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Urlaub maßgebend, noch stünden sie überhaupt mit rem Gesundheitszustände des Grafen in Verbindung. DieKreuzzeitung" sagt, es sei zweifelhaft, ob der Graf die Urlaubsreise überhaupt antreten werde, da der ZollbundSrath am 24. Februar zusammentritt.

Berlin, 18. Febr. Abgeordnetenhaus. Der Minister des Innern überreichte ein Gesetz über Ein­führung der Wahlordnung vom 30. Mai 1849 in den neuen Provinzen, ferner eine neue Wahlbezirks- Ordnung für die ganze Monarchie, wonach möglichst jeder Kreis und jeve große Stadt für sich wählt. Die geschäftliche Behandlung dieser Vorlagen wurde nach erfolgtem Drucke derselben ausgesetzt.

Berlin. Es wird uns ofstciös versichert, daß in der Sitzung des Staatsministeriums vom 13. d. beschlossen worden fei, vor dem Schluß des Land- tags eine Vorlage einzubringen, welche die Regie- rung ermächtigen soll, sofort die Spielbank zu Homburg zu schließen, weil die bezüglich der Fort­dauer des Spiels im Gange gewesenen Unterhandlun­gen durch den Widerspruch Blanc'S gescheitert seien.

Berlin. Der Minister des Innern überreicht einen Gesetzentwurf, betreffend die Schließung der Spielbanken in Wiesbaden, EmS und Homburg. Dieselbe soll spätestens am 31. December 1872 er» folgen, kann aber auch früher auf dem Wege der Verordnung stattfinden. Entschädigung für die Auf- Hebung wird nicht gewährt. Der Gesetzentwurf soll durch Schlußberathung erledigt werden. Der Fi­nanzminister überreicht einen Entwurf, welcher eine Verstärkung von Geldmitteln zur Beseitigung des Notstandes in Ostpreußen verlangt. Die Staats­kasse soll ein Darlehen zur Beschaffung der Saat- ftüchte gewähren, und solle demgemäß die Ausgabe verzinslicher Schatzanweisungen erfolgen. Der Ent­wurf wurde an eine Commission überwiesen.

Kiel, 14. Febr. Es wird behauptet, die königl. Regierung hege die Absicht, die schleSwig-Holstein!- scheu Provinzialstänke im April d. I. zusammenzu- berufen, um derselben neben anderem eine revidirte Städteordnung für beide Herzogthümer vorzulegen; vieß soll die Regierung in der Gemeindecommission bei Gelegenheit der Berathung der von den schles­wig-holsteinischen Abgeordneten eingebrachlen Städte­ordnung erklärt haben. (Kiel. Z.)

Hannover, 13. Febr. DerHann. Cour." schreibt: Von den Gratulanten zur silbernen Hoch­zeit des Königs Georg haben sich schon viele, na­mentlich aus dem Adel, zum Theil über Kassel und Frankfurt nach Wien begeben. Den Extrazug wer­den meist die Gratulanten aus den mittleren und unteren Classen benutzen. Der Adel will hier den 18. Februar für sich durch Bankett im Hansteinschen Saale feiern, während für die anderen Festgenoffen das Odeon bestimmt fein soll. Die nach Hietzing abgesandten Silbersachen sollen zu 100,000 Thaler declarirt fein. Unter den Festfachen werden Rücken- kissen das stärkste Kontingent stellen; wie man hört, sollen nicht weniger als 1573 abgesandt fein.

Oldenburg, 14. Febr. Der im Bundes­kanzleramte ausgearbeitete Entwurf der Gewerbe- Ordnung für den norodeutschm Bund ist den Pro­vinzialregierungen unv auch dem hiesigen Direetorium des Handels- und Gewerbevereins zur Erklärung zugefertigt. Wie wir hören, enthält der Entwurf nicht weniger als 184 Artikel, ist aber durchweg unter Zugrundelegung der Gewerbearbeit ausgear- beitet, unv wenn auch mit einer gewissen Vorliebe die Verhältnisse der Innungen und die Beziehungen zu Lehrlingen, Gcwerbsgehülfen und Fabrikarbeitern geregelt werden, so soll voch nirgends die Befugniß zum selbststänvigen Gewerbsbetriebe von einem Bei­tritte zu einer Innung abhängig sein. Der Entwurf dehnt die Gewerbefreiheit auf ein weites Gebiet aus. Beispielsweise soll auch den Medieinalbeamten, mit Ausnahme der Apotheker, der freie Gewerbsbetrieb gestattet fein, und sollen sie, sobald sie die ange- orvnete staatliche Prüfung bestanden haben, für da« ganze Bundesgebiet eoncessionirt werden.

