Einzelbild herunterladen

am gen dem der

14.

Berlin, 11. Februar. DieKreuzztg." consta. tirt heute, daß die conservative Partei inskünftig die Schläge ihres Herrn und Meisters, des Grafen Bismarck geduldig hinnehmcn und daßdas, was in den Aeußerungen" de« Grafen Bismarckvon actuel- ler Bedeutung liege" auf conservativer Seiteernst und gewissenhaft ausgefaßt und beherzigt werden solle."

Berlin. Zwei alte Freunde haben sich heftig und öffentlich gezankt. Das ist das Wichtigste, was vorige Woche vorgekommen ist; denn die Freunde sind Bismarck und die conservative Partei im Ab­geordnetenhaus. Gereizt waren sie schon länger, die Feudalen waren schon länger dem Grafen mit Kopf­schütteln und schweren Herzens gefolgt, aber ausbrach der Zank über jährliche 500,000 Thaler, die Bis- marck den Hannoveranern zur selbsteigenen Bestrei­tung ihrer Provinzialbebürsnisse zuweisen wollte. Der König hatte dies Geld den Hannoveranern zugesichert, wie schon früher den Kurhessen ihr theuer erkaufter Staatsschatz gelassen worden war, damit sie gemein­same Bedürfnisse der Provinz, Armen-, Kranken- und

Darmstadt, io. Februar. Das 1. Bataillon des dritten Jnfanterie-Regiments bezieht heute Can- tonnement« in Eberstadt, um den auf morgen ein« berufenen Recruten Platz zu machen.

Berlin. Der Pariser Correspondent derDaily News" erklärt, aus guter Quelle die Mittheilung zu haben, daß diplomatische Depeschen jüngst von Paris nach Berlin gegangen seien, um Garantien zu verlangen, daß das deutsche Zollparlament sich nicht mit politischen Angelegenheiten befassen werde. Der Correspondent steht in diesem Schritte den Grund für das Gerücht, daß die Beziehungen zwi­schen Preußen und Frankreich nicht mehr so günstig seien, als noch vor wenig Tagen.

Berlin, 9. Februar. Der Berliner Unions-

Jrren-Anstalten, Chausseen rc., davon bestreiten. Es schien billig, den Unterthanen etwas zu lassen, nach­dem man den Fürsten ein paar Tage zuvor mit vol­ler Hand gegeben, und Bismarck betrachtete die Summe zugleich als bert Anfang der Selbstverwal- lung der Provinzen. Wenn aber die Provinzen Ausgaben selber bestreiten sollen, so müssen sie etwas in der Tasche finden, wenn sie hineingreifen. Die Conservativen waren anderer Meinung. Sie sprachen und stimmten fast ohne Ausnahme gegen die Bewil­ligung für Hannover, indem sie dieselbe für ein Pri­vilegium ausgaben, obwohl ste sonst die Privilegien lieben. Man wurde warm, Bismarck hielt endlich den störenden Freunden einen Spiegel vor, was sie wären ohne ihn, und dieser Spiegel war kein Schmeichler. Wenn mich die Conservativen im Stiche lassen, sagte er, dann muß ich mit anderen Parteien gehen und aus ihnen meine Collegen wählen. Zuletzt setzte er zwar die Bewilligung durch, aber nur mit wenigen Stimmen; auch von allen andern Parteien stimmten Biele dagegen, alle Parteien waren ge­sprengt.

Der König selbst ist äußerst erzürnt über die Conservativen und hielt nicht hinter dem Berge. Die Sache macht das größte Aufsehen, zumal da andern Tages Bismarck Urlaub nahm und aufs Land ging. Es liegt noch etwas Unausgesprochenes in der Sache und es fragt sich, ob sich die Conservativen biegen oder brechen.

