wir aber andeuteten, daß die Eisenbahnzüge von Norden und Süden abzuwarten wären, so geschah dich nur deßhalb, weil aus die Möglichkeit, daß mit denselben Passagiere für die Post nach Grünberg, Alsfeld u. s. w. ankommen, unseres Erachtens Rücksicht zu nehmen ist. Daß dich in der That nur selten der Fall sein wird, geben wir recht gerne zu und würden es deßhalb auch in der Ordnung finden, wenn die Post früher, etwa um 71/, Uhr, befördert würde. Wir hoffen, daß die hiesige Post- verwaltung die vorstehenden Andeutungen ur Erwägung ziehen wirv.
Berlin. Die neue Prüfungs-Ordnung für Postbeamte läßt auch sogenannte Civil-Anwärter für die niedere Postlaufbahn zu. Der Bewerber soll die Reife der Secunoa eines Gymnasiums oder einer Realschule haben, oder, falls er eine solche Schule nicht besucht hat, die entsprechenden Kenntnisse durch eine Prüfung darlegen; er darf nicht jünger als 17 und nicht älter als 25 Jahre sein, und muß namentlich ein ungeschwächtes Seh. und Gehörvermögen haben. Bei dem Eintritt sind 200 Thaler als Kaution zu hinterlegen. Nach dreijähriger Post- dienstzeit hat der Anwärter eine Prüfung bei der Oberpost - Direction abzulegen, von deren Bestehen die Bestätigung als Postexpedient abhängt. Bei schlechtem Ausfall kann eine Wiederholung stattfinden, und fällt dann die Prüfung wieder ungünstig aus, so muß der Anwärter aus dem Postbienste scheiden. Die Postexpedienten können als solche in den Nachgeordneten Stellen bei den Postämtern und den Postexpeditionen, deßgleichen als Büreaubeamten zweiter Klasse bei den Oberpost-Dircctionen angestellt werden. Eine Vorsteherstelle bei einer Postexpedition erster Klasse kann der Postexpedient nur durch den Nachweis erweiterter Amtskenntnisse vor der Ober- post-Direction erwerben.
Berlin. Von gut unterrichteter Seite hört das „Dr. 31." über die Ausdehnung der Freizügig- keit auf Süddeutschland, wie die maßgebenden Kreise an der Ansicht sesthalten, daß, welcher Modus (ob int Wege des Vertrags mit den Einzelstaaten, oder durch eine Vorlage des Zollbundes- rathes an das Zollparlament) auch schließlich gewählt werden dürfte, doch niemals die volle Autonomie des norddeutschen Bundes resp. des Reichstags über diese Gesetzgebungsmaterie in Frage kommen dürfe.
Berlin. Die „Russische Correspondenz," die für ein osficiöses Organ der Regierung gilt, nimmt von dem Besuche des Prinzen Napoleon in Berlin An» laß, Preußens Neutralität im Falle eines orientali- schen Krieges zu erörtern Sie schreibt: „In Bezug auf die Neutralität Preußens, die zu verlangen der Prinz Napoleon gekommen sein soll, für den Fall eines gegen Rußland im Orient gerichteten Krieges, muß man die Lage aus sehr weiter Ferne betrachten, um an eine solche Erklärung zu denken. Was würde Frankreich durch die Trennung Rußlands von Preußen gewinnen? Würde diese letztere Macht die ausgezeichnete Gelegenheit eines allgemeines Kampfes sich entgehen lassen, um ihre Einheit zu vervollständigen? Und dann? Würde die zu ihrem Vortheil beobachtete Neutralität sie vor der Gefahr eines Kriegs mit Frank- reich bewahren? Im Jahre 1853 folgte Oesterreich den Rathschlägen der Westmächte, es trennte sich von Rußland und setzte die Welt durch seinen Undank in Erstaunen; welchen Vortheil hat es von diesem Vcr- rathe gehabt? Geschlagen von Frankreich, velassen von England, verlor cs zuerst Italien, und darauf, sieben Jahre später, von beiden Mächten verlassen, Deutschland. Das Beispiel ist nicht zu verführe- risch, um die alten erprobten Sympathien von Preußen und Rußland zu untergraben. Aber es ist eitel, Hypothesen zu widerlegen, die von selbst zerfallen. Der Frühling wird nicht die seit einem Jahr gefürchteten Verwickelungen ankündigen. Kaiser Napoleon hat mehrere Beweise seiner aufrichtigen Friedensliebe ge- gegeben, und er wendet allen seinen Einfluß an, um die durch die Ereignisse in Deutschland hervorgeru- fene Erregung zu beschwichtigen und die Blicke vom Rheine abzulenken. Es bleibt also nur der Orient mit denselben Gefahren und denselben Widersprüchen einer tyrannischen und ungerechten Regierung. Aber Rußland ist an dieser Lage nicht schuld."
