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Frucht- und Ntehlpreise in verflogener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.

Fruchtmärkte.

Gießen Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz

Waizen.

Gerste.

Spelz.

Erbsen.

Hafer-

Linsen.

8-

Decbr.

Markt

preis

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Auf dem Markt

7

7

7

7

Auf dem Marft

9 3 946

2 33 88 151 136

8

9

9

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32

14

Auf dem Warft

Auf dem Marft

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Mit.- preis

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Wicken.

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7

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Korn

Auf dem Marft

fl. fr

Kartoffeln.

Auf dem Mit.- Marft preis

Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.

Fenil

Unschuldig und doch nicht schuldlos.

Lriminalnovclle von Julie Düngern-

(Fortsetzung.)

Bei diesen Worten trat die alte Anna aus dem Nebenzimmer heraus und sagte lebhaft:Nehmen Sie mir cs nicht für ungut, Herr Doktor, aber jetzt drängt es mich, keinen Schattdn auf meine theure selige Herrin kommen zu lassen; Sie, oder Flora könnten ja denken, daß dieselbe um ras Gauckelspiel, welches nun getrieben wurde, gewußt hätte, dem war aber nicht so; Sidonie sagte mir nur eines Abends, nachdem sie über vierzehn Tage auf eine Zeile von dem Geliebten gewartet hatte, sie habe ihm heute geschrieben und in der Angst, daß seine Mutter den Brief unterschlagen möge, denselben geradezu an die Grä­fin adressirt, ihr ihre ganze entsetzliche Lage geschildert; daß sie sich Mutter fühle und es ihren Eltern nie gestehen dürfe; zu gleicher Zeit bewerbe sich aber Herr Waller um sie, der ihr zwar nicht gefiele, der aber den Eltern sehr will­kommen sei, weil damit das Geschwätz über die verunglückte Werbung des Gra­sen gleich unterdrückt werde; sie wisse sich nicht zu helfen und ziehe den Tod der öffentlichen Schande vor.

Auf diese Zeilen nun erhielt meine Sidonie rasche Antwort; ich sehe noch ihr strahlendes Antlitz, als sie mir den Brief der Gräfin zeigte, welchen Sie so eben lasen, Herr Doktor. Das arme unschuldige Mädchen, welches mit den Leuten aus der Welt so unbekannt war, wie ich mit dem Großtürken, dachte nicht anders, als daß die Gräfin durch ihren Brief gerührt, Mitleid mit ihr empfunden und in die Heirath willigen werde, aber es kam viel schlimmer.

Eines Tages, als Herr und Frau Burger über Land gebeten waren, ließ sich ein fremder Herr bei Sidonie» melden; es war ein ältlicher Mann mit strengem aber nicht bösem Gesichte, nur ein Paar scharfe Augen hatte er, die konnten, einem das Herz durch und durch erforschen. Mein armes Kind wurde tobtenblaß, als es den Fremden sah, und bat mich mit einem Blicke, da zu blei­ben. Freilich gebot mir das strenge Auge des Herrn, hinauszugehen, aber ich blieb im Nebenzimmer und horchte was Gott mir in meiner letzten Stunde nicht anrechnen möge an der Thüre.

Der Herr gab sich als Geschäftsmann der Gräfin Kolonos zu erkennen, welche wünsche, daß die leidigen Geschäfte im Guten, und ohne weiteren Kum­mer zu bereiten an den Verlust ihres Lebensglückes dachte die Dame ja nicht __ abgemacht würden. Zu diesem Zwecke nun habe er, der Geschäftsmann, mit Herrn Waller gesprochen, von welchem das Fräulein der Gräfin geschrieben habe, und dieser sei bereit, gegen eine Summe von dreißigtausend Gulden Sidonie auf der Stelle zu heirathen und das Kind als das seinige anzuerkennen; auch würde er so gut wie Sidonie einen Eid leisten müssen, von dem Vorgefallenen gegen Niemand ein Wort zu äußern, damit dem jungen Grafen keinerlei Unan­nehmlichkeiten daraus erwachsen könnten.

