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-arnisonirenden. achten rhein. Kürassierregiment« Ind auf einer Urlaubsreise in Utrecht zwei seiner Haut» boistcn al« holländische Deserteure verhaftet worden. Diese Leute haben bei einem holländischen Regimente Dienst angenommen, diesen aber später freiwillig ver- lassen, um als Preußen ihrer Militärpflicht zu ge­nügen. Der Kapellmeister, welcher seinem Regimentr- commando von dem Vorfälle Meldung machte, erhielt den Befehl, sofort mit seiner Kapelle zurückzukehren. Man ist auf den Ausgang dieser Angelegenheit sehr gespannt, da man annimmt, daß die preußische Re- gierung ihre in Uniform und sogar im ganzen CorpS beurlaubten Militärs nicht so mir nicht« dir nichts werde inhaftiren lassen wollen. Die Stadtver­ordnetenversammlung zu Breslau hat den Antrag des Magistrats, das neue Johannesgpmnasium als evan­gelisches Gymnasium zu eröffnen, abgelehnt, da sie von der Ansicht ausgeht, daß höhere Unterrichts- Anstalten consessionslos sein müßten.

München, 14. Juli. Die Ulmer Convention ist nunmehr beiderseits ratificirt worden. Die Ver­handlungen über die Militärcommission werden un­ter Schwierigkeiten fortgesetzt. Die Regierung be- absichtigt dem nächsten Landtag einen Gesetzentwurf über die Aufhebung der Schuldhaft vorzulegen.

Stuttgart, 14. Juli. Gestern fanden hier zwischen Fürst Hohenlohe und Hrn. v. Varnbüler Verhandlungen bezüglich der Ulmer Convention statt, und wurden die Ratificationen ausgetauscht. Als weiterer Gegenstand der Verhandlungen zwischen bei­den Ministern wird die Bildung und der baldige Zusammentritt einer Commission von Bevollmächtig­ten Würtembergs, Baierns und Badens bezeichnet, deren Aufgabe die Beaufsichtigung der süddeutschen Festungen im gemeinsamen Interesse sein soll. Fürst Hohenlohe ist von hier nach Karlsruhe abgereist.

Karlsruhe, 14. Juli. Der Gesandte der Ver­einigten Staaten, Hr. Bancrost, ist hier angekom­men, um, wie in München und Stuttgart, auch mit der badischen Regierung einen die Naturalisation der Ausgewanderten betreffenden Vertrag abzuschlicßen.

Wien, 13. Juli. Der Minister Giskra ist heute mit 954 gegen 1 Stimme an Stelle Mühlfeld's zum Abgeordneten der Stadt Wien in den nieteröster­reichischen Landtag gewählt werden. Hr. v. Beust gehr, wenn nicht wichtige Geschäfte einen Aufschub bedingen, am Montag nach Gastein. Im Verkehr mit der Diplomatie wird ihn der Reichsfinanzmini- fier, Frhr. v. Becke, vertreten, die Leitung der übri­gen Geschäfte, soweit sie der Reichskanzler sich nicht persönlich vorbehält das Personal der Prästdial- section ver Reichskanzlei begleitet ihn nach Gastein übernimmt der Sectionschef Frhr. v. Orczy. Der Unterstaatssecretär Hr. v. Meysenbug ist bekanntlich noch nicht zurückgekehrt.

Prug, 9. Juli. Den Wiener Blättern wird von hier telegraphirt: Palacky und Rieger erklären in derPolitik", das Rcsums derDeutschen Allg. Zeit." über ein Gespräch mit dem Reichskanzler, Baron Beust, sei sehr uncorrect; sie wollen aber diese Mittheilungen weder corrigiren noch complcti- ren, um etwa Neugierige zu befriedigen. Sie wen­den sich blos gegen den Passus, welcher sie bedauern ließ, wenn Rußland bei einem etwaigen Zerfalle Oesterreichs sie nicht für sich beanspruchen sollte; sie sind vielmehr überzeugt, daß der Verband Böhmens mit Oesterreich, unter der Voraussetzung einer Fö­derativverfassung, für die böhmische Nation die beste Sicherung ihrer historisch-politischen Individualität bilde.

