Ausgabe 
9.5.1868
 
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Politische Rundschau

Schon

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr- Ehr- Pietsch) in Gießen-

Seine Reise wird verschiedenartig commentirt. Der Kronprinz von Preußen wird seinen Aufenthalt in Italien verlängern und das italienische prinzliche Paar nach Neapel begleiten. Auf der Rückreise wird er die Arbeiten am Mont-Cenis-Tunnel besichtigen.

Paris, 2. Mai. Kaum hat das Zollparlament den würtembergischen Wahlmodus vor sein Forum

Gießen. Eine Anzahl hessischer Offiziere (es werden die Namen von den Majoren von Buseck und v. Grundier und den Hauptmännern Lannerk, Daudistel und Gerlach genannt) sind zu Dienstlei­stungen in preußischen Abtheilungen nach Berlin und Potsdam commanvirt und werden bis Sonntag da­hin abgeben. Ihr Aufenthalt in den preußischen Garnisonen ist auf 6 Wochen bestimmt.

Gießen. Unserer Universität steht ein neuer, unersetzbarer Berlust bevor. Professor C l c b s ch, dessen Name auf dem Gebiete der Mathematik nur unter den ersten genannt werden darf, hat einen ehren­vollen Ruf nach Göttingen erhalten an die Stelle des verewigten großen Mathematikers Niemann

Friedberg. Die Generalversammlung der ober- hessi,chen Credilvereine, welcher auch Schulze-Delitzsch beiwohnen will, wird auf Christi Himmelfahrt in hie-

siger Stadt abgehalten werden.

Berlin. Die bereits Ausgangs 1866 einge­setzte italienische Militär-Commission, welche über die Einführung eines HinterlavungSgewehrS bei der ita­lienischen Armee beschließen sollte, hat sich nunmehr definitiv für die Einführung des preußischen Zünd­nadelgewehres entschieden. Es sieht dieser Fall von Seiten der auswärtigen Mächte ganz vereinzelt da, indem bisher alle fremden Staaten gleichmäßig da­nach trachteten, sich noch ein viel besseres Gewehr, , ;

als das Zündnavelgewehr, zu eigen zu, machen, verkauft für l^k ^fl. (Ny. st ) welches Bestreben namentlich die Amerikaner mit ihren vielen neu erfundenen Hinterladungswaffen vortreff, lich auszubeuten gewußt haben. Das preußische System des Hinterladungs-Geschützes ist dagegen bereits von Rußland, Belgien und für die FestungS- und Marine-Aitillerie auch von Oesterreich acceptirt

den so geringen Erfolg gehabt, daß seit gestern Be­mühungen zur Verständigung über eine möglichst ver­söhnlichemotivirte Tagesordnung" an deren Stelle getreten sind und, wie der Telegraph meldet, zu fol­gendem, von den Abgeordneten v. Roggenbach und Herzog Ujest cinzubringenden Antrag geführt haben: In Erwägung, daß die Neugestaltung des Zollver­eins durch die Berufung der Vertreter des deutschen Volkes zu gemeinsamer Gesetzgebungs-Thätigkeit das Unterpfand stetiger Fortentwickelung der nationalen Institutionen gewährt und den berechtigten National- ansprüchen auf wirksame Einigung der Staatskräfte befriedigende Erfüllung sichert; in Erwägung, daß einmüthiges Zusammenwirken für die Aufgaben des Zollparlaments dieses Ziel am meisten zu fördern geeignet ist, wird über den Adreßantrag die Tages­ordnung beantragt." Fast sämmtliche Freiconserva- tive, Altliberale, Hessen und nationale Süddeutsche haben den Antrag unterschrieben. Diesüddeutsche Fraktion" beharrt bis jetzt auf dem Verlangen nach einfacher Tagerordnung", weil nur durch sie eine unnölhig aufregende politische Discussion gänzlich ab­

geschnitten werden könne.

Schierstein, 2. Mai. Gestern ist hier im Rhein ein Salm von 13 Pfund Gewicht gefangen worden, ein Ereigniß, welches seit Menschengedenkcn hier nicht vorkam. Derselbe wurde nach Wiesbaden

gezogen, als auch schon französischer Nationalstolz sich mit der Untersuchung beschäftigt, ob nicht diese Thatsache allein schon ein Ueberschreiten der Befug, nisse jener Versammlung in sich schließe und einen Ausflug auf politisches Gebiet statuire, der doch den Abgeordneten durchaus untersagt sein solle.Man fängt an, sich über die Dimensionen zu beunruhigen, die solche Uebergriffe annehmen könnten," sagt man einem Correspondenten derKöln- Ztg.", und trotz der Versicherungen Benedctti's beginnt man der An­sicht zu werden, daß die preußische Regierung nicht immer im Stande sein werde, Ausschreitungen im nationalen Sinne wirksam entgegcnzutreten. Es war dieß etwas, was vorauszusehen war. Und so wer­den wir im Laufe der Verhandlungen des Zollpar- laments ohne Zweifel noch manchen Sturm kriege- rischer Gerüchte zu überstehen haben, denen gegenüber den Muth nicht zu verlieren nicht selten ein schweres Stück Arbeit sein wird.

