Nur zwei Vorstellungen.
Z Zinste r scher Garten.
Dienstag den 14. und Mittwoch den 15. Juli 1868:
Großes Concert,
ausgeführt von der ganzen Capelle des Großh. Hessischen 1. Jäger-Bataillons, sowie Darstellung der rühmlichst bekannten
Wunder-Fontaine,
genannt:
KIMMEtmOMMEMi
oder:
Die CryStallgrotte der Najaden,
cvnstruirt und arrangirt vom Unterzeichneten.
1. Die Wunder-Fontaine, 4. die Waffer strahlende CrystaUkrone, getragen von Najaden,
2. die Crystallgrotte, 5. der Goldregen.
3. die Wasser-Nymphe (lebendes Bild), 6. Zum Schluß: Die elektrische Sonne.
Anfang des Coueerts 6 Uhr, der Wunder - Fontaine 9 Uhr.
Entree ä Person 12 Kr., Kinder 6 kr.
Hierzu ladet ergebenst ein: Gustav Petsch,
F e u t l
Die Verschwörer von 1799.
Roman von de Saint-Felix.
(Fortsetzung)
— Daran thut Ihr recht, sagte der Hauptmann. Das sind ehrenhafte Gesinnungen.
— Ich sehe, Bürger, es sind gleichfalls die Eurigen.
— Mit dem Unterschied, Bürger, versetzte der Hauptmann, daß ich bei der Revolution nichts verloren zu haben meine.
Der Unbekannte warf einen verstohlenen Blick auf unseren Offizier, welcher diesem nicht entging. Um seine Gleichgültigkeit und Unbefangenheit zu beweisen, pfiff der Hauptmann einen Marsch.
— Ihr dient in der Kavallerie? forschte der Fremde weiter.
— Ja, Bürger, und ich komme von der egyptischen Armee. Biele Leute
wissen das seit vorgestern.
— Euer Pferd hatte mich das sogleich errathen lassen, Herr Oberst.
— So weit sind wir noch nicht, antwortete Reymonv; vielleicht später — ich bin Hauptmann.
— Sie werden Oberst und General werden, mein Herr. Ich verstehe mich auf Pcophezeihunzen. Da Sie von Egypten kommen, haben Sie die neuesten Nachrichten von der Armee und dem großen General en Chef. Man spricht nur von seiner beoorstehenden Rückkehr —!
— So ? versetzte Reymond. Kündigen die öffentlichen Blätter dieselbe an? Ich lese gar keine Zeitungen.
— Lieber Himmel! antwortete der Unbekannte, die Zeitungen sind immer nur das Echo wohlunterrichteter Leute. Sie zum Beispiel, Herr Hauptmann, müssen sich eine Meinung über die fernere Dauer unserer Besetzung gebildet haben.
— Gewiß, sagte Reymond.
Der Unbekannte ritt so nahe heran, daß sein linker Stiefel fast den rechten des Hauptmanns berührte.
— Verzeihen Sie meiner Neugier, hob der Fremde an. Ich habe dabei ein großes Interesse. Ich habe die Ehre, ein wenig mit dem General Desaix verwandt zu sein — einem Manne —
— Von bewunderungswürdigen Eigenschaften, ergänzte der Offizier. Ich gratulire Ihnen zu dieser Verwandtschaft, mein Herr.
—' Meine Mutter war eine Cousine der Mutter des Generals.
— Nun, mein Herr, betheuerte Reymond, Ihr erlauchter Verwandter verrichtet Wunderthaten, und seine Beziehungen zu Bonaparte sind von der freund- lichsten Art.
— O, das interessirt mich auf's Lebhafteste, Herr Hauptmann! Ein edler Mann, dieser Herr Desaix!
Der Unbekannte fuhr sich mit der Hand über die Augen. Er schien tief kleinste Indiskretion, nicht einmal eine Aufregung herbeigeführt! Der Herr des normännischen Kleppers war augenscheinlich „geleimt", wie am Abend zuvor eine höchst angesehene Persönlichkeit. Er konnte sich mit TituS sagen: „Ich habe meinen Tag verloren."
Was aus dem Hauptmann Reymond ward, nachdem er den Fallstricken der Polizei entschlüpft war, werden wir vermuthlich im Verlaufe dieser Erzählung erfahren.
