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Warnung.

Seither ist es öfter vorqekommen, daß Leute vom Lande oder Knaben durch die Umzäunung des Schieß­platzes am Trieb hindurchgeschlüpft sind, um den Weg abzukürzen. Wir zeigen wiederholt hiermit an, daß Vas Betreten des Schießplatzes verboten ist und die Forstwarte und Feldschützen angewiesen sind, jeden der­artigen unbefugten Durchbruch der Umzäunung zur Anzeige zu bringen.

Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß es für Jeden lebensgefährlich ist, welcher während der Schießübungen den Schießplatz betritt, oder unmittelbar hinter den Schießmauern sich herumtreibt.

Gießen, im September 1868. Der Vorstand -er Schützengesellfchaft.

Die Renten- und Lebensversicherungs-Anstalt zu Darmstadt

übernimmt:

50 Jahren:

45 Jahren:

40 Jahren:

35 Jahren:

2 fl. 48 fr.

2 fl. 21 fr.

3 fl. 26 kr. 4 fl. 18 fr.

1) die Versicherung steigender Renten gegen beliebige Kapitaleinlagen.

2) Lebensversicherungen in Beträgen von 100 bis 10,000 fl. auf ein einzelnes Leben gegen feste, zu feiner Nachzahlung verpflichtende Versickerungsbeiträge.

Für eine lebenslängliche Versicherung von 100 fl. betragen die jährlichen Verstcherungsbntrage bei einem Alter von 20 Jahren: 25 Jahren: 30 Jahren:

1 fl. 34 fr. 1 fl. 45 fr. 2 fl. 1 fr.

3) Leibrenten - Versicherungen. _ L _. , , ,

4) Depositengelder bis zu Beträgen von 25 fl. herab, welche vom 30. Tage nach der Hinterlegung bis zur Zurücknahme mit 3y2°/o verzinst und auf Verlangen ganz oder stückweise zurückbezahlt werden-

Wegen näherer Ausfunft, sowie wegen des unentgeltlichen Bezugs von Prospecten und Statuten der Anstalt, beliebe man sich an deren Herren Bevollmächtigte zu wenden *).

Darmstadt. Die Drrectton.

*) In Gießen an Herrn A. L. Balser, Buchbinder.

Lich <$. Volp, Gemeindeeinnehmer.

Butzbach I. I. Setppel, Kaufmann. (03c>8)

Oberhessische Eisenbahnen.

Sektion Gießen.

6394) Die Abmessung des Bahngeländes, resp. die Anfertigung der Meßbriefe, nimmt morgen, Dienstag den 8. September, ihren Anfang und zwar in den Gemarfungen Gießen, Hausen, Garbenteich und Rödgen. Die Besitzer der betreffenden Grundstücke werden gebeten, ihre Grenzen entweder mit festen Warfen zu bezeichnen, oder bei der Abmessung gegenwärtig zu sein.

Gießen, den 7. September 1868.

Der Sections-Jngenieur:

H. Lipp old.

6344) Altes Zeitungspapier faust I, Rothenberger, Lindenplatz.

Feuilleton.

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung)

Die beiden Dragoner sprangen schon herbei, und es gelang ihnen, die Zü­gel zu ergreifen. Allein in dem Augenblicke, wo das Pferd sich gepackt fühlte, schlug es so wild mit den Hinterbeinen aus und schüttelte so toll seinen Kopf, daß der aus dem Sattel gehobene Schüler über den Hals weg sechs Schritte weit, so lang wie er war, in den Sand flog.

Das Schauspiel war ebenso betrübend, wie komisch und unvermuthet.

Die beiden Soldaten, welche mehr als genügend mit der Bändigung des Pferkes zu thun hatten, das jetzt eine wahrhafte Wuth an den Tag legte, hör­ten zu ihrem Erstaunen ein lautes Gelächter in der Orangerie, offenbar von oben herab, erschallen.

