Landwirt hschaftliches.
Hebet die Wirkung des Gypses.
Von E. Breidenbach.
Die Wirkung des Gypses auf den Klee hängt zunächst ab von der Art und Beschaffenheit des Bodens. Es ist bekannt, daß der Gyps dem Boden und somit auch den Pflanzen zwei wichtige Nährstoffe in seinen Bestand- theilen zuführt, den unentbehrlichen Kalk und die zur Bildung der Proteinstoffe nothwendige Schwefelsäure. Auf einem Boden, welcher an und für sich schon so viel Kalk und Schwefelsäure enthält, als die Gewächse bedürfen, wird daher der Gyps nicht wirken. Eine andere Wirkung des Gypses ist die Bindung des durch Zersetzung stickstoffhaltiger Bestandthheile entstandenen koblensaurcn Ammoniaks, welches er in nicht flüchtiges schwefelsaures Ammoniak überführt, während er selbst in kohlensauren Kalk übergeht. Das schwefelsaure Ammoniak ist aber ein leicht lösliches und äußerst kräftig wirkendes Dungmittel. Hieraus erklärt es sich, warum der Gyps nur auf humusreichen, düng kräftig en Boden so günstig wirkt, denn diesem Boden entströmt fortwährend Ammoniak, was für die Pflanzen desselben Ackers verloren gehen würde, wenn es der Gyps durch seine Schwefelsäure nicht festhielte.
Der Gyps muß hinlänglich Wasser zu seiner Auflösung haben, wenn er wirken soll und daraus erklärt es sich, warum er nicht auf trocknen Feldern wirkt, dagegen so gut, wenn er nach einem starken Thau oder nach einem warmen Regen auf die jungen Kleepflanzen gestreut wird.
Auf nassem, kaltem, schwerem Lehm- und Thonboden, auf humusarmem, magerem Boden wirkt der Gyps wenig oder gar nicht, weil er zu seiner Wirksamkeit nicht allein der Feuchtigkeit, sondern auch der Wärme bedarf und außerdem keine zersetzende Einwirkung auf die organischen Reste ausüben kann.
Endlich bewirkt der Gyps auch noch eine chemische und mechanische Veränderung der Erdtheile im Boden, wodurch gewisse Nährstoffe, wie Kali, Natron, Bittererde (und Ammoniak) ausgestoßen und löslich und damit zugänglich für die Kleepflanzen werden. Ist einem Boden durch eine Reihe von Jahren zu viel Gyps zugeführt worden, so kann der Fall eintreten, daß von diesen Stoffen zu viel gelöst nnv weggeführt wurde und auf solchem Boden wird der Gyps auch wenig Wirkung haben.
Von wesentlichem Einfluß auf die Wirkung des Gypses ist, außer der Art und Beschaffenheit des Bodens, auch noch die Witterung, namentlich während und unmittelbar nach dem Ausstreuen. .Man hat in dieser Hinsicht folgende Erfahrungen gemacht, welche sich aus dem oben Mitgetheilten recht gut erklären lassen:
1) Bei ganz trockner Witterung ausgestreut, wirkt der Gyps entweder gar nicht oder schlecht, ebenso wenn gleich nach dem Ausstreuen sehr starke Regengüsse erfolgen;
2) Kälte und Frost während des Ausstreuens oder unmittelbar darnach schwächen die Wirkung des Gypses ganz bedeutend oder heben sie ganz auf; daher kommt es, daß in kalten Frühjahren, wo öfters leichte Nachtfröste eintreten, von der Wirkung des Gypses fast nichts zu sehen ist;
3) feuchte und warme Witterung während und nach dem Ausstreuen beschleunigt und erhöht die Wirkung des Gypses, der Klee wird höher, dichter und bekommt saftigere, dunkelgrüne und breitere Blätter;
4) das Gypsen darf nicht Mittags im Sonnenschein, nicht bei Wind geschehen, sondern muß bei warmer, trüber, windstiller Witterung, Morgens ganz früh nach einer thaureichen Nacht oder Abends im Thau, oder wenn ein gelinder Regen die Blätter angefeuchtet hat, vorgenommen werben.
Der im Handel vorkommende Gyps kann durch Beimischungen von Kalk, feinem Sand, Thon re. rc. verfälscht sein, alle diese Verfälschungen lassen sich aber sehr leicht erkennen. Reiner guter Gyps muß sich nämlich in verdünnter Salzsäure fast vollständig, bis auf einen unbedeutenden Rückstand von Sand und Thon auflösen. Bleibt daher bei der Behandlung mit verdünnter Salzsäure ein bedeutender Rückstand, so ist Der Gyps mit Sand und Thon vermischt und braust er beim Uebergießen mit Salzsäure oder starkem Essig auf, so enthält er kohlensauren Kalk beigemengt. Je reiner der Gyps von diesen Beimengungen und je weißer und fein gepulvert er er ist, desto größer ist seine Wirkung.
Düngungsversuch mit Superphosphat zu Gerste.