Berlin. Am 24. Januar übergab der lang, jährige Repräsentant des Königs von Preußen in Washington, Baron Gerolt, dem Präsidenten Johnson sein neues Beglaubigungsschreiben als Ge­sandter des Norddeutschen Bundes. Auf die bei dieser Gelegenheit gehaltene Anrede des Gesandten gab Präsident Johnson folgende Antwort: Baron Gerolt! Eine denkwürdige Thatsache in Preußens Geschichte verdient bei dieser Gelegenheit Beachtung. Es hieß, daß, nachdem Preußen im Jahre 1807 Frieden erlangt hatte, mit Verminderung seines Ter­ritoriums und Verlust seines politischen Einflusses, der König einen Lehrer des Volkes, Fichte, aufge- sordert habe, ihm zu rathen, durch welche Mittel die preußische Regierung ihre frühere Machtstellung wie- der erlangen könne. Nach langer Ueberlegung erwi­derte jener, daß der Tempel deutscher Unabhängigkeit jetzt von Grund aus wieder aufgebaut werden müsse, daß der alte Stamm der Freiheit verwittert und von dem Orkan, der jüngst über ihren Häuptern getost habe, hinweggeschleudert worden sei, daß ein neues Wachsthum eintreten müsse, einer tieferen Wurzel

entkeimend, beseelt von einem neuen Strome. Das Mittel, das er zu diesem Zwecke anführte, war die Errichtung einer Schule für höhere Bildung in Ber­lin, frei von den Mangeln der alten Universitäten, von der aus, als dem geistigen Herzen des gesamm- ten Volkes, ein Strom von Leben und Energie sich durch ganz Deutschland ergießen könnte. Der Rath wurde angenommen und seither stets praktisch befolgt. Sie, Herr Baron, werden besser, als ich, die Wahr­heit in Bezug auf das eben erwähnte Ereigniß erken­nen. Sicherlich aber ist es nicht blos die neue Aufrichtung des Königreichs Preußen auf festeren Grundlagen, als bevor, was uns heute zusammen- führt, sondern auch ein großer Fortschritt zur Eini- gung des deutschen Volkes. Bei uns ist es immer ein Grundsatz gewesen, daß Intelligenz und stricte Beobachtung des constitutionellen Gesetzes für eine freie Regierung wesentlich sind, und in Deutschland hat es sich gezeigt, daß dort allgemeine Bildung ein Element der nationalen Einigung und Kräftigung ist. Ich könnte Ihnen den Bcwillkowmnungsgruß in Ihrer neuen und erhöhten Stellung eines Gesandten der Norddeutschen Union nicht versagen, ohne den Gefühlen des gejammten amerikanischen Volkes Ge- Walt anzuthun. Sie waren, wenn auch nicht der einzige, so doch der hervorragendste fremde Reprä­sentant Hierselbst, dessen Wünsche, Rathschläge und Arbeiten während unseres Bürgerkrieges beständig und ohne Furcht der Sache der rechtmäßigen Regie­rung und der unzerstörbaren Einigkeit der Vereinig­ten Staaten von Amerika zum Heile dargebracht wurden. Versichern Sie Ihrem König und dem Volke Deutschlands, daß sie stets auf die schätzens- werthe und sympathische Freundschaft der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten zählen können. Und Sie selbst, Herr Baron, bleiben Sie versichert, daß die Hochschätzung, welche wir immer für Sie gehegt, nicht abnehmen wird. Wenn solch ein Unglück sich ereignen sollte, würden wir versucht werden, an der Möglichkeit des Vertrauens zwischen Staatsmännern und aufgeklärten Nationen zu ver­zweifeln." 5

München, 7. Februar. Die vom Kriegsmi- nisterium S. M. dem König vorgelegten Muster neuer, gegen die früheren weit leichterer Infanterie- Helme^ sie wiegen um ein volles Pfund weniger als die bisherigen, nämlich nur 28 Loth im we­sentlichen die Form des bisherigen Helms beibehal- tend, haben die königliche Genehmigung erhalten. Dieselben werden nunmehr nach Maßgabe der ver- füg baren Mittel allmählig zur Anschaffung gelangen.

