Darmstadt, Nach hiesigen Blättern soll es feststehen, daß da« 3. Regiment nach Mainz verlegt wird. Die Aufnahme desselben soll von Seiten Preußen« nur unter der Bedingung genehmigt worden sein, daß das Regiment nach preußischem Mon- tirungssystem uniformirt wird und preußische 93er- pflegungscompetenzen erhält.
Berlin, 12. Mai. Nach der „Kreuzztg." kann „bei aller Anstrengung" der Schluß des Zollparla- mentS kaum vor dem 27. oder 28. d. M. erfolgen.
Frankfurt. Kürzlich erschien bei einem hiesigen Graveur ein Individuum, welches sich für einen preußischen Polizei-Hauptmann ausgab, der die Polizei in Homburg zu organistren habe und bestellte sich einen Stempel; die Sache fiel dadurch auf, daß der angebliche Hauptmann zur Uniform eine Pelzmütze trug und überhaupt sich verdächtig betrug, weßhalb man sich nach dem Herrn Ernst v. Herfort, Lieutenant a. D., der sich auch anderweit noch als „Gcheimsecretär" im Ministerium des Innern vorstellte, auf der Polizei erkundigte, wo man von einem solchen Polizeihauptmann nichts wußte. Der Polizei gelang es, das betreffende Individuum denselben Tag noch festzunehmen. Die Untersuchung ergab, daß der Verhaftete Johann Jakob RamSpeck heißt, aus Alsfeld gebürtig ist und im Jahre 1861 zu Nordhausen wegen Diebstahls zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt und von Leipzig aus wegen Betrugs verfolgt wird. Das Polizeigericht verurtheilte ihn wegen Führung eines unberechtigten Namens und Titel« und wegen unbefugten Tragen- einer Uniform zu 50 fl. Geldbuße, event. 10 Tage Gefängniß. Da derselbe kein Geld zum Bezahlen hatte, so trat er seine Gefä'ngnißstrafe sofort an, nach deren lieber- stehung er polizeilich nach Leipzig transportirt wird.
Aus der Grafschaft Mark, 23. April. Die dem Zollparlament zur Vorlage kommende neue Zollermäßigung auf Eisen wird i-n ihren Folgen nichts anderes al« eine direkte Reduktion der Löhne der Berg-, Hütten-, Puddel- und Walz- Arbeiter sein.
Seit längerer Zeit liest man aus England Berichte über Lohn-Ermäßigung«-Anforderungen der Eisen-Produeenten, weil man sonst nicht in der Lage sei, „Ordres nach dem Auslande zu erhalten" uno bei einer Abweisung der nöthigen Lohn-Reduction — (da« letzte Mal wurden 10 °/0 gefordert und Seitens der Arbeiter bewilligt), zur theilweisen Betriebs- Einstellung gezwungen sein werde.
Jetzt bringen die Zeitungen neuerdings Mitthei- lungen aus den Kohlen-Distrikten von Soulh-Lan- cafhire, wonach durch eine nöthig gewordene Herabsetzung der Löhne die Ausdehnung der Strikes der Arbeiter einen gefahrdrohenden Charakter annähme.
Wenn durch ein übermäßiges Zurückgehen Der Material- und Fabrikatpreise bereits in einem Lanve derartige traurige Zustände gegenwärtig vorliegen, welches vor noch nicht langen Jahren das Monopol in der Erzeugung von Eisen hatte, — welches damals fast ohne Concurrenz große Kapitalien ange- sammelt und im Laufe der Zeit größtentheils die Anlagen abgeschrieben hat, — welcher in dem nahe Zusammenliegen von Erzen und Kohlen, in der Concurrenz von Eisenbahnen und Canälen Natur- und VerkehrS-Vortheile, wie sie außer Belgien kein anderes Land besitzt, darbietet, — dann sollte man erwarten, daß mindestens die Regierungen Deutschlands sich nicht durch die freihändlerischen Theorien verje- nigen Leute, deren einseitiger Standpunkt jedem denkenden National-Oeconomen klar ist, blenden und zu Vorlagen hinreißen lassen, die nicht nur unsere va- terlänvische Eisen-Industrie, verbunden mit deren Bergbau, sondern auch das Wohl und Wehe von Hun- verttausenden Arbeitern in Gefahr zu bringen droht.
