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Aeilage zu Ar. 57 des KiHner Anzeigers.

Vermischte Anzeigen.

3382) Die

Ba-e und Schwimm-Anstalt

von L. C. Rübsamen,

ist eröffnet und wird in ihrem ganzen Umfange bis zum 15. b. Mts. fertig sein.

Die Einrichtungen in der Schwimm-Anstalt sind aus den früheren Jahren bekannt.

Die Unterrichtsstunden und die Badezeit für die Schuljugend sind an den Wochentagen auf Bormittags von 10 bis 12 und Nachmittags von 4 bis Abends 7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen dagegen nur von Vormittags 7 bis 12 Uhr festgesetzt.

Die näheren Bedingungen sind in der Abonnenten-Liste angegeben.

Zu recht zahlreicher Benutzung ladet ganz ergebenst ein

_______________________________________ L. C. Rübsamen.

Restauration Bramm (Neustadt).

3383) Donnerstag den 14. Mai:

Gesang-Soiree

der Gesellschaft Robert Rühle und Sänger Eduard Gasser aus Tyrol.

Anfang halb 8 Uhr.

Bier aus der Heß'schen Brauerei.

Schlesische FeukrvrrstcherungrrgesellschaN

in Breslau.

Grundkapital ft. 5,250,000.

Versichertes Capital ultimo 1867 . fl. 626,776,120. 13 fr.

Prämieu-Einnahme im Jahre 1867 . 1,660,729.

Versicherung von Haus-Mobilien, Waarcn, Fabrifgeräthschaften, Feldcrzeug- nisfen in Scheunen und Schobern, Vieh und landwirthschaftlichen Gegenständen jeder Art gegen Feuerschaden, Transportversicherung, Spicgel- glasversicherung gegen feste billige Prämien.

Antragsformulare und Versicherungsbedingungen, sowie jede gewünscht werdende Auskunft, werden jederzeit von der General-Agentur I. Gg. Schröder in Darmstadt, sowie den Herren Jean Boeck in Gießen, Phil. Garde in Fried­berg, M. Fröhlich II. in Ulrichstein, Heinr. Dietz in Kestrich bei Alsfeld, bereitwilligst ertheilt. (3159)

Schulprüsungen.

Die öffentlichen Prüfungen unserer städtischen Schulen werden am 14. b. M. fortgesetzt, unb zwar sollen

Donnerstag ben 14. Mai, Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, bie zweite Klasse unb Freitag ben 15. Mai, Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, die erste Klasse der höheren Mädchenschule geprüft werden.

Indem wir Vorstehendes zur Anzeige bringen, laden wir Aeltern und Schul­freunde zur Theilnahme an diesen Prüfungen freundlichst ein.

Gießen, den 4. Mai 1868. Der evang. Schulvorstand.

Dr. Seel.

Feuilleton.

Das Testament des Großonkels.

Siebentes Kapitel.

(Fortsetzung)

Bit jetzt bin ich immer der duldende Theil gewesen, ich habe jedes Mittel versucht und keins unversucht gelassen, diesen Stein zu erweichen, Alles war vergebens, und Jahre sind darüber verstrichen, jetzt sind wir am Ende, jetzt sind wir an dem Punkte angelangt, wo es heißt: Auge um Auge und Zahn um Zahn! Hier laufen unsere Wege nicht mehr neben einander her, sondern kreuzen sich, und das Schicksal möge zwischen uns entscheiden. Bon jetzt an werde ich ihr die Stirn bieten, und es gelte einen Kämpf bis auf's Aeußerste."

Wenn es irgend noch möglich ist, so laß es nicht zu diesem Aeußcrsten kommen, John, versuche noch einmal den Weg der Güte, und wenn ich Dir von irgend welchem Nutzen sein kann, so magst Du über mich verfügen/'

Ich weiß es, Perry, und glaube Dir. Du kennst dieses einfache kleine Buch, dessen Blätter für mich die theuersten Erinnerungen auf der Erde ent­halten, an denen so mancher Tropfen des Angstschweißes, welchen die Schmerzen des Todeskampfes ausgepreßt, so manche Thräne klebt, diese Blätter, von denen mein sterbender Vater, als er sie schrieb, gewiß nicht dachte, sie würden einst noch einmal eine Waffe in den Händen des Sohnes werden, sollen mir dazu dienen, mir zu meinem Rechte zu verhelfen. Sie soll den Inhalt derselben kennen lernen, sie muß es wissen, daß, wenn je der Inhalt dieser Blätter der Welt bekannt wird, die Welt einstimmig bei ihrem Anblick auSrufen wird: Seht, dort geht eine Mörderin!"

