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Vermischtes.

Kebaction, Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr- Pi-tsch) in Gießm.

Cork, 11. Februar. Die heute Nacht stattge- fundenen Volksaufläufe waren sehr ernster Natur. Sie Dauerten neun Stunden lang. Das Volk griff die Polizei mit heftigen Steinwürfen an. Letztere drang mit gezogenem Säbel und Bajonneten auf die Volksmasse ein. Ein Unruhestifter wurde getödtet und mehrere verwundet.

Mainz, 8. Februar. Nachdem trotz aller dem Stadtvorstand zur Hand stehenden Momente und einer von ver Stadt gut bezahlten Gatcontiole we. der die Kündigung de« Gasvertrags, Besserung der

das Streben kund geben, durch unerschütterliche Theilnahine an den Leiden und Freuden des deut­schen Volkes den Prager Friedensvertrag und Alles, was drum und dran hängt, zu einem schätzenswer- then Material für künftige Geschichtsforscher herab­zudrücken. DerDeutsche Volksverein" machte gestern auf der mit vielem Glücke betretenen Bahn einen ' Schritt weiter, indem er die Initiative ergriff, Samm- lungen für unsere nothleidenden Brüder in Ostpreußen einzuleiten. Der zu diesem Zwecke verbreitete Auf- ruf an die deutschen Oesterreicher ist gestern von den Mitgliedern des Deutschen Volksvereins mit Accla- mation angenommen worden, er lautet:

m Deutsche Oesterreicher! Volk von Wien! Ein Lruderstamm im Norden des deutschen Vaterlandes, die brave kernhafte Bevölkerung Ostpreußens, der Heimath eines Kant und Herder, die Enkelschaft der Vorkämpfer deutscher Ehre in dem denkwürdigen 'JQvre der Abweisung des Fremdjoches, der tapferen

I Drucks und Steins, ringt in diesem Augenblicke mit dem furchtbarsten Feinde der Menschheit, dem uner­bittlichen Würger, vor dem die Thatkrast des ein- zelnen, der Arm der Selbsthilfe erlahmen, Herz nd Gehirn verdorren: dem Hunger. Mitbürger! im . Jahrhunderte, dem Jahrhundert der Eisenbahnen und Telegraphen,, des volkswirthschafttichen Fort- schrttts und des wiedererwachten nationalen Gemein­sinns sterben, inmitten Europas, auf deutschem Boden, kaum zwei Tagereisen von uns entfernt Tausrnde be­triebsamer und tüchtiger Genossen unseres Volkes jenen schmählichen Tod, welchem auch nur das Thier verfallen zu lassen menschliches Mitleid sich sträubt! Ein mehrjähriger Mißwachs, die Nachwehen eines Krieges, durch welchen der wenig gesegneten Flur fast die gesamrnte arbeitsfähige Mannschaft entzogen worden war, die das unglückliche Land umschnürende moekowitische Grenzsperre, der Mangel an rechtzeit - ger Fürsorge ..... haben unendlichen Jammer über ein Volk verhängt, welches im Vorbei treffen stand, als es den Kampf galt gegen die französische Fremdherrschaft und als es in den Jahren der blu- tigen Reaetion einzustehen galt für verfassungsmäßiges Volksrecht. Zum Hunger gesellten sich noch die Typhusseuche, das Darniederliegen aller Eiwcrbs- zweige und Geschäfte, ein unerhöites Fortschreiten d« Verarmung und, um das Eleno voll zu machen, die Schrecknisse eines harten Winters, Kälte, Ueber- schwemniung, Wasscinoih! Laut und immer lauter tönt der Weheiuf durch die deutschen Gaue und überall findet er kräftigen Wiederhall in rascher hcl- f'Uter That. Schnelle uno ausgiebige Hilfe thut wahrlich Noth, wenn überhaupt noch geholfen wer­den soll! Mitbürger! Der deutsche Voiksverein in Wien eröffnet eine Sammlung für die ostpreußischen Brüder und richtet an Euch den Ruf um Beiträge tm Namen der Menschlichkeit und der nationalen Ehre! Kein Almosen, ein Tribut der Pflicht gegen unsere Nation ist es, was von euch geheischt wirk. Seien wir eingedenk, daß Deutschland auf uns blieft, erwartungsvoll ob unseres Verhaltens gegenüber einem unverschuldeten Unglücke, welches heute einen reut- schen Volksstamm zerfleischt, Der gestern ohne seine Wahl- gegen uns in Waffen stand und der

