Meilage zu Ar. 152 des Hichener Anzeigers.
Frischbäcker zu Ließen.
Am 1. Weihnachtsfeiertage. Louis Kämmerer auf dem Seltersmeg. Am 2. Weihnachtsfeiertage. Chr. Jughardt in der Wallthorstraße. Heinrich Plank in der Neustadt-
Kirchliche Anzeigen.
Lvangeüsche Gemeinde zu Hießen.
G o t t e s d i e n st.
Am I. Weihnachtsfeiertage, den 25. December.
Morgens: Pfarrer Landmann.
Nachmittags: Mitprediger-Vikar Drescher.
Am II. Weihnachtsfeiertage, den 26. December.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Mitprediger-Vikar Lips.
(Collecte für die Stadtarmen.)
Am Sonntag nach Weihnachten, den 27. December.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Mitprediger-Vikar Vigelius.
Kopulirte.
Den 20. December. Georg Dörr, Bürger und Kaufmann dahier, des hiesigen Bürgers und Schuhmachermeisters, Jakob Dörr, ehelicher Sohn; und Wilhelmine Katharine Münch von hier.
Beerdigte.
Den 18. December. Sophie Luise Wilhelmine Egly, des Bürgers und städtischen Polizeidieners dahier, Peter Egly, eheliche Tochter, alt 2 M. 10 T., gestorben den 17. December.
Den 21. December. Luise Wilhelmine Marie Karoline Wenzel, des Bürgers und städtischen Flurschützen, Adolf Wenzel, eheliche Tochter, alt 9 M- 12 T., gestorben den 19. December.
Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woch besorgt Pfarrer Dr. Seel-
Börsennachrichten.
22. December 1868.
Prioritäten.
5O/o östr. F. St. E. B. 300
Wechsel.
Amsterd. k. S.--991/2 Augsb. k. 8. 99s/a Berlin k. S. 105 Bremen k. 8. 963/4 Cöln k. S. 1047/8 Hamburg k. S. 877/8 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119 V4 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 943/4 Wien k. 8. 99>/8 Disconto 3*/26/o Q.
Preuss. 41/2<>/q Obi. 93>/2 Frankf. 31/2% 0dl. 8I3/4 Nass. 4i/.;0/0 Obi. 943/<
Kurh. 40/o Obi. 877/g
Hess. 4o/o Obi. b. Roths. 901/2 „ 31/26/0 do. do. 86i/4
; Bayer. 50/0 Obi. 1021/4
„ 41/26/0 1jährige 963/8
, 41/26/0 i/ojährige 96Ve Würtemb. 41/2% Öbl. 9 45/s Baden 41/26/0 Obi. c. E.L. 943/4 Oestr. 56/o b. R. —
„ 5% National 52*/a
, 50/0 Metall. Obi. —
„ M. steuert. 523/8
1 Amer. 60/0 1882r Bds. 793/8 „ 66/0 1885r 781/4
Maxbahn 106
Bayer. Ostbahn 127
Hess. Ludwigsbahn 139
36/o östr. Stsb.-Prior. 541/4
36/o östr. s. Lombard. 443/4
3% Livorneser 313/4
Toscaner 493/8
Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 56/o Elisabeth-Prior. 733/4 do. II. Emiss. 73*/4
Geldsorten.
Pr. Gass. Sch. 1 4«3/4-45 Div. Cass.-A. —
Pr. Friedrdor. 9 57-58 Pistolen . . 9 48-50 „ doppelte 9 49-51
Holl. fl. 10 St. 9 54-56 |
Ducaten . . 5 35-37 20 Frankens!. 9 261/2-271/, Engi. Souver. 11 52-56 Ruse. Imper. 9 49-51 Doll, in Gold 2 26i/,-27i^j
Anlehenadoose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 541/2 Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 167>/4 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 43 4°/o bayr. Präm. Anl. 103 >/2 4% badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 543/8 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 785/s 1864r , —
Aetien.
Frankf. Bank 122>/, : Oester. Bank 654 „ Creditaot. 2321/8 j Darmst. Bankact. 2581/2
Frucht- und Mehrpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.
Fruchtmärkte.
Decbr.
Waizen.
Korn.
Gerste.
Spelz.
Hafer.
Erbsen.
Linsen.
Wicken.
Kartoffeln.
Roggen mehl.
Auf dem Markt
Mt-- preis
Auf dem Markt
Mül preis
Auf dem Märkt
Mt.- preis
Auf dem Markt
Mt.7 preis
Auf dem Markt
MD preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
preis
Auf dem Markt
Mt^ preis
Auf dem Markt
Mt.- preis
i
5
§ ®
verk.
fl.
kr.
a «
verk.!
fl.
kr.
