Bürger-Club.
9716) Die ans den 26. December anberaumte Tanr- unterhaltung findet im
Gasthof zum Einhorn
statt.______________________________________Der Vorstand.
9701) Im Saale des P. Gerhardt zum Ritter in Steinbach findet am 2. Weihnachtsfeiertage, Abends 5 Uhr, Ball des Gesang- Vereins statt, wozu ergeben» einladet der Vorstand.
Z i n ß e r scher Garten.
9703) Samstag den 2. Weihnachtsfeiertag:
Großes Militär-Concert, ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des Großh. Hess. II. Infanterie- Regiments, unter persönlicher Leitung seines Musikmeisters Herrn R eifert.
Sonntag den 3. Weihnachtsfeiertag:
Großes Coneert ä la Strauß, ausgeführt von 40 Mitgliedern der Capelle des Pommer'schen Füsilier-Regiments Nr. 34, unter Leitung ihres Directors A. Parlow.
Anfang beider Concerte: 4 Uhr.
„Die ganze Haltung
des Kalenders (Lahrer Hinkender Bote) ist eine edle und freisinnige und dazu maßvolle und in jedem braven Hause und Herzen einen wohlthucnden Eindruck zu- rncklassend, wie der ist, den wir empfinden, wenn wir so glücklich waren, eine Stunde mit einem Biedermanne von achtem Schrot und Korn zugebracht zu haben."
(9693) (Heidelb. Zeitung.)
Wer eine freisinnige, Jedermann verständliche und inhaltreiche Volks-Zeitung lesen will, der abonnire auf den
Wettkrauer Bote» ‘töt der schon seit 13 Jahren der Sache des Volkes und der Freiheit unwandelbar dient und unerschrocken alles bekämpft, was der Bildung, Aufklärung und dem Wohl des Volkes hinderlich ist.
Der Wetterauer Bote erscheint 3mal wöchentlich in Butzbach und bringt außerdem an jedem Sonntag ein unterhaltendes Beiblatt. Man kann ihn bei allen Posten und Postboten bestellen, welche ihn für 55 fr. vierteljährlich frei in's Haus liefern.
Anzeigen in demselben kosten 3 fr. pr. Zeile und finden in Hessen und den angrenzenden Ländern weite Verbreitung.
Stchengtlassener Regenschirm.
9717) Der Unterzeichnete hat vor cct. 8 Tagen einen schwarzen Alpaeaschirm mit braunmarmorirtem Stock, oben gekrümmt, in irgend einem Hause stehen gelassen und bittet den jetzigen Besitzer, den Schirm ihm gefl. einhändigen zu wollen.
Gießen, den 20. Deeember 1868.
_____________________I Haustein.
9691) Ein Mädchen, welches im Kochen und Putzen gründlich erfahren ist, wird gegen guten Lohn Ende Februar f. I. in Dienst gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bl.
Zur gefälligen Notiz.
9688) Sowohl denjenigen Gicht-, Hä- morrhoidal- und Bleichsucht-Kranken, die ich in Behandlung habe, als auch Denjenigen, die meine Hülfe in Anspruch zu nehmen beabsichtigen, hiermit zur Nachricht, daß ich von Coburg nach Berlin übergesiedelt bin.
Br. Müller,
jetzt Berlin, Mauerstr. 63, 1 Tr. Kurprvspeete: gratis und franco. Minderbemittelte finden Berücksichtigung.
9714) Es wird zum sofortigen Antritte des Dienstes in Wetzlar eine erfahrene Köchin gesucht, welche auch dem Haushalt vorstehen kann. Näheres bei der Expedition d. Bltts.
9676) 6 Stück- und 6 Zulastfaß, welche weingrün und noch in gutem Zustand sind, werden zu kaufen gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.
9713) Am zweiten Feiertag:
(Ediu-illlllili
im Saale des Gasthauses zum Adler.
Ansang 4 Uhr.
B. Oswald.
9537) Ein Commis mit guten Empfehlungen wird für eine Spezereihandlung in Frankfurt a. M. gesucht. — Frankirte schriftliche Anerbietungen mit Angabe des Alters tc. sind an Herrn Emil Beck, neue Kräme 19, in F r a n k f u r t a. M-, zu adressiren.
9620) Es wird ein gebrauchter steinerner Trog zu kaufen gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.
F e u i 1
Unschuldig und doch nicht schuldlos.
Criminalnovelle von Julie Düngern-
(Fortsetzung.)
