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Urber die französische Revolulion von 1789

beabsichtigt der Unterzeichnete während des lanfenden Winters für Damen und Herren 1215 Vorträge, jeden Freitag Abend 7 Uhr in der kleinen Aula, zu halten.

Abonnementskarten für diese Vorlesungen, und zwar Personenkarten ä 3 fl, Familienkarten für 2 Per­

sonen ä 5 ft, für 3 ä 6 fL, für 4 Ä 7 fl. sind in der Ricker'schen Universitätsbuchhandlung zu haben.

Beginn der Vorlesungen Freitag den 20. November.

Gießen, den 12. November 1868. Dr. Höfner

Feuilleton.

aus dem Zimmer.

(Fortsetzung folgt.)

tend war, der Patientin zugeredet, mit ihm in den Garten zu gehen. Dort schien die stille, sonst so verschlossene Frau, von dem Vorgefallenen noch gewal- tiq erregt, ein solches Uebermasz von Erbitterung gegen den Gatten zu suhlen, dab Doktor DolluS einsah, lange könne die Sache nicht mehr so fortgehen. Er schlug ihr daher vor, die Tochter, welche erst nach einem Vierteljahre das In­stitut verlassen sollte, jetzt schon kommen zu lassen.

Fräulein Flora, die von Ihrem Gatten so zärtlich geliebt wird, könnte vielleicht mehr im Stande sein, dessen aufbrausende rohe Heftigkeit zu zähmen ?

Frau Waller zuckte die Schultern.Als kleines Kind hat er Flora sehr geliebt und auch hier seufzte die Sprecherin schmerzlich dem Kinde 'chwxre Opfer gebracht. Halten Sie es nicht für Mange! an Vertrauen, bester Doktor, dass ich Ihnen Manches aus meinem Leben vorenthalten habe, ein Der- sprechen ist, wie gesagt, daran schuld und bindet meine Zunge, denn sonst wurde ich vor dem Manne, den ich über Alles in der Welt hoch verehre, gewiß kein Geheimniß haben."

Bei diesen Worten hatte die leidenschaftlich erregte Frau des Doktor s Hand erfaßt und, ehe er es verhindern konnte, an ihre Lippen geführt. Bei­nahe erschrocken über ihre Gluth, welche in dieser Handlung lag, wollte Dollus 'eine Hand zurückziehen. Da streifte sein aufblitzendes Auge den Hausherrn, welcher mit zornigen Blicken die Gruppe betrachtete.

Sie sehen zu welch' dankbarer Erregung ein gutes Wort ihre arme Frau bringen kann, Herr Waller," sagte der Doktor gefaßt,schonen Sie m Zukunst ein so fein organistrtes Seelenleben, für dessen Dauer rch nicht einstehen kann, wenn solche Sccnen wie die von heute Morgen sich wiederholen."

Frau Waller zitterte wie eine Verbrecherin. Roch liebte sie den Arzt nicht, aber er stand als ihr Schutzengel vor ihrem Geiste, sie bewunderte ihn, und von diesem Gefühle zur Liebe ist bei einem verletzten Gemuthe wie das ihre oft nur ein kleiner Schritt.

Ihr Gatte mochte das auch denken, denn noch war sein Auge drohend auf Beide geheftet. Des Doktor's ehrlicher, offener Blick, in welchem sich feste Männlichkeit mit der reinsten Gutmüthigkeit paarte, war fest auf ihn gerichtet und entwaffnete ihn. Es war etwas in dieses Mannes Auge, was milde und beruhigend auf jede zornige und unlautere Erregung in der Seele des Andern wirkte. Nach kurzem Schwanken reichte er dem Arzte die Hand und vat seine Frau mit ruhiger Stimme,der Abendluft halber ihr Zimmer aufzusua>en.

Frau Waller ging, gleich einem gehorsamen Kinde, auf ihre Stube, die beiden Männer ließen sich auf die Bank nieder und Dollus sagte ernst:^.enn ich Ihnen eben meine Hand nicht verweigern mochte, Herr Waller, so war es, um Sie nicht noch tiefer vor Ihrer Frau herabzusitzen, jetzt aber, wo wir allein sind, muß ich Sie ernstlich bitten, solche rohe Excesse, wie die, zu welchen ^re sich heute früh verleiten ließen, nicht mehr zu wiederholen, wenn ich Zur HauS ferner betreten soll. Man sagt wohl, daß der Arzt gleich einem Beichtvater sei, allein ich fühle nicht die Milde eines solchen in mir. Wer eine fremde Frau beleidigt, ist ein Feigling, wer seine eigene, Vie noch dazu schuldlos stt, nußhan- velt, ein Bösewicht. Hier haben Sie mein Glaubensdekenntniß.

