Feuilleton.
man
Das
mein
Von
kom-
Die Verschwörer von 1799.
Roman von de Saint-Felix.
Der Unbekannte.
Am Abend des zweiten Juli 1799 schwang sich auf dem Hofe eines der schönen Häuser in der Straße des Faubourg-Saint-Honorö ein Ofsizrer von
D»°Pförtner, höchst erstaunt über die Ankunft dieses Herrn, der mit bar- scher Stimme von ihm das Aufmachen des Thorweges verlangt hatte, erwartete mit einer Laterne in der Hand, daß der Unbekannte ihm den Zweck seines Be-
l)er Offizier war in eine grüne Uniform gekleidet. Er trug hohe Stiefeln, eine weiße Lederhose und einen Filzhut, dessen aufstehende, spitze Ränder so m,t Staub bedeckt waren, daß man kaum die Schnur und die Kokarde daran unte - schied. Die Schabracke des Pferdes war mit einer schmutzigen Golddresse besetzt ; der Mantetsack war nur klein, dagegen aber schienen dieneftgen jpd|ter lange Karabiner zu enthalten. Wir fügen hinzu, daß ein türkischer Sabel an dem ^^ke^des^Reiters^hlng^ einen Blick auf die Epauletten des
Kriegers werfend, Bürger Hauptmann, dies Haus ist nichr bewohnt . . . e I fogarju Zukäufen!' wiederholte der Offizier, indem er die Kinnkette seines Pferdes loshakte und die Sattelgurte abschnallte. Und seit wann, Burger, ist es denn zu verkaufen, wenn ich fragen darf? K
Der Pförtner zögerte mit der Antwort. Der Ton der Stimme des Ossi
— Ach, ich begreife, fuhr der Letztere fort, während er sich unausgesetzt mit seinem Pferde beschäftigte. Dies Haus gehört vermuthlich einem Hund von Emigranten, und die Ration, weiche niemals auswandert, hat von dem Hause Bekitz aenommen. Das ist ganz in der Ordnung, Burger. Inzwischen — ^ter ist me?n Pftr7, ein Araber vom reinsten Blute, wie Ihr seht. Eure Stalle find leer, allein Eure Speicher sind vielleicht gefüllt. Fuhrt mir diesen Sause, wind in den Stall und gebt ihm einen Ehrenplatz, Streu bis an die Kniekehlen und drei Maaß Hafer. Er kommt direkt von Kairo in Egypten, über Land und Meer . . . aber, zum Teufel, was steht Ihr da wie em jbi« aus einem Felsblock? Macht schnell, Bürger, macht schnell! \
Uno fein Pferd an einer der Gebißstangen ergreifend, schritt der Offizier auf die Stallthür zu, als ob ihm das Haus seit zehn Jahren bekannt wäre. Der Pförtner folgte ihm in immer größerer Verwirrung.
Die Stallthür öffnete sich unter dem Handdruck des Fremden, der, nachdem er seinen arabischen Hengste den Zügel ^genommen hatte, ihm eine Halfter überwarf und ihn vor einer der besten Krippen des Stalles festband.
Dann, sich zur Rechten wendend, erstieg er kurz entschlossen eine Holztreppe und kam bald wieder mit einem enormen Strohbundel auf den Armen herab. Der Pförtner sah ihm mit Erstaunen dreimal dieselbe Operation Wiederholern
Als dem Pferde das Stroh fast bis an den Bauch reichte, nahm ihm der Offizier den Sattel ab und begann, ihm jnit einem Strohwische das Kr.uz und die Flanken so geschickt wie der rüstigste Stallknecht zu reiben.
— So! rief er endlich aus. Jetzt, Bürger, wollen wir diesen Aristokraten mit einer guten Wolldecke umhüllen. Eine halbe Stunde lang mag er nach Herzenslust schwitzen und schnaufen, dann werden wir die Ehre haben, ihm mit drei Maaß Hafer aufzuwarten. Jeh füge hinzu: wenn ^emeinb das Unglück hätte, diesem Pferde ohne meine Erlaubniß zu trinken zu geben, so wurde ich ihm — d. h. nicht dem Pferd, Bürger — eine Kugel durch s Gehirn tagen. Verstanden?
— Ganz wohl, antwortete der Pförtner. t .
— Dafür wäre also gesorgt, nahm der Offizier wieder das Wort. Denken
— Ist hier Eure Stube? fragte er. Wahrhaftig, in Egypten würde djes den Taal des Divans titutircn. , . o
___ Will mein Hauptmann mir die Ehre erweisen, mir zu folgen Zimmer, welches ich ihm bestimme, liegt im oberen Stock.
__ Einen Augenblick! amwortete der Offizier. Laßt uns hier essen, Lieber! Ich bin nicht vom Pferde gestiegen, um eine Treppe zu erklimmen. Toulon bis Paris habe ich nicht meine Stiefel abgelegt.