Madrid, 9. Juli. Die Regierung hat Ordre rrtheilt, eine Dampfcorvette nach den Küsten von Andalusien zu senden - um die Mündung des Gua- dalquioir zu überwachen. Den 10. Morgen fin­det in Granja ein Ministerrath unter dem Vorsitze der Königin statt. Die verhafteten Generale befin­den sich bereits in Cadix und werden morgen nach den canarischen Inseln gebracht. Lissaboner Blättern zufolge verstärkt die Regierung die Besatzungen an der Grenze. Der PariserEtendard" vom 10. d. bringt Privatnachrichten aus Madrid, welche die Verschwörung als eine ernstliche darstellen. Alle Fraktionen der liberalen Opposition, die Progressi- sten und die Karlisten, haben sich vereinigt, und cs wird versichert, daß zwischen Dulce und Cabrera eine Zusammenkunft stattgefunden habe. Alle Par­teien acceptirten den Herzog von Montpcnstcr als Chef.

Newyork, 11. Juli. (Kapelteicgrarnm aus Reuter'« Office.) General Frank-Vlair nahm die demokratische Candidatur für die Vicepräfidentschast an. Der Senat ratificirte die Naturalisations- Berträge mit Baiern._________________________

Vermischtes.

,7- 2uli. Nach dem Vorgang deS Kreises VUbei ist nun auch von Seiten des KreiSamiS Friedberg das Ergebiuß der vor;ahrtgen Obsternte seines Verwaltungsbezirks

zusammengestellt und durch die Verhandlungen de« landwirth- schastlichen Bezirksverein« Friedberg zu weiterer Kenntniß ge­kommen. In den meisten Gemeinden des Kreise« blüht di« Obstcultur und war die Ernte eine recht ergiebige mit reichen Einnahmen. Der Zusammenstellung deS Ertrags entnehmen wir, daß im Jahre 1867 im Kreise Friedberg gewonnen wurden:

Malter.

Werth fl.

Aepfel

53523

94734

Birnen

9918

19743

Zwetschen

6933

18358

Kirschen

1064

3364

Nüsse

318

2466

71756

138665

Die Durchschnittspreise stellen sich hiernach für Aepfel ans 1 fl. 46 fr., Birnen 1 fl. 56 fr., Zwetschen 2 fl. 39 fr., Kirschen 3 fl. 9 fr. und Nüsse auf 7 fl. 45 fr. per Malter, sind mithin äußerst mäßig gegriffen. An dem Werth des Ob­stes participiren die Gemeinden mit 8360 fl., die Privaten mit 130,305 fl. Den höchsten Obsterlös erzielten die Gemein­den Ockstadt mit 14446 fl. und Niedcr-Weisel mit 10563 fl.

Worms, 10. Juli. Von zuverlässiger Seite wird uns mit- getheilt, daß der Ausschuß der Luther-Denfmal-VereinS in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen hat, seinen Vicepräsidenten, Hrn. Dr. Eich, zu beauftragen und zu ermächtigen, eine Ge- denfschrift zur Erinnerung an die EnthüllungS- feier des Luther-Denkmals am 24., 25. und 26. Juni 1868 thunlichst bald herauSzugeben. Die Schrift wird eiue Abbildung und Beschreibung, sowie auch eine furze Ge­schichte des Denkmals enthalten, von dem Beginn de« Unter­nehmens an bis zu dessen Vollendung; ferner: eine Beschrei­bung der Enthüllungsfeier, sämmtliche Predigten, Reden, Be­grüßungen, Ansprachen von Vertretern von theol. Facultäten, Regierungen, Kirchenbehörden, Kirchkreisen und Städten, ein Verzeichniß der angemeldeten und einquartiert gewesenen Fest- gäste k. ic. Hr. Dr. Eich hofft, wie wir hören, diese sehn- lichst erwartete Schrift schon in einigen Monaten erscheinen lassen zu können. Ts wäre zu wünschen, daß recht bald Be­stellungen von Buchhandlungen und Privaten an den Heraus­geber gelangten, um die Stärke der Auflage darnach bemessen zu können.