I gastfreundlich einst jene überzrugungstreuen Salzbur­ger bei sich aufnahm, welche ein finsterer Glaubens- eifer aus ihren heimathlichen Bergen vertrieb. Be- weisen wir vor dem aus unsere Zwietracht rechnen­den Auslände, daß das deutsche Volk Eins geblieben ist und Eins bleiben wird, trotz der Waffengänge

I Umer Fürsten gegeneinanrer, trotz der Stürme, die es kurchbrausten, daß Oesterreich nickt bloß das Land des Peterspfennigs, sondern auch das des Zins- groschens ist, der einem hungernden Bruderstamm gebührt. Sorgen wir dafür, daß im deutschen Volke das Bewußtsein erstarke, daß jeder seiner Stämme auf die übrigen zählen Dürfe, daß ein Prager Friede wohl die Grenzpfähle Deutschlands verrücken, aber die Kelte der Solidarität nicht zer­reißen konnic, welche für ewig das deutsche Volks- thum umschließt! Gebe jeder nach seiner Kraft.

Bert», 5. Febr. Für die nothleidenden Ostpreußen sind bis heute, den 5. Februar, hier im Ganzen 2350 Fr. eingegangen, der Gesammtbetrag der Sammlungen unter den Deutschen in der Schweiz durfte aber vielleicht bis jetzt etwa« über 8000 Fr. betragen.

»Öligen, 11. Februar I ie ganze weite Um- gecjenD ist auf einen Rechisstreit gespannt, der näch­stens vor den Schranken des hiesigen Gerichtshofes ausgefochten wird. Die hiesige Zeitung hat die Petition der Eiiiwohner von Gumbinnen wegen der -.......* 11"3 vn ^"schenden Roth abgedruckt und soll nun wegen der

Ostung oder eine Aenderung des alles Maß der Veröffentlichung dieses Schriftstückes, welches Aaü

Berlin. Nach Angabe derW. Z." ist nun auch ein norddeutsches Bundeswappei? eingeführt. Man habe nämlich, nach den an den Buntes-Post- und Telegraphenämtern angebrachten Schildern zu schließen, als Bundeswappen einfach die drei über einander liegenden schwarz-weiß-rothen Streifen an­genommen, wobei als Schildhalter Die von dem Preußischen Wappen her bekannten beiden wilden Männer dienen. Dagegen sind die im Bundeskani-

gkführten Siegel aus den Wappen säinint- ich» 22 Bundesstaaten zusammengesetzt.

. *!*' 8 ®t,bruar- ist eine nunmehr in ^raft getretene Uebereinkunft zwischen Preußen, |

Darmstadt. Nachdem seit mehreren Tagen gerüchtweise von der Vergiftung eines kürzlich ver- storbenen hiesigen Bürgers verlautete, soll dem Ver- nehmen nach nun die Verhaftung von dessen Ehefrau stattgefunden haben und Die Ausgrabung Der Le icke angeordnet worden fein.

Darmstadt 12. Februar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben die Errichtung eines theologischen Seminars an der Großherzoglichen Landes-Universität mit nächstem Semester beginnend, zu genehmigen geruht. Die Statuten desselben wer- den demnächst im Regierungsblatte zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden.

Darmstadt, 13. Febr. Betreffs der Ueberein« FUnft, welche die großh. Regierung dem Bankhaufe v. Erlanger und Söhne nnd einer von temf.Iben gebil- beten Actiengesellfchaft abgeschlossen hat, vernehmen wir ^'S^es: £te Kosten des Bahnbaues sind mit J.o-000 fl. per Meile veranschlagt und übernimmt ne Regierung für den ganzen sonach berechneten I Betrag eine Zinsengarantie ron 3y2 o/o. Im Falle Fc8 Bedarfs ist die Gesellschaft jedoch ermächtigt, dis zu einem Drittel des Bauaufwandes Prioritäts- Obligationen auszugeben, bei welchen der Staat ebenfalls die Garantie übernehmen soll. Die zu stellende Caukion kann au« dem Baueapital geleistet