__ Der arme junge Manu! sagte eine aus der Ecke des Zimmers
. . • finb mk nid)t atiein? fragte brr Öffner. .
— Mein Hauptmann, es ist meine Frau, antwortete der Pförtner ein toCtliSiBei tiefen Worten trat eine alte, schwarzgekleidete Frau, die sich auf einem
Sie kommen also von der Armee
m sich ungenirt in einen Sessel neben einem Tische ge
worfen, auf den ter würdige Pförtner ein. weißes Tuch breitete, und Glaser, rwei Flaschen, Teller und etwas Brod hinsetzte.
* — Meine Frau ist schwachsinnig, flüsterte er, aber doch immer noch so neu
gierig, w Eine! Möge mein Hauptmann Geduld mit ihr haben und einen e&WN »« 3d> q». >»'! e*iw m SN»
St Honorö das Essen holen im Nationalhirfch. , t , .
— Olim der königliche Hirsch, nicht wahr ? lachte der Offizier. Das lehrt natürlich die Bürger Hirsche, auf ihre aristokratischen Anmaßungen zu verzichten. Lfg?ns bekenn?ich Eu'ch,'daß ich in der That vorn Wttdpret tie H.rsihe, w.e vom Geflügel die Rebhühner am meisten liebe, Ietzt, mein Bester, ^cht.
Der Pförtner machte sich eiligst auf den Weg nach der Straße St. Honor^
Als sie mit dem Offizier allein geblieben war, wurde die kleine alte Frau schweigsam. Sie zündtte eine schöne, ganz neue Kerze an, welche sie au den Dsch setzte. Der Unbekannte drehte ihr den Rücken zu und ruhte sich behaglich der Länge nach in seinem Lehnstuhle aus, wie ein Mann, der ,n der That von Toulon bis Paris seine bespornten Stiesel nicht abgelegt hatte.
__ Bürgerin, fragte der Offizier, nachdem er einige Minuten lang nachdenklich feine Augen geschlossen hatte, wem gehört dies Haus?
- Wem? antwortete die Alte, fast in gereiztem Tone. Nun, natur ch der Frau Nation: es ist ein Nationaleigenthnm . . . wollen Sie es kaufen, fbcrr' Hauptmann? Man wird es Ihnen für 150,000 Franken überlassen, aber, wohlverstanden in harten Thalern, denn heutzutage ist das gefällige Papiergeld vor die Thüre gesetzt- Das arme Volk! vor sechs Monaten mußte es 3000 Franken für ein Pfund Kalbfleisch bezahlen.
_ Paris? Das war nicht sehr theuer! und letzt?
- Dank Aerrn Barras, Herrn Siches und den anderen Herren, zahlen wir ictzt nur sechszehn Sous für das Pfund — Kupfer gilt noch mehr als I Punwen Herr Offizier. Also, wollen Sie das Haus kaufen? Es ist schon, es ha"^ vergoldete Spiegelrahiuen und Parquetböden . Und hinten .st ein großer Garten, der sich bis zu den elysäischen Feldern erstreckt.
Der Dffiiier senkte träumerisch das Haupt. „
— Ihr habt dem alten Herrn dieses Hauses gedient? fragte er iogernti — Nun freilich, mein Herr! Das ist doch fein Verbrechen, denke ich.
— Gewiß nicht, Bürgerin. O, vor mir dürft Ihr offenherzig reden; ich habe mich niemals um Politik bekümmert. Ein Soldat kennt nur fernen X,egen.
— Ich halte Sie für einen guten Menschen. Ja, mein Herr , ich habe Vertrauen zu Ihnen. Also gerade heraus, meine arme alte Herrschaft thut
Nachdem er dem Pferde sreundschactlich das Maul gedrückt, und ihm mi I der Hand durch die Decke hindurch über den Widerrist und das Kreuz gefahren war, verließ der Unbekannte mit dein Säbel unter dem Arme und seinen Pistolen in den Händen den Stall.
Der Pförtner hatte sich beeilt, ihm den Mantelsack zu tragen.
— Bürger Offizier, sagte er zu ihm auf dem Hofe, Ihr habt ohne Zweifel ein_Qu^^ anjroortd(, tic|-er, denkt erst hieran, nachdem Ihr mein Pferd untergebracht habt? Es ist gut, Bürger Pförtner, ich werde Euch tiefen Edelmuth nicht vergessen. Ja, ja, ich habe ein ausgezeichnetes Quartierbillet auf dieses Haus. Allein, was ich sagen wollte . - - . ■ .