Ein Schwindel überfiel den starken Mann bei Durchlesung dieser Zeilen. Flora saß am Fenster ihres Zimmers im Gasthaufe und blickte neugierig aus das Getreide auf der Straße, als ein unterdrückter Ausruf ihres Gatten sie auf. schauen machte. Er hatte scitwärtS bei ihr am Fenster gestanden, das Blatt entfiel seinen Händen und er tastete schwindelnd nach einem Stützpunkt, als feine Frau entsetzt aufsprang und ihn zu unterstützen suchte; sie leitete ihn zu einem Sessel uno hatte gar nickt nöthig, zu fragen, was ihm solchen Schrecken bereitet, denn sein heftiger Blick haftete noch immer auf dem Zeitungsblatte, was auf dem Boden lag. Bis jetzt hatte der Doktor mit seltener Energie alles Leid und alle Schande, welche unschuldig auf ihn fielen, getragen, und es mochte der Gedanke der Buße, welchen er Flora eines Tages angedeutet, dabei mitge- wirkt haben. Er hatte oft und leidenschaftlich Waller's Tod gewünscht. Dies war jedenfalls eines Christen unwürdig gewesen und die Reue darüber ließ ihn Vieles ertragen. Nun aber erfolgte eine Anschuldigung, welche seinen Namen auf das Gemeinste brandmarkte, auch wenn er mit allen Mitteln der Justiz und der Presse dagegen kämpfte. Wohin er auch kommen mochte, überall war die traurige Berüchtigkeit seines Namens ihm vorausgeeilt und hatte den Boden unter seinen Füßen untergraben. Diese entsetzlichen Gedanken wälzten sich in des unglücklichen Mannes Gehirn und machten ihn unfähig, sein Gemüth durch Worte zu erleichtern. —
Mittlerweile hatte Flora das Blatt ergriffen und den betreffenden Artikel gelesen; ihr Blick flammte zornig auf, eine leidenschaftliche Erregung bemächtigte sich ihrer, sie eilte auf ihren Gatten zu und, seine Kniee umfassend, rief sie aus: „Laß uns auf der Stelle nach Hause zurückkehren, diesen feigen Ver- läumdungen auf die Spur zu kommen und ihnen durch Erzählung der wahren Sachlage die Spitze abzubrechen." —■
Wehmüthig streichelte Dollus die erhitzten Wangen seiner Gattin. „Ich bin zu fest überzeugt, daß es nichts fruchten würde, theure Flora," entgegnete er traurig; „Du kennst weder die Macht der Verläumdung, nock den Kitzel, welchen die Mehrzahl der Menschen darin findet, etwas recht Ungeheuerliches über den Nebenmenschen zu berichten. Und wenn ich tausend Zungen besäße, so vermöchte ich nicht mehr den schleichenden Zweifel in dem Herzen der Leute zu unterdrücken, daß ich ein Giftmischer und ein Dieb bin und dem Zuchthause noch jedenfalls verfallen werde! —
Vergebens suchte Flora mit aller Beredsamkeit, welche ihr zu Gebote stand, diese verzweifelnden Ideen ihres Gatten zu bekämpfen; er blieb in finsteren Trübsinn versunken. Ein Brief des befreundeten Geschäftsmanns aus B., welcher den Nachmittag nachkam, diente nur dazu, ihn in dieser Stimmung zu bestätigen. Er sprach vom Tove als der einzig möglichen Zuflucht gegen eine solche Kette von Beschuldigungen und Verfolgungen und entbehrte, wohl zum ersten Male in seinem Leben, gänzlich der geistigen Kraft, um solche Tücken des Schicksals zu ertragen! —
Flora war beinahe verzweifelter über ihres Mannes Gemüthszustand als über die Ereignisse der letzten Tage; ganz richtig aber schrieb sie diese geistige Erschlaffung einer körperlichen Ursache zu, denn noch am Nachmittag hatte sich ihr Gatte mit heftigem Fieber und Kopfweh zu Bette legen müssen und eine Stunde darauf erkannte er sie schon nicht mehr und lag in Phantasien. Flora, welche ihm eben einen kühlenden Trank bereitet unfr den Arzt bestellt hatte, war gerade daran, eine Antwort au den Geschäftsmann zu schreiben, worin sie diesem die Sache anseinandersetzte und ihn ermächtigte, diese auch öffentlich bekannt zu machen. Gerade als sie den Brief siegeln wollte, fiel ihr ihres Mannes Aus
l e t o «.
sprach ein, daß es nichts helfe, „bösen Willen eines Besseren belehren zu wollen." Lange saß sie in tiefes Sinnen versunken, die zunehmende Dämmerung nicht achtend, am Tische und fühlte sich trostloser, verzweifelter als noch je in ihrem Leben. Ihr Mann stöhnte im Halbschlafe und in den abgebrochenen Reden seiner Phantasien sagte er ein Paar Mal: „Laß uns zusammen sterben, Flora, es ist das Beste, dann haben die Verfolger Ruhe."
