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Schützengesellschast ?u Gießen

5588) Die Mitglieder werden hiermit zu einer

Generalversammlung

in das (Safe Ebel auf heute, Donnerstag den 13. August, Abends 8 Uhr,

dringend eingeladen.

Tagesordnung: Finanzangelegenheiten.

Gießen, 10. August 1868.

Der Vorstand.

Anzeige.

Die von einer Anzahl Frauen veranstal­tete Verloosung zur Ausschmückung des Al­tars in der Stadtkirche findet künftigen Montag, Nachmittags um 3 Uhr, in der Wohnung des Pfarrers Landmann Statt und werden die zu verloosenden Gegen­stände vorher daselbst zur Besichtigung auf­gestellt sein.

25 Mechaniker, Büchsenmacher, Instrumentenmacher und Dreher finden dauernde und lohnende Beschäftigung in der Wertheim'schen Nähmaschinenfabrik in Frankfurt a. M. (5590)

An die Mitglieder

der Schützengesellschaft zu Gietzen

5589) Nächsten Montag, den 17. August, wird der Schützenverein in Butzbach ein kleines Cinlagefchießen abhalten, wozu alle Gießener Schützen freundlichst eingeladen sind. Das Schießen beginnt Mittags um 12 Uhr. Es wird auf 3 Stän­den geschossen: 1) Feldscheibe (freihändig), 2) Standscheibe (sreihän- dig), 3) Standscheibe (aufgelegt) und kostet die Einlage auf jede Scheibe 1 ft. 45 kr., wofür der Schütze 12 Schuß erhält.

Indem wir dies hiermit zur Kenntniß unserer Mitglieder bringen, glauben wir zugleich den Wunsch aussprechen zu müssen, daß die Betheiligung an diesem Schießen eine recht zahlreiche werden möge. Anmeldungen sind bei unserem I. Schützenmeister zu machen.

Gießen, 10. August 1868.

Der Vorstand.

Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fammtliche zollamtlichen Formu­lare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mausburg.

Briefka^en.

Dem Einsender eines Artikels

1) Über die Bahnhossfrage,

2) über nächtliche Ruhestörungen

hiermit zur Nachricht, daß in Betreff des ersten Artikels nichts unversucht gelassen wurde, um den geeigneten Persönlichkeiten die Berufung einer Bürgerversamm­lung an's Herz zu legen, welchen der Verfasser des Artikels:Der Main-Weser-Bahnhof und der neue Bahnhof" die Anregung dazu überlassen zu müssen glaubt.

Was den anderen Artikel:Die nächtlichen Ruhestörungen" anlangt, so glauben wir, daß eine Ermahnung an die über die gesetzliche Feierabendstunde hinaus im Wirths- haus fest und lärmend Sitzenden eher am Platze wäre, als die Polizei-Offizianten und Nachtwächter dafür verantwortlich zu machen. Diese können doch am Ende nichts weiter thun, als die Ruhestörer zur Anzeige zu bringen, und davon hört der Spektakel doch nicht auf; den Mund können sie den Ruhestörern nicht verstopfen und arretiren noch viel weniger. Die Redaction.

F e u i l

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung)

Reymonv verschloß die Thür seines Zimmers, was den Groll seines treuen Wächters noch verdoppelte. Aber cs handelte sich um eine sehr ernste Angele- genheit, und Reymonv hatte vor allen Dingen für deren Geheimhaltung zu sorgen. Beide unterhielten sich eine halbe Stunde lang mit flüsternder Stimme und in vorsichtigster Weise.

Alles ist vortrefflich, Herr Clement, sagte endlich der Hauptmann. Beide Aktenstücke scheinen mir völlig in Ordnung. Das eine bestätigt, daß Sie mir Auftrag und Vollmacht gegeben haben und daß Sie der wirkliche Käufer der Besitzungen des Herrn von Rencey sind; denn stehe ich nicht immer noch auf der Liste der Emigrirten und kann man nicht meine Habe confisciren? Das andere ist eine Bescheinigung in aller Form Rechtens, durch welche Sie anerken­nen, daß Sie die fragliche Besitzung nur mit dem Gelde des Fräulein de Ren­cey erworben haben und sich verpflichten, dieser Alles wieder einzuhändigen, so- bald der rechte Zeitpunkt erscheinen wird. Sehr gut ! Rur das erste Actenstück werde ich vor der Commission der öffentlichen Versteigerungen provuciren, das an­dere werde ich für mich behalten. Also morgen um zehn Uhr, Herr Clement, werden Sie sich im Bureau der Versteigerungen einfinden, damit wir dort die Kaufsumme bezahlen.

