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Feuilleton.

Gedichte

von H. A.

9.

Im Mai.

Es füllt ein lustiges Klingen Die ganze weite Welt, Die Menschen, die Vöglein springen Auf Berg und Thal und Feld.

Und Wolken ziehen am Himmel, Von scheidender Sonne belacht, Die Stern' in buntem Gewimmel Beginnen das Lied der Nacht.

Sie singen das Lied der Lieder Aus eignem Herz heraus, Allnächtlich allsam wieder Und singen es niemals aus.

10.

Unter der Linde auf der Haide Da lagen wir beisammen beide;

Das Gras und die Blumen geknickt wohl sind, Sie waren so schön wie du, mein Kind!

Und es sang, ach es sang vor'm Wald im Thal So wunderlieb die Nachtigall.

Auf dem Grabe unter der Weide, Da lieg ich nun zu deiner Seite; Das Gras und die Blumen erblüht da sind, So schön, wie du einst warst, mein Kind! Und es singt, ach es singt vor'm Wald im Thals Roch immer still die Nachtigall. i

11.

Tisch lied.

Wer aus schweren Wettern sich, Oder krummen Wegen, Aus des Glückes Sonnenstichs Rasch verblühtem Segen Fein gerettet, laden wir Frei zu unserm Tische, Daß bei Sang und Klang er hier Herz und Leib erfrische.

Drum das erste Glas gebracht, Recht mit wildem Sturme, Daß es Muth und Frohsinn macht Jedem armen Wurme: Jener Kraft, die immer schafft, Ruh'n nicht mag und rasten, Die aus Druck und Last sich rafft Stets zu neuen Lasten.

Froh und reich ist der Gewinn, War's ein heißes Streiten, Darum soll ein frischer Sinn Rechten Kampf nie meiden. Was nun Jedem weiterhin Kopf und Herz ^durchwebe, Faß' er in ein Sprüchlein nur, Daß es lustig lebe!

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung.)

Das ist ein Unglück! dachte der Bürger Chateauneuf. Der verwünschte Mensch will mir gar nicht gefallen und seine Anwesenheit an diesem Orte hat nichts Gutes zu bedeuten.

Aber der Muscadin besaß ein vortreffliches Mittel, sich den Anschein größ­ter Fassung und Kaltblütigkeit zu geben; er brauchte nur plötzlich, ganz ex ab­rupto, seine freche Unverschämtheit zur Schau zu tragen. Das Mittel ist häu­fig von glücklichem Erfolg unv wird nicht ganz selten angewandt; indessen sind wir weit entfernt, es unserem geehrten Leser zu empfehlen.

Der Mann im grauen Rocke war etwa dreißig Schritte von Herrn Cha- leauneuf entfernt, und dieser gab sich den Anschein, ihn gar nicht zu bemerken. Mit seinem Lorgnon vor dem Auge schien er völlig in die Betrachtung der Land­schaft vertieft. Der Fremde näherte sich ihm bis auf sechs Schritte, ohne ein Wort zu reden; dann blieb er stehen und begann sich zu räuspern, als wolle er hierdurch ein Gespräch anknüpfen.

Sacrebleu! rref der Muscadin, sich Höchst überrascht stellend. Wer, zum Kukuk, hustet da?

Bürger, antwortete der Fremde, es thut mir leid, Euer Entzücken zu stören. Ich wollte Euch bitten - . .

Man pflegt nur Gott und die Heiligen mit Bitten zu belästigen, Bür­ger, gab Herr Chateauneuf trocken zurück. Gott bin ich nicht. Was die Hei­ligen betrifft, so wißt Ihr oder sollt Ihr wissen, baß es deren seit dem repu­blikanischen Kalender keine mehr giebt.

Zürnet mir nicht, Bürger, sagte ber Mann im grauen Rocke, ohne näher heranzutreten. Wollt Ihr mir einen Gefallen thun ?

Laßt hören, versetzte Chateauneuf, sein Lorgnon wieder in's Auge kneifend.

Ihr scheint diese Insel zu kennen. Wißt Ihr, wo ein Haus liegt, welches die Fischerbütte oder vie alte Mühle heißt?

Vorab, Bürger, antwortete der Muscadin, betrete ich die Insel heute zum ersten Mal; und da die alte Mühle und die Fischerhütte Euch dort links gerade vor der Nase liegen, erlaubt mir, ungenirt meine Landschaft zu betrachten.