Daß der deutsche Industrielle e« an Geldopfern, an geistiger Thätigkeit, an vorzüglichen Maschinenanlagen nicht hat fehlen lassen, beweisen die günstigen Urtheile, welche selbst ausländische Concurrenten aussprechen, — daß aber die Werke durchschnittlich im Bergbau und Hüttenwesen nur einen geringen Bruchtheil Zinsen bringen gegen die in Eisenbahnen angelegten Kapitalien, die überdieß kein so große» Risico bieten, beweisen Vie CourS- und Zinszettel.
Die Herabsetzung der Zölle durch den französischen Handel«vertrag, die erneute Anstrengungen erforderlich machte, um konkurrenzfähig zu bleiben, wobei die Industriellen mindestens auf Unantastbarkeit der Zölle innerhalb der nächsten 12 Jahre rechnen.mußten, — dann die Kriegsjahre und ihre schweren Folgen, welche die künftigen Bilancen erst recht offen decken werden, — haben abermals so schwere 93er-
luste herbeigeführt, daß fernere Opfer von dieser Seite unmöglich sind.
Da nun aber die Regierungen die Eisenbahn-Monopol-Tarifsätze, die sogar ohne berathende Stimme der Industriellen festgesetzt werden und Die im Binnenverkehr vieler Bahnen für Kohlen und Erze Fracht bis zu 3 Pfennig pro Gentner und Meile und z. 93. auf der Berg.-Märkischen Bahn für größere Strecken nicht unter 2 Pfennig herabgehen, wobei wiederholt zu bemerken ist, daß die Zusammenführung von Eisen und Kohlen ganz bedeutend größere Entfernungen, wie in England und Belgien, zu bewältigen hat, bestehen lassen, — da endlich der ganze Werth des Eisens nur aus Frachten und Löhnen besteht, — so kann eine weitere Herabsetzung der Zölle und damit Der Preise unbestreitbar unD unabwenDbar nichts Anderes zur Folge haben, als eine theilweise Brachlegung der Eisenwerke, oder eine Lohn-Reduktion für Hütten-, Berg-, Puddel- und Walz- Arbeiter und Damit Den Ruin ihrer häuslichen Verhältnisse.
Die Arbeiter verlangen Verbesserung, nicht Ver- schlechterung ihrer Lage vom Staate; aber jede vergrößerte Einfuhr von Eisen schmälert den inländischen Producenten den Absatz, jeder Thalcr, der für Eisen in's Ausland wandert, geht dem ©etoerb- fleiß des Vaterlandes verloren und schädigt die Interessen der Arbeiter mit, während inländische Concurrenz stark genug ist, den Consumenten bei mäßigen Preisen bessere Qualitäten, wie das Ausland sie bietet, zu sichern.
Nicht nur die Industriellen, nein, auch die Korporationen Der Arbeiter, Alle, Die es wohl mit unserer vaterlänDischen Industrie meinen, haben Front gegen die total unmotivirte, aber dennoch neu vorgeschlagene Zoll-Ermäßigung zu machen.
Hier gilt es, die vaterländischen Interessen der Arbeiter-Verhältnisse zu überwachen und zu unterstützen, was Früchte tragen muß, zumal von unser» Deutschen Regierungen angenommen werden kann, Daß sie die unheilvollsten Consequenzen nicht außer Acht lassen werden, welche eine Zoll-Herabsetzung auf Eisen zur Folge haben müßte, mindestens so lange nicht Die Verkehrs-Verhältnisse ausreichender und Die Eisenbahntarife eine gleichmäßigere und billigere Festsetzung für Erze, Kohlen unb Roheisen nicht über 1 Pfennig pro Gentner und Meile hinaus erfahren haben.
Nicht um aufzuregen, nein, um Klarheit uno Ver- ständniß Der Verhältnisse auch für unsere Deutschen Arbeiter herbeizuführen, ist dieser Artikel von einem Industriellen, Der stets Dem Fortschritt huldigte, abgefaßt ; — möge er in allen deutschen Blättern im Interesse Des gefährdeten Arbeiterwohles schnelle Aufnahme finden.
