ein Jude,
Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr. Pietsch) in Gießen.
nach Brod riefen, schießen lassen; es gab und 17 Verwundete. Der Gouverneur, Methode, Hungernde zu sättigen, etwas fand, dankte ab; alle Hungrigen, sagte er, doch nicht todtschießm lassen.
London. Der bekannte Disraeli,
vermischtes.
Gießen, 5. März. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom II. Quartal 1. I., für welche der Großherzogliche Hofgerichtsrath Herr Buff zum Präsidenten und der Großherzogliche Hofgerichtsrath Herr Krug zum Stellvertreter desselben bestimmt worden ist, werden
Montag, den 20. April l. I., Vormittags 9 Uhr, ihren Anfang nehmen und es sind deßhalb in der heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Großheizog- lichen Hofgerichts der Provinz Oberheffcn die Haupt- unv Ergänzungsgeschwvrenen in folgender Ordnung auSgeloos't worden.
I. Ergän zungs-Geschwornc: 1) Theodor Witte, Apotheker, 2) Karl Schwan, Liqueurhändler, 3) August Meyer, Weinhändler, 4) Ludwig Bücking, Cigarrenfabrikant, 5) Georg Heinrich Ebel, Wein- Händler, 6) Eduard Thorwart, HofgerichtS-Advocat, 7) Wilhelm Liebrich, Commissionär, 8) Wilhelm Briel, Hofgerichts-Advocat, 9) Sigmund Bock, Fa- brikant, 10) Karl Jughardt, Zeugfabrikant, 11) Dr. Franz Eckstein, Hofgerichts-Advocat, 12) Karl Em- melius, Cigarrenfabrikant; sämmtlich in Gießen.
II. H a u pt - G eschw or ne: 1) Friedrich Ren- ker II., Baumwollenzeugsabrikant zu Lauterbach, 2) Heinrich Weil II., Bürgermeister zu Berstadt, 3) Heinrich Muth IV., Bürgermeister zu Gettenau, 4) Wilhelm Philippi II., Bürgermeister zu Wohnbach, 5) Theodor List, Fabrikant zu Lauterbach, 6) Wilhelm Dechert II., Landwirth zu HebloS, 7) Jo- Hannes Merz, Landwirth zu Gunzenau, 8) Conrad Zimmer, Landwirth zu Villingen, 9) Georg Lahm,
ist Ministerpräsident geworden. Ein Paar Lords wollten nicht neben ihm dienen, es fanden sich aber Andere, weil der Israelit nicht zu entbehren ist. Disraeli ist der Enkel eines venetianischen Juden, hält streng an jüdischen Gebräuchen und hat sich durch sein Talent, seine Geschmeidigkeit und Energie zum höchsten Posten aufgeschwungen. Der Segen Jacobs an Juda geht an ihm in Erfüllung: „Deine Hand wird Deinen Feinden auf dem Halse fein"!
Athen, 27. Februar. Bei Proskaloii auf Kreta hat ein Scharmützel zwischen den türkischen Truppen und Insurgenten stattgefunden. Auch bei Mirabelle kam es zwischen beiden Theilen zu einem fast einen Tag andauernden Gefechte. Der Angriff erfolgte von Seiten der Kreter. Die Türken versuchten in Heiac- lion einzudringen, wurden aber von den Insurgenten angegriffen. Der türkische Befehlshaber hat sich aus Constantinopel Verstärkungen erbeten.
Warschau, 20. Febr. Von Seiten der Behörden wird mit erhöhter Energie im Geiste der Rufficirung gewirkt. Sv macht die Polizei seit einigen Tagen Schwierigkeiten mit der Erlaubniß von Karten mit geschriebenen Wohnungs-Anzeigen, wenn diese polnisch geschrieben sind. Ferner wird den Gymna- sialfchülern in intensiver Weise eingeschärft, unter einander nur russisch zu sprechen, und von einem Schul-Jnspector ist sogar für jedes polnische Wort innerhalb der Schulräume Strafe angedroht.
