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dem Reste einer röthlichen Flüssigkeit, die wahrschein­lich Cyancalium enthielt, vor. In der Wohnung selbst war die größte Ordnung; auf einem Tische lagen eine Anzahl versiegelte und an hiesige und auswärtige, mit der Familie bekannte Personen adres- sirtc Briefe. Wie erzählt wird, soll aus diesen her- vorgehcn, daß Schönbeck und seine Frau mit vollem Bewußtsein den Entschluß zum Selbstmorde gefaßt, und daß auch die beiden ältesten Kinder auf aus­drückliches Befragen des Vaters den Wunsch gehabt haben, mit ihren Eltern zu sterben. Dagegen ist den übrigen drei, ohne daß sie es wußten, der Giftstoff beigebracht worden. Daß das jüngste 5 Monate alte Kind am Leben geblieben, verdankt es dem Um­stande, daß der Vater in grenzenloser Aufregung es vergessen hatte. Rach den Aufzeichnungen auf einem Stückchen Papier zu schließen, ist Schönbeck der zuletzt lebende gewesen, dieselben enden mit der Stunde 3!/2 Uhr Nachts. Die Schrift vcrräth das Sinken der Kräfte. Der Schreiber bittet in zitternder Schrift um Schonung der Leichen.Ich sterbe nicht einen Tod", so heißt es an einer Stelle,Gott möge wir gnädig sein." Entsetzlich ist die Schilderung Schönbeck's von dem Absterben der Seinigen; er sagt in einem Briefe:die Kinder schliefen sanft und ruhig ein, nur klein Albert (ein Knabe von 7 Jahren) kämpfte lange und grausig mit dem Tode." Sämmtliche Personen lagen wohl ausgekleidet in ihren Betten, Schönbeck mit der Frau in einem Zim­mer. Auf dem Bette der drei Mädchen fand man das Bild ihrer verstorbenen Mutter (die jetzige Frau des Schönbeck war ihre Stiefmutter, aber zugleich die Schwester ihrer verstorbenen Mutter) mit einem Kranze umgeben. In diesem fand man auch die Ueberreste des schnell wirkenden Cyancaliums vor; neben den auf einem Tische uwhcrliegenden Geräth- schaften lag ein Zettel, durch den Schönbeck vor den­selben warnt, da sie giftig seien. Auch zwei scharf geladene Pistolen mit gezogenen Hähnen lagen da. Den Giftstoff hatte Schönbeck auf einen Giftschcin, angeblich zu technischen Zwecken, aus der Patze'schen Apotheke entnommen, nachdem er am 10. d. M. es vergeblich versucht hatte, solchen in größerer Quan­tität aus einer hiesigen Drogurnhandlung verabfolgt zu erhalten. Unzweifelhaft war es die äußerste Zer­rüttung der Vermögensverhältnisse, welche die Familie zu dieser schauerlichen That trieb, und bereits längere Zeit scheint Schönbeck mit dem Plane umgegangen zu sein, wie aus Aeußerungen desselben gegen einen Verwandten hervorgebt.

Bremen, 18. Febr. Das Hamburger Schiff Leibnitz" ist von den Behörden in New-Bork wegen Verletzung der in Betreff der Passagiere zu beobach­tenden Gesetze mit Beschlag belegt worden.

München, 18. Febr. Aus Nizza ist heute Abend folgendes Telegramm eingetroffen: Ueber das Befinden des Königs Ludwig lauten die ärztlichen Berichte wieder wenig günstig. Die allgemeinen und örtlichen Erscheinungen haben sich verschlimmert und es wird ein zweiter Einschnitt behufs Verminderung der Spannung nothwendig werden. Der König hat den Beichtvater zu sich berufen.

Wien, 16. Februar. Der österreichische Hof wird sich, wie wan derA. Z." schreibt, aus nächst­liegenden Gründen von jeder Betheiligung an der Feier der silbernen Hochzeit des Königs Georg fern halten, so fern, daß sogar das Gesuch um Ueber- lassung der k. k. Redoutensäle für das Festbankett eine Ueberlassung, welche sonst nur auf geringe Schwierigkeiten stößt unbedingt abgelehnt ist.