Paris, 11. Mai. Der „Moniteur" gibt einen Bericht über Den Besuch, welchen Der Kaiser und die Kaiserin der landwirthschaftlichen Ausstellung in Orleans abgestattet haben. Unmittelbar nach Der Ankunft begab sich das kaiserliche Paar nach Der Kathedrale, wo es von Msgr. Dupanloup mit einer Ansprache empfangen wurde. Hierauf besuchte Der Kaiser die Ausstellung, empfing Die Behörden uno theilte verschiedene Belohnungen aus. Um 6y2 Uhr trafen Die hohen ReisenDen wieder in Den Tuilerien ein. Der Kaiser ergriff, trotzdem Der „Constitu- tionnei" erklärt hatte, es würden keine Reden in Orleans gehalten werden, zweimal das Wort, um in sehr friedlichem Sinne die Ansprachen des Bischofs und des Bürgermeisters zu erwiedern.
Newyork, 16. April. Ueber die geheimniß- volle, halb bizarre, halb schauerlich-scheußliche Verschwörung, welche unter dem fremdartigen Namen „Kuk-Klux-Klan" eine Mordvehme gegen die unionstreuen Republikaner organisirt hat, sind wichtige Enthüllungen gemacht worden. In Georgia fiel Oberst Ashburn als Opfer. In Tennessee hätte der Richter Hunter nahezu ebenfalls unter dem Angriffe Der schwarzen Bande sein Leben verloren. Zu Mem- phis ist man nun dem geheimen Orden auf die Spur gekommen. Einige zwanzig Mitglieder desselben sind verhaftet; darunter, wie es scheint, Derjenige Häuptling, welcher in Der Nacht an Dem Hause Hunter's erschienen war, um Den MorD vollziehen zu lassen. Auch Die Satzungen des Bundes wurden mit Beschlag belegt, wenigstens die auf die „Höhle" in Memphis bezüglichen, und man hat Dadurch einen ziemlich klaren Einblick in das verbrecherische Treiben erhalten. Es scheint, daß sich die einzelnen Logen dieses Rebellen-Ordens „Hohlen" nennen. Sie stehen unter Der Leitung einer Behörde, die sich Der Oberste Gyklopenrath nennt, unb dessen Beamte ans einem Großcyklopen, einem Vice - Großcyklopen, einem Ge- heimschreiber unb zwei sogenannten Direktoren, welche
bie Aussicht über bie Gelbverwaltung führen, zusam- mengesetzt sinb. Al« die Polizei in bie „Höhle" einbrang, fanb man auf bem Tische in ber Mitte der Halle einen Todtenschädel, dessen bie Verschworenen bei ber Eibesleistung btbürfen. In Den Statuten, bie wörtlich vorliegen, ist klar gesagt, baß Der Zweck De« Bunde« dahin gehe, den Süden mit allen Mitteln zu schützen, „wäre e« auch durch Mord," und der Schwur sei gethan, „sich durch nicht« von der Verfolgung dieses edlen Zwecke« abschrecken zu lassen." Beim Eintritt in die Loge erwirkt ein zweimalige« Klopfen und die Losung: „Unser Vertrauen . .." den Zulaß. Die Schildwache von innen antwortet auf Die erwähnte Parole mit Dem ergän- jenDen Zusatz: „... ruht in Gott!" Bei Der Ei- Desleistung halten alle anwesenDen MitglieDer einen Dolch gegen Die Brust De« Aufzunehmenden gezückt und schwören dabei, fall« er zum Verräther werDe, ihn unnachsichtlich zu iövten. Der neue Bundesbruder selbst legt die Hand auf den Todtenschädel und gelobt, da« Geheimniß Des Kuk-Klux-Klan we- Der Durch Zeichen, Wort »och That je zu verrathen. „Thue er es Doch" — so lautet Die Formel — „so möge sein eigener Kopf wie dieser grinsende Schädel werden; seine Familie und seine Nachkommenschaft möge ver Ehrlosigkeit verfallen und fein eigener Name wie der Name von Hunden und H .... fein." Wa« der Großcyklope befiehlt, da« verspricht