Telegraphischer Schiffs-Berichte,

mllgetheilt von Ehr. Wallenfels, jun.

Las Hamburger Postdampfschiff Bavaria, Capi- tän Meyer, von der Linie der Hamburg-Amerikani- schen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft trat am 2. Mai wiederum eine Reise nach Ncwyork an, und hatte außer einer starken Brief- und Packetpoft 29 Passa­giere in der Cajüte und das Zwischendeck ganz mit Passagieren besetzt.

Das Hamburger Postdampfschiff Hammonia, Ca- pitän Ehlers, von der Linie der Hamburg-Amerika- Nischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, welches von Newyork am 20. April abging, ist nach einer außer- ordentlich schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen 9 Stunden wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die nach England und Frank­reich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt.

Dasselbe bringt 199 Passagiere, 900 Tons Ladung, 280,750 Dollars Contanten und 263 Briefsäcke.

Das Bremer Postdampfschiff Baltimore, Capitän Böckler, von der Linie des norddeutschen Lloyd, trat am 1. Mai wiederum eine Reise via Southampton nach Baltimore an und hatte außer einer starken j Brief- und Packetpoft 786 Passagiere und 150 Tons Ladung an Boro.

Von den Passagieren reisen:

22 Erw-, 3 Kino., 1 Säugt, in I. Caj. oberer Salon, I. unterer

586 125 49 im Zwischendeck.

Das Bremer Postdampfschiff Union, Cap. Santen, von der Linie des norddeutschen Lloyd, welches atn 18. April von Bremen via Southampton abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 12 Ta­gen wohlbehalten in Newyork angekommen.

Das Bremer Postdampfschiff Weser, Cap. Wenke, von der Linie des norddeutschen Lloyd, welches von Newyork am 23. April abging, ist nach einer schnel­len glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbehalten in Cowes angeiangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt.

Dasselbe bringt 255 Pagagiere, 900 Tons La­dung und 885,000 Dollars Contanten.

Das Bremer Postdampfschiff Hansa, Cap. Oteren- dorp, von ter Linie des norddeutschen Lloyd, trat am 2. Mai wiederum eine Reise via Southampton nach Newyork an, und hatte außer einer stärkt» Brief- und Packetpoft 730 Passagiere und 450 Ton! Ladung an Bord.

Von den Passagieren reisen:

14 Erw., Kind., Säugl. in I. Caj. ober. Salo«.

70 9 1I. unterer

509 96 31 im Zwischendeck.

Das Bremer Dampfschiff Smidt, Cap. Raschen, welches am 4. April von Bremen via Southampton abging, ist nach einer glücklichen Reise von 28 Ta- I gen wohlbehalten in Newyork angckommen. ! Das Hamburger Postdampfschiff Saxonia, Cap. ! Kicr, von der Linie der Hamburg-Amerikanischen l Packet-Acticn-Gesellschaft, trat am 6. Mai wiederuni \ eine Reise via Southampton nach Newyork an, und hatte außer einer starken Brief - und Packetpoft 450 i Tons Ladung, 70 Passagiere und das Zwischendeck vollständig besetzt.

Newyork, 6. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff dcs norddeutschen Lloyd Newyork, Capitän F. Dreyer, welches am 22- April von Bremen abgegangen war, ist heute 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen.

Oberwesel, l.'Mai. Gestern nach Mittag landeten zwei auf einem unsere Stadt passirenden ] Schleppdampfbooee beschäftigte Schiffsknechte hier im Rheine eine Leiche, welche allem Anschein nach so- wohl in Hinsicht der Kleidung, Gesichtsbildung, die des in Mainz verschwundenen BanquierS Max Mayer ist, auf dessen Auffindung 1000 fl. ausgeschrieben sind. (Cobl. Z.)

Jena. An dem vom StuttgarterBeobachter" gebrachten, in Nr. 53 dieses Blattes reproducirten Vorfall zwischen hiesigen CorpS-Stuvcnten und einem Hauptmanne hiesiger Garnison i;t, tote der llniver- siiätsamtmann Börner schreibt, kein wahres Wort.

Holland. Die Luxemburger wehren sich tapfer ihrer Haut gegen die französischen Freundschastsbe- zeugungen. Es erscheinen drei bis vier Blätter in dem Städtchen, von ihnen ist nur eins, der neue Avenir", entschieden französisch gesinnt, die übrigen stehen zu Deutschland, am energischsten derCourier duGrand-Duche". Dieser hat sogar, um nicht täglich in französischer Sprache erscheinen zu müssen, eine deutsche Ausgabe veranstaltet, dieLuxemburger Zeitung", was natürlich nicht geringes Aufsehen ge° j macht hat, weil er es noch obendrein mit der Be­merkung motivirt, daß Deutsch die Landessprache fei.

Glarus. Das Dorf Bilten ist von einem worden. DieNeue Glar.