Ah! sagte der Fremde, anscheinend ohne die unverschämte Art, mit der man ihm antwortete, zu bemerken. Also dort hält sich der Emissair Bonaparte's versteckt, den ich verhaften soll unv den die Regierung erschießen lassen will . . . Ah, ah! Dank, Bürger.

Der Stich war gut berechnet, und jeder andere als Chateauneuf hätte seine Aufregung durch ein nervöses Zittern verrathen.

Was brummt Ihr da, Bürger? begnügte er sich, zu bemerken. Ihr habt Lust, Jemanden erschießen zu lassen? Ihr? . . . Rur zu!

Unv Herr Chateauneuf setzte gelassen seine Lanoschaftsbctrachtungen durch Vic Lorgnette fort.

Der Mann im grauen Rocke fühlte sich offenbar fast abgetrumpft. Jndeß

PoLitifebe

Ist Euch der Hauptmann Reymond bekannt, Bürger? fragte er.

Gewiß! antwortete der Muscadin. Wie geht es dem lieben Haupt­mann? .

Augenblicklich gut, aber sehr schlecht für Vie Zukunft. Ja, er scheint mir fast verloren

Aha, sagte Herr Chateauneuf, deshalb wohl haben sich alle Spürhunde der Polizei aufgemacht, ihn zu suchen! , _

Ihr versteht mich also nicht, Bürger? Gestern tm Hasanen legtet Ihr doch viel Verstand an den Tag.L

Vielleicht weil ich Euch durchschaut habe, Burger? fragte Chateauneuf.

Allerdings, ganz wie ich Euch durchschaut habe, mein Fräulein.

Das letzte Wort zischte in vie Ohren des Herrn Chateauneuf und machte ihn leicht erbeben. Augenscheinlich hatte der Mann im grauen Rocke einen ent­schiedenen Vvrtheil über seinen Gegner erlangt. Das bedurfte einer eclatanten Rache. Der Muscadin schwor sich zu, daß ihm diese nicht entgehen solle, und wenn er den frechen Polizeiagenten auf der Stelle tödten müsse, seine Lorg­nette einsteckend, trat er dicht vor den Menschen hin, der sich eine so persönliche Bemerkung erlaubt hatte. Die Arme über die Brust verschränkend, die Reit­peitsche nach der Schulter gekehrt, mit funkelndem Auge und vernichtend ironischem Lächeln sagte er: , . ,

Hört einmal ! wißt Ihr, wie man sich eines Hundes entledigt, der uns verfolgt, um uns zu beißen?

__ Erstlich bin ich kein Hund, antwortete der Graurock, und ferner suche ich Euch nicht zu beißen. , ,

Ader Ihr geht mir überall nach . . - vielleicht seid Hhr mir schon von Paris aus gefolgt?

- Der Fremde verbeugte sich, als wolle er sagen:

Ihr habt ganz recht!

Also die Regierung läßt mir nachspüren, mir! fuhr Herr Chateauneuf fort. Und wenn ich einen meiner Freunde aufsuchen will, schickt Vie Regierung ihre Polizeiagenten hinter mir Drein, um vcren Weg zu erhellen unv ihre Spür­hunde sicher auf vie Beute zu hetzen, welche sie packen sollen! Bei dieser Schand- tuat soll ich der Lockvogel, die Wachtel sein, welche durch ihren Schlag die übrigen Wachteln herbeilvckt, und Ihr, Ihr seid die Jäger! O, tu Regierung des Grasen Barras erniedrigt sich zu so unwürdigem Spiele und will mich dazu verwcnven! . . . Gut, sehr gut! Er hat ein Recht auf meine volle Dankbar­keit. Was Euch betrifft, dessen Name mir fremd, aber dessen Profession nur bekannt ist, so habt Ihr, wie der Kaiser Titus, Euren Tag verloren. Ver­standen ? ,. .

Etwas mehr Ruhe, mein Fräulein, wenn ich bitten darf . antwor-

Agent von Barras

tete der Agent. , . . r

Schweigt! rief der Muscadin, unv merkt Euch wohl: unter dieser Verkleivung bin ich der Bürger Chateauneuf für alle Welt, für den Teufel selbst und für Euch. Wenn Ihr mich anders titulirt, so werde ich Euch stumm machen.

Der Mann tm grauen Rocke verneigte sich. Er hatte bemerkt, daß der Bürger Chateauneuf, welcher ein trefflicher Schutze war, ausgezeichnete Pistolen bei sich trug. .

Mein Herr, sagte er, es sollte mir überaus leiv thun, Euch zu miß­fallen. Meine Mission ist, über Euch zu wachen und Euch je nach den Umstän- den Schutz und Hülfe zu leihen.

