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Darmstadt, 11. August. Das heut« erschienene Regie­rungsblatt Nr. 14 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des In­nern und des Kriegs, die Einführung preußischer Militärgesetze und Verordnungen (über Vorspannleistung, Unterstützung der bedürftigen Familien zum Dienste einbernfener Reserve- und Landwehrmannfchaften. Kriegsleistungen und deren Entschädi­gung) im Großherzogthum betreffend.

11. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Fi­nanzen, den Verkehr mit Spielkarten im Großherzogthum betreffend.

111. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Fi­nanzen, die Erhebung der Uedergangssteuer von Branntwein, Bier und Malz im Königreich Württemberg betreffend.

IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Fi­nanzen, die Aufhebung der Großherzoglichen Direction der Main- Weferbahn zu Gießen betreffend.

V. Bekanntmachung, die Einkommensteuer betreffend.

VI. Abwesenheitserklärung.

VII. Ordensverleihungen. Leine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu verleihen geruht: am 23. Juni den, Dekan des Dekanats Worms und ersten evan­gelischen Pfarrer in WmmS, Eduard Keim und dem Gymnasiallehrer in Pension, Dr. Friedrich Eich in Worms, das Ritterkreuz erster Klasse des Philipps-OrdenS; am 2. Juli dem Fabrikanten Cornelius Wilhelm Hehl in Worms das Ritterkreuz erster Klaffe desselben Ordens; am 3. Juli dem Bauaufseher bei dem Kreisbauamt Worms, Adam Köhler, in Rücksicht auf seine geleisteten fünfzigjährigen treuen Dienste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für fünf­zigjährige treue Dienste"; am 4. Juli dem Landgerichts­diener bei dem Landgericht Zwingenberg, Friedrich Heilm a nn, in Rücksicht auf seine geleisteten fünfzigjährigen treuen Dienste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für fünfzig­jährige treue Dienste"; am 10. Juli dem Kaufmann und Agenten Karl Meyer in WormS das Ritterkreuz zweiter Klaffe des Philipps-OrdenS; am 18. Juli dem General- Lieutenant und Commandanteu der Haupt - und Residenzstadt. Darmstadt, Wilhelm Friedrich Keim, das Großkreuz desselben Orden»; am 22. Juli dem Justizrath und EaffationShofS- Eecrctär in Pension, Friedrich Wilhelm Frommann, das Ritterkreuz zweiter Klaffe des LudewigS-OrdenS; am 28. Juli dem Hofrath und Historiographen des Großherzoglichen Hauses und des GroßherzogthumS, Dr. Wilhelm Steiner, das Ritterkreuz erster Klasse des LudewigS-OrdenS und am 31. Juli dem DistrictSeinnehmer der DistrietSeinnehmerei Butz­bach II., Caspar Scharmann, mit Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treuen Dienste, das Ritterkreuz zweiter Klasse deS PhilipPS-OrdenS.

VIII. Ermächtigung zur Annahme eines frem­den Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 22. Juli dem Commerzienrath Franz Anton Probst zu Mainz die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen deS ihm von Seiner Majestät dem Könige von Preußen verliehenen rothen Adler-Ordens vierter Klaffe zu eriheilen.

IX. Versetzungen in den Ruhestand: Se. König­liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 25. Juli den Vereinsbevollmächtigten Geheimen Legationsrath Dr. Julius von Breidenbach zu Stuttgart und den Kassier bei der Verwaltung Heidelberg der Main-Neckar- Eisenbahn, Heinrich Schleuning, in den Ruhestand zu versetzen.

X. Co ncurrenz eröffn ung. Erledigt ist: die evange­lische Pfarrstelle zu Wendelsheim, im Dekanate Alzey, mit einem Gehalte von 1505 st. 50 fr.