Herr Waller war, des Doktors Erwartung zum Trotze, bei diesen Worten nicht aufgcbraust, sondern sagte in beinahe schwermüthigem Tone:e>tt dürfen mir Vieles sagen, mein Freund, was ich bei einem Andern schonungslos ahnden würde; mißbrauchen Sie die Gewalt nicht, welche Sie über mich Habern Was aber die Schuldlosigkeit meiner Frau betrifft, so urthecken sie wie em Schuler, welcher Die Welt nicht kennt und nicht wie ein Weltmann, der e>ie doch eigent- lich sind. Meine Sidonie ist sanft und geduldig, das ist wahr, allem sic hat mir schon früher Gelegenheit gegeben, ihrer Tugend zu mißtrauen,und die Augen, mit Denen sie Sie eben ansah, als ich Euch bet Dem tete-ilbe*' raschle, waren dazu gemacht, mir gerechte Besorgnisse einzufloßen. Ihnen traue ich, Doktor, allein und er lachte frivol >ch weiß aus eigener Erfahrung, welch' schwache Geschöpfe wir zu sein pflegen, unD^daher konnte auch eine Stunde kommen, wo ich Ihnen nicht mehr trauen dürfte!'

Doktor Dollus unterdrückte ein Gefühl ves Ekels und Der Empörung und antwortete dann mit ziemlicher Ruhe:Daß Diese Stunde nie >9 .

aebc ich mir Ihnen gegenüber gar nicht die Muhe zu versichern. 8 «V ?anNch wC°n, welches Drama sich in dem früheren Leben 3 «r Frau ereig­nete, so lange ich sie aber kenne, hat sie nichts f^an, um das hohe Gefu der Achtung zu ersticken, welches ich für sie empfinde. Schlecht von. Jbnen ot handel?, wft sie es leider wird, wäre es, auch kein

sie und ihr liebendes gefühlvolles Herz sie auf EnanDeren leUete,

eine wirkliche Untreue wird sie sich aber, trotz aller schlechten Behand.ung, nicht zu Schulden kommen lassen." . , . - -

Herr Waller von dem ernsten Tone srappirt, wollte einlenken, der Doktor unterbrach ihn, indem er aufstehend freundlicher sagte:Wenn ich ""r meinem Wunsche folgte, würde ich Ihre Schwelle nie mehr betreten, allem der Arzt hat noch etwas Heiligeres als seinen Willen und ferne Neigung, das ist dle Pflickt, und dieser werde ich nie untreu werven." Rach diesen Worten ging der Arzt, des Hausherrn dargereichte Rechte absichtlich ignorirend, mit kühlem ^r.ß

Unschuldig und doch nicht schuldlos.

Criminalnovelle von Julie Düngern.*)

Erstes Kapitel.

Also Sie versprechen mir, theure Frau, das Leden, und was es bietet, mit mehr Muth als bisher zu ertragen?"

Ich will es versuchen, Doktor, aber ich versichere Sie, es geht oft über meine Kräfte."

Ihr Mann ist doch im Grunde ein gutmütiger Charakter, und dann, Sie haben ein Kind und dadurch heilige Verpflichtungen"

Die ich stets im Auge behalte und die mich allein an das Leben fesseln. Doktor, Sie besitzen mein größtes Vertrauen, meine unbegränzteste Achtung, aber ein Versprechen bindet meine Zunge und ich Darf Ihnen also nicht Alles sagen, was mein Herz, meine Seele belastet; ich weiß, ich habe viel gefehlt und nehme mein Schicksal als Strafe an."

Sollte Da meine liebe, aber selbstquälerische FreunDin nicht toieDer einmal zu schwarz sehen? Ihr Leben liegt ziemlich offen vor Den Blicken Der Welt. Nachdem Sie eine vorzügliche, von ihren Eltern angebetete Tochter gewesen, hei- ratheten Sie einen jungen Mann, welcher Sie damals wenigstens sehr liebte, und Der, ein vorzüglicher Geschäftsmann, sein Vermögen in kurzer Zeit verdop­pelte unD verdreifachte. Fast jedes Jahr machen Sie schöne Reisen, Sie haben einen prächtigen Landsitz, liebe Verwandte und gute Freunde, eine liebenswerthe Tochter, welcher Sie die liebevollste Mutter sind. Ich sollte denken, die Motive des Glücks wären hier in nicht zu kleiner Anzahl beisammen. Die Schatten­seite aber kenne ich auch, beste Frau Waller, es ist Die in letzter Zeit freilich grell hervortretende Heftigkeit Ihres Mannes, Die oft bis zur Rohheit ausartet und ihren Ursprung in einem Grunde haben muß, welchen er mir geflissentlich verhehlt. Denn im Allgemeinen glaube ich doch sein Vertrauen zu besitzen unv er nennt mich seinen Freund."

