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Gießen, lieber Die Berechtigung zum einjäh­rigen MititarDienst bringt ein Wormser Blatt fol- genoe Notizen : Genügend sind Schulzeugnisse, wenn sie 1) in allen Fächern vesrievigend laute», 2) von der Lehrerconjerenz fesigestellt sind, und 3) darthun, Dag der Betreffende entweder a) min­destens sechs Monate die Zweijährige) Secunda eines preußisch.» Gymnasiums oder vollständigen Progym­nasiums bei Theitnahme an allen Unterrichtsgegen­ständen (namentlich auch im Griechischen), oder bj bei Befreiung vom Griechischen aber ebenso lange die (gleichfalls zweijährige) Prima eines Gymnasiums, oder c) mindestens sechs Monate die Secunoa einer Realschule erster oder die Prima einer Realschule zweiter Ordnung besucht, oder d) an einer aner­kannten höheren Bürgerschule die Abgangspriifung bestanden hat. Dem Bernehmen nach wird neuer­dings und für die Folge statt des sechsmonatiichen ein ganzjähriger Besuch der betreffenden Klassen und dem entsprechend bei den Realschulen zweiter Ord­nung ein AogangSzeugniß verlangt. Wer nicht im Besitze eines ZeugniffcS einer der obigen Arten ist sei es nun, Daß er in Privatanstalten gewesen, oder daß er irgendwie sonst die nöthigen Kenntnisse ge­wonnen zu haben glaubt Der mutz sich einer besonderen Prüfung unterziehen und in dieser dar- thun, daß er alle die Kenntnisse sich wirklich erworben hat, die in öffentlichen Schuten auf der betreffenden Stufe des Lehrcurses erworben werden können. Die Unterseeunda eines preußische» Gymnasiums ist der viertletzte Jahrgang des mit der Maturitätsprüfung schlietzenven GesammteurseS, entspricht also im All­gemeinen z. B. Der UnterseeunDa Der hessischen Gym­nasien. Realschulen erster OrDnung, Die (.nach preutz. Rechnung) Dem Gymnasium parallel unD in vielen Beziehungen ganz ebenbürtig stnD, gibt es im Groß- herzogthum Hessen zur Zeil noch gar nicht, und es entsprechen dieberechtigten" sechsklassigen Realschu­len in Mainz, Darmstadt und Offenbach eben nur den preußischen Realschulen zweiter Ordnung. Alle übrigen Realschulen des Großherzogthums Hessen, (WormS, Alzey, Bingen, Gießen, Friedberg, Michel- stadt ic.) sind vorerst und ihatsächlich nicht in Der Lage, Zeugnisse auszuftellen, Die ohne Weiteres als genügender Nachweis Der wissenschaftlichen Befähi­gung (von Der Uebergangszeit bis 1872 abgesehen) betrachtet werden müssen. Biele der zur Zeit noch nicht berechtigten Realschulen haben indessen Schritte eingeleitet, Die ihnen Die fragliche Berechtigung erwer­ben sollen; auch ist gewiß, daß seitens der Regie- rung demnächst (vielleicht ist es schon geschehen) den Landständen desfällige Vorlagen gemacht werden.

Darmstadt, 12. März. Am 30. und 31. März werden zum ersten Male die nach der preußischen Militärverfaffung jetzt hier eingeführten Controle-Ber- sammlungen stattfinden; sämmtliche Reserven und Dispositions-Urlauber aller Waffengattungen haben an den vorgenannten Tagen zu bestimmten Stunden zu erscheinen.

Darmstadt, 13. März. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben Vie Einsetzung einer PrüfungS- Commission für einjährig Freiwillige mit dem Sitze zu Darmstadt Allerhöchst zu geneh­migen geruht. Anmeldungen zum einjährig freiwilli­gen Dienst haben von jetzt an bei dieser Commission zu erfolgen. Zu ordentlichen Mitgliedern derselben sind der Gr. Regierungsrath Strecker und der Gr. Kreisassessor v. Marquard, zu außerordent­lichen Mitgliedern der Gr. Gymnasialdirector Dr. Boßler und der Lehrer von der technischen Schule Dr. Dölp bestellt worden. Die militärischen Mit­glieder Der Commission roerDen von Der Gr. Division ernannt roerDen.