Berlin, 11. Äug. Wie dieZeidlerffche Correspondenz" hört, will General Vogel v. Falkenstein nur das Sagum, nicht aber die Toga ablegen und seinen Sitz im norddeutschen Reichstage inne behalten. Das wird in seinem Königsberger Wahlkreise wohl sehr gemischte Empfindungen Hervorrufen. Demselben Organ zufolge sollen die Eramiua wenigstens die besonderen für die höheren Verwaltungsbeamten küng- tighin ganz fortfallen. Der heutigeStaatsanzeiger" hat Hrn. Bluntschli in Heidelberg einen preußischen Kionen-Orden zweiter Klaffe gebracht. Auch die Marketender sollen jetzt mi­litärisch organisirt und zu einer sich dem Train anschließenden regelmäßigen HeereS-Abtheilung vereinigt werden. Ob man besondere weibliche und männliche Compagnien zu formiren gedenkt, darüber verlautet noch nichts, eben so wenig ist bis jetzt über die Uniformirung des Corps bekannt. Aber das steht fest die schönen Tage derGustel von Blasewitz" find vorüber. Ganz ohne Hietzing kann es doch nicht abgehen! Di« WienerAllg. Volksztg" meldet eb und dieKreuzztg" druckt es ohne Witz und mit Behagen nach, daß Freese un­mittelbar nach dertollen Volksversammlung beim Sperl" nach Hietzing gefahren ist fohne Frack und Cylinder?), wo er bei einem Diner im Hause deS Kaufmanns Kaulla fich mit dem Grafen Platensehr lange und lebhaft" nun was? unterhielt. Schrecklich! Ist denn fein ©fieber da?

Berlin, 13. August. Die KorvetteMedusa", welche zum Schutze des deutschen Handels gegen die Angriffe der Pi­raten »ach den vstindischen Gewässern entsendet werden soll, wird jetzt in Dienst gestellt, um behufs des Dockens nach Dan­zig geführt zu werden. Es ist die Korvette Medusa gerade ihres geringen Tieftanges wegen für diesen Zweck ausersehen worden, der das Schiff in den Stand setzt, die Seeräuber bis in ihre Schlupfwinkel zu verfolgen. DerElberf. Ztg." schreibt man von hier: Bei dem Widerstande, welchen bis jetzt die Anstellung jüdischer Lehrer an Gymnasien und Schulen gefunden hat, isi es inleteffant, daß jetzt eine solche Anstellung an einer Stelle erfolgt, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet. Professor Lazarus, welcher vor einiger Zeit seine Professur in Bern niedergelegt hat, um in Beilin, wohin ihn mannigfache Familienveihältniffe zogen, leben zu können, hat eine Anstellung als Lehrer der Philosophie an der hiesigen Kriegsschule erhalten, und wird er mit dem Beginne deS Un­terrichts im Wintersemester in seine neue Stellung eintreten. Die Astronomen der norddeutschen Erpedition zur Beobachtung der totalen Svnnensinsterniß find nach demL. Tagbl." glück­lich in Aden angekommen und haben nur einige Beschädigun­gen an Jnstrumentenkisten zu beklagen. Sehr unbequem war ihnen die Hitze im rothen Meer, denn die Temperatur ist am Tage gewöhnlich -f- 28" R., des Nachts + 26<> und in der Sabine + 27» R. Von Aden sind sie nach kurzem Aufent­halte nach Bombay abgegangen.

Berlin. Durch einen Zufall ist die Kriminalpolizei in ben letzten Tagen einet zahlreichen Gesellschaft von HauSdienerii auf die Spur, gekomnien. welche fortgesetzt seit einer Reihe von Saljten ihre Prinzipale bestohlen haben. Nach den bisherigen

Ermittelungen muß der Werth des entwendeten Gutes, das dem Waarenlager der betreffenden Geschäfte entnommen wurde, in jedem einzelnen Falle sich auf Tausende belaufen. So find beispielsweise bei dem Hausdiener der Kaufleute Beh­rens und Eiseck, Namens Lindemann und zwar bei Ge legenheit der bei ihm vorgenommenen Haussuchung, 4640 Tbaler in preußischen Staatspapieren vorgefunden worden, eine Summe, die er sich vo» seinem geringen Gehalt von monatlich 18 Thalern und bei sechs unerzogenen Kindern un­möglich erspart haben kann. In feiner Stellung bei Beh­rens und Eiseck war er bereits über 10 Jahre und genoß das vollste Vertrauen feiner Prinzipale, welche sogar, dadurch be­wogen, die Absicht hatten, ihn durch Ankauf eines kleinen Ge­schäft« selbstständig zu machen.