— Mein Hauptmann kann in dem Hause selbst nicht logiren, sagte der Pförtner. Altes ist seit sieben oder acht Jahren verschlossen; kein Bett, feine Matratze befindet sich dort. Aber, wenn mein Hauptmann mit einem übrigens aani gewöhnlichen Zimmer im Vorderhause vorlieb nehmen will . . .
‘ I„ Eurer Nähe, mein Bester, antwortete der Offizier. Gewiß angenommen falber sorgt vor allen Dingen für mein Abenvbrod - - - >ch habe kannibalischen Hunger . - - ich fornme von Kairo ! r, „ . ...
— Vom großen Kairo! rief der Pförtner aus, der sein Erstaunen nich mehr zu beherrschen vermochte. , , t b 8
— Vom allergrößten Kairo, das tn Egypten existirt. Aber laßt uns das Abendbrod nicht vergessen. in
Und er drückte dem Pförtner einen schongepragten Sechsfianfenthaler in tie H^nd- ^ßrtier wMe ihn zurückweifen, aber schon glitt ein zweiter Thaler, wie um dem ersten Gesellschaft zu leisten, in feine Hand. „
— Dieser gilt fünf Franken, bemerkte der O'fiz^r, und tragt das Bil der Repuplik- Meiner Treu', es ist schlimm, wenn er sich mit seinem aristro r . tischen Nachbar schlägt; diese pausbäckigen Könige hatten sich wohl ttn w n g dem Decimalsystem anbequemen können. Besorgt mir das Abendessen, 8 •
Der Pförtner wagte fein Wort zu erwiedern; er fürchtete ohne Zwuset, sonst einen dritten Thaler in seine Hand gleiten zu sehen , r, ,
Er schritt seinem Gaste voran, und Beide gelangten in ein großes, sch ch erhelltes Zimmer im Erdgeschoß, das jedoch, wie dem Offizier nicht entging, ziemlich luxuriös im Geschmacke des alten Regime mödlirt war.
mir Dw Pförtnerin wischte sich eine heimliche Thräne aus dem Auge. Der Offizier blickte vE°hlm zu ihr hinüber, und da sie das Schweigen bewahren in wollen schien, fuhr er fort zu fragen: Q
- Wie hieß denn der frühere Eigenthumer dieses Hauses?
— Herr de Vitry, wie man sonst zu sagen pflegte, der . - - Graf de VltrY, “Tw'i’SÄÄf. ®mW, w„ch. »„»fW.nl. -»'M-. w «i-iM ül(0 „|n,„ «... «I« dl' S.U..«
— Er starb M dem Revolutionsplatze, antwortete die alte Frau nut un- "TmÄ* d-.sch «4 Md mit
hinter dem Rücken verschlungenen Händen naehdenflich das kleine Iemach.
Der Pförtner trat ein von einem Küchenjungen gefolgt, der emen r.esigen
des Abendessens schien den Offizier feinen Betrachtungen zu entreißen Seine Züge nahmen wieder jenen heiteren Ausdruck an, der ihr g - wöbnllckes Gevräae schien. Mochte sie wahr oder erkünstelt sein, die Munterk.it de? Lm^nn7weL die gute Laune der Andern. Selbst die alte Pchrtnenn feinen ouf frcuntlicbcvc (5)ebnnfen ju verfotlen. .
sch.en^auf freun^w Seifen betrachtend, welche man ihn
vorfetzte. Das ist'ja ein vollständiges Festmahl! Erwartet Ihr etwa heute Aben^das D^rcctonum? eine Schinkenpastete einen
frikassttten Hafen! ej?,e Schüssel Salat, Erdbeeren, Apfelsinen und zwei Flaschen Wein auf den Tisch. , snffirtner Ich sp sie
- Nehmt Platz, mein Hauptmann sprach bfommt tie Reihe Euch heute Abend nur für Euer eig nes Geld, aber 8 an mich. . _ „,,,r nuf ten Tisch lege.
Der Offizier forderte, daß man zwei ^uv^s m h ' '
- Meine lieben Freunde, Gleichheit und Brüderlichkeit, wen
der Hahn im Kerbe fein soll! Essen mir mit “naßb"’ j^t, bevor Ersterer dem D» Ms«»,- ■» «*«... d.-i »«i..
arabischen Pferde des Herrn Hauptmann
9,b?»