Lugau, 3. Juli. Gestern hat hier die Vertheilung der Gaben stattgesunden, welche für die Hinterlassenen der am 1. Juni v. I. aufNeu-Fundgrube" verschütteten Bergleute durch ein Comite gesammelt worden waren. Es waren gegen 122 000 Thalcr zusammengekommen, von welchen nur ein verhältniß- inäßig kleiner Theil in dem vorigen Jahr zu laufenden Unter­stützungen verwendet worden war, so daß noch weit über 100,000 Thaler vertheilt werden konnten. Um dem Willen der Geber möglichst gerecht zu werden, stellte man ein gemisch­tes Princip auf, setzte nämlich den Hinterlassenen jährlich eine Leibrente und zahlte ihnen außerdem noch ein Capital aus. So bekamen die Eltern eines Verunglückten eine jährlich- Leib­rente von 18 Thaler, die Wittwe eine solche von 36 Thaler ausgesetzt, jene außerdem noch ein baare« Capital von 125 Thaler, diese von 500 Thaler ausgezahlt. Die Kinder wurden in ähnlicher Weise bedacht, und so trifft er sich, daß auf meh­rere Familien über 2000 Thaler ausgefallen sind.

Hannover. In Hildesheim wurde neulich der König von Preußen bei seinem Besuch unter Andern auch von den Prima­nern des Josephineums beim Eintritt in den Dom mit folgen­den Worten begrüßt:

Wie wir der Fahne gefolgt mit dem Rosse, das über den Boden

Rückwärts nimmer" gewandt sprengte mit stampfen­dem Huf,

Folgen.wir heute dem Aar, der Alle im Fluge be­siegt hat,

Uttb als Zeichen des Glücks auf zu der Sonne sich schwingt."

Schlesien. In Groß-Peterwitz bei Cauth wurde am 5. Juli da« von dem Grafen zu Limburg-Stirum dem Minister-Präsidenten und Bundeskanzler Grafen Bismarck geweihte, aus carrarischem Marmor gemeißelte, mit Bismarck's Medaillonbilde versehene Denkmal enthüllt. Die Umschrift deS Medaillonbildes lautet: Praepotentis Austriae Flageilum, Juris Borussiae "VIndex. Zu Dem sch :Des übermüthigen Oesterreichs Geißel, Preußens Rechts Rächer."

Trier. Ein eifriger Nasurbeobachter, der, wie er be­hauptet, au« dem Schatze langjähriger Erfahrungen geschöpft hat, theilt in der hiesigen Volkszeitung mit, daß, wenn der Monat Juli so fortfahre, wie er angefangen habe, das heu­rige Jahr dem von 1811 oder 1819 gleich kommen werde an Ertrag von Früchten und Getränken; Kernobst werde es aller­dings nicht so viel erbringen. ES sei durchaus nicht nöthig, daß der Juli große Hitze erzeugte, denn diese verringere das Quantum der Ernte eher, als sie eS erhöhe. Die Neige des Juli, der August und September müßten die Hitze bringen, so daß halben September füglich geherbstet werden könne. Die Kartoffelkrankheit sei nicht zu fürchten, denn in der Hälfte de« August, wo sie aufzutreten pflege, sei die Kartoffel schon so weit gediehen, daß die Krankheit keinen so zerstörenden Cha­rakter mehr zeigen könne, wie 1845. Uebrigen sei die Trau- benbiüthe 1822 noch früher eingetreten, als dieses Jahr, denn am 13. Juli 1822 hätten die Kenner Kirmeßgäste bereits neue Trauben aus den Kenner Weinbergen gegessen; 1783, 1811 und 1822 sei die Kornblüthe in die MarcuS-Octave gefallen, dieses Jahr wurde bereits am 30. Juni Korn in der Nähe Triers geschnitten.

Wiesbaden, 8. Juli. In der verflossenen Nacht gelang eS einem gewandten Gauner, aus den Zimmern des Prinzen Joinville in denVier Jahreszeiten" dahier 80 Pfund Ster­ling in baar, verschiedene Goldsachen und Creditbriefe im Werthe von 5000 Pfund zu entwenden. Der Diebstahl wurde erst Morgens entdeckt und zur Anzeige gebracht. Der Polizei gelang es gleichwohl, bis Mittag den Dieb in Haft und das gestohlene Gut wieder zu beschaffen.