Leipzig. Der Buchhändler Ernst Keil dahier, der Herausgeber und Verleger der allbekanntenGar­tenlaube" wurde von dem reichen und großen Kunst­verein in Philadelphia zum Ehrenmitglied ernannt, wie es in dem Diplom heißt: Zn Anerkennung der Verdienste dieser Zeitschrift für Literatur und Kunst, welche in der Geschichte der Entwickelung unseres alten Vaterlandes einen hohen Platz einnehmen wer- den." Die Gartenlanbe wird earin als die erste Wochenschrift bezeichnet, die eS verstanden, Gutes und Schönes Jedermann zugänglich zu machen.

München, 13. Februar. Nachdem der Ma- gistrat der Stadt Würzburg sich zum Ankauf der Festungswerke rechts des Mains erboten hat, welche vurch Die Aufhebung der Festungseigenschaft Würz- burg's entbehrlich geworden sind, ist eine gemischte

Commission des Finanz- und des Kriegsministeriums zur Zeit dortselbst mit der Feststellung der Verkaufs- objecte unv des WertheS beschäftigt, um hienach das Anerbieten des Magistrats verbescheiden zu können. Das Kriegsministerium hat an den König den An­trag gestellt, daß auch in der baicrischen Armee die Gemeinen m tSie" angesprochen werden sollen.

München, 15. Febr. DieHoffmann'sche Correspondenz" schreibt bezüglich der Nürnberger Bnrg: Es hat weder eine Abtretung der Burg zu Nürnberg an Preußen, noch überhaupt ein Staats- vertrag mit Baiern stattgefunden. Die Sache redu- eirt sich darauf, daß der König von Baiern, um der neu befestigten Freundschaft zwischen den beiden Kö­nigshäusern und den Staaten einen symbolischen Ausdruck zu verleihen, durch einen Brief, datirt vom 30. August 1866, dem König von Preußen ange­boten hat, die ehrwürdige Burg seiner Ahnen ge­meinsam mit ihm zu besitzen und bei etwaiger An­wesenheit in Baiern zu bewohnen und daß der König von Preußen dieses Anerbieten mit aufrichtigem Dank angenommen hat.

München Die 48 baierischen Wahlen zum Zollparlament sind jetzt sämmtlich bekannt In vier Bezirken ist die absolute Majorität keinem Kandida­ten zugefallen, so daß eine Nachwahl stattzufinden hat. Die 44 entschiedenen Wahlen verteilen sich, sofern wir nicht den einen oder anderen der Ge­wählten unrichtig qualiftetren, auf 12 Liberale, 4 Regierungscanvivaten, 13 Conservativc und 15 Ultra- montane. DieSüdd. Presse" bezeichnet bei dem Ergebniß der Wahlen als bevorstehende Erscheinung die, da Vie Stävte und Die in wirtschaftlicher und politischer Bildung hervorragenden Wahlbezirke im Sinne Der nationalen Fortschrittspartei oder des Regierungsprogrammes, die mehr zurückgebliebenen Oertlichkeiten und Gegenden aber, unter dem Ein­flüsse der Geistlichkeit, im Sinne Des particularistischen WiDerstandes gegen die an das Zollparlament sich knüpfenden nationalen Hoffnungen gewählt haben.

Augsburg, 16. Februar. Der Allg. Ztg." wird aus Wien die verbürgte Nachricht mitgetheilt, daß Graf Platen nicht ausdrückliche Ermächtigung, ja Aufforderung aus Paris die Weifenlegion aus der Schweiz nach Dem Elsaß Dtrigirt habe.

Wien, 17. Februar.Warrens Wochenschrift" enthält ein Florentiner Telegramm, wonach Mena- brea Die guten Dienste Der französischen Regierung in Anspruch genommen hat, um Die Entfernung DeS Exkönigs Franz II. von Neapel au« Rom beim Papste zu erwirken.