Berlin. Es ist im Publikum noch vielfach unbekannt, daß die Postanstalten auch Postanweisungen innerhalb des Nord­deutschen Bundes und nach Süddeutschland bis zur Höhe von 50 Thalern zur Beförderung auf telegraphischem Wege anneh- men. Die Einzahlung geschieht auf eine gewöhnliche Postan­weisung und kann der Absender außerdem Bemerkungen hinzu- fügen. An Gebühren werden erhoben: 1) die Postgebühren mit 2 Sgr. bis 25 Thlr. und mit 4 Sgr. dis 50 Thlr., 2) die regelmäßigen Depeschengebühren, 3) ein Erpreß-Boten­lohn von 2V8 Sgr., wenn die Telegraphenstation sich nicht mit der Postanstalt in einem Gebäude befindet. Für Reisende, welche durch unvorhergesehene Umstände in Verlegenheit gera- then, ist diese Einrichtung gewiß sehr zweckmäßig, da die Aus­zahlung des Betrages sofort am Bestimmungsorte der De­pesche erfolgt.

Kassel. Die hier tagende Rabbinen-Versammlung (an 20 Mitglieder) ward am 11. d. von dem hiefigen Land-Rabbincn Dr. Adler mit einer Ansprache eröffnet, in der er den Zweck derse den dahin erläuterte, daß die Versammlung nur deßhalh zusamm engetreten sei, um das religiöse Leben, nicht aber hie­rarchische Bestrebungen zu fördern, und den Gemeinden behülf- lich zu fein, ihre Autonomie wieder zu erlangen, welche ihnen der BureaukratiSmus entzogen habe.

Schlüchtern, 11. Äug. DerFranks. Ztg." wird be­richtet:Heule Morgen wurde hier auf Anordnung der Ha­nauer Behörden ein höherer französischer Offizier (capitain major) verhaftet. Derselbe trug Civilkleidung und führte ver­schiedene Zeichnungen der hiefigen Gegend, sowie viele Land­karten bei sich. Dem Landrathe erwiederte er bei seinem Ver­höre, daß er zum Vergnügen reife und aus demselben Grunde sich auch dieser Beschäftigung unterziehe; hierauf wurde sofort nach Kassel und von da nach Berlin telegraphirt, von wo heute Nachmittag um 5 Uhr die Nachricht eintraf, den Ver­hafteten zu entlassen, was auch sofort geschah, jedoch nur, nachdem derselbe fein Ehrenwort gegeben, sofort feine Rückreise anzutreten."

Frankfurt, 12. Aug. DieBresl. Ztg." sagt in einem Artikel:Wir begreifen ans der eigenthümlichen Geschichte des preußischen Staates heraus sehr wohl, wie die Biireaukra- tie so werden mußte, wie sie während des allmählichen Wachs- thums des Staate« nothwendig war, und in ihrer Weise nütz­lich gewirkt hat. Aber ihre Zeit ist jetzt, wo der neue deutsche Staat im Rohbau fertig steht, vorüber. Ihr wird eS nicht möglich sein, die neuen Provinzen zu gewinnen, zu versöhnen. Unser ceterum censco ist : im neuen Deutschland ist für das alte Preußen kein Platz mehr. Der Centralisation in Bundesange­legenheiten muß eine provinzielle Decentralisation zur Seite gehen. Nur diese, eine erhöhte Selbstverwaltung der einzelnen Provinzen kann die neuerworbenen Länder versöhnen, in ihnen eine Stimmung Herstellen, wie sie für die Fortentwickelung des Vaterlandes nothwendig ist."