Karlsruhe, 6. Juli. Das Schwurgericht zu Freiburg hatte zu Ende voriger Woche da« Verbrechen des KindeSmords unter llmständen abzuurtheilen, welche gewiß zu den Seltenheiten gehören. Die Angeklagte ist die noch nicht ganz 15jährige Marie Beck von Dittishausen, badischen Amts Neustadt, welche Mutter geworden von einem kaum 16jährigen Burschen, einem Nachbarssohn, auf Anrathen und unter Beihülfe ihrer eigenen Mutter ihr neugeborenes Kind unmittelbar nach der Geburt erstickt hatte. Marie Beck, die 14jährige Kindesmörderin, wurde, als noch außerhalb der gesetzlichen UnterscheidungSjahre stehend und daher noch nicht vollständig zurechnungsfähig, auf Grund des Strafgesetzbuches straffrei entlassen. ' Di- sittlich

ganz verkommene Mutter, beziehungsweise Großmutter, aber wegen Anstiftung und Theilnahme am KindeSmord zu 15 Iah, ren Zuchthaus verurtbeilt.

Frankfurt. Hier geht man gegenwärtig mit dem Plan, um, die herzoglichen Wintergärten in Biebrich anzukaufen und in den an der Bockenheimer Chaussee, in der Nähe d-S zoolo, gischen Gartens zu errichtenden Anlagen unterznbringen. ($jn Areal von etwa 30 Morgen auf der linken Seite der Bocken­heimer Chaussee, welches Frankfurter Stiftungen gehört, iss dem gemeinnützigen Unternehmen für eine mäßige Pachtsumme auf 50 Jahre gesichert. Das Anlagekapital ist auf circa 250,000 fl. veranschlagt, welche durch Actien aufzubringen sei, werden. Neben großartigen Gartenanlagen wird daS Etablisse­ment eine coloffale heizbare Glashalle enthalten, welche i» Winter zu Concerten bei Restauration benutzt werden soll. Die Treibhäuser deS Biebricher Wintergartens würden dies, Glashalle auf drei Seiten umgeben und gewissermaßen bereit äußeren Rahmen bilden.

Oesterreich. Daßpolizeiliche Jrrthümer" bisweilen von sehr tragischen Folgen begleitet sein können, zeigt nachste­hender Fall. Am 24. Juni hatte ein Oimützer Geschäftsmann an seine Schwiegermutter ein Telegramm nach WSetin gesandt. Die Telegramme nach WSetin müssen jedoch von Pohl au» durch Erpreß befördert werden, und der Praktikant des Tele- graphenamteS übernahm -S nun, die Depesche in der Nacht nach Wöctin zu tragen, um den Botenlohn zu verdienen. Auf dem Wege dahin begegnete er einer GenSd'arrnerie-Pa- trouilie. welche nach einem Individuum fahndete, das kurz vor­her mit einem andern Strolch in Mcserifch einen Diebstahl ausgeführt hatte. Der Gensd'arm rief den jungen Mann an und fragte, wohin er gehe. Das werde ich Ihnen sogleich zeigen, antwortete dieser und griff nach der Brusttasche, um sich mit der Depesche zu legitimiren. Der GenSd'arm, dem bekannt war, daß der gesuchte Dieb mit einer Pistole bewaffnet sei, glaubte, der Angerufene beabsichtige ein Attentat aus seine Person, und um sich vor demselben zu schützen, legte er sein Gewehr auf den jungen Mann an und schoß tbm in die Brust. Mehrere Stunden darauf hauchte der Unglückliche sei­nen Geist aus.

Schweiz. Am 30. Juni hat eine Montblanc-Besteigung neuerdings wieder zu einem Unglücksfalle Anlaß gegeben, wel­cher ganz Chamounir in Trauer versetzt hat. Eine fremde Familie hatte unter der Leitung des bekannten und allgemein beliebten Führer« Eduard Simon einen Ausflug nach dem Grands Mulet« unternommen. An dem Pierre a j'Celle ange­langt wurde die Karawane von einer Steinlawine überrascht, welche sich plötzlich von der Aiguille du Midi loSgeriffen hatte. Die Reisenden schwebten in größter Gefahr und würden sicher auch den Tod gefunden haben, wenn nicht der Führer Simon ein schützende« Asyl für sic unter einem überhangenden Felsen entdeckt hätte. Leider dachte derselbe nicht an seine eigene per­sönliche Sicherheit. Im Augenblicke, als er die letzten bet Personen, bie sich seiner Leitung anvertraut, unter ben Felsen, geborgen hatte, warb er von einem großen St-inblocke zu Bu­ben geworfen unb in den Abgrunb gestürzt, wo er erst am andern Morgen todt aufgefunden wurde. Der Unglückliche war bie Stütze einer zahlreichen Familie. Am gleichen Tage, al« seine Leiche nach Chamounir gebracht würbe, hatte ein junger Amerikaner bas Wagniß eine« Ausfluges ohne Führer nach bem sogenannten Jarbin unternommen, bet bald ebenfalls zu einem traurigen Ausgange geführt hätte. Zwischen den Abgründen und Felsblöcken der EiSwand verirrt, fand der junge Mann erst am andern Morgen ben Rückweg nach Cha- mounir, wo er fast von allen Kleidern entblößt und auf den Tod erschöpft in einem Zustande ankam, bet am deutlichsten für die Gefahren sprach, denen er entronnen.