Preußischen Geschäftsträger Niederstätter und Staatssecretär Henry Clay unterzeichnet worden, Austausch der Ratificationen aber erfolgte am März 1829. Es ist dieser Vertrag, dem die Zollvereinsstaaten nicht beigetreten sind, jetzt von Jahr zu Jahr kündbar.

Gesandte hat den Auftrag erhalten, in Verhandlun­gen mit dem Bundeskanzleramte zu treten, um einen Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem Nord- deutschen Bunde und der Nordamerikanischen Union zu verabreden. Gegenwärtig besteht ein solcher Ver­trug nur zwischen Preußen und der Union, aber auch dieser vatirt bis ins Jahr 1828 zurück: er ist

1. Mai 1828 in Washington von dem damali-

mcht nur unser eigenes, abhängt. Die nächsten Monate, Wochen oder Tage schon können eine Entscheidung bringen, vor welcher ich zittere. Willst Du mir durch häuslichen Hader vollends die Festigkeit und Ruhe des Gemüths rauben, deren ich so dringend bedarf, so thue es auf Deine Gefahr. Aber wenn dann die Waage sinkt, dann erinnere Dich an das gehäufte Maß Deiner Verschuldung, und beweine Deine Kinder, die Du durch Deinen Uebermuth arm gemacht hast!" Damit verließ er das Zimmer, und nach einigen Minuten auch das Haus mit dem neuen Buchhalter. Frau Balver sah ihm in wortlosem Erstaunen nach. Liejen Ton hatte er noch nie angeschlagen; diese Ruhe war ein Mitteloing von Resignation und Verzweiflung; diese Sprache klang ihr wie ein Traum. Une vage, ahnungsvolle Angst zog in ihre Seele ein, und erfüllte sie mit Grauen.

sic war ein Weib, herrschgewohnt und eigensinnig; sie wollte gegenüber von dem Neffen Recht behalten und ihre häusliche Autorität wahren. Daher fuchte sie ihre Töchter noch einmal auf, um sich bei diesen und Robert über den anmaßenden Wetterseloer Neffen zu beklagen. Zu ihrem Erstaunen aber fand jte auch diese drei auf der Seite des Buchhalters.

,/Jch gebe zu, daß Rudolph gestern Abend sich einen ziemlich derben Scherz erlaubt hatsagte der vermeintliche Vetter Robert;allein Sie müssen ihn wenigstens einigermaßen entschuldigen: Rudolph war gereizt durch die Zurück- fftzung und Geringschätzung, mit welcher er empfangen wurde, durch die kalte ^ovenkammer, die man ihm angewiesen hatte, welcher doch durch den lieben Wim zu einem solchen Vertrauensposten im Hause berufen worden war. Be- tn r, r"ertIcr'. tflß es ihn, einen solch nahen Verwandten des Hansis, krän- f toen", 'h.m fcie Domestiken zumutheten, er solle sich schlechthin nur zu etne Festlichkeit im Hause sei, von welcher er sich förmlich aus- ftnnr, CIt Frachten mußte. Erwägen Sie ferner, daß er mich, der Ihrem fIL u . breit näher verwandt ist, in fürstlich möblirten Zimmern a°"Endste aufgenommen sah, und daß er sich, da er in persön- verdienst und Kenntnissen mir sicher überlegen ist, hierdurch auf verletzende reZl °n r~Cn r «nferer äußern Lebensstellung erinnert sehen mußte.

» gen tote ferner, daß ihm außer Paulinen keine befreundete liebe Hand den Sw werden sicher sein Betragen von gestern und heute min- 1 'chludlg und sogar einigermaßen gerechtfertigt finden!"

