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Da die Regierung erklärt, daß dies gestattet werden solle, wird der Antrag zurückgezogen. Bei Artikel 13 beantragt Metz, daß die Wahlkreise nicht, wie die Regierung will, auf dem Wege der Verordnung, sondern auf dem Wege des Gesetzes bestimmt werden sollen, worauf indeß die Kammer nicht eingeht.

Der zweite Gegenstand der Tagesordnung, die temporäre Aufhebung des Salzzehntens, wird nach längerer Debatte nach Antrag des Ausschusses, wel­cher auf Ablehnung des auf temporäre Aufhebung des Salzehntens gerichteten Ansinnens der Regierung geht, entschieden, dagegen beschlossen, das Finanzmi­nisterium zu ermächtigen, in den ersten vier Jahren, von 1868 anfangenv, der Saline Ludwigshalle den Natural-Salzzehenten höchstens zur Hälfte zu erlassen, wenn und insoweit die Actien-Jnhaber nach den Ergebnissen des betreffenden Betriebsjahres und der Berechnung des durchschnittlichen Verkaufspreises für das Zehntsalz weniger als 5 pCt. von dem Nomi- nal-Actienbetrag bezogen haben, und nach Umständen später weitere motivirte Vorlagen zu machen.

Darmstadt. Das Commanvo der großh. hessi­schen Division hat eine Bekanntmachung erlassen, daß durch die Einführung der Lanvwehrbehörden bei den Bezirks-Commando's zu Gießen, Friedberg, Darm­stadt I und II, Mainz und Worms zur Formation der Stammmannschaften Unterofficiere, Gefreite und Geweine nöthig werden, welche auch.durch solche Halbinvaliden besetzt werden können, die noch kör­perlich und geistig rüstig und das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die großh. Bürger­meistereien sind aufgefordert, die in ihren Gemeinden sich aushaltenden Halbinvaliden von dieser Bekannt­machung in Kenntniß zu setzen. Gesuche sind bis 31. d M. bei oben erwähntem Commanvo cinzu- reichen.

Berlin. Die Verhandlungen wegen der Ent­lassung Mecklenburgs ans dem mit Frankreich bestehenden Separat - Handelsverträge und die vom Zollverein dafür zu gewährenden Tarifermäßi­gungen können nach einer Pariser Corresponvenz der Köln. Zig.", so weit sie die unmittelbar praktischen Fragen betreffen, als ausgeglichen und abgeschlossen betrachtet werden. Preußen hat im Namen des Zoll­vereins zugestanden, daß der Eingangszoll für fran­zösische Weine im ganzen Bereich des Zollvereins um i/3 des bisherigen Steuerbetrages herabgesetzt und somit von 30 auf 20 Fr. gebracht werde. In glei­cher Weise wurden leichte Baumwollengewebe in eine niedrigere Steuerklasse versetzt. Dagegen weigerte sich Preußen entschieden und Frankreich erklärte sich schließlich damit einverstanden, auch für Roh- und Stabeisen solche Tarifermäßigungen zu Gunsten Frankreichs Eintreten zu lassen, weil es sonst gezwun­gen wäre, dieselben Vergünstigungen auch anderen Mächten zu Theil werden zu lassen, mit denen es Handelsverträge auf dem Fuße der am meisten be­günstigten Nationen abgeschlossen. Etwas Anderes ist es aber um die politische Formfrage, die es jetzt allein noch ist, welche die Unterzeichnung der beiden Uebereinkommen verzögert. Die preußische Regierung hat den Wunsch ausgesprochen, den Aufhebungs-Act Mecklenburgs für dieses Großherzogthum nur im Namen des Zollvereins mitabzuschließen, resp. zu un­terzeichnen, wogegen Frankreich dieses Schriftstück nur direet mit Mecklenburg auszutauschen verlangt. Neuer­dings hat Frankreich, das bei Weitem mehr gewinnt, als verliert, in Berlin den folgenden Vorschlag ge- macht: Man möge dort den Vertrag mit dem Zoll­vereine, in welchen dann Mecklenburg schon eingetrc- ten sei, bezüglich der Tarif-Herabsetzungen unterzeich­nen, während am selben Tage der Austausch der bezüglichen Akte zwischen Frankreich und Mecklenburg erfolge, durch welche letzteres aus seinen alten Ver- tragsverpflichtungen entlassen wird. Es ist indeß kaum abzusehen, daß diese politische Formfrage im Stande sein werde, die Beendigung dieser Angele­genheit, nachdem Vie Principicn- und Tariffragen nunmehr nach beiderseitigem Gefallen geregelt worden, noch länger hinauszuschiebeu.