Darmstadt, 13. März. Der Finanzausschuß hat sich mit iiberroiegenDer Majorität mit wenigen Modifikationen für die Annahme des Vertrags der LudwigSbahn und des Vertrags Erlanger ausge­sprochen.

Darmstadt, 14. März. In der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer wurde Der Gesetzent­wurf, betreffenD Die vertragsmäßigen Zinsen, ein­stimmig angenommen. Für Den Neubau einer Forst- wartwohnung an Der Apfelbachbrücke bei MörfelDen wird, dem RegierungS Anträge gemäß, die Entnahme von 2500 fl. aus einer früheren Verwilligung für Die Forstwartwohnung Kleeneck, Deren eS nicht mehr bedarf, bewilligt. Der ausführliche Bericht über Die Sitzungen vom 12. und 13. folgt morgen.

Darmstadt, 14. März. In der auf kommen- den Montag, Vormittags 9 Uhr, anberaumten Sitzung zweiter Kammer, wird Vorlage des Gr. Ministeriums der Finanzen, Den Gesetzentwurf, Die Einführung einer Einkommensteuer betr., zur Berathung gelangen.

Berlin, 12. März. Wie DieKreuzztg." meldet, wird Dein norddeutschen Reichstage ein Gesetzentwurf, betreffend die Einrichtung einer Oberrechnungskammer des norddeutschen Bundes, vorgelegt werden.

Berlin. DerSpencr'schen Zeitung" zufolge soll der zwischen den vereinigten Staaten und dem norddeutschen Bunde abgeschlossene Vertrag vom 22. v. M. bezüglich der Staatsangehörigkeit in nächster Zeit auch auf die Staaten Süvdeutschlanvs ausge- vehnt werden. Es sollen, wie das erwähnte Blatt wissen will, zu diesem Zwecke UnterhanDlungen an- geknüpft mit den bezüglichen Cabineten UND die Vollmachten dazu dem amerikanischen Gesandten in Berlin Mr. Georges Baneroft nach erfolgter Rati- fieation des Traetats vom 22. Februar insinuirt werden.

Berlin. Prinz Napoleon wird, derN. Pr. Z." zufolge, heute von Berlin nach Paris zurück- kehren und Nachtquartier in Essen nehmen, um das Krupp'fche Etablissement zu besuchen.

Frankfurt. DiePost" schreibt:Großes und leider nur zu gerechtfertigtes Aufsehen erregt eine jüngst wieder in Erinnerung gebrachte Verord- nung des Polizeipräsidiums in Frankfurt a. M., welche geradezu alle durch das Bundespaß - und Bundesfreizügigkeitsgesetz gewährten Erleichterungen vollkommen illusorisch macht. Sie knüpst nicht nur das AufenihaltSrecht an die Erfüllung einer Menge lästiger Bedingungen, sondern macht eS geradezu von einer Erlaubnis; Der Polizei abhängig, was sich mit dem Sinne und Wortlaute des §. 1 des Frei- zügigkeitsgefetzes in directeftem Widerspruche befinDet. 'Nur Militärbeamte, welche in Privatwohnungen woh­nen, Beamte und andere Personen, welche sich ihres Berufs wegen hier aufhalten, bedürfen einer befon- Dern Aufenthalsertheilung nicht. Für fremde Ge- werbegehülfen wird nicht nur der Besitz eines Passes oder Wanderbuches für nothwendig erklärt, sondern auch ein eigenes oneröses Ausweisungsprivilegium begründet, da, wenn sie binnen Drei Tagen oder einer etwa gewährten Nachfrist ein festes ArbeitSverhältniß nicht gefunden haben, sie zum Verlasse» Der Stadt gcnöthigt sind. Es ist selbstverständlich, daß eine Verordnung, welche mit bestehende» Gesetzen Derartig im Widerspruche steht, eine Rechtsverbindlichkeit nicht haben kann; man ist inDeß sehr gespannt, wie das BunDeSkanzleramt, Dessen Intervention in dm näch­sten Tagen angerufen werden Dürfte, sich dieser An­gelegenheit gegenüber verhalten wird."