! Kaufbeuren, 7. Febr. Ein gräßliches Ver- 1 brechen ist heute Nacht dahier verübt worden. Der

Theilhaber der hiesigen Spinnerei, Herr Schrader, wurde samrnt feiner Frau und Magd heute Morgen ermordet aufgefunden. Da eine große Geldsumme und Papiere fehlen (man sagt 40 50,000 fl.) wird man der scheußlichen That da« Motiv des Raubes unterlegen müssen. Damit nicht genug, ist auch das Haus in Brand zu stecken versucht worden, doch gelang es Der schnell herbeigeeilten Feuerwehr, dem Feuer sogleich energisch entgegenzutreten. Von den Thatern hat man zur Stunde noch keine Spur doch wurden nach allen Seiten die zweckmäßigsten Maßregeln ergriffen, um Der schrecklichen That ans den Grund zu kommen. (A. Anzgbl.)

Dresden, 9. Februar. Da« veraltete Gesetz, demzufolge die Leichen von Selbstmördern, wenn besondere Gründe dagegen sprechen, aus Dem ganzen I tunDe an die Anatomie nach Leipzig gesendet wer­den müssen, hat als inhuman schon vielfach Anfech- tnng erfahren; jetzt hat jedoch die medicinische Fa- eultat, und in deren Auftrage der geh. Medicinalrath -br. Weber, sich für Die Beibehaltung des Gebrauchs ausgesprochen, indem sie betont, daß nach Der Seei- rung die Beerdigung ganz nach Wunsch der Ange­hörigen des Verstorbenen auf den Leipziger Friedhöfen vor sich gehen kann. Ob diese Entscheidung befrie­digen wird, ist denn doch sehr die Frage.

Aus der baierischen Pfalz. Ein grausiger Mord wurde ganz in Der Nähe Der Stadt Kaiscrs- lüutern verübt. Das Opfer des bis jetzt unbekann­ten Morde, s ist die 16jährige Tochter des in Tripp- stadb wohnenden Wirthes und Metzger« Caspar schasscr, welche ihren Vater am vorigen Montag nach Kaiserslautern begleitete und von dort allein nach Hanse zurückkehrte. Man fand den Körper der Unglücklichen mit durchschnittenem Halse, nahe der Ltadtim Walde, auf dein s. g. Pfaffenberge, «z ^5», 2. Februar. (Sammlungen für die Nothleidenden i n O stpr c ußen.) Beinahe in allen neun Bezirken unfrei Residenzstadt bilden sich, seit Beginn des neuen Jahres, politische Vereine, die zum Theil schon durch ihre Firma:Deutsch- demokratischer Verein",Deutscher Volksverein", ausnahmslos aber durch den Inhalt ihrer Statuten I

könnte, bestraft werden. Wie verlautet, werden die Verklagten den Beweis der Wahrheit antreien.

Mende», 6. Februar. In den letzten Tagen ist hier wieder ein Kind beerdigt worden, das aller Wahrscheinlichkeit nach an den Folgen des Bisses eines wuthendcn Hundes gestorben ist. E« ist so auffallend als schrecklich, daß sich seit einem Jabr- zehnt Falle dieser Art nur zu häufig wiederholen, daß die Eikrankungen oft sehr spät eintreten, wenn man die Verwundung längst vergessen hat, und daß somit die früheren Erfahrungen über Tollwuth sich als tauschend ergeben.