®'c ^ommerzienräthin biß sich auf die Lippen und schüttelte den Kopf, denn iu, Überzeugen. Henriette aber meinte:Vergessen wir es leidige Geschichte, liebe Mama! Unsere Schuld war keine absichtliche, feit» Cin 2rrthum, weil wir in dem neuen Vetter aus Wcttersild nur einen

Holfenen, ungeleckten jungen Menschen erwarteten. Papa hat uns nie gesagt, daß Rudolph sim besonderer Schützling ist, und ein durch Reisen und Lektüre gebildeter Mensch, auf welchen auch Vetter Robert sehr große Stucke halt

Du, Robert? kennst Du ihn denn?" fragte die Commerzienräthin.

Den Rudolph ans Wetterfelv?" fragte dieser und fuhr, als die Commer- zienrathm bejahte, mit freundlichem Lächeln fort:Gewiß kenne ich ihn und sehr genau, beste Tante! Ich nehme den herzlichsten Antheil an ihm, denn ich bin überzeugt von seiner aufrichtigen Dankbarkeit gegen Onkel Gottfried, der tbn erziehen und reifen ließ, und von feinem redlichsten, beeifertsten Bestreben, diese Dankbarkeit dem Oheim durch die treuesten Dienste an den Tag zu legen Fürwahr, beste Taute, was Sie ihm thuu, das betrachte ich als mir erwiesen, unb ich lege daher jetzt förmlich und inständig eine recht freundliche Fürbitte tur ihn ein, worin ich auch Paulinen einschließe, weil ich weiß, daß Rudolphs Eltern und ganze Familie seit alten Zeiten mit der Familie Paulinens eng be- freundet waren und das arme Kind wirklich einer liebevollen, freundlichen Be- tyanblung sehr bedarf. Eine Doppelwaise, ohne Heimath, ohne Vermögen, in XUn6 Unerfahrenheit schon allen Einflüssen einer unbarmherzigen SSelt MojgejleDt - verdient ein solches Geschöpf nicht etwas Wohlwollen und herzliche Theilnahme?"

O gewiß, und ste kann stch auch sicher über einen Mangel daran in un- |erem Hause nicht beklagen," ertviecerte die Commerzienräthin. Aber Du bc- 0rCtnL?O1d)' lie6er , daß Paulinens Erziehung sie noch nicht salonfähig gemacht hat und daß sie noch sehr linkisch ist ... .» ; 9

Und daß sie eigentlich gerade aus dieser Scheu und Befangenheit sich lieber mit den Domestiken befreundete, als an uns anschloß," ergänzte Henriette. Mama wollte ihr deßhalb Unterricht ertheilen lassen oder sie in einer Erziehungsanstalt unterbrtngen, aber ste wollte nicht . . . ." ä

Sie hat keinen Drang nach Bildung," sagte Ida.

.scheut stch vielmehr vor der fremden, freudlosen Umgebung in einer solchen Erziehungsanstalt," wandte Vetter Robert ein;der Uebergang aus dem einfachen, traulichen Baterhause mit feiner treuherzigen, schlichten Weise wäre natürlich wie ein Mehlthau auf dieses junge Gemüth gefallen, und darum schreckte Pauline wohl davor zurück. Bedenken wir doch, daß der Mensch etwas Liebe und Wohlwollen bedarf, um gut zu bleiben! Unv Paulinens Schicksal, welches mir noch von meinem Vater besonders aus die Seele gebunden worven ist, geht mir in der Thai so nahe wie dem Vetter, und Sie, beste Tante, und ihr , meine holden, theuren Cousinen! könnt mir in meiner Abwesenheit keine größere Liebe erweisen, als wenn Ihr dem Vetter und Paulinen mit Nachsicht, Duldung und Wohlwollen begegnet. Diese Hoffnung wird mir den Abschied wesentlich erleichtern, und die Freude des Wiedersehens bedeutend erhöhen!"

(Fortsetzung folgt.)