Kassel, 11. März. Das hiesige AppellationS- gericht soll sich gutachtlich dahin ausgesprochen ha­ben, Daß Der zu Hannover berathcne unD sestgestellte sog. Deutsche Entwurf einer Civilprozeßordnung Den Vorzug vor Dem preußischen Entwürfe verDiene.

Karlsruhe, 13. März. DieKrh. Ztg." ge- steht zu, daß Das von Preußen vorgelegt. Projeet Der Einführung Der Tabakssteuer cer badi- schen Regierung nach Der bisherigen Behandlung Der Sache unerwartet gekommen ist, unD Daß Die Regie­rung, soweit sie Den Inhalt Dieser Vorlage bis jetzt hat prüfen können, kaum in Der Lage fein wirD, Dem gestellten Antrag ihre Zustimmung zu crtheilen.

Wien, 12. März. In Der heutigen Sitzung Des Unterhauses brachte Der Zustizminister einen Ge­setzentwurf, betr. Die Aufhebung Der SchulDhaft, ein unD wurDen Die Gesetzentwürfe, betr. Die Aufhebung Der Wuchergesetze, und Des Staatsraths nach Dem Re- gierungsantrage in endgültiger Lesung angenommen.

Paris, 11. März. Gestern noch hatten die officiösea Organe ttiumphirend gemeldet, daß überall die Einreihung in Die Nationalgarde mit einer Art von Begeisterung in Der Bevölkerung entgegengenom­men toürDe heute hat DiePatrie" Den Schmerz, schon von Ruhestörungen melden zu müssen, vonein wenig Agitation", wie sie es nennt, Die inoeffen nach Den anDerroeitigen Berichten DesMoniteur" zu schließen, doch ernstlich genug gewesen sein muß.

Paris, 12. März.Tempe" meldet, daß der Prinz Napoleon sich am Sonnabend von Berlin nach Wien begeben, unD seinen Rückweg nach Paris über Berlin nehmen wird.

Paris. Italien befinDet sich bekanntlich in gleich schwierigen, wenn nicht noch schwierigeren Finanz- Verhältnissen wie Oesterreich, unD Die italienische Finanzverwaltung scheint sich Die österreichische in mannichfacher Beziehung zum BorbilDe zu nehme». So hat Die zur Prüfung Der Finanzlage von Dem Finanzminister eingesetzte Commission auch Die Ein­führung einer zehnproeentigen Couponsteuer empfoh­len, Dem Grafen Cambray-Digiiy wird aber Die ADoptirnng dieser Maßnahme von Seite Frankreichs erschwert. Bekanntlich ist ein großer um nicht zu sagen der größteTheil der italienischen Rente in Frankreich plaeirt und im Interesse ihrer Staats­

angehörigen kann sich Die französische Regierung dieser Finanzmaßregel Der italienischen Regierung gegenüber, nicht theünahmlos verhalten.Schon vor einigen Wochen halte daher", rote Der Correspondent Der Presse" aus Florenz melDet,der französische Ge­sandte Baron Mallaret Die italienische Regierung über Diesen Gegenstand interpellirt, scheint jedoch keine befriegende Auskünfte erhalten zu haben. Am 3. d. M. befand sich Baron Mallaret beim Mini­sterpräsidenten Grafen Menadrea ein, um von dem­selben im Auftrage seiner Regierung eine entschiedene Erklärung hierüber zu verlangen. Gras Menabrea war zwar nicht int Stande, darüber eine entscheiDende Antwort zu geben, jedoch gibt über Die Intentionen Der hiesigen Regierung Der Umstand Aufklärung, Daß der Ministerpräsident schon den folgenden Tag, also den 4. d. M., ein Schreiben an den französischen Gesandten richtete, worin er denselben ersuchte, sich offen zu erklären, welche Schritte die französische Regierung zu thun beschlossen habe, falls die Re­gierung wirklich Die von Der Commission beantragte zehnprocentige Couponsteuer aeeeptiren und einfühien roerüe. Dte Antwort Des französischen Gouverne­ments blieb nicht lange aus, denn schon am 9. eröffnete Baron De Mallaret Dem italienischen Mini- sterprasiDenlen im Namen seiner Regierung, daß, wenn Die italienische Regierung Diese ihren eingegan­genen Verpflichtungen gegen ihre Gläubiger zuwiDer- laufenbe Steuer einführen werde, das französische Gouvernement wohl kaum umhin können werde, die Ausschließung der italienischen Rente von der Pa­riser Börse auszusprechen." So verhängnißvoll nun auch eine solche Maßregel dem italienischen Credit werden würde, so dürfte bei Der gegenwärti­gen Finanzlage Des italienischen Staates cer Regie­rung kaum etwas AnDeres übrig bleiben, als Die beabsichtigte Couponsteuer einzuführen.