Doch wie willst Du sie mit dem Inhalt Vieser Blätter bekannt machen?" fragte Perry.

Ich habe von diesem ganzen, während der letzten wenigen Monate seines Lebens von meinem Vater geführten Tagebuch eine Abschrift genommen. Um ihr zu beweisen, daß dieselbe echt ist, werde ich diese Abschrift mit dem ersten Blatte des Originals in einem Briefe ihr zustellen lassen. Der Rest des Ori­ginals bleibt natürlich in meinen Händen. Dieser Brief darf nicht direct von mir kommen, denn sie würde ihn unerbrochen zurückschicken, und wenn ich auch die Adresse von anderer Hand schreiben ließe, möchte ich ihn doch nicht der Post anvcrtrauen. Das ist also ein Freundschaftsdienst, den ich von Dir er­warte, daß Du irgend ein Mittel ausfindig machst, ihr einen solchen Brief in die Hände zu spielen."

Und Du glaubst wirklich, daß sie nachgeben wird, wenn Sie mit dem Inhalt dieser Blätter bekannt werden wird?"

Das laß meine Sorge sein; ich weiß, daß sie dieselbe fürchtet. Ich habe ihr früher ein einziges Mal damit gedroht, und obgleich sie mir erwiedern ließ, ein solches Tagebuch könne gar nicht existiren, das sei vielmehr eine Erdichtung von mir, bloß um ihr Furcht einzujagen, so konnte doch Derjenige, der mir diese Mittheilung machte, mir auch nicht verhehlen, daß diese Drohung einen tiefen Eindruck auf sie gemacht habe. Ich will durch diesen Brief vorerst nichts weiter, als eine persönliche Zusammenkunft mit ihr erzielen, und wenn ich diese erreicht habe, bin ich des Erfolge« gewiß."

Und welche Bedingungen wirst Du ihr stellen?"

Das wird vom Augenblicke abhängen. So viel ist gewiß, sobald sie von der Existenz dieser Blätter überzeugt sein wird, wird sie Alles aufbieten, was in ihren Kräften steht, in den Besitz derselben zu gelangen. Welche Bedingun- gen ich ihr in diesem Falle stellen werde, weiß ich selbst noch nicht, so viel aber kann ich Dir versichern, daß ich meinen Geschwistern, selbst meinem Bruder nicht, das geringste Unrecht zufügen werde; daß Höchste, was ich verlangen werde, wird Gleichberechtigung mit ihnen sein. Willst Du also jetzt, und glaubst Du es zu können, mir bei der Ausführung meines Planes behülflich sein?"

Was in meinen Kräften steht, soll geschehen. So lange die Deinigen in Saratoga sind, wird es schwer halten, doch ich höre von Deinem Bruder, daß sie binnen Kurzem zurückkehren werden, und dann hoffe ich schon Mittel und Wege zu finden, Deinen Wunsch erfüllen zu können."

Morgen habe ich die Absicht in die Stadt zu gehen, ich werde Dir also, damit man uns nicht zusammen sehe, was Verdacht erregen könnte, ein Billet zuschicken, um Dir an irgend einem obscuren Orte ein Rendezvous zu geben. Und da Du mein Vertrauen jetzt bis so weit besitzest, sollst Du dasselbe auch

ganz und gar haben, d'rum begleite mich und ich werde Dich mit der schönsten Rose dieses Berges bekannt machen."

Also giebt es hier noch einen verborgenen Magnet," sagte Perry lachend, der Dich hierher gezogen hat?"

Hast Du meine Mutter nie von der Schifferstochter reden hören?" ant­wortete John.Komm mit mir, Du sollst sie kennen lernen. Brasiliens Dia­mantengruben bergen kein kostbareres Kornjuwel, als diese Berge ein einziges besitzen."