Antwerpen, 15. Febr. Heute um 3 Uhr ist ein Schiff mit 200 Tonnen Petroleum in B and gerathen. Zwei andere Schiffe wurden angesteckt, drei geriethen in Gefahr. Der Brand nimmt eine bedenkliche Ausdehnung an.

Paris, 17. Febr. Gestern Abend fand, wie dieKöln. Ztg." berichtet, im Odeon die erste Vor­stellung vonKean", dem neuen Stücke Alexander Dumas' statt. Der erste Erfolg war nur ein gerin­ger. Ich würde Ihnen auch gar nicht von dem Stücke sprechen, wenn nicht bei dieser Gelegenheit eine Demonstration, die man gegen das Verbot Be­treffs der Aufführung vonRuy Blas" erwartete, stattgefunden hätte. Kaum war der Vorhang in die Höhe gezogen, als nach der famosen Melodie (sie rührt von 1848 her)Des Lampions ein hun­dertstimmigesCassagnac! Cassagnac!" erklang, wo­mit man anreutcn wollte, daß das jetzige Regime in dieser sonderbaren Persönlichkeit verkörpert sei. Dann erklang plötzlich von allen Seiten der Ruf: Vive Hugo!, und dann ertönte ein tausendstim- migerRuy Blas ! das von da an bis zum Schluffe der Vorstellung fast ohne Aufhören wiederholt wurde. Das Stück selbst gab zu mehreren Demonstrationen Anlaß. Kean sagt:In England ist die Justiz gleich für die Großen, wie für die Kleinen."Nicht in

Frankreich!" rief eine Stimme dazwischen, und don­nernder Beifall von allen Seiten. Ein anderes Mal, als ein Constabler einem Streit anwohnte, ohne zu verhaften, ertönte der Ruf:Es lebe die englische Polizei!" und fast Jedermann, das Parterre, die Logen und das sogenannte Paradies stimmten mit in den Ruf ein. Zum Schluffe des Stücks wurden Alexander Dumas und Verton herausgerufen und von der Menge acclamirt. Auf dem Place de l'Od^on selbst war der Scandal nach beendigter Vorstellung noch furchtbarer. Fast das ganze Quartier Latin, hatte sich dort Rendez-vous gegeben, und bis lange nach Mitternacht ertönten die Rufe, die man bereits im Theater gehört hatte. Die Polizei war stark vertreten, aber sie wagte nicht cinzuschreiten. Zum wenigsten hört man jetzt nichts von Verhaftungen. Doch könnte cs leicht sein, daß die fernere Auffüh­rung des Stückes verboten wirb. Wichtig ist die Demonstration in so fern, als sie deutlich darthut, wie groß die Aufregung in Paris ist.

Locales.

Die öffentliche Niederlage in Gießen.

Bekanntlich wird neuerdings auch derjenige Theil des Zeughauses, in welchem sich die öffentliche Niederlage befindet, für Militärzwecke beansprucht und ist bemzemäß an die betreffenden Miether die Aufforderung ergangen, die fraglichen Localitäten bis 24. April d. I. zu räumen. Der beteiligte Han­delsstand ist hierdurch in Beunruhigung versetzt und ist die Besorgniß bei demselben hervorgerufen wor­den, daß dem hiesigen Platze wegen Mangels eines geeigneten Locals Vas Nie Verlags recht entzogen werven könne. Derselbe hat Vaher wegen Erbauung eiries neuen Nieverlagelocals auf Kostender Stadt Schritte gcthan und zugleich bei der Zoll­verwaltung um einstweilige Ueberweisung der herr­schaftlichen Z e h n t s ch e u e r n zur Benutzung als öffentliche Niederlage nachgesucht. Dem letzteren Ersuchen ist willfahrt unv damit der p r o v i s o r i s ch e Fortbestand der hiesigen öffentlichen Niederlage er­möglicht worden. Ob auch dem an die Stadl ge­richteten Ansinnen wegen Neubaus eines Niederlage- locals durch eine willfährige Entschließung des Stadt­vorstandes entsprochen werden wird und ob in Folge dessen das Niederlage-Institut der Stadt Gießen auch für die Folge erhalten bleibt, ist vorläufig noch ungewiß.