Ich danke, versetzte Chateauneuf. Aber Hhr habt noch eine andere Mission. ,

Das leugne ich nicht. Ich erfülle dieselbe mit gleichem Elfer und habe schon recht glückliche Resultate erzielt ...

Wuklich? fragte der Muscadin. Ihr denkt also den Hauptmann sehr

bald zu verhaften?

Lieber Himmel, Bürger Chateauneuf, haltet Hhr mich denn für einen jener Dummköpfe, welche Ihr auf der Wasserdiligence eine Spazierfahrt nach Nantes machen laßt? Ich stehe nicht im Solde gewisser Mitglieder des Direk­toriums. Ich diene dem Haupte, der Seele der Regierung.

Das heißt, Ihr dient Barras, antwortete Chateauneuf. Ihr seid ein und nicht von Gohier oder Mouline; denn gegenwärtig giebt Polizei-Etablissements außer dem des Polizeiministeriums.

es ein Dutzend von Polizei-Etablissements außer dem des ^ouzeiminguiiuino. Ihr dient Barras, ber ein großer Mann, aber dabei eifersüchtig, rachgierig, ehrgeizig ic. rc. ist; ber über meine Extravaganzen wüthet, nebenher aber für seine Macht zittert unv einen töpfern unv liebenswürdigen Offizier in seiner Hand haben möchte, den er in doppelter Hinsicht fürchtet: einmal als Agenten Bonaparte's und zweitens als einen Mann, welcher die Kunst, mir zu gefallen, versteht. Ihr seht, daß ich offenherzig rede. Woblan, dient Eurem Herrn, so lange es Euch gefällt; ich diene nur meiner Laune, die meine einzige Gebieterin ist, und ich erkläre Euch ferner, daß Ihr mir nicht länger folgen sollt, da ich des Schutzes von Niemand bedarf. Ick erkläre Euch ferner, daß Hhr den Hauptmann Rcymonb nicht verhaften werdet, so lange das Herz in der Brust mir noch schlägt. Das ist klar und bestimmt. Jetzt tbut, was Ihr wollt, jd) bin auf Alles gefaßt uno werde Euch scharf anf's Korn nehmen.

(Fortsetzung folgt.)

M u ii f d) a u

Darmstadt, 17. Sept. Die kürzlich von den Hess. Volksbl." gebrachte Mittheilung, dn Haupt­mann des 2. Infanterie-Regiment« habe in seiner Compagnie die neue Strafart eingeführt, vie Tor­nister der betreffenben Soldaten mit 10 bis 25 Pfund Blei zu belasten, wird jetzt von Angehörigen dieses Regiments entschieden in Abrede gestellt.

Berlin, 19. Sept. Unter Florenz, 14. d. schreibt dieKreuzzeitung" :In dem heutigen Ministerralhe werden vielleicht für lanze hinaus die Geschicke Italiens und seiner Monarchie entschieven; denn es handelt sich um Erhaltung der für Italien so noihwenbigen Neutralität, oder um die Allianz

mit Frankreich bei dem hier fast unvermeidlich ge­haltenen Kriege mit Preußen. Die Minister, welche bei dieser Berathung maßgebende Stimmen haben, stehen leider ziemlich alle mehr auf Seite Frankreichs, als auf ver der Neutralität, welche aufrecht zu er­hallen sie sich nicht die Macht zutrauen, zumal wenn Spanien mit Frankreich in Bünvnlß treten würde. Der König neigt gleichfalls zu einer Allianz mit Frankreich hin; denn in einer Besiegung Napoleons erblickt er sicher auch den Untergang der Napoleoni­schen Dynastie und somit auch die wahrscheinliche Verbannung seiner Tochter Clotilve, welche er Ita­lien zu Liebe an den kaiserlichen Vetter hingab.

, 20. Sept. Die Elbfahrt des Kö­nigs begann 'Nachmittags 4 Uhr bei Regenwettcr. Bei Blankenese lief dieHammonia" auf den Sand, so daß ver König und die Gäste statt um 7y2 Uhr erst um 9y4 Uhr auf einem kleinen Elbdampfer nach Altona zurückkehren konnten.

Hamburg, 20. Sept. Nach der Rückkunft des Königs von Preußen von der Elbfahrt gab der Senat ein Staatsviner. Der Bürgermeister Sieve- ling brachte vas Hoch auf den König als auf den Schirmherrn des einigen Deutschlands ans. Der König habe ein großes 'Einigungswerk vollbracht und habe dem einigen Deuschlanv auch im Auslanke und