Berlin, 1». Jan. DerKöln. Ztg." wird gemeldet: In der.Zoll-Angelegenheit wirv noch einer Antwort von Paris wegen eines hanvelspoli- tischen Punktes entgegengesehen. Man nimmt mit Bestimmtheit an, daß Frankreich auch hierin den be­rechtigten Erwartungen Preußens und des Nord­deutschen Bundes entsprechen werde. Die baldige Erledigung der Angelegenheit wird nicht bezweifelt.

Berlin, 19. Jan. Nach den getroffenen Be- stimmungen sollen in diesem Jahre bei zwei Armee- corpS größere Zusammenziehungen, sogenannte K ö­nigsmanöver stattfinden, während bei den ande­ren Armeecorps DivisionS - Uebungen mit Zuziehung der Artillerie, Pionniere u. s. w. vorgenommen werden sollen.

DieKöln. Ztg." schreibt: Sowohl die italienische Corresponvenz, als mehrere hiesige Correspondenzen

hatten gemelvet, es solle nun zu den Verhandlungen wegen Nordschleswigs ein Specialbevoll­mächtigter zugezogen werden, was jetzt ein kopen- hagener Telegramm in Abreve stellt. Das wirkliche Sachverhaltniß ist folgenves: Herr Larsen, Professor des Schleswig'schen Rechtes an der kopenhagener Universität unv Beamter im dänischen Finanz-Mini­sterium, befindet sich wirklich hier und ist Herr Minister v. Quaade persönlich attachirt zur technischen Hülfeleistung in der Bearbeitung der nordschleswig'- schen Angelegenheit. Herr Larsen ist aber kein Spe- cialbevollmächtigler, als solcher auch bis jetzt zu den Verhanvlungen nicht zugezogen worden. Die even­tuelle Zuziehung eines Fachcommissärs ist noch immer für die Zeit Vorbehalten, wo der Gang der Ange­legenheit dies auf den Wunsch des Herrn v. Quaade veranlassen sollte. Man wird das auch von Kopen- Hagen aus um so weniger in Abrede stellen wollen, als die vem Herrn v. Quaade im vorigen Herbste ertheilten Instructionen den Fall ins Auge gefaßt hatten. Es wäre allerdings möglich, daß die durch Herrn Professor Larsen bewirkte officiöse technische Hülfeleistung Die Zuziehung eines Specialbevollmäch­tigten auch weiterhin unnöthig machen könnte. Herr Larsen war schon im vorigen October während fünf bis sechs Tagen zu demselben Zwecke einmal hier gewesen.

Dessau. Wer eine gute Pachtung hat, läßt auch einmal eine wilde Sau über den Acker lau­fen. Einem Pachter im Dessauischen aber liefen so viele Säue über die Aecker, daß der Schaden 1300 Thaler betrug, gerade 100 Thaler mehr als sein Pachtschiüing. Das schien ihm ein Mißverhältniß und er erwirkte Cie Erlaubniß auf die Säue seines Ackers schießen zu dürfen. Am ersten Tage erlegte er drei Thiere, worüber so großer Schrecken in Dessau, daß er das Schießen einstellen mußte. Statt der fetten Säue gibt's nun einen fetten Prozeß.

München, 19. Jan. In der heutigen Sitzung des Reichsrathsausschuffes tonrve Der Seitens Der Regierung gemachte unD vom König genehmigte Ver- miitlungsvorschlng bezüglich Des vom Contingent han- delnDen Artikels angenommen. Derselbe geht Dem Vernehmen nach Dahin, daß bis Ende 1871 die active Armee 1 Procent Der Bevölkerung betragen, später aber Der jährliche Formationsstand des Heeres durch Das Budget gesetzlich festgestellt werden soll. Auch bezüglich des Avancementsgesetzes machte der Aus­schuß einen ausgleichenven Vorschlag; man hofft somit zuversichtlich, daß der Gesetzentwurf allseitige Annahme finden werde.