Berlin. Es wird jetzt von Paris aus bestätigt, daß ein Rundschreiben Bismarck'S in Bezug auf den Besuch des Prinzen Napoleon dort tingt- troffen fei, und durch dasselbe constatirt werde, daß mit der Reise des Prinzen Napoleon keine politische Mission verbunden war. Es werden darin die Be- ziehungen zu Frankreich als fortdauernd ausgezeichnet vargestellt.
Berlin, 30. März. Der neue Postvertrag mit Dänemark fetzt ein Porto von 2 Sgr. für den fran« kirten Brief zwischen Deutschland und Dänemark fest. Für Hamburg, Lübeck und die Elbherzogthümer wird das Porto li/i Sgr. betragen.
Berlin. Es soll vom Bundesrathe beabsichtigt sein, gleichzeitig mit der Einführung der für das Gebiet des norddeutschen Bundes projectirten neuen Maß- und Gewichtsordnung auch die Bestimmung gesetzlich einzuführen, daß man zu Lieferungen von Wein, wenn sie in Fässern erfolgen, sich nur solcher Gebinde soll bedienen dürfen, deren innerer Raum von der AichungSbehörde gemessen worden ist, und die zur B-glaubigung mit einem entsprechenden Zei- chen von Teilen der Behörden versehen worden sind. Eine Aichungspflichtigkeit hat bis jetzt nicht in solcher Ausdehnung, sondern bekanntlich nur in Bezug auf die Maße und Gewichte bestanden, mit welchen der Verkäufer seine Maaren tut Detailverkehre ausmißt oder auswiegt.
Berlin, 3. April. Vom Reichstag wurde gestern der Antrag Waldeck'S und Genossen aus Zahlung von Diäten an tue Abgeordneten mit 97 gegen 92 Stimmen verworfen. Wir heben aus der Debatte nur hervor, daß Graf Bismarck als Grund des Nichtanschlusses der Süddeutschen an den norddeutschen Bund den Umstand anführte, daß den dortigen Regierungen die Verfassung des nortbeutschen Bundes „zu liberal" sei.
Berlin. Auf den Bericht des Ausschusses des Bunvesrathes für Justizwesen (Referent Dr. Curtius) wurde in der 6. Sitzung beschlossen, die Bundesregierungen zu ersuchen; 1) die Fortsetzung und Vollendung des Grimm'schen deutschen Wörterbuchs, als eines bedeutsamen nationalen Unternehmens, theils mit Geldmitteln (gemäß den Anträgen der germanistischen Section der deutschen Philologen-Versammlung) theils und insbesondere dadurch zu unterstützen, daß den zur Fortsetzung und Vollendung des Werkes berufenen Gelehrten solche Stellungen zu Theil werden, welche nicht allein ihre nothwendigen Bedürfnisse decken, sondern auch genügende Muße zu rascher Förderung des Werkes gewähren; 2) dem Bundeskanzleramt ihre entsprechenden Entschließungen mitzutheilen.
Kassel, 3. April. Heute Vormittag hatte sich auf der Main-Weserbahn zwischen Kassel und Gensungen, bei einem Pulver-Transport der Inhalt von drei angefüllten Munitionswagen entzündet und ge- rieth in Brand. Zum Glück gelang es der escor- tirenden Mannschaft, einem weiteren Umsichgreifen des Feuers vorzubeugen.
Hanau, 2. April. Die auf den Verdacht der Verbreitung des vielgenannten Flugblattes hin festgenommenen kurf. Forstbediensteten sind heute ihrer Haft wieder entlassen worden. (Hess. Volksztg.)