vermischtes.

Darmstadt, 14. März. Aus DreSDen wird unterm gestrigen Datum gemeldet: Gestern Nach­mittag wurde hier ein Individuum viryaflet, welches auf den vorüberreitenden Kronprinzen eine Pistole anschlug; derselbe wurde verhört und Dann Dem Krankenhause übergeben, wo derselbe sich noch be­findet. Der Attentäter ist als ein hiesiger Schirm- macher recoguoseirt worden. Die Untersuchung der Waffe hat ergeben, daß dieselbe geladen war.

Berlin, 13. März. Der bekannte Sub-Marine- Ingenieur Bauer ist jetzt mit Dem Projeet einer unterseeischen Loeomotions - Maschine hervorgetreten. Die Prüfung des ProjecteS ist von Seiten Des Ma- riniDepartements einer besonderen Commission über­wiesen worden.

Kassel, 13 März. Heute Vormittag wurden der Literat A. Trabert und das Expeditions-Per­sonal derHessischen Volkszeitung" verhaftet. Eine Haussuchung hat ebensowohl in der Expedition als der Druckerei dieser Zeitung stattgefunden. Gerücht­weise verlautet, es stehe dieses Einschreiten mit Der Verbreitung Desaufrührerischen Flugblattes" in VerbinDung.

Trier, 7. März. DerTr. Ztg." zufolge sollen im Dorfe Wollmerath in Der Eifel Petroleum-Ouellen entDecki worDen fein.

Osnabrück, 8. März. Ein junger Osnabrücker, Der vor einigen Jahren nach NorDamerika auswan- Derte, unD Dem es Dort mit einem reellen Geschäft nicht hat glücken wollen, oDer Dem ein solches nicht zugesagt hat, erschien hier kürzlich toieDer, angeblich in Geschäften mancherlei Art, aber in Wirklichkeit, um junge hübsche MäDchen, namentlich DienstmaDchen, unter verlockenden trügerischen Aussichten nach Ame­rika für einen unehrenhaften Erwerb zu engagiren, beziehungsweise zu verhandeln. Jndeß wurde hier sein Plan Durchkreuzt, Da Die Sicherheitsbehörde da­von unterrichtet wurde. Der Selavenhändler ist schnell wieder abgereist, vielleicht um an anderen Orten sein Geschäft wieder zu versuchen.

Florenz. Victor Emanuel hat, um einem chrin- genDen Bedürfnisse abzuhelfen, einen neuen Orden Deritalienischen Krone" geschaffen; Die Dekoration toirD an einem kleiDsamen rothen BanDe mit schma- len weißen RanDftreifen getragen unD wie Der Mau­ritius- und Lazarus-Owen verthcilt werDen. Letzterer zählt bereits gegen 40,000 Ritter, macht beiläufig auf je 160 Köpfe Der erwachsenen männlichen Be­völkerung Der Halbinsel einen Lazarus.

Paris. Die Nachrichten über Die in Algerien herrschende Hungersnoth sind fortwährend furchtbar. Es ist soweit gekommen, daß die Araber anfangen, sich mit Menschenfleisch zu nähre». Es scheint, daß Die Regierung außerordentliche Maßregeln ergrei­fen will.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.