Natürlich ging mein armes Kind darauf nicht ein, sie entgegnete, daß sie ihrem' Eduard Treue gelobt und dieselbe halten werde, es möge daraus entstehen, was da wolle. Darauf zog der Herr ein Document und eine Zeitung aus der Tasche; es war die Abschrift des Kirchenbuchs, worin stand, daß der Graf vo­rige Woche auf seinem Schlosse mit seiner Cousine getraut worden sei; auch die Zeitung enthielt die Heirathsannonce, cs war nicht mehr daran zu zweifeln. Meine arme Sidonie war grausam verlassen worden! Auf den Schmerzens- ausruf des Kinder stürzte ich herein, nahm sie in meine Arme und versuchte sie zu trösten; ihr Schmerz war aber so grenzenlos, daß ich das Aerzste befürch­tete. Da fand der kluge Mann aber den besten Trost für sie. Auf ihre wie- derholten Klagen über die Treulosigkeit ihres Geliebten, sagte er, daß die Grä­fin ihn gerade durch seine Liebe dazu gezwungen habe; sie sei eine sehr heftige und stolze Frau und habe dem Sohne zugeschworen, daß sie nie ihre Einwilli­gung zu dieser Verbindung geben und eher ihr Geld und ihre Güter zu milden Stiftungen verwenden würde; und sie hatte dazu ein Recht, denn Alles gehörte ihr. Wage der Sohn, ihr zu widerstreben, so werde sie sich an Sidonie rächen, um ihn an der empfindlichen Stelle zu strafen ; thue er ihr aber den Willen und heirathe seine Cousine, welche auch eine böhmische Gräfin und sehr reich sei, so würde die Mutter Sidonie so zu beschützen wissen, daß Niemand etwas ahne ! Wie sie er angestellt, den jungen Herrn zu berücken, wissen wir also, wie gesagt, nur aus der Erzählung des Geschäftsmanns; aber ein Räthsel bleibt es mir, denn er liebte das arme junge Wesen über jede Beschreibung. Nun, und daß ich es kurz mache, Kinder: Sidonie gab endlich nach, als ihr der Mann vorstellte, daß die junge Gräfin am Ende doch etwas von der Sache hören und ihren Gatten recht quälen könnte, denn sie sei surchtbar eifersüchtig, weil der Graf so furchtbar kalt gegen sie gewesen. Herr Waller, das muß ich ihm lassen, war, nachdem ihm Sidonie das Wort gegeben, sehr bemüht, ihr auch eine gute Meinung von ihm beizubringen. Die Eltern wurden natürlich auf das Freu­digste überrascht, als nach ihrer Rückkunft Sidonie sich bereit erklärte, ihren Willen zu erfüllen. Die Hochzeit wurde auf Herrn Waller's Wunsch auf das Aeußerste beschleunigt, er schützte seinen Schwiegereltern gegenüber eine unauf­schiebbare Geschäftsreise vor, welche ihn vielleicht nur Wochen, vielleicht viele Monate abhalten könne, nach B. zu kommen, er aber fürchte ein Rücktrcten Si- doniens und wolle sie also gleich beim Wort ergreifen. Den Eltern war dies natürlich willkommen; sie wurden schleunigst aufgebvtcn und in drei Wochen war das liebe Kind Frau Waller geworden. In den ersten Jahren, selbst als

l e t o n.

Flora geboren war, behandelte sie ihr Gatte recht gut, er hatte, mit der Mit­gabe des Herrn Burger und mit dem Gelde der Gräfin Kolonos sehr gute Ge­schäfte gemacht, auch liebte er seine Frau, freilich auf seine Art, und zuletzt mochte er auch vielleicht fürchten, der junge Graf oder seine Mutter könnten sein Benehmen gegen seine Frau erfahren. Später aber, als seine Geschäfte anfingen, schlechter zu gehen, kam seine rohe Natur wieder zum Vorschein, er mißhandelte sein Weib und zuletzt, als Deine Großeltern, Flora, gestorben waren und ihm unbedingte Herrschaft über das Vermögen ihrer Tochter gestatteten, wurde er immer schwerer zu behandeln. Vielleicht mochte er auch nicht so viel Geld ge­funden haben, als er gehofft hatte. In den letzten Jahren nun haben Sie selbst gesehen, Herr Doktor, wie böse der Mann oft sein konnte; seine schlechten Ver­hältnisse denn er hatte immer unglückliche Spekulationen im Kopfe mögen auch ihr gehöriges Theil dazu beigetragen haben; mein armes Kind hatte die Hölle auf Erden, und wir können Gott nicht genug danken, liebe Flora, der sie nun erlöst hat!"

Als die Erzählerin schwieg und beide Zuhörer ihr dankend die Hand ge­reicht hatten, lasen beide noch die verschiedenen Dokumente und Briefe mit größ­ter Sorgfalt durch, jede Zeile, welche einen Anhaltspunkt zu bieten vermochte, mit einander berathend. Anna war inzwischen hinausgegangen, das einfache Mahl zu bereiten.