der Ausge- nommene ohne Weigerung auszuführen. Er schwört „unter allen Umständen ächte Treue dem Süden und seinen Interessen, so wie sie der Oberst Epclopenrath auslegt," und weiter, Daß „alle RaDicalen und alle Neger, Die sich Den Interessen Der GrunDeigenthümer von Tennessee widersetzen, auf immer al« Feinde betrautet werden sollen, und daß ihnen kein anderer Willkomm werden soll, al« ein gastliche« Grab, zu dem ich ihnen mit blutiger Hand verhelfen will." Der Schluß res Eider lautet: „Und ich bete zu dem Gotte des Südlandes, daß er mich todt niederschmettern möge, wenn ich je dem Buchstaben ober bem Geiste de« Schwures irgendwie untreu werde." Die Bunveslosung bei vorhandener Gefahr ist da« hebräische: „Eli, laina asabthani." (Mein Gott, warum hast du mich verlassen?) Noch liegt ein sondesbare« Placat vor, das sofort nach der Ermordung Ashburn'« in Georgia mehrfach al« An. schlag an den Straßenecken gesunden wurde. An der Spitze de« Placate« sieht man drei durch Flinten und Säbel verbundene Kanonenläufe, aus deren einem eine erhobene Hand angebracht ist. Den Worten: „Hauptquartier der Tempelritter von K. K. K." folgt, nach einigen unerklärbaren Zeichen, Vie Mittheilung: „Klansmänner, die namenlose That ist geschehen! Dank Dir, o Dschingis-Ähan, dessen Krone ein Todtenschävel ist! Die Geister unserer gemordeten Tovten irren nicht länger mehr unruhig am Stygischen Ufer racheflehend umher, sondern ruhen glücklich im Elysium der Tapferen. Aber unsere Sendung ist nicht erfüllt! Nochmals in die Bresche, theurer Freund, noch einmal. Mit Dem Dolche und dem Gifte, mit ber Büchse unb ber Fackel rette, o patriotische Seele, unsere Ra?e unb unser Land! Herbei zur Cabala, unv Den Fluch Der Nemesis aus ihn, ber nicht eiligen Fuße« ber mystischen Ladung folgt!" Dem Placate sind mancherlei Bckver unv Symbole eingedruckt: ein Sarg in t einem Kreuz unb bem Buchstaben „C"; ein Tovtenschävel; eine Fahne beS „K. K. K."; ein Hund; eine Schlange; ein Schwert neben einem Herzen; ein ausgehender Halbmonb u. bgl. m. Die Unterschrift lautet: „Auf Befehl ber Großen D. I. H.; CHEQV." Man sieht, es mischt sich hier bas scheinbar lächerckch Fratzenhafte mit bem Grauenvollen- Wa« Die 93e« zeichnung: „Kuk-Klux" betrifft, so leitet man Dieselbe, wie ein Corresponbent Der „N. Fr. Pr." schreibt, von ber Nachahmung be« Geräusche« ab, ba« beim Knacken be« Flintenhahne« entsteht. Gleichzeitig wirb jeboch bemerkt, ba« „Kuklux vielleicht ein absichtlich verberbte« Wort für ba« griechische „Kyklos" (Krei«, Cirkel) ist, unb baß ber K.-K.-K. bahcr als Nachfolger be« Bunbes ber Ritter vom golcenn Cirkel, einer bekannten Sclavenhalter-Liga, zu betrachten fei. Dafür spricht auch bie Bezeichnung ber Behörden als Kyklopen ober Cyklopen. Jebcnfall« hat man es hier mit einem blutigen nächtlichen Treiben zu thun, gegen welche« aufs energischeste eingeschritten werden muß, soll ber Süben nicht ber Gesetzlosigkeit verfallen unb ein Zustand eintreten, der au Scheußlichkeit das verruchteste Brigantenthum hinter sich läßt. — Die Generale Grant unb Meade fassen die Sache auch sehr ernst auf unb haben Befehle erlassen, ben weit verzweigten Morververein mit aller Energie zu unterbrücken.
Redaktion, Druck unb Verlag der Brühl'schcu Druckerei (Fr. Chr- Pietsch) in Gießen.