Erzhausen, 12. Aug. Im hiesigen Pfarrhaus weilte eine Dame aus Darmstadt zum Besuche. Als sie gestern kurz vor Mitternacht durch mehrmaliges Läuten der Hausschelle aus dem Schlummer geweckt wurde, begab sie fich zu der Frau des Hauses und verfügte fich mit derselben in das Wohnzim­mer. Ein orkanartiger Sturm hatte sich erhoben, gleich barauf erschütterte ein mächtiger Donnerschlag das Haus und eine Fener- gatbe fuhr zischend durch die Stube, in der sich die erschrocke­nen^ Damen befanden und versengte der residenzlichen Dame das Haar, ohne sie jedoch weiter zu verletzen; der Blitz verlor sich durch die Wand. Ein Theil des Daches ward abgedeckt, im Inner» deS Hauses arge Beschädigungen angerichtet. Durch den Sturm war die Schelle in Bewegung gesetzt, dadurch die Cousine des Pfarrers geweckt und so vom fast sicheren Tode gerettet worden, denn in ihrem Schlafzimmer war die Zim­merdecke und die Seitenwand durch die Wirkung des eleetri, schen Strahls größtentheilS eingestürzt und der Schutt gerade auf das an der Wand befindliche Bett, das die Dame unmit­telbar vorher verlassen hatte, gefchleudert worden.

Wien. Eine kleine ReminiSeenz an den Festzug. Der Direetor des Carltheaters, Herr Ascher, fungirte als Führer der AbtheilungRordost - Deutschland". In dieser Abfheilung befanden fich auch unsere lieben Brüder ans Preußen. Plötz­lich beim Beginne des Zuges stockte derselbe. Die Berliner wollten nicht weiter; auf ihren Gesichtern spiegelte sich ein ge­lindes Entsetzen. Was war geschehen? Einer von ihnen hatte die Aufschrift gelesen. Doli stand klar und deutlich:Braden- burg" statt:Brandenburg". Es handelte sich um ein n", das im Drange der Ereignisse vergessen worden war. Aber die Berliner wollten durchaus nicht alsBradenburger" mifmarschiren, sondern sofort den Zug verlassen, um der Ge­fahr der Lächerlichkeit zu entgehen. Ein glücklicher Einfall Ascher'S wirkte rettend.Seht dort - rief er seinen ergrimm­ten Landsleuten zu, seht die Hanauer, Sie marschiren mit doppeltemn". Aus ihrer Standarte heißt eSHannau". Wahrscheinlich haben sie, die Strafpreußen, Euch den Tori angeihan. Euern" zu anneftiren! Allgemeine Heiterkeit, und der Mißmulh war beseitigt,

Brüssel. Heinrich Rochefort hat jetzt seine Frau -und Kinder hierher nach Brüssel kommen lassen. Aber wie lange er hier bleiben kann, das ist die Frage. Uebrigens gibt er er sich darüber keinerlei Illusionen hin und macht sich gefaßt, ein ziemlich unstätes Leben fuhren zu müssen. Die zwölfte Nummer derSanfetne erscheint jedenfalls hier, da wahr­scheinlich morgen die sechste Kammer de« Pariser Zuchtpolizei- gerichtS Rochefort per contumace zu 5 Jahren Kefängniß, einer bedeutenden Geldbuße verurtheilen und dieLanterne" unterdrücken wird. Ihr Vergleich mit Rogeard ist leider nur zu wahr. Rochefort ist wirklich zu bedauern, denn er folgt leider gezwungen demselben Weg, wie jenen des Verfassers der Propos de Labienus. Victor Hugo, der gegenwärtig hier ist, hat Rochefort aufs Dringendste gebeten, bei ihm zu woh­nen und zu speisen, doch hat derselbe vorgezogen, seine Familie hierher zu berufen.