London. Eine neue Verbindungslinie zwischen Irland und Amerika ist von Hrn. Tupper, ehemaligem Premiermini­ster in Neuschottland, und Hrn. Sandford Fleming, Ingenieur der Jntercolonial-Eisenbahn, projectirt worden. Dieselbe würde für die atlantische Reise zwischen Valentia und St. Johns, Neufundland, nur 100 Stunden in Anspruch nehmen und die Möglichkeit liefern, die Reise von London nach Newyork in sieben Tagen zurückzulegen. A-Hnlich- Unternehmungen sind schon mehrfach aufgetaucht, doch so schnell, wie sie gekommen, auch wieder verschwunden. Darum braucht aber dieses neue Projekt das Schicksal seiner Vorgänger nicht zu theilen; bei guter Verwaltung (an dieser hat es bisher gänzlich gefehlt) läßt sich ihm ein sicherer Erfolg prophezeihen.

Amerika. (Sinnreiche Brtefbeförderung.) Di- Brief- und Packetbeförderung »ermittelst Luftdnicks in den soge­nannten pneumatischen Röhren wird auch in Newyork einge­führt werden. Die Beförderung der Gegenstände in ben Röhre« geschieht in kleinen Wagen. Sehr sinnreich ist bie Einrichtung, burch welche es ermöglicht wirb, baß ein in einen auf der Straße befinblichen Briefkasten geworfener Brief sofort mit dem nächsten Wagen abgeht. Der Brief fällt nämlich in einen fächerartigen, dem Glücksrad ähnlichen Behälter; fährt der Wagen unten durch, so berührt er einen hervorstehenden Theil des Rades, dasselbe macht eine Viertel-Umdrehung und die Briefe fallen in den Wagen.

(Ein interessanter Fund.) Bei Gelegenheit der Er- propriationen und Umwandlungen in Paris kommen manche alt längst begrabene Geschichten zu Tage. So fand man vor Kurzem an einer Stelle, über die eine künftige Straße hingehen soll, im ehemaligen Gemüsegarten der einstigen Car- meliter, eine große Menge von Menschenknochen, welche keine andern sein sollen, als bie Gebeine bcr Mönche, welche in den graitenvollen Septembertagen des Jahre« 1792 maffacrirt wur­den. Eine Sage erzählt von jeher, daß eine große Zahl der­selben in einen Brunnen sind geworfen worden, aber bis auf unsere Tage konnte dieser Brunnen nicht aufgefunden werden. Jetzt endlich hat man ihn entdeckt und in ihm 75 Leichen. Der Leichnam, den man für denjenigen des Bischof« von Arle« hält, nach dem Säbelhieb im Schädel, lag über dem andern, auf einer Kalkschichte, bcinabc auf der Oberfläche des Boden«. Auch Schuhschnallen und andere derartige Ueberreste wurden aufgefunden. An einzelnen Schädeln will man Spuren von Kugeln entdeckt haben. Doch find nicht, wie man gewöhnlich glauben machen will, sämmtliche Bewohner de« Klosters ge- tödtet worden; viele flüchteten fich während des Mordens, an­dere wurden später gerettet. Vor nicht sehr langer Zeit lebte an der Kirche St. Sulpfle ein alter Abba, der fich ebenfalls unter jenen Todtgeglaubten befand. Eine Frau, bie bem Be- gräbniß beiwohnte, bemerkte einen Mönch, der wie todt hinter einem Fliederbusche lag und an bem fie Lebenszeichen entdeckte. Sie kehrte in der Nacht zurück, nahm ihn auf und erhielt ihn im Leben.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.