'Ist? e «
verk.
fl.
kr.
auf- gef.
verk.
fl.
kr.
auf- gef.
verk.
fl.
kr.
auf: gef-
| verk.
fl.
kr.
§ ®
perf-j
«■
kr.
auf- gef-
verk.
fl.
kr.
auf. gef-
verk.
fl.
kr.
fl.
kr.
fl.
kr.
Gießen Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz
M.
M.
M.
M-
M.
M-
M.
AN.
M.
M.
M.
M.
M.
DJt.
M.
yjt.
M-
19.
19.
12.
20.
2
15
2i
92s
6 442
11
11
11
11
20
24;
20
59;
111
136
7
6
7
57
6
5
7
7
7
7
30
20
30
18
Illi
Illi
11
121
11 651 10z 28
5
5
5
5
15
10
rr'i
1
7
3j
9
10
10
40
14
—
—
—
—
—
14;
28
8
9
9
33
20
8
1
50
20
—
—
41
—
—
—
—
—
—
—
—
1
40
—
Normalgervicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
Feuilleton.
Unschuldig und doch nicht schuldlos.
Criminalnovelle von Julie Düngern-
(Fortsetzung.)
Ein Gefühl des Neides überflog Flora, als sie die beiden ruhigen Gestalten erblickte, welche olles Erdenlcids überhoben waren. „Wer auch so daliegen könnte," war ihr erster Gedanke, „wer cs wohl sein mag," ihr zweiter. Mechanisch sah sie sich um; auf dem Tische lag eine geöffnete Brieftasche, sie war sicher, um in die Augen zu fallen, hierher gelegt woeden, allein in dem Trvu- bel und Schrecken hatte Niemand daran gedacht. Ein blitzartige Eingebung schoß durch Flora's Gehirn. Das oberste der Papiere war offenbar ein Paß, das steife Papier und. das Wappen bekundeten es als solchen. — „Wie wäre es, wenn wir mit den Todten die Namen wechselten und für die Welt tobt blieben," war ihr Gedanke. Sie hatte ihren beiderseitigen eigenen Paß noch in der Hand, weil sie in dem Moment, wo sie denselben hervorgcsucht, durch den Lärm gestört worden war. Mit raschem Blick sah sie sich um, Niemand beachtete sie. Der Wirth hatte soeben einen Handspiegel an den Mund der Todten gehalten, Alles blickte begierig auf das Resultat. Mit rascher Hand ergriff Flora das Papier und legte das eigene an die Stelle. Die Uebrigen sahen gerade nach der Thüre, wo eben der Arzt sichtbar wurde. Mit brechenden Knieen eilte Flora an ihm vorüber zum Zimmer hinaus in das ihre, wo sie tiefes Dunkel umfing und ein tiefes Grausen sie erfaßte. Tappend näherte sie sich dem Bette; um jeden Preis mußte sie ein Wort von den Lippen ihre« Mannes hören, für welchen sie eigentlich die That gethan, wenn sie nicht vor Schrecken und Angst vergehen sollte! Endlich hatte sie bas Bett erreicht. Ihre zitternden Händen tasteten nach denen ihre« Mannes, leise nannte sie seinen Namen. Welch ein Seligkeitsgefühl überfluthete ihr Herz, als er auch den ihren nannte, bei Besinnung war, und sie fragte, warum sie so im Dunkeln weile. — Offenbar hatte er geschlafen; die kurze Ruhe, — es mochte kaum eine Stunde sein — hatte seine Nerven beruhigt, die wilden Phantasien seines Gehirns beschwichtigt. Jedenfalls mußte sie zuerst in seinen Zügen die Bestätigung seines Befferbefindens lesen, ehe sie ihm Alles sagen durfte. Nahe dem Bette war die Klingel, das Zimmer- mädchen erschien, Flora bat um Licht. DaS Mädchen bat um Verzeihung, die Dame so schlecht bedient zu haben. „Aber wir sind in solcher Bestürzung, Madame; Sie haben sie ja auch gesehen. Arme junge Leute! Der Doktor sagt, sie seien Beide schon vor einer Stunde gestorben!" Flora winkte ihr zu schweigen. Die Dienerin sah jetzt erst, daß der Herr im Beite lag, und fragte, ob sie vielleicht den Arzt schicken solle, er sei noch im Hause und bleibe da, bis die Polizei gekommen sein werde, um seine Aussage abzugeben.
„Was soll die Polizei," fuhr der Doktor auf. —
Flora dankte dem Mädchen, indem ihr Mann besser sei, und winkte ihr nochmals, das Zimmer zu verlassen. Als dies geschehen war, trat sie an den Tisch und indem sie dem Bette den Rücken wandte, entfaltete sie das Papier, welches sie drüben bei den Todten geholt hatte. Es war ein Paß für Herrn und Frau Derbert, wohnhaft in New-Iork, welche, wie es schien, feit drei Mo- unten auf Reisen waren. Das Signalement paßte so ziemlich. Flora legte das Papier befriedigt bei Seite.