Mit Rücksicht auf die Bedeutung, welche die Frage für den Handels- und Gewerbsstand hiesiger Stadl hat und das Interesse, weiches vielfach auch in nicht beseitigten Kreisen daran genommen wird, glaubt Einsender den Leser dieses Blattes mit den wichtige­ren Bestimmungen wegen Benutzung der öffentlichen Niederlagen bekannt machen und einige weitere Bc- trachlnngen daran knüpfen zu sollen, intern er hofft, zum allgemeineren Verständniß dessen, um was es sich handelt- dadurch beizutragcn.

Nach der Verordnung vorn 9. März 1838 im Regierungsblatt Nr. 17 von 1838 sollen die an den wichtigeren Handelsplätzen errichteten öffentlichen Nie­derlagen als Anstalten zurBeförderung des mittelbaren Durchfuhrhandels und des inneren Verkehrs bienen. Das Recht, unver­zollte auSlänbische Maaren auf gewisse Zeit (in der Regel 2 Jahre, mit Genehmigung ter oberen Zollbehörde auch länger) darin niedcrzulcgen, wonach die Verzollung oder Versenkung nach dem Auslanoe stattfindcn muß, heißt das Nie d er l a g Sr echt. Dasselbe steh! nur Gewerbstreibenden (Kauf­leuten, Spediteuren, Fabrikanten) zu. Andere Per­sonen müssen sich deren Vermittelung zur Benutzung der Niederlage bedienen. Die Maare hastet dem Staate für die davon zu entrichtenden Abgaben nach demjenigen Tarif, welcher amTage der Verzol­lung gültig ist. Den Eigenthümern und Dispo­nenten der lagernden Waarcn steht es frei, in der Niederlage unter Aufsicht der Beamten diejenigen Maßregeln zu treffen, welche die Erhaltung der Maaren nöthig macht und letztere zu dem Ente u m- zustürzcn, zu sortiren, anders zu vex- packen oder aufzufüllen. Ebenso darf eine Um­packung behufs der Th eilu n g der Colli, sowie die A u s p a ck u n g und vorübergehende A u s l e g u n g von Maaren zur Besichtigung stattfinden. Die Th ei­lung Der Colli kann sowohl zum Zwecke der Ver­sendung nach anderen Orten mit NicVer­lag Srecht oder in's Ausland, als zum Zwecke der Eingangsverzollung innerhalb bestimmter Grenzen vvrgenommen werben. Die Entnahme von Proben, insofern das Gewicht der Waaren-Colli dadurch nicht bedeutend vermindert wirb, ist zulässig. Das beim Eingang der Colli in das Zollvereins­gebiet ermittelte Gewicht ist das steuerpflichtige, welches Demnächst der Zollbcrechnung zu Grunde ge­legt wirb. Eine Verminderung Der Waaren, welche

erweislich auf der Niederlage durch zufällige Ereignisse, wie Auslaufen von Flüssigkeiten u. dgl. entstanden ist, begründet indessen einen Z o ll- erlaß. Jngleichen kann ein A b g an g am Gewicht, welcher lc iglich durch den Akt ter Umpackung veranlaßt ist, zollfrei abgeschr;eben und kön­nen aus gei ond ert e Unreinigkeiten ober verborbeneWaaren in bas Ausland zurück- g eführt oder unter amtlicher Aufsicht vernichtet werden- Endlich ist es bei einzelnen Waaren- gattungen gestattet, von der Zollerhebung für ein Mindergewicht, welches sich durch Ein- trocknen, Verstäuben, Verdunsten oder ge­wöhnliche Leckage in der Niederlage ohne Ordnungswivrigkeiten ergeben hat, bis zu 3 resp. 5 und 6 Procent des ursprünglichen Gewichts Umgang zu nehmen. (Forts, folgt.)

Das Auswandererschiff Leibnitz.