Preßburg, 12. Februar. Gestern Abend hat sich hier folgender Vorfall zugetragen: Die hiesig- städtische Polizeiwache wurde gegen 9 Uhr benach­richtigt, daß in einem in der Nähe des Stadthaupte mannschast-Amtes gelegenen Gäßchen excedirt würde. Sofort begab sich eine aus drei Mann bestehende Patrouille dahin und arretirte den Hauptexcedenten. Auf dem Rückwege in das Stadthauptmann - Amt begegnete die Eskorte einer ebendahin commanbirten, gleichfalls au« drei Mann bestehenden Militärpa- tronille, bei deren Anblick der Arrestant sich gegen feine Begleitung zu widersetzen begann, wobei er fortwährend ausrief, er wäre Urlauber und könne als solcher nur durch eine Militärpatrouille arretirt werden. Kaum hatte der Führer Der Militärpatrouille Dies vernommen, als er auch een Jnculpaten für sich rcclamirte; Die städtische Polizeiwachmannschaft wei­gerte sich, Den Arrestanten herauSzugeben, da sie ihn auf frischer That ertappt habe und das Resultat der Erhebung, ob er wirklich der Militär - Jurisdiction angehöre, abgewartet werden müsse und entfernte sich mit dem angeblichen Urheber. Die Militär-Patrouille wlgte, und auf dem Johannesplatze angelangt, don­nerte der Führer derselben der ruhig fortmarschiren- den Polizeimannschaft ein Dreimalige« Halt nach unD ließ, als Dies erfolglos geblieben war, Feuer geben. Zum Glück würbe nicht präcis geschossen unb erhielt nur ein Polizei-Wachmann eine Streifwunde an Der rechten Schulter. Der Excebent würbe nichtsbesto- weniger ber stäbtischen Gerichtsbarkeit zur Amts» hanblung übergeben.

Genf, 12. Febr.Aus einer Quelle, welche gut unterrichtet zu sein pflegt", geht DerAllgem. Ztg." von hier Die Nachricht zu: Die Spielpächter von WieSbaDen UND Homburg hätten sich, in Anbe- tracht Des balDigen EnDeS ihrer Dortigen Herrlichkeit, an Den Verwaltungsrath hiesiger StaDt mit glätt- jenDen Anerbietungen gewanbt, um Die Conccssion zur Errichtung eines Spielhause« in Genf zu erhal­ten. Sie sollen sich gegen eine solche Bewilligung anheischig gemacht haben, Die SchulDen Der StaDt zu bezahlen, Den Bau Des Quai Du Löman zu voll- enben unb ben Straßenburchbruch in Den großen unteren Stadtvierteln auf ihre Kosten auszuführen. Die Antwort des Verwaltungsratbs soll noch nicht

erfolgt fein, kann aber in jedem Falle nur abschlägig lauten.

Florenz, 15. Februar. Der nordamerikanische ADmiral Farragut ist hier auf das herzlichste auf- genommen worden. Derselbe wird sich am nächsten Montage von hier nach Venedig begeben. Es ist davon Die Rede, Daß Der ADmiral mit Der Regierung wegen Errichtung einer amerikanischen Flottenstation in einem italienischen Mittelmeerhafen unterhanDle.

Paris, 14. Febr. Laut Briefen, Die Dem Journal De Paris" au« Rom zugehen, wäre die Mission De« Grasen Crivelli volländig gescheitert. Der römische Hof hätte nicht einmal Kenntniß neh­men wollen von Den Puncten, in Denen Da« öster­reichische Cabinet eine MoDification de« Concordat« wünscht.