Der Bürger Direktor, sehr zerschlagen von seinem Falle, stand mit Pistoie's Hülfe langsam und mißmuthig auf, während Tranchard das Pferd mit der Reitpeitsche zu züchtigen begann. Jedes sanftere Mittel hatte sich nutzlos erwie­sen. Die kräftige Faust des Dragoners und die Autorität der Peitsche schüch­terten endlich den normännischen Gaul ein, der in der That heute seltsam seinen gewöhnlichen Charakter verleugnet hatte.

Auf einem Säulenstumpf in einer Ecke des Gewächshauses sitzend, wischte der Abbe den Schweiß von seiner Stirn, löste Vie Halsbinde und knöpfte seinen Rock auf.

Pistole wischte mit einem Schnupftuche den Sand von den Kleidern des so grausam zu gaU gekommenen Direktors.

Was Tranchard betrifft, so hielt er sich von dem guten Willen und Be­nehmen seines Schülers überzeugt, und suchte daher anderswo die Ursache der so ungewöhnlichen Aufregung des Pferdes.

Das schallende Gelächter hatte ihn überrasclst, aufgebracht, aber zugleich auf die richtige Fährte gebracht.

Es muß Jemand bei dem Pferde gewesen sein. Sacrament, wenn ich den Lump erwische!

Du meinst also, Kamerad . . . ? fragte der Abbe, immer noch mit zerschlagenen Gliedern dasttzend.

Ich meine, Bürger Direktor, daß ich der Sache auf den Grund gehen will. Und ich werde die Wahrheit herauskriegen, wo sie auch versteckt sein mag . . .

Diese Worte mit drohendem Ton aussprechend, hatte Tranchard das Pferd abgezäumt, und warf den Sattel auf den Sand, um sich zu überzeugen, ob das Kreuz oder der Widerrist des Pferdes verwundet sei. Er entdeckte nichts Ungewöhnliches. Auch beim Gebiß und Zügel fand er Alles in Ordnung. Das Pferd war jetzt beruhigt; er konnte daher die Untersuchung noch weiter sortsetzen.

Tranchard, der erfahrene und schlaue Mann, warf einen mißtrauischen Blick au, die Croupe des Pferdes.

Ich wette fast, murmelte er, daß hier der Knoten steckt. Wenn ich da­hinter komme . . . Sapperlot, welch' eine Nichtswürdigkeit!

Tranchard hatte den Schwanz des Pferdes erfaßt und Vie £>aare desselben kräftig aufgehoben. Sein prüfendes Auge hatte auf den ersten Blick nichts Ber- dächtiges bemerkt.

Aber sein Blick drang weiter und entdeckte jetzt die geheimnißvolle Ursache der plötzlichen Wildheit des Pferdes: eine Jngwerbohne lagerte verrätherisch an einer Stelle des Verdauungskanals, deren technische Bezeichnung der Thier- arzt kennen wird. Eine Jngwerbohne, v- h. eine Pille von höllischem Pfeffer!

Der Gaul hatte dieselbe von einer verborgenen und dreisten Hand fünf Minuten, ehe er den Stall verließ, um nach der Reitbahn geführt zu werden, empfangen.

Jeder Pferdekundige weiß recht wohl, daß die Roßkämme, wenn sie ihrem pflegmatischen Klepper ein scheinbares Feuer einflößen wollen, sich dieses schänd­lichen Mittels bedienen, um ihre Kunden zu tauschen.

Das sanfteste Pferd, welchem man eine Jngwerbohne unter den Schwanz schiebt, wird nach Verlauf von zehn Minuten und besonders durch die Erhitzung beim Traben, anfangs ausgelassen lustig und allmälig ganz wild und ungestüm.

Dieser fieberhafte Zustand verschwindet jedoch mit der Zeit, wenn die Bohne ihre erste beißende Scharfe durch den Einfluß der sie umgebenden Feuchtigkeit verliert.

Tranchard also entdeckte diese Bohne und wußte sie mit einer unvergleich­lichen Geschicklichkeit zu entfernen.

Komm, Pistoie! rief er.

Sein Kamerad eilte herbei und nahm Vas corpus delicti in Augenschein, welches er als kundiger Mann sofort als solches erkannte. Sein Unwille war nicht geringer als der seines Kameraden.

Und dies Gelächter, welches von droben erklang, als mein Schüler kopfüber flog? fragte Tranchard.