CmS, 28. März. Nach einer Mittheilung der „Mittelrh. Ztg." weiß man hier durchaus nichts von einem Besuche des Kaisers Napoleon während der bevorstehenden Saison, ober gar von einem solchen während gleichzeitiger Anwesenheit des Königs von Preußen. Daß König Wilhelm im Laufe des Sommers wieder kommen wird, hat derselbe schon voriges Jahr versprochen.
Wien. Am 30. März, an welchem T'ge im Herrenhaus, wie bekannt, die Debatte über das Schulgesetz begann, war der Hauptredner ohne Zwei- fei Professor Rokitansky. Die Worte dieses hoch- berühmten medicinischen Forschers werden sicherlich 'auch außerhalb Oesterreichs lebhaften Widerhall sin- den; wir geben deßhalb nachfolgende Stellen aus seiner Rede. Professor Rokitansky geht aus von einer Darlegung des Geistes unseres Zeitalters oder unserer Civilisation. Hier sind vorherrschend die realistische Forschung auf dem Gebiet der Wissen- schäft, die materialistischen Bestrebungen im prakti- schen Leben, beide tief begründet in der menschlichen Natur und untereinander in nothwendigem Kausalnexus. Redner weist diesen Satz in einer eingehen- den Schilderung näher nach und fährt dann fort: Wer wollte läugnen, daß diese unsere Civilisation ihre Mängel habe? Die Rücksichtslosigkeit in der Concurrenz, die Ausbeutung der Menschen durch die Menschen, der Hochmuth und die Eitelkeit, die namentlich seit der concordatlichen Zeit so liebevoll gepflegte Heuchelei! (Heiterkeit.) Hier hätte die Kirche Manches durch Milde zu bessern! Das wäre meines Ermessens ein angemessener und dan- kenswerther Wirkungskreis für dieselbe. Ihr Hal es aber seit jeher mehr beliebt, den geistigen Fort- schritten, namentlich der empirischen Forschung und der exacten Wissenschaften und ihren unerbittlichen Folgerungen, theils stetig, theils in periodischen Aus- brüchen von Entrüstung entgegenzutrcten, allerdings mit wenig Erfolg und immer mit Zugeständnissen und Inkonsequenzen. . ■ Ich frage, was wir denn eigentlich lehren und lernen sollen, damit wir unfern unveräußerlichen Drang nach Wissen befriedigen kön- neu? Man erlaubt uns zu lesen — aber um die Bibel nicht lesen zu dürfen; zu rechnen — bis zur Zinsenrechnung exclusive, eine geistlose Grammatik, eine parteiisch geschriebene Geschichte, eine Phisophie,
die von Dogmen ausgeht, um wieder zu Dogmen zu gelangen. (Bravo! links.) Die Stellung, welche Vie Kirche gegenüber der freien Forschung und Lehre, namentlich auf realistischem Gebiet, einnimmt, ist in der Befürchtung gegründet, daß dadurch der dogmatische Glaube beeinträchtigt werden könnte. In der That, wenn man näher zusieht, ist die Befürchtung nicht ungegründet. Die Kirche ist bereits in manches Gedränge mit der Wissenschaft gerathen und wird es noch, wenn sie noch weitere Entdeckungen auf dogmatischem Gebiet machen und die Anerkennung derselben dem Verstand der Generation zumuthen wollte. (Heiterkeit.) Ich will hierauf nicht weiter eingehen, aber ich gebe zu bedenken, Wissen und Glauben sind zwei durchaus verschiedene Dinge. Wir wissen aus Gründen, glauben auf Autoritäten. Wissen urgirt den Fortschritt, Glauben kann nur auf Innigkeit Anspruch machen. Wir wollen beide ganz und gar und unverkürzt, aber eben deßhalb und wegen der theoretischen Unvereinbarkeit soll auch die Lehre, der Unterricht in beiden frei sein, namentlich aber soll die Schule von der Kirche nicht bevormundet werden. Kein Fortschritt, keine Wahrheit, keine Errungenschaft auf geistigem Gebiet soll unse- rer Jugend vorenthalten sein. Nur das Fassungsvermögen, der Grad desselben, mit der nöthigen Rücksicht