liebe Mutter," erwiederte diese, „wir reisten nach Saratoga in's Bad und gingen noch auf zwei Monate nach Havanna, Bruder Harri holte uns nachher ab, ach, Mama, das war eine traurige Reise."
(Fortsetzung folgt.)