Bei der auf dem Oeconomiegute Oberallmannsbach vorgenommenen Gerstensaat verwendete man zu 1 Tagewerk (1V2 Morgen) Feld 1 Ctr. von Kalksuperphosphat in der Weise, daß derselbe auf den Samen gestreut und mit solchem eingeeggt wurde. Schon frühzeitig zeigte sich die aufgegangene Gerste auf dieser Stelle viel üppiger, als auf dem angrenzenden, nicht gedüngten, übrigens von gleicher Bodenbeschaffenheit und gleichmäßig mit Gerste bestelltem Felde, und dieses kräftige Aussehen steigerte sich fortwährend, so daß schon von vorne Die gedüngte Stelle des Ackers erkannt werden konnte. Diesem entsprchend zeigte sich auch bei dem Drusche der eingeheimsten Gerste das günstige Resultat, daß die gedüngte Fläche 17fachen, die ungebüngte l »fachen Samen gewährte. Da auf das Tagewerk 2 bairische Metzen gesäet wurden, so ergibt sich bei der gedüngten Gerste ein Mehrertrag von 1 Scheffel 2 Metzen — 4 Scheffel per Morgen, der nach dem Preise Der Gerste circa 9 Thaler werth ist, so daß sich, abgesehen von dem größeren Strohertrage, nach Abzug des Preises von 3 Thlr. für den verwendeten Ctr. Kalksuperphosphat ein Reingewinn von nahe 6 Thlr. ergibt.
F e tt M
Vetter und Base.
Eine Familiengeschichte.
(Schluß).
Die Commerzienräthin war überhaupt Vie einzige, welcher die rettende That Robert's kein Glück und keinen Segen brachte. Während Herr Gottfried Balder wie verjüngt umherging und sich der rührigsten Thäcigkeit freute, welche in seinem Etablissement sich geltend machte; während er mit Stolz auf die tüchtige und erfolgreiche Hülfe blickte, welche ihm Robert und Rudolph leisteten, und entzückt war über den neuen ledhaften Aufschwung, den sein Geschäft nun unter diesen Verhältnissen nach der Krise nahm, — schien all dieser Erfolg den entgegengesetzten Einfluß auf seine Gattin zu äußern. Die arme Frau konnte es nicht ertragen , daß sie so von ihrer Hohe und aus ihrem Glanze herunter zu steigen gezwungen worden war. Ihr Herz hing mehr an Den eitlen Flitter« Der Vergangenheit, als an dem wahren Wohl der Ihrigen. Verbittert unD angewidert zog sie sich in Cie engste Einsamkeit zurück unv verharrte in düstrem, dumpfem Hinbrüten, aus Dem kein liebevoller Zuspruch sie aufraffen konnte. Vielleicht arbeiteten Reue unD Selbstoorwürfe in ihrem Gemüthe, unD sie wollte diese über- täuben durch Die Selvstverbitlerung, Die sie in sich nährte. Sie haßte Robert und verachtete Rudolph; sie mißgönnte Paulinen ihr jetziges LebenSglück und betrachtete Henriettens Heirath als eine Selvsterniedrigung. So zog sie eine un- übersteigliche Kluft von Eis und Froststarre um sich her, und verzehrte sich in dieser Einsamkeit und Vergällung. Von Monat zu Monat ward sie stumpfer unv menschenscheuer; weder ärztlicher Rath noch geistlicher Zuspruch konnten tiefe Hypochondrie lindern, der endlich ein jäher Herzschlag ein Ziel steckte. Kaum vermißt und doch veßhalo vielleicht um so tiefer beklagt, starb die Commerzicn- räthin wenige Tage nachdem Henriettens Erstgeborener getauft worden war. Iva halte schon feit Henriettens unD Paulinens Verheirathung das Hauswesen geführt, und unter Den günstigen Einflüssen Der Pfarrerin von Erlau ihren früheren Neigungen entsagt unv sich nach Kräften nützlich zu machen gesucht, um Die einstige Schuiv zu sühnen. Auch sie Halle sich vas Bäschen vom Lanve zum Vorbilv genommen unv von Paulinen Vieles gelernt. Jetzt war Pauline sogar ihre Vertraute bei einem kleinen Herzens-Geheiinniß. Iva hatte Damals im Pfarrhofe zu Erlau einen jungen Arzi kennen gelernt, Der ein entfernter Ver- wanvter Des Pfarrers und ein lieber Hausfreund tiefer Familie war. Dr. Landau hatte sich des bekümmerten, trauernden Mädchens, auf welchem ein Herzens- kummer zu lasten schien, mit einer um so lebhafteren Theilnahme als Arzt und Hausfreund angenommen, je mehr er den Pfarrer unv feine Gattin beeifert sah, Ida zu beruhigen unD aufzuheitern. Jva's wundes Herz, vas sich fo eben von einem Jrrthuin erholen mußte, unD Das Bild jenes unwürdigen Abenteurers wie einen Giftstoff ausstoßen wollte, war für die Annäherung ves sanften, geistvollen, sinnigen jungen Arztes gar nicht unempfänglich geblieben, unv Der Körper- und Gemüthsarzt hatte auch in ihrem Herzen ein ungewöhnlich trauliches und einstweilen noch heimliches Plätzchen erobert. Die Trennung hatte dann Jva's Wohlwollen und Dankbarkeit eher noch gesteigert, der Briefwechsel zwischen beiden einen erst maßvollen und zurückhaltenden, dann aber innigeren Austausch von Ansichten, Gefühlen unv Gevanken zu Stande gebracht. Mit einem Worte: feit einem halben Jahre liebten sich Dr. Lanvau und Iva innigst unv nur Pau