Und die beiden Freunde machten sich auf den Weg und schlugen dieselbe Richtung ein, die vorhin Deliah genommen hatte.

Endlich erreichten sie die Heerstraße und die idyllische Wohnung lag bald vor ihnen. Unter der vor dem Hause befindlichen Veranda, vor der sich Rosen, Weinranken und Schlingpflanzen hinzogcn, saßen Deliah und ihre Mutter, beide mit weiblichen Handarbeiten beschäftigt. Die Letztere, eine Frau in den Vierzi­gern, zeigte noch immer die Spuren einer früheren blendenden Schönheit, ihr dunkles Auge strahlte noch im vollsten Glanze der Jugend und in dem dunkel- braunen, glänzenden Haar zeigte sich auch nicht der leiseste verrätherische Streifen. Welcher Kontrast zwischen dieser Mutter und Tochter und jenem von uns im vorigen Capitel geschilderten Paar! Welch ein Kontrast zwischen den künstlich im Treibhause gepflegten und den in Gottes großer freier Natur üppig sich ent­faltenden Rosen! Welch ein Kontrast zwischen Evelinen, der weißen Camelia, und Deliah, der vollen MooSrose.

Die Freunde waren näher an die Umzäunung getreten, ohne von den Frauen bemerkt worden zu sein, und Perry konnte, als John seine Aufmerksam­keit auf Deliah lenkte, einen Ausruf der Verwunderung nicht unterdrücken.

Deliah hatte den Hut abgelegt, und ihr reiches, schwellendes Haar schien ihren klassischen Kopf wie in eine Glorie einzuhüllen. Bei ihrem Anblick mußte man gestehen, daß der Dichter nicht Unrecht gehabt, welcher das Weib daS Meisterstück der Schöpfung nannte.

Von frühester Jugend auf an den Gedanken gewöhnt, ihren Vater und Bruder auf dem Meere zu wissen, den mannigfachsten Gefahren ausgesetzt, hatte ihr Charakter etwas Festes und fast Männliches angenommen, zu ihr hätte Wallenstein mit Recht sagen können:Du bist meine starke Tochter!" Auf dem Lande erzogen, war sie mit allen ländlichen Beschäftigungen vertraut ge­worden, sie war eine kühne und gewandte Reiterin und lenkte einen Wagen mit der größten Sicherheit. Doch eben so waren auf der andern Seite die weib­lichen Seiten des Weibes in ihr bis zur Vollkommenheit ausgebildet, die reinste Herzensgüte, die vollendetste Sanftmuth und die biederste ehrlichste Offenherzig­keit. Ihre Mutter, eine Frau von ungewöhnlichen natürlichen Anlagen, hatte ihr eine Erziehung zu Theil werden lassen, die Deliah, wenn sie plötzlich ganz allein und von Allen verlassen in der Welt dagestanden hätte, in den Stand gesetzt haben würde, auf ehrenwerthe Weise ihren eigenen Weg durch's Leben zu gehen.

Die Freunde traten jetzt durch das Gartenthor und begrüßten die Frauen, John führte seinen Freund ein, der auf das herzlichste und freundlichste ausge­nommen wurde.

Madame Mae Lane hatte mit ihrem Manne verschiedene Reisen zur See gemacht und auch Deliah war schon ein Mal auf der andern Seite des atlan­tischen Oeeans gewesen. Perry befand sich daher in einer Gesellschaft, die ihm aus eigener Erfahrung und Anschauung gar Vieles mittheilcn konnte, was ihm bis dahin nur aus Briefen bekannt geworden war. Er mußte sich gestehen, daß er lange keinen so interessanten Tag verlebt und so verstrich die Zeit schnell und der Abend kam heran, ehe man sich's versah.

Perry hatte längst Abschied genommen und den Rückweg zur Stadt ange­treten, John dagegen saß noch immer auf den Stufen der Veranda, versunken in Betrachtungen, ihr Anblick stärkte ihn, wie den müden Pilger das Gna- denbilv in der Capelle, der Gedanke an sie fesselte ihn an's Leben, denn sie war der Talisman, das Zauberbild, in dessen Nähe und göttlichem Nimbus er fühlte, daß das Leben doch schön sei.

(Fortsetzung folgt.)