Ja, ja, Kamerad, versetzte Pistoie, die Mauer hat offenbar gelacht, wenn sich droben nicht irgend ein heimliches Dachfenster befindet.

Es ist eins da, Kamerad, antwortete Tranchard. Willst Du sehen? Paß auf!

Einen kleinen Kieselstein aus dem Sande hcrvorsuchend, zielte der Dragoner so vorsichtig und sicher, daß der in die Höhe geworfene Stein gerade unter dem Karnieß der gewölbten Decke in einen Winkel flog und dort eine Scheibe zer­brach, deren Splitter klirrend herabsielen.

Was ist das? fragte der Direktor, indem er zu ihnen hcrantrat. Man hatte mich versichert, daß diese Orangerie keine anderen Fenster, als Vie großen an der Fayade besäße. Es war also droben ein Dachfenster?

Ja wohl, Bürger Direktor, antwortete Pistoie. Ein kleiner Judas, wie man zu sagen pflegt, hatte sich dort versteckt, um Euch nach Belieben heim­lich reiten zu feben Das war allerdings ein etwas indiskreter Mensch . . .

Das war ein Bösewicht! schrie Tranchard; denn ich zweifle gar nicht, daß derselbe Judas Jemanden dazu erkauft hak, vie Jngwerbohne an den be­wußten Ort zu praktisiren.

Wie? Was? fragte der Abbe. Ich verstehe Euch nicht . . .

Bürger Direktor, versetzte Tranchard, das ist eine Sacke, die uns per­sönlich betrifft, und wir werden dem Schuldigen eine Lektion ertheilen, wie er sie verdient hat. Euck aber, Bürger Schüler, kann ich nur das unbedingteste Lob spenden. Eine zufällige Veranlassung hatte Euer Pferd wild gemacht; allein Ihr habt die größte Kaltblütigkeit und die seltenste Unerschrockenheit an den Tag gelegt. Ich möchte sogar behaupten, daß Ihr Dank Eurer guten Haltung und Euren Prinzipien bis ans Ende den Sieg davon getragen hättet . . .

Nein, nein, unterbrach in der Abbe, halt ein, Kamerad! Ich habe gar keine Haltung bewiesen. Da jedoch eine zufällige Veranlassung vorlag, ist das Princip gerettet und die Ehre nicht minder. Adieu bis morgen! Hier ist mein Dank! Sorge dafür, daß der Gaul besser erzogen wird, oder nimm ihn selbst in die Lehre.

Bei den letzten Worten ließ er einen blanken Louisd'or in Tranchard's Hand gleiten, und deutete durch einen Blick an, daß er seinem Kameraden Pi- stoie einen Theil davon geben möge, was von Beiden sofort verstanden ward.

Der Direktor entfernte sich mit langsamen Schritten; sein Fall hatte keine ernsthaften Folgen gehabt, aber ihn doch etwas aufgeregt und ihm einige leichte Kontusionen beigebracht. Was die Entdeckung des Dachfensters betrifft, so be- schäftigte dieselbe sehr seine Gedanken . . - und doch wußte er nicht, daß ein lautes Gelächter seinen Sturz begrüßt hatte.

Die beiden Dragoner führten den Gaul fort. Sie waren fest entschlossen, sich nichts merken zu lassen und jegliche List anzuwenden, um den Urheber dieses Ingwer-Attentats zu entdecken. Pistoie meinte, es sei ein schlechter Witz, den man durch einen anderen Schabernak vergelten müsse; aber Tranchard bestand daraus, es sei ein verbrecherischer Schurkenstreich, welcher die schwerste «träfe verdiene.

O, wenn der Gaul nur reden könnte! rief der brave Dragoner, das Pflrd liebkosend.

Unglücklicherweise aber konnte der Gaul nicht reden.

Die beiden Kameraden, welche neben dem Pferde hergingen, das sie führten, sahen sich demnach aus einfache Vermuthungcn angewiesen. Um sich mehr geistige Klarheit zu verschaffen, luden sie, Dank dem Louisd'or ihres vortrefflichen Säck­lers, einander gegenseitig zum Abendessen ein.

(Fortsetzung folgt.)