auf die Gebote der Moral, die Rücksicht auf den dereinstigen Beruf soll Maß und Tiefe des Unterrichts bestimmen. Das wollen wir umsomehr, als nach dem Urtheil der tiefsten Denker die Entwickelung der Intelligenz der einzige Weg ist zur Veredelung des moralischen Werths. (Bravo! links.) Damit es nach dem Gesagten nicht scheine, als hätte ich nur die Mittelschule und die höhern Bildungsanstalten im Auge gehabt, will ich mich auch in Betreff der Volksschule aussprcchcn. Was man hier vorzüglich gegen die Trennung der Volksschule von der Kirche vorbringt, das ist, daß man sagt: es handelt sich in der Volksschule nicht um den Unterricht allein, sondern um die Erziehung des Kindes, und zwar zur Gottesfurcht, zum Gehorsam, zur Unterordnung u. s. f. Nun, wir wollen gewiß diese Erziehung auch, wir wollen, daß die Kirche dabei das Ihrige thue, wir wollen aber auch den Lehrer dazu berufen. Beide sollen sich zur Erreichung des gemeinschaftlichen Zieles wechselseitig unterstützen, inveß wollen wir auch noch eine Erziehung in anderer Richtung, damit im Kinde schon der ganze Mensch herangezogen werde. Wir wollen im Kinde Liebe und Interesse am Wissen und Erkennen geweckt, seinen Verstand entwickelt uno er zum selbstständigen Denken angehalten sehen; weil vieß aber beim gegenwärtigen Zustand der Bevormundung von jener Seite, die sich Vie ganze Erziehung vindiciren will, notorisch nicht geschieht, over wenigstens nicht zur Genüge geschieht, so wollen wir auch Vie Volksschule frei machen, dabei aber auch dafür sorgen, daß der Lehrerstand in seiner AuSbil- vung und äußern Stellung gehoben werde. Indem ich mich für die Abtrennung der Schule von der Kirche ausspreche, will ich den Unterricht und das Erzie- hungswesen der Aufsicht und Leitung des Staates und der weltlichen Unterrichtsbehörve unterstellt wissen. Diese sind berufen, int Verein mit Männern, Vie auf den Lehrstuhl aus der Familie kommen, den Unterricht nach Methode und Inhalt, nach den vorgezeichneten Principien zu regeln und zugleich für die Besetzung der Lehrämter mit moralischen, mit Fach- kenntniß und Lehrgabe ausgestatteten, freisinnigen und selbstständigen Männern möglichst ohne Rücksicht auf ihre Confession zu sorgen. Ich werde also für das Majoritätsvotum eintrcten, weil ich darin einen Schirm gegen mittelalterliche Verwilderung, (Brovo!) gegen kirchliche Sclaverei, weil ich darin ein Palladium der Lehr- und Gewissensfreiheit sehe. (Lebhafter Beikall im Hause und auf den Gallerien.)
Karlsbad. Wir hatten vor einiger Zeit Ge- legenheit, die Karlsbader Mineralwasser-Versendung des Hrn. Hcinr. Mattoni daselbst zu sehen. Der Absatz des Karlsbader Wassers und seiner Ouellen- produkte soll dem bedeutenden Besuche des vorigen Jahres zufolge, ein fabelhaft großer sein und sich nun über die ganze Welt erstrecken. Das Karlsbader Wasser kann füglich als ein Unicum unter den Heilwassern genannt werden, wirv und muß auch in ver Folge die größte Versendung erreichen. — Die vielen Gratis-Sendungen an die Krankenhäuser, Anstalten und Vereine heben wir noch besonders hervor und verdienen dieselben die vollste Anerkennung.
London, 27. März. Das wichtigste und er- frculichste Resultat der gestrigen Unterhaussitzung war jedenfalls, daß der seit vielen Jahren vergeben« gestellte Antrag Mr. Otway's behufs Abschaffung der Prügelstrafe in der Armee in Friedens- zeiten, trotz der Opposition des Kriegsministers, mit 152 gegen 127 Stimmen angenommen wurde. Und somit hatte die berüchtigte englische Peitsche im Landheere sowohl, wie auf der Flotte, ihr Ende erlebt.