Washington, 2. März. Das Repräsentantenhaus nahm die von der Commission vorgeschla- geuen Anklageartikel - gegen Jonson an. Dieselben lauten auf Verletzung ter AemterbesetzungSacte durch den Befehl der Absetzung StantonS und Ernennung von Thomas zum Kriegsminister ohne Senatscon- fens und auf Verletzung der Armeebill durch den Versuch, den General Emeiy zur Befolgung der Be- fehle, die nicht durch Grant geschickt waren, zu verleiten.
I Bürgermeister zu Bingenheim, 10) Gerson Sonne, berg, Fruchthändler zu Vilbel, 11) Conrad Diehl II. . Bürgermeister zu Zeilbach, 12) H. Wilhelm Speng' ler, Branntweinbrenner zu Unter-WidderSheim, 13) Joh. Fr. Schneider, Metzger zu Utphe, 14) Andreas Ströbel, Müller zu Klein-Karben, 15) Karl Ferdinand Schwarz, Kaufmann zu Echzell, 16) Gilbert Diehl II., Weinwirth zu Münzenberg, 17) Wilhelm Heyer, Wirth zu Wölfersheim, 18) Friedrich Vollmüller III., Leinwandhänvler zu Lauterbach, 19) Joh. Jacob Hilß, Brannlweinhändler zu Ortenberg, 20) I. Georg Steinhäuser II., Bierbrauer zu Friedberg, 21) Alexander Rieß, Bürgermeister zu Nauheim, 22) Gustav Trapp II., Hofgerichts-Advocat zu Friedberg , 23) Leonhard Steher, Fuhrmann zu Obcr- RoSbach, 24) Johannes Marlos, Landwirth zu Melbach, 25) Friedrich Fink, Branntweinbändler zu Lauterbach, 26) Johannes Reutzel VIII., Landwirth zu Kefenrod, 27) Ludwig Vogt, Ellenwaarenhändler zu Butzbach, 28) Jacob Hofmann III., Bürgermei- Iler zu Eschenrod, 29) Heinrich Leihmann, Landwirth zu Leusel, 30) Wilhelm Lenz, Oeconom zu Bauernheim.
Bom Niederrhein, 2 März. Der Zug der Auswanderer, der in diesem Jahre ein nicht geringer ist, bewegt sich jetzt mehr nach Bremen. Die Schaudernachrichten, welche von den Erlebnissen auf Hamburger.Schiffen durch das Volk gedrungen sind und durch die Erwiderung Slomanns nicht gemildert werden, haben die Wanderlustigen von Hamburg abgeschreckt. Die Agenten für dortige Häuser werden ihre Arbeit haben, bevor sie die laufenden Berichte vergessen machen. Hoffen wir, daß die Regierung des norddeutschen Bundes sich der Auswanderer fürder annehmen und strenge Polizei üben werde, und daß nicht bloß die vereinigten Staaten Umsicht an den Tag legen. Je strenger die Regierung hier verfährt, je größer das Vertrauen zu unserer Rhederei wird, desto zahlreicher wird der Strom der Ueberschiffeuden, desto reicher wird mithin der Gewinn, den unsere Schifffahrt zieht.
Witten an der Ruhr, 1. März. Der hiesige Sparcassen-Rendant, ein sehr frommer und konservativer Mann, ist wegen Unterschlagung und Fälschung verhaftet worden. Als derselbe vor einigen Wochen von den städtischen Behörden auf Grund grober Unregelmäßigkeiten vorläufig suspendirt wurde, schrieen feine geistlichen u> d weltlichen Parteigenossen Zelermordio über des Unrecht, das die bösen Liberalen dem würdigen Manne zusügten und boten Alles auf, um feine Wiedereinsetzung zu bewirken. Zu ihrem Unglücke veranlaßte aber die königliche Regierung eine Untersuchung, welche noch viel schlirn- mere Dinge constalirte, als man ursprünglich ver- muthete und die sofortige Verhaftung des Rendan- ten zur Folge hatte. Sogar die von ihm verwaltete Kirchenkaffe hat Defekte. Es ist sonderbar, daß gerade fromme Leute so oft „Unglück" mit Caffenver- waltungen haben, oder wie es im Wupperthal in sochen Fällen heißt: „vom Teufel versucht" werden!