Die junge Frau schauerte zusammen, die tiefe Mutlosigkeit des Gatten hatte ansteckend auf sie gewirkt, auch in ihrem Gehirn bildeten sich Todesgedanken und nur mit äußerster Gewalt vermochte sie Herrin über sich zu bleiben. Sie hätte in laute Klagen und Thränen ausbrechen und all dem Leib', was ihr armes Herz berrückte, dadurch Ausgang verschaffen mögen, aber dies konnte zu nichts helfen, sie durfte nicht feig den Kampfplatz verlassen. Mit kräftigem Ruck den Kopf erhebens trat sie an's Fenster; es war beinahe dunkel geworden, der Doktor blieb noch immer aus, Flora wagte nicht, um Licht zu schellen, denn wie ein Alp lastete der Gedanke auf ihr, daß dann der Kellner erscheinen und sie ihren Namen würbe in bas Buch einschreiben müssen, und dieser Name war durch Verdacht geschändet. Wer stand ihr dafür, daß der Wirth, nachdem er ihn gelesen, sie in seinem Hause behalten würde. Was aber mit dem kranken Manne beginnen ?
Flora faltete die Hände und suchte im Gebete Beruhigung, aber mitten darin wanderten ihre Gedanken rastlos umher; ihr fiel ein, die Brieftasche ihres Mannes hervorzuholen, um den Paß und die nöthigen Papiere daraus zu nehmen. Zu diesem Zwecke öffnete sie seine Geldtasche und hatte gerade die bezüg. lichen Papiere in Häneen, als ein lautes Geschrei und Lärmen auf dem Gange sie erschreckte. Sie hörte Thürcn auf- und zuschlagen, Hülseruse und das Wort: „Holt einen Doktor", bewog sie, ihre Thüre zu öffnen und nachzusehen. Das Zimmermädchen, welches eben vorbeistürzte, gab keine andere Antwort, als: „Welch ein Unglück, kommen Sie doch, es ist entsetzlich!" Und mechanisch folgte Flora der Aufforderung und trat in das dem ihren gegenüberliegende offene Gastzimmer, in welchem sie bet dem ungewissen Schein einer Kerze sich mehrere Menschen bewegen sah.
Näher tretend erblickte sie den Wirth und die Bediensteten des Hauses um das Bett beschäftigt, auf welchem zwei Menschen lagen.
„Ich fürchte, da ist nichts mehr zu machen," sagte der Besitzer des Hotels, „wenn nur um Gotteswillen der Arzt käme!"
Wie von unwiderstehlicher Macht getrieben, schritt Flora immer näher und erblickte nun auch einen jungen Mann und ein junges Weib, anscheinend friedlich schlummernd auf dem Bette liegend. Vielleicht war auf dem Gesichte des Mannes noch etwas von dem inneren Kampfe geblieben, welcher ihn aus dem dem Leben getrieben hatte. Das junge Weib aber lag, mit kindlichem Lächeln auf den lieblichen Zugen, so ruhig da, als ob sie im süßesten Schlafe läge; die eine Hand war unter den Kopf geschlungen, mit der andern hielt sie die ihres Gatten fest. Ein starker Geruch von Mandeln bezeugte, welchen Schlaftrunk die Armen zu sich genommen hatten.
Das Zimmermädchen weinte laut. „Sie sind erst vor zwei Stunden an» gekommen," sagte sie, „und wollten nichts zu Mittag essen, nur eine Flasche Wein und frisches Wasser haben sie verlangt. Der Herr verbat sich den Kellner, weil seine Frau krank sei; ich mußte cs herauf bringen; die junge Dame lag hier auf dem Sopha, und als ich mich nach ihrem Befinden erkundigte, meinte sie mit ihrer fünften Stimme, es werbe bald besser gehen. Ja wohl, jetzt geht es ihr auch besser, das arme weiße Lamm!"
(Fortsetzung folgt.)