In einer kürzlich abgehaltenen B-rathung der Aus­wanderungs-Commission in New-Bork statteten die Herren Kapp und Bissinger Berichte über das Er- gebniß ihres Besuches an Bord desLeibnitz" ab. Bekanntlich lief das genannte Schiff am 2. Novem­ber mit 544 deutschen Passagieren an Bord von Hamburg aus. 108 Personen starben, ehe derLeib­nitz" New-Nork erreichte. Da« Schiff ging an Ma­deira vorüber bis zum 20. Breitengrade, tie Hitze erreichte oft 24 0 R.; die meisten Passagiere waren Mecklenburger Arbeiter, etwa 40 Pommern, Posener und einige Thüringer. Herr Friedrich Kaßner, der Jnspectionsbeamte, gab zu Protokoll, als er an Bord gegangen, habe er bas Fahrzeug in einem solchen Zustande der Unreinlichkcit vorgefunden, daß er an der Leiter und an den Seilen kaum einen Fleck ge­troffen , den man mit ter Hand berühren konnte. Seit fünf Jahren sei ihm etwas Derartiges auf einem Schiffe nicht vorgekommen. Mit Ausnahme der Decklucken und zwei sehr kleiner Ventilatoren gab es keine Vorrichtungen, um dem Schiffsraum frische Luft zuzuführen und während der ganzen Ucbcrfahrt war weder Fenster noch Lucke geöffnet worden. Im Uebrigen sei es nicht schlimmer als andere Auswandererschiffe gewesen. Nur das untere Zwischendeck sei eine fürchterliche Pesthöhle, wo Der gesundeste Mann habe zu Grunde gehen müssen. Das einzige Licht, was in diesen Raum drang, kam vom oberen Deck durch eine Lucke, und obwohl letztere bei der Visitation des Schiffes offen war und trotz der freien Lage desselben in offener See, war es unmöglich, dort unten weiter als zwei oder Drei Fuß etwas zu sehen. Aus angestellte Nachfragen über diesen Punkt wurde erklärt, man habe den Raum während der Passage mit Laternen erleuchtet, solange dieselben nämlich brannten. Wegen Der verdorbenen Luft indessen war schon bald davon nicht mehr Die Rede. Unv vort waren 70 Tage lang 150 Passagiere für den größten Theil ver Zeit bei tropischer Hitze eingepfercht, bei spärlichen Ratio­nen, vollkommen unzureichendem Wasser und Aus­dünstungen von allen Seiten, die für sich allein Fieber und Epidemie im Gefolge haben mußten. Da vom Zwischendeck der Zugang auf das Verdeck einiger­maßen schwierig war, so versäumten die Passagiere des oberen Zwischendecks es vielfach aus Bequem­lichkeit, dort oben ihre Bedürfnisse zu verrichten, wo­durch die Luft besonders für die Unglücklichen im unteren Zwischendeck auf eine erschreckliche Weise ver­pestet wurde. Ein Arzt war nicht an Bord. Die Provisionen waren ausnehmenv schlecht. Zweimal wöchentlich wurven Häringe statt Fleisch gegeben, die Butter war ranzig und Bohnen und Sauerkraut oft so schlecht, daß die Hungrigen sie über Bord warfen. Die Behandlung war herzlos und die Kranken erhielten dieselbe Nahrung wie die Gesunden. Aus­nahmen mußten schwer bezahlt werden. Die Aus- wanverungs-Commission schlägt vor, für alle Schiffe mit mehr als fünfz g Passagieren einen Arzt obli­gatorisch zti machen, das untere Zwischendeck abzu­schaffen und Contraventionen mit 5000 Dollars und doppeltem Betrag des Passagepreises als Schaden­ersatz für den einzelnen Passagier zu bestrafen. Man sagt, Bismarck als norddeutscher Bundeskanz­ler werde zum Schutz der Auswanderer eingreifen und Vorsorge treffen, daß solche Gräuel nicht wieder Vorkommen.

Für die Abgebrannten in TrendOburg sind bis jetzt an uns abgegeben worden:

von Herrn N. N. ans G. . ft. 24 fr.

» C. E.....2 -

Ungenannt.....1

Im Ganzen . 3 fl. 24 fr.

Weitere Beitrage nimmt die Exped. d. Bitts. ent­gegen.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.