(V. V.)
Washington, 3. März. Friedrich Gerstäcker spricht sich in seinen Briesen an die „Köln. Ztg." über die Demoralisation in ten Vereinigten Staaten folgendermaßen aus: . . . „Die Demoralisation ist in den Vereinigten Staaten zu einem Grade gediehen, der kaum mehr übertroffen werden kann, und sie wird nur durch die Frechheit überboten, mit der man jede Art von Schurkereien und öffentliche Betrügereien betreibt. Die Ursache ist allbekannt und liegt in dem republikanischen Wechselsystem, das den Beamten und glücklichen Stellenjägern nur vier Jahre Frist ver- stattet, um reiche Leute zu werden — eine fast zu kurze Zeit, wenn man sie nicht unverschämt benutzen will. Aber weßhalb auch nicht? — es hat sich ja Keiner vor dem Andern zu schämen, und so greift man eben einfach zu. Die besser Gesinnten sehen das freilich ein, und schon oft ist der Vorschlag gemacht worden —- ja, Jefferson Davis hatte ihn im Süden selber in Aussicht gestellt — die gewählten Beamten für Lebenszeit einzufetzen und damit ihre Zukunft zu sichern. Dadurch würde der Boden nicht allein den Stellenjägern unter den Füßen weggezogen werden, nein, auch die Beamten selber würden sich, wie das in Monarchien der Fall ist, doch wohl zwei Mal besinnen, ob sic um des Gewinns einiger Tausend durch Bestechung ihre ganze Lebensstellung in Frage stellen wollten. Aber die Maßregel findet zu vielen Widerstand; denn der Reiz, in wenigen Jahren ein reicher Mann zu werden, ist ein zu großer, und es gibt außerdem in Amerika der Hülfsmittel zu viele, „sein Leben zu machen."
Schluß der Sitzung abzuwarten. Zu Demonstra- tionen kam es jedoch nicht.
Paris, 4. März. Gesetzgebender Körper. Picard drückt seine Verwunderung aus, daß ter Bericht über das Contingentsgesetz 800,000 Mann für nöthig erklärt, um die Sicherheit und die Autonomie Frankreichs aufrecht zu erhalten, und bittet sich Er- Körungen darüber aus. Rouher antwortet, daß keine Beunruhigung für den Frieden vorliege. Die diplo- malischen Beziehungen gäben die Sicherheit, daß der Frieden nicht gestört werden würde. Die noch vor einigen Monaten am politischen Horizont befindlichen Wolken seien vollkommen zerstreut.
gung eingetreten zu sein. Wenigstens sind die der Regierung nahestehenden Blätter angewiesen worden, das Problem von den revolutionären Banden in Bulgarien einstweilen unberührt zu lassen und übri- gens sich Rußland gegenüber eines friedlicheren Tones zu befleißigen. Auch die „France" steht sich die ganze Gefahr bereits als geschworen an. In einem Artikel über die auswärtige Lage legt sie dar, daß das so oft angekündigte Bündniß zwischen Rußland und Preußen noch keine Thatsache sei. WaS Preußen betreffe, so hätten die Wahlen für das Zollparlament gezeigt, daß die öffentliche Meinung in Dentsch- land weiteren Annexionen nicht geneigt fei. Italien erkenne, daß Frankreich, obwohl es gewissen Ansprüchen entgegentrete, doch feine einzige tüchtige Stütze sei, und die Beziehungen zwischen beiden Ländern hätten sich seit Mentana eher gebessert als abgeschwächt. Jedenfalls hätten sämmtliche Mächte sich nochmals geeinigt, die Keime jedes drohenden Con- flictes zu ersticken. — Die „France" erklärt ferner die Nachricht von einer nach Petersburg abgegange- neu französischen Note für durchaus unbegründet: es habe überhaupt zwischen den Unterzeichnern des'Pa- rifer Vertrags von 1856 kein weiterer Austausch diplomatischer Mittheilungen als der durch die gewöhnlichen Beziehungen bedingte stattgesunten.