Herr Clement erhob seine thräncnfeuchten Augen gen Himmel. Bewunde­rung und Dank erstickten seine Stimme. Bevor er den Hauptmann verließ, bat er ihn um Erlaubniß, dem Wohlthäter der Familie de Rencey die Hand küssen zu dürfen.

Der Offizier antwortete, die Arme gegen ihn ausbreitend:

Umarmen Sie mich, mein guter Clement! Ich bin nur ein Soldat und kein schönes Mädchen!

So viel Güte und Herzlichkeit, so viel schlichter und wahrhaft adeliger Sinn konnten wohl den ehrlichen Clement in Erstaunen setzen, welcher nur we­nig in der Welt umhergekommen war; allein unser Leser wird diese Vereini­gung trefflicher Eigenschaften nicht überraschen, da sie vermuthlich eben so gut wie wir erfahren haben, daß der wahre Typus eines edlen Kriegers gerade die hier angegebenen Merkmale umsaßt: Größe ohne Prahlerei, fröhlichen Helden- muth, erhabenste Kraft und Tapferkeit, die sich aber nie mit künstlicher Berech- nung vortheilhaft zu drapiren sucht. Ach, wie fremd ist diese schöne Natürlich- keit so vielen Charlatanen unserer Zeit, welche nur unter Begleitung der großen Trommel oder bei Trompetenschall den Mund aufthun.

Herr Clement empfahl sich dem Hauptmann, der ihm zum großen Erstaunen des Pförtners bis an die Hausthür das Geleite gab.

Sie erweisen ihm ja viel Ehre! sagte Bernard, nachdem er die Thür wieder verschlossen hatte. Man sollte fast glauben, er stäke in der Haut eines ehrlichen Manne«!

Bernard, Bernard! erwiederte Reymonv, Du bist um einige Jahrtau- sende zu spät in die Welt gekommen, mein Freund. Mit einer so starren Tu- gend, wie der Deinigen, hättest Du einem Cato oder Cincinnatus den Rang streitig gemacht.

Der Hauptmann schrieb wieder bis in die Nacht hinein. Um sechs Uhr Morgens war er schon auf den Beinen. Um halbzehn Uhr erschien ein Wagen, der ihn abholen sollte. Er stieg eilig in denselben hinein, nachdem er unter verschieoenen Vorwänden den unbeugsamen Bernard aus dem Hause entfernt hatte, dessen Augen durch ein Paar Brillengläser eben so scharfsichtig d'reinlug. ten, wie seine rauhe Tugend unbequem war.

Die Uhr auf dem Thurme der FeuillantS schlug zwölf, als unser Offizier in gewöhnlicher Kleidung, mit freudestrahlenden Augen, ruhigen Zügen und festem Gange in den Tuilerien-Garten trat.

Reymond athmete wonnig die frischen Lüfte, welche im Schatten der Kasta­nien- und hohen Ulmenbäume fächelten. Er schritt langsam, mit erhobenem Haupte und den Hut in der Hand, von einer Allee in die andere, vielleicht mit

l e t o n.

den Turteltauben redend, welche von Zweig zu Zweig flatterten, oder mit den unsichtbaren Genien seiner Freude und seiner Hoffnung.

Nachdem er sich nach Gefallen an der frischen Luft und seiner fröhlichen Stimmung ergötzt hatte, schlug der Hauptmann den Weg nach der Pforte ein, welche zu der Drehbrücke in der Nähe der Straße St. Florentin führt. Er mußte heute den Bürger Tallcyrand sprechen, und mit heiterer Gelassenheit schritt er über die Thorschwelle des Hauses, in welchem der Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten refidirte.