Paris. Bei Fortsetzung Der Berathung über Das Preßgesetz tourDe beschlossen, ein AmenDement Guillemonte«, Dahin lautenD, daß jeder böswillige Angriff Der Presse auf Da« Privatleben mit einer Geldbuße von 500 bis 5000 Fr. bestraft werden solle in weitere Erwägung zu ziehen. Bei der Dis» cussion Des Art. 12, welcher mit Der Verurteilung wegen Preßvergehens Den fünfjährigen Verlust Des Wahlrecht« verbinDcn will, beteiligten sich I. Simon, Die Minister Rouher unD Pinard, I. Favre, Olli- vier. Ein Amendement, welches den Wegfall Dieses Art. verlangt, wurde mit 170 gegen 59 St. ver­worfen. In ber Kammersitzung am 8. erregte I. Favre einen heftigen Sturm durch folgende Worte: Wenn die 1848 gestürzte Regierung L. Philipps einige Concessionen gemacht hätte, so würde sic noch in Frankreich sein, unb man würde nicht auf ihren Ruinen das Kaiserreich haben gründen können, bas uns alle unsere Freiheiten gestohlen hat."

Im Ministerium sollen wichtige Veränderungen bevorstehen und der Kaiser bereits mit mehreren Mitgliedern ber liberalen Fraktionen verkehrt haben.

Paris, 15. Febr. Wie bieFrance" meldet, bat Graf von der Goltz gestern dem Kaiser seine Aufwartung gemacht. Der Gegenstand diese« Be­suches war die Auswechselung ber Unterschriften De« Zollvertrags zwischen Frankreich unb Preußen bezw. Mecklenburg, welcher heute ratificirt worben ist.

Paris, 16. Febr. DerMoniteur" meldet: Marquis v. Moustier wechselte gestern mit dem mecklenburgischen Bevollmächtigten, Herrn Borne- mann bie Erklärung aus, welche Den Artikel 18 Des HanDelsvertragS vom 9. Juli 1865 aufhebt, Durch welchen Mecklenburg sich verpflichtet hatte, bie auf Bobenerzeugnisse unb inbuftrieöe Probucte Frank­reichs gelegten Steuern nicht über eine bestimmte Höhe hinaus zu erheben. Da bicse Bestimmung Dem Eintritt Mecklenburg« in Den Zollverein im Wege stanb, so ging Die Regierung Des Kaiser« Darauf ein, auf Den Art. 18 vermittelst einer Compensation zu ver­zichten. Sie hat vom Zollverein eine gewisse An- zahl von Zugestänbnissen erlangt, Deren wichtigste« Die RcDuction De« Weinzolle« auf 20 Fr. per 100 Kilo ist. Da Die Zollermäßigung Durch Einschaltung in Den Tarif Des Handelsvertrags zwischen Dem Zollverein unb Oesterreich legalisirt werben muß, so wirb die Erklärung erst in Kraft treten, wenn der neue Vertrag unterzeichnet ist.

Paris, 16. Februar. Der Abend. Moniteur enthält bie folgenbe Notiz:Eine von München nach Pari« gerichtete Depesche meldet, baß Die Wiener Presse einstimmig behauptet, Der Graf Platen hätte bie hannoversche Legion nicht nach Frankreich über­treten lassen, ohne ausdrückliche Erlaubniß und selbst erst auf eine Einladung von Paris. Diese Nachricht ist unrichtig. Es wurde weder eine Ermächtigung noch eine Einladung von Paris gesandt, um die hannoverschen Emigranten nach dem Elsaß übertre­ten zu lassen; sie sind auf unser Gebiet herüberge- kommen aus eigenem Antriebe unb ohne vorläufige Anzeige. Die Regierung, basen unterrichtet, hatte Maßregeln getroffen, um bie Officiere und Soldaten getrennt und in bedeutender Entfernung von unserer Ostgrenze zu interniren.

Petersburg, 16. Februar. DasJournal de tot. PcterSbourg" fcementirt die Nachricht der Times", daß General Tschernajetv sechs Monate in Serbien zugebracht habe, um die dortigen Rüstungen zu leiten und fügt hinzu, daß der genannte General feit Jahresfrist Rußland nicht verlassen habe. In Bezug auf den Artikel derPatrie" vom letzte» Dienstag, welcher die europäischen Sabenete wegen ber russisch-serbischen Manöver als von großer Sorge erfüllt hinstelle, spricht bas Journal den Wunsch au«, daß die Mächte niemals von größeren Sorgen heim- gesucht werden mögen. Das Journal bementirt enblich bie Mittheilung berLiberty" über Ver- hanblungen zum Zwecke ber Herstellung der russisch- römischen Beziehungen, an welchen Frankreich Theil nehme.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.