Oldenburg und Bremen wegen Errichtung einer Qva- rantalne-Anstalt an Der Unterweser geschlossen wor- bbu- Danach wird besagte Anstalt von Der gemein- schastlichen D-uarantaine-Eommission Der drei Staaten v"waltet und letztere ihren Sitz alternirend von Vahr zu Jahr beziehendlich in Geestemünde und Bremerhaven haben. Falls Schiffe keine Kranke an Bord haben, oder innerhalb der letzten dreißig Tage kein ^odesiall an Bord vorgekommen ist, oder etwaige Kranke unverdächtig gefunden werden, dürfen dieselben nach Beantwortung der Fragen ohne Weiteres auf ^uarantaine-Maßregeln hinsichtlich des gelben Fiebers werden gänzlich aufgehoben , eben so Dte 1856 unD 1859 hinsichtlich Der Pest vorgeschrie- benen Voikehrungen fiflirt. Sobald jedoch die Rach- richt eintrifft, Daß in einem Haven Der Levante die Pest ausgebrochen ist, treten jene Maßregeln für alle Die Schiffe wieder ein, welche aus diesem Hafen ab- gesegelt sind oder denselben auf der Reise berührt haben, und werken erst dann wieder eingestellt, wenn, von dewMigen Tage an gerechnet, an welchem in den betreffenden levantischen Hafen das Aufhören der Pest bekundet und damit derselbe für rein erklärt »trb, sechzig Tage abgelausen sind. Ueber das Ein- iretett. unD Aufhören der Quarantaine-Maßregeln ist eine öffentliche Bekanntmachung zu erlassen. Die Kosten der Anstalt werden, sowet die Gebühren- Einnahmen zur Deckung nicht reichen, zu zwei Drit­teln von Preußen und Bremen, zu einem Theil von Oldenburg getragen.

Billigkeit Übe. schreitenden Verhältnisses mit "dem der- und Verachtung gegen g. wisse Beamte Hervorrufen maligen Pachter des städtischen Gaswerk« (demselben '

industriellen der das Mannheimer Gaswerk betreibt), wie es scheint durchgeßtzt werken soll oder kann, wirk auch unter den hiesigen Privatccnsumenten, auf deren Kosten sich ein Einziger mittelst eine« ringe- rechtfertigt hohen Gaspreises bereichert, die Einstel- lung Der Beleuchtung mit Gas erfolgen. Bereits haben einigt öffentliche Locale mit ter Petroleumbe- "Uchtung begonnen und andere werden folgen. Für das Beleuchtungsbedürfniß größeren Umfanges bieten die fortwährend verbesserten kleinen Gaserzeuguugs- apparate einen ganz geeigneten Ersatz, da nur der Verkauf, nicht aber Die ProDuction von Leuchtgas für Den eigenen BeDarf zu Gunsten Des Pächters monopolisirt ist. Eine hiesige Fabrik hat mit solchen Apparaten zur Erzeugung von Gas aus den ver­schiedensten Stoffen bereit« auch, wie man versichert, bezüglich des Kostenpunktes höchst befriedigende Re- fultate erlangt und steht Die Einführung dieser neuen Gasbeleuchtung durch Selbstproduction in mehreren größeren Etablissements bevor. Diese neuen kleinen Apparate deutscher Erfindung haben vor den neuer- kings angepriesenen englischen sehr bedeutende Vor- zugc hinsichtlich der Einfachheit, Wohlfeilheit, Sicher- he t und Gefahrlosigkeit Der Production von Leucht­gas aus Fetten, Theereu u. dgl.

^.^bvrms., Man ist hier mit der Bildung einer Aktiengesellschaft zur Erbauung eines Theaters be­schäftigt. In einer zahlreich besuchten Versammlung hat man sich kürzlich vorläufig über Den zu wählen­den Bauplatz geeinigt.

Ober-Ingelheim. Dieser Tage ereignete sich hier ein trauriger Zufall, Der Die ganze hiesige ®e- metnDe in Aufregung versetzte. Ein etwa 34 Jahre alter noch leDiger Mann Namens F. Zerban von hier, wurde bei einem Treibjagen unvorsichtiger Weise von einem Jagdgenossen, der auf einen Hasen ange- legt hatte, geschossen und so Unglücklich in Die Seite unD Stirne getroffen, Daß man stünDlich dessen Ab- sterben erwartet. Bei der Jagdgesellschaft befand sich ein Arzt und waren auch noch zwei ankere hiesige Aerzte mit ihrer Hilfe alsbald bei verdank. Möchte tiefer trübfelige Vorfall eine neue Warnung zur Vorsicht sein. 0

legknheit auf der von Sewart vorgeschlagenen schieks- richterlichen Basis zu beendigen, oder er werke Die Diplomatischen Beziehungen mit England abbrcchen.