Wenn aber unser Offizier auch ein guter Diplomat war, konnte e» doch
l e t o n.
ebenfalls kein normannischer, englischer, türkischer oder andalusischer Renner an Schnelligkeit und Kraft mit seinem vortrefflichen Schlachtrosse Sultan aufnehmen.
6.
In der Tourraine.
Ein arabisches Roß, das mit voller Geschwindigkeit seines Laufes dahin sprengt, oder ein Hirsch, der in schnellstem Lauf über das Blachfeld setzt, machen den Eindruck des Unberechenbaren. Wohin eilen sic? Was ist das Ziel dieses blitzschnellen Fluges? Niemand weiß cs zu sagen. Kann der Schütze die Tragkraft des Pfeiles bestimmen, der von seiner Bogensehne schnellt und die Lüfte vurchschneidet?
Fünfzehn oder sechszehn Stunden waren seit dem Verschwinden des Hauptmanns Reymond enteilt. Blendender Sonnenschein erhellte die Hügel, welche in der Gegend der Stadt Tours die Loire begrenzen.
Es war etwa neun Uhr Morgens, als unser Offizier in die Hauptstadt jener reichen Provinz Tourraine ritt, welche so reich an Erinnerungen des alten Frankreichs ist. Er war die ganze Nacht hindurch gereist, jedoch nicht, ohne dem Ungestüm Sultans mehrmalige Erholung zu gönnen.
Der Hauptmann sorgte mit Aufopferung für seinen Freund aus der Wüste. Es bestand zwischen ihnen eine gegenseiiige Liebe und Anhänglichkeit. Als sie in der großen Hauptstraße von Tours anlangten, welche der Brücke über die Loire gegenüberliegt und die Stadt nach ihrer ganzen Länge in zwei Hälften trennt, schienen der Reiter und sein Roß, das frisch gelenkig und kaum ein wenig bestaubt war, von einem Morgenritle heimzukehren. Reymond hatte hinter seinem Sattel nur einen kleinen Mantelsack, der unter den langen Schößen seines Rockes verschwand. Man erblickte freilich in der Holster zwei Reitcrpistolen; aber diese Vorsicht nahm keinen Wunder in einer Zeit, wo sich Jeder auf den Landstraßen gegen einen Ueberfall sicherte.
Auch wurde unser Offizier in dem Hötel zum Fasanen — dem früheren Hotel Royal — wie ein Herr empfangen, der von irgend einem Landsitze in der Umgebung käme, um einige Stunden in der Stadt zu verbringen.
Der Wirth begrüßte ihn mit gewähltester Höflichkeit. Die Schönheit des Pferdes hätte für den Rang und die gute Erziehung des Reiters gebürgt, auch wenn Reymodd selbst nicht ein Mann gewesen wäre, ter auf den ersten Blick einen vornehmen Eindruck machte.
Die Hauptstraße nach Versailles burchschnitt hier eine liebliche Ebene, welche mit fast reifem Getreide und dunkelgrünen Weinstöckcn bedeckt war. Ein erfrischender Luftzug wehte, und der in Gold und Purpur erglühende Abcndhimmcl bildete einen prächtigen Hintergrund zu dem Bilde.
Bei dem Namen, welchen der Fremde aussprach, war Reymond betäubt, als wenn plötzlich eine Bombe zu den Füßen seines Pferdes geplatzt wäre. Bei den Details, welche der Fremde hinzufügte, zuckte das Herz des Hauptmanns blutend empor. Als diese erste heftige Aufwallung wie ein Blitzstrahl verflogen war, umkrampfte Reymond seine Reitgerte und wollte aueholen, um dem Betrüger einen derben Schlag in das Gesicht zu versetzen.
Aber wir haben schon gesagt, der Hauptmann, welcher auf dem Schlachtfelde keine Furcht kannte, war zugleich mit jener bewunderungswürdigen Willens- kraft begabt, welche heldenmüthig den stürmischen Aufwallungen des Blutes und der aufbrausenden Leidenschaft zu gebieten weiß. In einem Nu sand seine Seele wieder die gelassenste, unerschütterliche Ruhe. Nicht einmal einen Blick auf den Unbekannten werfend, nicht einmal bewegter als vorher athmend, senkte Reymonv in natürlicher Weise das Haupt und erwiedertc: (Forts, folgt.)