Als jedes Schriftstück durchgesehen war und Beiden kein Zweifel mehr übrig bleiben konnte, lehnte Flora erschöpft und thränenmüde ihr Haupt an des Freundes Schulter und sagte:Welch eine herrliche, mit der ganzen Welt ver- söhnende Gabe ist doch die Liebe! noch vor einem halben Jahr hätte mich diese Entdeckung grenzenlos unglücklich gemacht, der Flecken, der auf meiner Geburt ruht, würde mir auf der Seele gebrannt haben, jetzt, wo ich Dein bin, macht es mir wohl Schmerz, daß meine arme Mutter so viel erduldet, und auch mein Avoptiv-Dater thut mir leid er wäre vielleicht unter anderen Umständen ein besserer geworden gegen mich aber, diese Nachrede bin ich ihm noch im Grabe schuldig, war er stets gut und liebevoll, ja er zeigte mir zuweilen eine Weich- heit, welche wohl aus unserer gegenseitigen Stellung zu erklären sein dürfte. Wie gesagt, das Vergangene schmerzt mich, aber hoch über jedes Leid trägt mich der Gedanke, daß ich Dir gehöre, daß Du durch das unermeßliche Opfer, wie Du es mir gebracht, mir die Größe Deiner Liebe in solchem Maße zeigtest. Mein ganzes Leben soll auch dazu bestimmt sein, Dir, hoher, herrlicher Mann zu dienen und Dich zu verehren!"

Gerührt zog der Doktor die Geliebte an sein Herz.Wir wollen uns in den nächsten Wochen ganz in der Stille trauen lassen und dann uns einen an­dern Fleck Erde aufsuchen, wo wir unser Nestchen bauen wollen. Hier zu blei­ben, wo man meine Ehre angefeindet und wo meine Neider nicht schweigen werden, wäre mir unmöglich."

Wo Du bist, soll auch meine Heimath fein," entgegnete das Mädchen mit Innigkeit,nur Eines möchte ich im Leben wünschen, außer dem Glücke, Dein Weib zu fein, das nämlich, meinen Vater kennen zu lernen, die wenigen Worte, die ich mit ihm wechselte, konnten das nicht bezwecken und ihm durch meine kindliche Liebe das Leben zu verschönern, denn daß er mit jener Frau nicht glücklich sein kann, das habe ich an dem hämischen Lachen ersehen, mit welchem sie ihn begrüßte. Ich schaudere, wenn ich an das Weib denke; mir kam es vor, als ob sie ihren Gatten auf einem Liebesabenteuer zu ertappen glaubte; wie mag sie den Armen quälen, der nun doch nicht die Wahrheit sa­gen darf."

Auch diese würde ihm wenig nützen," entgegnete der Doktor,das Be­wußtsein, daß ihr Mann ein solches Geheimniß vor ihr gehabt, würde ihn ganz in ihre Macht geben, wir wollen also gar nichts thun, um Deinen Vater nicht zu kompromittiren. Da wir seinen Namen wissen, können wir uns stets von Zeit zu Zeit nach feinen Verhältnissen erkundigen und ihm, wenn er vielleicht einst von dieser Frau befreit ist, unseren Aufenthaltsort mittheilen oder ihn aus­suchen. Eins aber muß ich Dir noch gestehen, theure Flora, daß nämlich das Bewußtsein, daß Waller nicht Dein Vater gewesen, eine ganze Bergcslast von meiner Seele genommen hat; ich konnte diesen Mann nie leiden und that mein Möglichstes, einen immer wieder aufkeimenden Haß gegen ihn zu unter­drücken, weil er ver Mann Deiner Mutter war, welche ich so innig verehrte. Wenn ein Menschenkenner ich glaube es war Larchefoucald behauptet, daß beinahe jeder Mensch in Gedanken einen Mord auf dem Gewissen hat, so mag dies übertrieben fein, aber bei mir findet es theilweise Anwendung. Nicht daß ich nicht alle meine Kunst aufgeboten haben würde, ihn ;u retten, dazu war ich ja Arzt und es war meine heilige Verpflichtung, aber als Mann gegen Mann hatte ich oft Anwandlungen, ihn geradezu todtzuschlagen, wenn er vor mir einen rechten Akt der Rohheit beging; und als ich arretirt wurde, dachte ich, ob dies wohl die Strafe für die Gedankensünde sein möchte, da id), sehr oft, und von ganzem Herzen den Tod dieses Mannes gewünscht hatte. Wie ich nun vernehme, daß er nicht Dein Vater, war und mir also ein ganz gleichgültiger und durch seine Schuld zu verachtender Mensch sein durfte, fühle ich mich ordent­lich gesühnt und von einem Fehl losgesprochen. Ich weiß nicht, ob Du mich begreifst, aber mir ist ganz leicht um's Herz!"

(Fortsetzung folgt.)