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line unv Vie Pfarrerin von Erlau wußten um diese» Geheimniß. Die Schwer- inuth der Mutter und die materiellen Verhältnisse des Vaters ließen es Ida räthlich erscheinen, ihr stilles Glück einstweilen den Eltern zu verschweigen. War doch ohnehin vorauszusehen, daß die Mutter diese Verbindung nicht billigen werde. Jetzt aber, nach dem Tode der Commerzienräthin, drang der Doctor in Iva, sich ihrem Vater anzuvertrauen oder ihm zu gestatten, daß er bei Dem Comincrzienrath um sie freie. Ida sah sich in einer peinlichen Alternative; aber ihr Gefühl trieb sie an, die Lösung dieser Frage Paulinen anheimzugeben. Sie wollte Der Familie weder ihre Hülse und Nähe entziehen, weil die Führung der Haushaltung ja nur allein auf ihren Schultern lag, noch Dem Vater für ihre Ausstattung ein Opfer zumuthen, welches ihm vielleicht gerade in diesem Augenblick ungelegen kam; und doch liebte st- den jungen Doktor innigst, und sein Wunsch nach inniger Vereinigung fand ein lebhaftes Echo in ihrer eigenen Brust. Dich alles gestand sie nun Paulinen, und diese, welche nie auch nur den Schatten einer Heimlichkeit vor ihrem Gatten hatte, sprach mit Robert darüber.
„Ich möchte der armen Ida so gerne helfen, mein lieber Freund," sagte sie; „aber wie sehr ich mich auch über Mittel und Wege besonnen oder abgequält, so sehe ich nur einen einzigen ausführbaren vor mir, und diesen kann ich nicht einschlagen ohne Deine Beihülfe, mein theurer Robert!"
„Rede, mein Herzchen!" sagte er neugierig, „Deine Vorschläge sind immer beachtenswerth!"
„Du sagtest neulich, Herr van Haan wünsche die Villa zu kaufen," entgegnete Pauline. „Falls er sie nun nach ihrem wahren Werthe bezahlt und Du, mein liebes Männchen in die Veräußerung willigst, und den Mehrerlös über een Schätzungswerth dem Oheim Gottfried zustellst als Mitgift für Iva, so ist Die eine Schwierigkeit schon gelöst, und über die andere werden wir auch hinüberkommen. Ich werde nämlich mit Henrietten reden, daß sie ihrem Papa den Vorschlag mache, zu ihr zu ziehen, die jüngeren Geschwister, deren Erziehung doch einmal einigermaßen verwahrlost ist, der Pfarrerin zu Erlau zu übergeben, und feine eigene Haushaltung bis dahin aufzugeben, wo die beiden jüngeren Mädchen so weit herangewachfen sind, daß sie wieder in'S Elternhaus zurück- kehren; — und wenn ich Dann Henrietten für meine Idee gewonnen habe, so wollen wir beide zum Oheim Eommerzienrath gehen, ihm die Sache vortragen und dem Doktor Landau »erarbeiten, und ich müßte den Onkel nicht kennen, wenn er nicht am Ende einwilligte."
Robert umarmte lächelnd feine junge Frau, welcher er gerade jetzt um so weniger etwas abschlagen konnte, und gab ihr seine volle Zustimmung zu ihrem eben vorgetragenen Plane zu erkennen. Pauline aber führte ihr Dorhabm sogleich auch aus, und der in allen Theilen verwirklichte Plan machte zwer Glückliche mehr, die Paulinen die Erfüllung ihrer höchsten Erdenwiinfche verdankten und den guten Genius segneten, welcher der Familie Balder in Pauline Harn, dem Büschen vom Lande, in'S Haus gekommen war.
Heute, wo wir die Geschichte beendigen, ist der Eommerzienrath wieder im Vollbesitze seines Vermögens und hat die freie Verfügung über das ganze bedeutend erweiterte Etablissement, aber feine Neffen Robert und Rudolph stehen ihm nun als Affoeiös zu Seite und helfen ihm das ausgedehnte Geschäft nut Umsicht und seltenem Erfolg betreiben, und auf den einfachen biederen Leuten ruht ein sichtlicher Segen von oben, geschaffen von dem gemeinsamen gedeihlichen Zusammenwirken von V e t t e r u n d B a s e, Die nun ein solch glückliche« Paar sind.