Ein tiefes Aufscufzen ihres Gatten rief Flora an dessen Bett; zärtlich umschlang sie sein Haupt mit ihren Armen, er sah sie mit Thränen in den Augen an. „Mein armes kleines Lieb', was für trübe Tage hast Du gleich im Anfänge mit mir zu durchleben. Ich fühle mich zwar besser, aber der Gedanke an
die Schande und Qual, welche unserer noch warten könnte», obwohl wir unschuldig sind, macht mich schauern." —
Flora zog seine Hand an ihre Lippen. „Bist Du stark genug, eine Entscheidung zu fassen?" sagte sie fest; „Dein Weib hat vielleicht vorschnell gehandelt und es könnte fein, daß in ein Paar Minuten noch Alles zu ändern wäre, darum muß ich Dir jo rasch als möglich beichten." Sie eilte zur Thüre, schob den Riegel vor, um vor Ueberraschung zu sichern, und berichtete nun mit fliegenden Worten, was sie gethan, holte Licht und den Paß herbei, damit ihr Mann einen Blick darauf werfe, und sagte bann: „Jetzt entscheide, Geliebter, ob der Betrug, den ich um Deiner Ruhe Willen verübt, und welcher den Todten da drüben weder schaden noch nützen kann, in Wirksamkeit bleiben soll; ob Dein Name und Andenken mit diesen Unglücklichen begraben werden wird und wir ein neues Leben unter neuem Namen beginnen wollen? Die Welt ist weit, selbst wenn Du später unter einem fremden Himmel«striche wieder als Doktor Dollus auftreten willst, so kann Dir dieser Paß doch dazu dienen, unerkannt und unbeschimpft von übler Nachrede durch Europa zu kommen!"
Tiefathmend hielt sie inne, ihr Herz klopfte in heißer Erwartung, wie ihr ihr Gatte den Tausch aufnehmen möge, und ob, wenn er denselben mißbillige, es noch Zeit fein würde, vor dem Gerichte nochmals hinüber in das Zimmer der Todten zu gelangen! —
Auch der muthigste, charakterfesteste Mann hat Nerven, welche durch Angst, Sorge und besondere Stimmung bei manchen Gelegenheiten nicht den Schatten des Mannes zeigen, welcher er in in anderen wieder fein würde. Vielleicht hätte der Doktor auch nicht so leicht in die Täuschung eingewilligt, wie er e« that, wenn es sich um ihn allein gehandelt hätte, aber er galt auch Flora's Ruhe, denn natürlich würde auch sie abermals in diese unselige Geschichte hinein- gczogen werden; ihr Mann aber hatte in den letzten Monaten hinlänglich sich überzeugen können, wie leicht es möglich ist, einen unbescholtenen, fleckenlosen Namen und Charakter in den Schmutz einer gerichtlichen Untersuchung gezogen, und wenn auch freigesprochen, doch ferner mit dem Mißtrauen betrachtet zu sehen, welchen solche gerichtliche Proeeduren auf die betheiligten Individuen werfen. Der Doktor also willigte nicht allein in den Tausch, er bewunderte auch sein junges Weib um der Entschlossenheit willen, mit welcher sie für seine fernere Lebensruhe gesorgt hatte. Mit einem Male war durch den mächtigen Eindruck, welchen'das Geschehene auf seine Nerven ausübte, fast jede Spur von Krankheit von ihmMnommen, und außer einem großen Gefühl von Schwäche, — was von dem heftigen Fieberanfall herrührte, — fühlte er Kopf und Herz frei und leicht, wie ein-Mann, welcher langer Haft glücklich entronnen, auf einmal die verfolgenden Feinde wieder auf feinen Versen sieht, zum zweiten Mal gerettet wird und sich nun mit tiefer Befriedigung umsieht und sich Ruhe giebt, weil er sicher fein kann, daß die verfolgenden Häscher seine sichere Zuflucht nicht erreichen werden!
Nur Eines war es noch, was dem Doktor Sorge machte. Wie, wenn die nun von der Welt Geschiedenen noch einen Abschiedsbrief an ihre Verwandten hinterlassen, wenn irgend ein anderes Erkennungszeichen noch dageblieben wäre! Ferner, wie stand es mit dem Gelbe? Wenn er auch den Namen annahm, durfte er doch nichts von dem fremden Eigenthum auf feine Verwandten kommen lassen, was offenbar geschehen würde, wenn der Tod des Doktor Dollus ton* statirt würde!
..(Schluß folgt.)