Paris. Herr v. Girardin stößt wieder einmal in dl« Kriegstrompete. Durch Belgien den Rhein! heißt die Parole Merkwürdig ist aber, daß dieser KriegSlärm gerade von solchen Organen Widerspruch findet, die sonst nicht preußenfreundlich oder besonders gemäßigt erscheinen, wie z. B. dieGazette der France" ober die Opinion nationale".ES ist zu spät, die deutsche Einheitsbewegung zu verhindern", sagt das erstere Blatt, und das letzte befürwortet eine Allianz zwischen Frank­reich, Deutschland und England als das einzig mögliche Mittel zur Lösung der europäischen Krisis, deren Unheil und Gefahren ein Krieg nur vermehr.n könnte. Vor solch hohem 3(e[e müßten engherzige Nebenbuhlerschaft, Eitelkeit und militärische Ruhmsucht in Schatten treten.

Paris. Ein Stückchen französischer Sittengeschichte schil­dert derFigaro" in folgender Anekdote: Ein gewisser Mini­ster machte vor nicht gar langer Zeit eine Inspektionsreise jn die Provinz. Der Minister ließ sich in dem Departement von dem Präfekten begleiten, welchen er etwas scharf mit­nahm. Des Abends dinirte man auf der Präfektur und nach dem Diner nahm man im Salon Kaffee und Liquem. Nach­dem der Präfekt diese letzte Pflicht eines Hausherrn erfüllt, setzte er sich in ein Fauteuil, sagte kein Wort mehr und schien in tiefen Schlaf versunken. Während dieser Zeit zeigte sich der Minister als erkenntlicher Gast der sehr schönen und sehr fünften Präfektin gegenüber äußerst liebenswürdig und galant. Im Hintergrund dieses Bildes räumte ein Bedienter, welcher auf die Beschäftigung der Frau Präfektin und dm Schlaf der Präfekten zählte, mit dem Liquenr auf. Er hatte schon zwei Glaser Chartreuse geleert, und in dem Augenblicke, wo der Minister sich am zudringlichsten zeigte, erhob er den Arm, um ein drittes an seine Lippen zu setzen. Plötzlich erwachte der Präfekt aus seinem angeblichen Schlafe und sagte in höchst schlimmer Laune: Du Esel! glaubst du denn, ich schlafe für alle Welt?"

London, 10. Aug. Das in letzter Zeit mehrfach er­wähnte Project einer Tunnellirung de« Canals ist um ein Stadium weiter gediehen. Der Ingenieur, Hr. Remington, hat einen längeren Prospekt über die Ausführbarkeit und die wahrscheinlichen Kosten des Unternehmens abgegeben, welchem zufolge dasselbe vor der Ueberbrüttung des Canals wegen der Billigkeit der Herstellung und der Betriebskraft, sowie' wegen der Tallerhaftigkeit de» Vorzug zu verdienen scheint. In 5Vs Jahren längstens soll die Tunellirunz beendigt sein. Die Bau­kosten find auf nicht ganz 7 Mill. L. veranschlagt (während der Brückenbau zwischen Dover und Calais 20 Mill L. kosten soll), die wahrscheinlichen Einnahmen auf 1,625,900 L., die wahrscheinlichen Betriebskosten auf 650,360 L. angesetzt, so daß sich ein jährlicher Reingewinn von 975,540 L. ergäbe. DerStraits-Times" vom 4. Juli zufolge wurde die nord­deutsche Barke . LeSmona" in der Bai von Tonquin von einer Windstille überrascht und von einer chinesischen Piratendschunke, besetzt mit 20 bis 30 Mann, angegriffen, genommen, geplündert und in. den Grund gebohrt. Die Bemannung der"Lesmona", obwohl mit acht doppelläufigen Hinterladern bewaffnet, ergab fich ohne Kampf.