Stuttgart, 20. Jan. Abgeordnetenkammer. Im Verlauf der Berathung über das Wehrgesetz wurde der Antrag Mohl's, die Beibehaltung der Stellvertretung betreffend, mit 55 gegen 27 Stim­men abgelehnt. Seitens Der Demokratischen Partei wurde Die Stellvertretung befürwortet. Die Prinzen Des königlichen Hauses sind der Aushebung nicht unterworfen.

Wien. Nicht möglich! rief Napoleon, als er; Die Ernennung"Der neuen Minister in Oester­reich las. Es wurde aber noch mehr möglich. Als der französische Gesandte, Herzog von Grammont, vok einigen Tagen seine Gesellschaftssäle in Wien öffnete, war von Den neuen Ministern NiemanD zu sehen. Damit wollten Die Giskra, Berger und Col- legen zu verstehen geben, an eine Allianz des neuen Oesterreichs mit Napoleon sei trotz Salzburg nicht zu Denken. Sie sind fest durchdrungen von der An­sicht, daß jeder Versuch, im Bunde mit'Frankreich Den Prager Frieden umzustoßen, Der Anfang vom Ende Oesterreichs werden müsse. Sie wissen vor­trefflich, Daß im Falle eines Sieges Die alten Zu­stande in Deutschland und Italien nicht hergestellt werden würden, ohne in Oesterreich die neu begrün­deten VerfaffungSzustände über Den Haufen zu werfen und alles wieder in die dickste Concordatsfinsterniß zurück zu stürzen. Es gibt für Oesterreich fein Bünd- niß mit dem Sieger von Mentana, ohne daß in Der Hofburg Diejenige Partei das Oberwasser gewönne, welche Rache für Königgrätz und eifrigste Ausrottung Der kirchlichen unv politischen Reformation, womög­lich aber Herstellungves kostbarsten Gutes Der Glaubenseinheit" im ganzen Reiche brütet. Die feierliche Beisetzung Kaiser Max's in Wien be­gleitet eine Wiener Zeitung mit folgender Mahnung. Wir stellen uns im Geiste an Die Leiche, an Der eine weinende Mutter kniet, an die Leiche, Deren Wunden gleich jenen Siegfrieds bei dem Nahen Ha­gens wieder bluten müßten, wenn Der Herrscher Der Tuilericn an sie heranträte. Wer widerspricht uns, wenn wir sagen :Dieser Tod te steht zwischen Oesterreich und Den Napoleoniden?" Mor­gen, wenn Der Klang Der Glocken verklungen ist, wenn die Kerzen erloschen sind, die am Sarge des Prinzen brennen, morgen werden sie wiederkommen und ihre Stimme erheben die unermüdlichen An­

wälte der französischen Alliance. Heute fühlen sie, daß Schweigen ihre Pflicht ist."

Wien, 19. Jan. Die Morgenblätter berichten: Zufolge des im Ministerrathe gefaßten Beschlusses wurden die Werbungen für Die päpstliche Armee un­tersagt. Die BehörDen erhielten Die Darauf bezüg­lichen Instructionen.

Wien, 19. Januar. Die heutigeAmtszei- tung" melDet: Durch ein kaiserliches Handschrei- ben wirb Der Kriegsminister John, auf sein An­suchen, unter Verleihung Des Großkreuzes des Leo- polDsorDens seiner Stelle enthoben unD Feldmar­schall-Lieutenant Kuhn zum Reichs-Kriegsminister ernannt. In einem andern kaiserlichen Handschreiben wird Dem Admiral Tegethoff für Die Ausführung Der schwierigen SenDung nach Mexico Der Dank Des Kaisers und Der kaiserlichen Familie ausgesprochen unD ihm das Großkreuz Des Leopolvsordens ver­ziehen.