Bergrutsch heimgesucht

Ztg." bringt darüber folgendes Nähere:

Mittwoch Morgens um 4 Uhr wurden die Bewoh­ner von gewaltigem Donner aufgeschreckt; sie hielten denselben für die Wirkung einer großen Lawine, deren in diesen Tagen in großer Zahl in die Thä- ler niederstürzten. Doch, man hatte sich geirrt, das Unglück war größer und gefahrdrohender. Es hat­ten sich vom nahen Berge gewaltige Felsen losge­löst und tobten gegen das Thal und Den oberen Th eil des Dorfes, ungeheure Schlamm- und Schutt- massen mit sich führend. Abends 6 Uhr folgten noch größere Felsenstürze und wiederholten sich die ganze folgende Nacht und Donnerstags den ganzen Tag hindurch. Die zunächst am Fuße des Berges lie- genden ' Güter von der Kirche aufwärts, die schon im schönsten Frühlingsschmucke gestanden, sind zuge­deckt mit Schlamm und Geröll, und immer und immer lösen sich neue Schlipfe an dem wie leben­dig gewordenen Hirzli ab, stürzen sich mit entsetz- lichem Gekrach hernieder, kommen als lehmiger La- vastrom unten an, an Häusern und Ställen sich aufthürmend und dann in breiten Armen den ver- heerenden Lauf fortsetzend. Im Laufe des Tages haben die Leute Alles fortgetragen; die Häuser und Ställe sind le r, und keinen Augenblick ist man sicher, wann ein Reihe derselben emstürzen wird. Mit großer Anstrengung konnte man bis jetzt den Friedhof vor Verheerung schützen. Gottlob ist bis jetzt kein Unglück an Menschenleben zu beklagen."

Florenz, 5. Mai. Der französische Gesandte, Baron Malaret, wird bald nach Paris zurückkehren.

worden, und auch Italien steht im Begriffe, Vas- selbe in seine Artillerie einzuführen.

Berlin, 2. Mai. (Zollparlament.) Ueber den Zollvertrag mit Oesterreich wurde die Vorbe- rathung im Plenum beschlossen. (Dagegen die Süd- deutschen Mohl und Gen. und die Fortschritts­partei.) Der Adreßentwurf soll durch Schlußberathung erledigt werden Referenten v. Bennigsen und v. Thüngen ebenso ein Antrag von Stumm, daß der Vorsitzende des Zollbundesrathes darauf hinwirke, daß die Ausfuhrvergütung, welche Frankreich den Be­stimmungen des Art. 6 des deutsch-französischen Han­delsvertrages zuwider seiner Eisenindustrie durch die mißbräuchliche Handhabung der Rückvergütung dcs Jmportzollbetrages gewährt, baldigst beseitigt werde. Es folgen Wahlprüfungen, bei welchen die Be- anstandung einer Wahl, des baierischen Abgeordneten Meder, wegen Formwidrigkeit erfolgt. Die nächste Sitzung findet Montag um 11 llhr statt, -t-ages« I Ordnung: Schlußberathung über den Vertiag m t Spanien, Vorberathung über die Abänderung der Zollordnung und des Strafverfahrens.

Berlin, 4. Mai. (Zollparlament.)- Das Zollparlament genehmigte in seiner heutigen Sitzung nach kurzer Begründung durch die Referenten v. Meixner und Lienau den Handelsvertrag mit Spa- men und nahm gleichzeitig eine von Meier (Bremen) beantragte Resolution an, dahin gehend, daß ein Zusatz-Vertrag die spanischen Colonien und Inseln dem deutschen Handel in derselben Weise erschließen möge, wie er im Mutterlande dem der meistbegün­stigten Nationen gleichgestellt ist. Der Präsident Delbrück erklärte sich mit der Tendenz der Resolu­tion einverstanden.

Das Zollparlament beschäftigte sich hierauf aut der Berathung d-s Gesetzentwurfs, welcher die Be­stimmungen der Zollordnung abändert. Die De­batte bewegte sich hauvtsichlich um zwei Resolutionen der Abgeordneten Müller (Stettin) resp. Hennig und Weigel, welche sehr weitgehende Reformen der Zollabfertigung, der Coniroie u. s. w. bezwecken. Präs. Delbrück erhob gegen dieselben keinen principiellen Widerspruch, machte aber geltend, daß die Erfüllung der ausgesprochenen Wünsche zur Zeit nicht möglich sei.

Hierauf wurden die einzelnen Paragraphen mit kleinen Amendements angenommen und die Resolu­tion Müller (Stettin) auf Vorlage einer Zollord- nung, gemäß dem Prineip der Zollfreihcit, in der nächsten Session genehmigt. Die Gesammtabstim- mung über das ganze Gesetz wird in nächster Sitzung stattfinden. , ,

Bei den nun fo genden Wahlprusungen beantragte die fünfte Abiheilung. die Wahl Guttenberg's (Kitzin- gen) für ungültig zu erklären; der Antrag der Av- lhcilunz wurde aber mit schwacher Majorität ver­worfen. Nächsten Donnerstag soll die Adreßdebatte stattfinden.

Berlin, 6. Mai. Die Werbungen der Herren Metz und Genossen für den Erlaß einer Adresse ha-