Italien. Mazzini regt sich wieder einmal. In einer Adresse an seine Freunde in Bologna, Genua und Faenza beklagt er die gegenwärtige Lage Italiens und sagt von dem Unternehmen gegen Rom:Der letzte, so heroische Anschlag auf Rom konnte nicht gelingen. Die in der Provinz begon­nene Bewegung ich habe es Euch gesagt, aber Ihr habt nicht auf mich gehört mußte unfehlbar die Erhebung Roms unmöglich machen. Man hätte vielmehr vorsichtig alle An­griffsmittel in Rom vereinigen und von Rom aus das Signal geben müssen. Gegenwärtig untersagt sich nach den traurigen Folgen des letzten Anschläge« auch dieses Verfahren von selbst. Die Aufgabe muß anders gestellt werden. Aus den Städten Italiens muß die Befreiung Roms kommen. Dieses Unternehmen darf nicht mehr das Unternehmen einer Partei, es muß das Unternehmen der Nation fein."

Polen. Ein russischer Statthalter verbietet den Polen den Gebrauch ihrer Muttersprache; das, was jedes Volkes und Menschen erstes und heiligstes Eigenihum ist, die Mutter- sprache, das sollen die Polen bei harter Strafe verlernen und verlieren. Man höre die Verordnung des Statthalters Pota- poff von Littauen:Es ist strengstens »erboten, fich an öffent­lichen Orten der polnischen Sprache zu bedienen: nämlich in der Kirche, auf der Straße, in Hotels, in Einkehrhäusern, Comptoiren, Zuckerbäckereien, Kaffeehäusern, Restaurationen, Weinhandlungen, Bierhallen, Spazierorten, Gärten, in allen Läden, Druckereien, photographischen Anstalten und im Allge­meinen an allen Orten, wo das Publikum fich versammelt oder eintreten darf. Auch ist es nicht gestattet, in Privathäusern bei einer Versammlung von mehr als zwei Personen polnisch zu sprechen. Es wird blos im häuslichen Umgänge mit der nächste» Familie, nämlich zwischen Mann und Weib, zwischen Eltern und Kindern, aber blos und allein im häuslichen Raum«, sich der polnischen Sprache zu bedienen gestattet. Diese Ver- orbnung soll pünktlichst beobachtet und die Geldstrafen der­maßen auferlegt werden, daß stc eine wahre Strafe für die Schuldigen seien." Poiapoff m. p."

Amerika. Längst suchte man in Newyork nach einem System, wonach die Eisenbahn ohne Gefahr vor Unglücks­fällen mitten durch die Straßen der volkreichen Stadt geführt werden könne. Am 3. Juli letzthin hat nun eine Probefahrt auf der in Greenwich Street erbauten sogenannten erhöhten Eisenbahn stattgefunden, welche ein günstiges Resultat hatte. Zwanzig bis dreißig Fuß hoch über dem Niveau der Straße führt dicht an den Häusern eine auf eisernen Pfeilern ruhende, einer unendlich langen Brücke ähnliche Struktur, auf welcher die Schienen gelegt sind, lieber diese hin braust der Zug, wäh­rend unten ganz friedlich unbelästigt und unbedroht die elegante und nicht elegante Welt ihren Geschäften nachgeht, geschützt vor Sonne und Regen, wie in den Arcaden Berns.

Newyork, 25. Juli. Bezüglich des bereits früher erwähn­ten Projektes einer neuen Postdanipferlinie zwischen Newyork und Bremen hat der Senat eine Bill angenommen, welche der Com- mercial Navigation - Company einen jährlichen Zuschuß von 250,000 Dollars auf zehn Jahre und von 5 Millionen am Ende dieser 10 Jahre gewährt, zum Zwecke des Baue« und der Instandsetzung von sieben Dampfern für die Reise zwischen Newyork und Bremen, mit Southampton, Liverpool und Queenstown als Zwischenstationen. Auf diesen Schiffen soll die Post befördert werden, wofür die Compagnie die gewöhn­lichen Portogebühren bis zum Betrage von 400,000 Dollars jährlich, und wenn diese Summe überstiegen wird, eine Tan­tieme bis zu einem Betrage von weiteren 200,000 Dollars erhält. Bis zur Abzahlung der Zuschüsse jedoch bleiben die Portogebühren in Händen der Regierung, welche sie verrechnet.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'scken Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

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