Die also Sprechenden, eine Dame von ungefähr sechsunddreißig Jahren und ein Mann, welcher bedeutend jünger erschien und kaum die Dreißig über« schritten haben mochte, befanden sich es war im Sommer 62 in Dem Garten eines reizenDen Landsitzes nicht weit von der schweizerischen Stadt B., und das Gespräch, welches wir hier roieDergeben, war der Schluß einer ärztlichen Consultation, Denn Frau Waller hatte sich am Morgen wieder bedeutend unwohl gefühlt und war sehr froh gewesen, als der Arzt Des Hauses, Doktor Dollus, welcher auch Der Freund der Familie war, am Nachmittage ankam und Herrn Waller gerade abwesend fand. In ihres Mannes Gegenwart war es Der schüch­ternen, schon durch mancherlei Rohheiten verletzten Frau ganz unmöglich, über ihr Befinden zu referiren. Erstens schalt ihr Gatte dann gleich über nervöse Frauen, die nichts wie Angenehmes und Erfreuliches erleben, in den besten Ve» hältnissen seien und sich wie Kreuzträgerinen geberden; zweitens hatte er Die Eigenschaft, jeden Krankheitsfall, von weichem er vernahm, aus sich anzuwenven und Den Arzt mit einer Fülle wahrer und eingebildeter Symptome zu behelligen. Freilich war auch in Der letzten Zeit seine sonst eiserne Gesundheit durch Excesse aller Art so bedeutend erschüttert worden, daß Doktor Dollus ihm schon einige» male sehr ernst zugesprochen hatte, diese Lebensweise mit einer geregelteren und mäßigeren zu vertauschend Bei solchen Gelegenheiten zeigte sich der schwankende, zum Guten wie zum Bösen geneigte Charakter des Hausherrn im vollsten Lichte; beinahe unter Thränen versprach er dem Arzte pünktlichen Gehorsam, umarmte denselben, nannte ihn seinen besten Freund und beklagte in leidenschaftlichen Ausdrücken den eigenen Mangel an Energie und Charakterfestigkeit. Auf einige Tage war dann wieder Ruhe und Frieden im Hause, Venn Waller war im Grunde kein bösartiger Mensch, aber bald erhielten Die alten Neigungen und rohen Gewohnheiten'wieDer Die Oberhand, unD Die gerötheten Augen seiner Gattin, sowie Die bedeutungsvollen Blicke der Dienerschaft, welche instinktmäßig in Dem Doktor einen Schützer erkannten, bestätigten demselben bet seiner jedes­maligen Ankunft mehr als mit Worten, daß wieder Scenen hier vorgefallen waren, deren Brutalität Die sanfte Frau ost nicht zu ertragen vermochte.

Nach einem solchen Auftritt war es, daß wir Den Beeden im Garten des reizenden LanDgutes begegnen, welches, in Der Nähe von B. gelegen, von der Familie Waller den größten Theil des Sommers bewohnt wird. Der Hausherr freilich, welchen seine Geschäfte - er war Inhaber eines Der großartigsten Spe« ditions-Häuser an Die Stabt fesselten, konnte nur ab und zu herauskommen, Frau Waller aber brachte gerade einige Wochen hier zu, um auf Anrathen des Arztes unD Hausfreundes ihre sehr angegriffene Gesundheit wieder herzustellen. Am Morgen desselben Tages war Herr Waller da gewesen und hatte um ge­ringfügiger Ursache willen - feine Frau ermahnte ihn zur Strenge gegen einen lässigen Knecht welchen er begünstigte - Der armen Frau em Stuck Holz an den Kopf geworfen, welches Diese an der «Stirne verletze. Freilich war er darauf in aller Eil- in Die Stadt zurückgefahren, hatte beim Doktor angeha ten und Demselben unter Thränen Der Rene seine Thal gebeichtet unD ihn gebeten, rafcb nach Wegern so hieß das Gut aufzubrechen unv nach Der Patten- tin zu sehen. Der Arzt hatte aber zu viele ähnliche Reuescenen schon Durchge­macht, um an Den Ernst und die Nachdauer derselben zu glauben. M-t einem Blick der Verachtung hatte er sich von Waller getrennt, war aus das Gut ge« eilt, hatte einen Verband auf Die Wunde gelegt unD, da Diese nicht so bedeii-

) Der Nachdruck ist nicht gestattet.