Wien, 20. Jan. Bei Dem heutigen Empfange der Delegation Des ungarischen Reichstags beim Kaiser hielt Der Alterspräsident Graf Majlath Die Ansprache, worin er den Gefühlen Der höchsten Loya­lität Ausdruck gab. Der Kaiser begrüßte in seiner Erwiderung Die Vertreter Ungarns und sprach Die Ueberzeugung aus, Daß Die althistorische Verfassung Des Königreiches Ungarn in Der Institution Der De­legation, nur eine neue Garantie gewonnen habe und daß Das patriotische Bestreben Der Delegation mit aller Energie dahin gerichtet fein werde, eie Fragen wegen der gemeinsamen Interessen zum Wohle aller seiner Völker einer gedeihlichen Lösung entgegen zu führen. Bei Dem später stattfinDenDen Empfange Der Delegation des Reichsraths hielt Präsident Graf Auersperg Die Ansprache, worin gleichfalls die ehr­furchtsvollste Huldigung ausgedrückt war. Die De­legation werde in brüderlicher Gesinnung gegen Die Vertreter Der anderen Reichshälfte bestrebt sein zur ersprießlichen Lösung ihrer Aufgaben mitzuwirken, Damit Die wohlwollmDen Absichten Des Kaisers erfüllt unD Die Interessen Der Gesammtmonarchie gewahrt toerDen möchten. Der Präsident spricht ferner Den Wunsch aus, Daß Die neuen Institutionen, Durch Das Zusammenwirken aller Betheiligten sich für Die Ge- sammtheit fruchtbar entwickeln unD erproben möchten, und schließt mit Dem Ausrufe: Gott erhalte, segne und beglücke Ihre Majestät, worauf Die Versamm­lung ein dreimaliges Hoch auebringt. Der Kaiser erwiderte mit einer Bewillkommnung der Delegation in Der frohen Zuversicht, Daß eS ihr gelingen werDe, Die Durch Die Verfassung ihr zugewiesene Aufgabe einer raschen befriebigenDen Lösung entgegen zu füh­ren; ein solches Ergebniß ber Berathnngen werbe wesentlich bazu beitragen, bas Vertrauen ber Völker in Die neubegrünbeten Institutionen zu heben und sie auf bem Boden Der Verfassung neue Bürgschaften für ihre Freiheiten finDen zu lassen.

Prag, 17. Jan. Wie verlautet, soll Der König von Hannover beabsichtigen, nach Prag zu übersie­deln. Zur Residenz wäre das Kinsky-Palais be­stimmt; wegen Ankauf schweben Verhandlungen.

Paris. Wie dieFrance" aus Brüssel ver­nimmt, ist Die Kaiserin Charlotte vor vier Tagen Durch Den König unD Die Königin Der Bel- gier von dem Schicksal ihres Gemahls unterrichtet toerDen. Die erste Bewegung Der Kaiserin war ein schmerzlicher Schrei, dem bald reichliche Thränen folgten. Dann gewann sie Die ganze Festigkeit ihres Characters toieDer und sagte übrigens, daß sie schon seit einiger Zeit ein großes Unglück vermuthet hätte. Sie verlangte hierauf sofort ihre Trauerkleider. Seitdem hat Die Königin ber Belgier ihre Schwägerin, bereu GesunbheitSzustanb sich unter biefer großen Prüfung nicht verschlimmerte, noch nicht verlassen.

Vermischtes.

Echzell, 19. Jan. Gestern Morgen entstand im Innern bcs Rentamtsgebäudes in Bingenheim Feuer, welches erst bemerkt würbe, als es weit um sich gegriffen hatte. Fast sämrntliche Acten verbrann­ten, Die in einem erst kürzlich angeschafften feuerfesten Cassenschrank befinblichen Papiergelber unD Obliga­tionen gingen ebenfalls zu GrunD; Das ©ilbergelD schmolz zusammen. Das Feuer war im zweiten Stock, wo sich bas Bureau befinbet, auSgebrochen unD verbreitete sich von Da weiter in Den Dritten unD vierten Stock, ohne Daß ihm Einhalt gethan toerDen konnte. Einige im vierten Stock schlasenbe Scribenten konnten Die Treppen nicht mehr paffiren unb mußten sich, ba bie herbeigebrachten Leitern bis in biefe Höhe nicht reichten, aus Den Fenstern an einem ihnen zugeworfenen Seile bis auf bie Leiter herablassen. Der Schaben, ben biefer Brand ver­ursacht hat, ist sehr bebeutenb, namentlich empfind- lich ist Der Verlust Der umfangreichen Papiere Dieses bebeutenDen Rentamts. (W. B.)

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.