Wir versuchen nicht, unserem Offizier bis in das Zimmer des Herrn de Tallcyrand zu folgen, denn höchst wahrscheinlich würde ein Thürsteher uns Höf- lich ersuchen, uns wiever die Treppe hinunter zu bemühen. Wir schlagen viel- mehr die entgegengesetzte Richtung ein, und über die verlassenen Boulevard« de la Madeleine und vcS Capucin« schreitend, gehen wir im Schatten der alten Rüstern bis zum Pavillon de Honorö, galanten Andenkens, und biegen in die Straße der Chaussee d'Antin, um vor einem kleinen Gitter anzuhalten, das den Vorhof eines Hauses im sogenannten italienischen Baustiele jenes Zeitalter« umschließt.

Dies elegante, zwischen Hof und Garten gelegene Haus wurde von einer jungen Dame bewohnt, deren Schönheit zu bewundern wir schon Gelegenheit gehabt haben. Coraly hatte ihren Wohnsitz nicht fern von dem reizenden Hause gewählt, in welchem dar sechsunddreißigjährige Fräulein Guimard leider nicht mehr den Hof und die Stadt, sondern Berühmtheiten von neuerem Datum em­pfing, denen aber trotz dessen weder ein gefälliges Benehmen, noch Reichthum oder Talent abgingen. Die Chaussee d'Antin nahm nach den Schrecken der Re- volution allmälig wieder ihr glänzendes und luxuriöses Aussehen an. Coraly hatte sich als angesehene Persönlichkeit dort einlogirt, weil die Tradition btt« Quartier als die Wohnstätte der vornehmen Galanterie bezeichnete.

Es war gegen vier Uhr Nachmittags. Ein vortreffliche« Diner hatte bei Coraly stattgefunden, die neben anderen großen Verdiensten auch den Vorzug hatte, einen ausgezeichneten Koch zu besitzen.

Es wird ein ewiger Ruhm nnb vielleicht eine unsterbliche Ehre für die Herrschaft des Direktoriums fein, daß sic in Frankreich jenen sinnlichen und fein- schmeckerischen Gott, den EpikuräiSmuS, wieder in'S Leben rief, welchen die strenge Revolution bis zu dieser Zeit so lieblos zu Tode gepeitscht hatte.

Die Conventmitglieder hatten die Natur der französischen Nation vollstän» dig verkannt; sie wird nie eine spartanische, sondern stets eine atheniensische im ge­wähltesten Sinne des Wortes fein.

Coraly hatte am heutigen Tage nach erneuter griechischer, aber deswegen nicht minder französischer Sitte, den Perikles und Alcibiades der Republik ein Festmahl gegeben.

In einem schönen Salon des unterste« Stockwerkes, auf Sesseln mit dori­schem Schnitzwerk und auf einem Divan, genossen einige Berühmtheiten der Staatsgewalt bei den Harfenklängen Coraly'S den Nachgeschmack des kostbaren Mahles.

Barras, einer der Gäste, spielte mit vieler Prätension den Kenner und Lieb- Haber der schönen Künste; seine Collegen Gohier und Moulins, Naturen aus gröberem Stoffe, suchten auch für aufgeklärte Beschützer dieser auf'S Neue in die Mode gekommenen Talente zu gelten; Ouvrard, der Lukullus aller General-In­tendanten der Armee, wandte ihnen reichliche Unterstützungen aus seiner Börse zu; Lareveillisre-Legaux rechnete es sich zur Ehre, für einen Athenienser zu gel­ten, und der Bürger Roger DucoS wollte als Busenfreund des Slbbe SieyöS ebenfalls nicht als ein Barbar angesehen sein und affectirte daher ein höchst ko­misches Interesse für metaphysische Wissenschaften und Staatsökonomie.

Wer hätte aber auch sonst am heutigen Tage den Lockungen der Töne wi­derstehen können, da Coraly auf ihrer Harfe den bewundertsten und unwidersteh­lichsten der Sänger, Garat, begleitete!

(Fortsetzung folgt.)