Paris, 2. März. Der Zudrang zur heutigen Sitzung tes gesetzgebenden Körpers ist ungeheuer. Alle Zuschauer-Tribünen sind überfüllt. Der „Salle des Pas perdus" ist ebenfalls angefüllt, obgleich es verboten ist, sich dort aufzuhalten. Der Vicepräsirent Dumiral führt den^Vorsitz. Herr Havin verlangt das Wort über das Sitzungsprolokoll. Jerome David der Viceprästdent, welcher am 24. v. M. durch fein Auftreten den gewaltigen Sturm hcrvorrief, steigt von seinem Sitze herunter und nähert sich der Rednertribüne, auf welcher sich Havin befindet. Im Augenblicke, wo Havin das erste Wort sagt, entsteht ein furchtbarer Tumult. Ollivier: Sie haben den Angriff ruhig angehört, Sie müssen auch die Bertheidi- gung ruhig anhören. (Die äußerste Rechte macht nun einen solchen Lärm, daß man Havin nicht versteht. Der Ruf: Schluß der Debatte! wird wahrhaft ge- heult. Es ist eine höchst scandalöse Scene.) Jules Favre steht aufrecht auf seinem Sitze, mit zusammengeschlagenen Händen und wirft höchst verächtliche Blicke auf die Ruhestörer. Der Lärm wird immer furchtbarer; man konnte glauben, man befände sich in einem Volkstheater, wo die Gamins von Paris in einem Aufruhr sind. Es fehlten nur die faulen Aepfel und die Orangenschalen, die dort bei solchen Gelegenheiten auch eine Rolle spielen. Havin und der Präsident wechseln höchst lebhafte Worte; ersterer verläßt die Tribüne. Jules Simon verlangt das Wort im Namen Havin's. Präsident: Aber Herr Havin hat freiwillig die Tribüne verlassen. Havin besteigt von Neuem die Tribüne und bleibt auf derselben mitten im Lärm. Nach vielen fruchtlosen Ver- suchen gelingt es dem Präsidenten, sich verständlich zu machen, und er erklärt von Neuem, daß Herr Havin auf das Wort verzichtet habe, ersucht ihn in- dessen, es wieder zu ergreifen. Bei den ersten Wor- ten Havin's beginnt der Tumult von Neuem und noch furchtbarer, wie vorher. Die ganze Majorität erhebt sich, und verlangt mit wildem Geschrei den Schluß. Es kommt darüber zur Abstimmung, und der Schluß wird angenommen. Havin verlaßt die Rednertribüne. Jul. Simon ergreift das Wort, um über das Reglement zu sprechen; er erinnert an den Zwischenfall vom letzten Montag; er schließt daraus, daß nach demselben die Kammer hätte con- fultirt werten müssen. Herrn Jul. Simon antwortete Jerome David. Derselbe erklärte, daß er seine Pflicht mit der Zustimmung der Kammer erfüllt habe (tie Majorität antwortet mit formidablen „Ja's"), daß er tie Kammer nicht confultht habe, weil nichts mehr auf der Tagesordnung gestanden und er keinen bedauernswerthen Pracedenzfall habe hrrbeisühren wollen. Jules Simon ergreift nun nochmals das Wort, um darzuthun, daß der Präsident gegen das Reglement und ganz willkürlich vorgegangen sei. Wenn dies eine Kammer gestatte, so handle sie gegen ihre Würde. (Sturm.) Jerome David unterbricht den Redner, indem er ausruft, er habe nicht gegen seine Würde gehandelt. Jules Simon erklärt, daß er keine persönlichen Fragen in die Sache ein- führen und den Zwischenfall nicht noch leidenschaftlicher machen wolle. Wenn aber eine Kammer — fügte er hinzu — die Willkür gestatte, so handle sie gegen ihre Würde. Hier geht der Sturm von Neuem los. Die Majorität heult wieder. Von beiden Seiten fallen die schärfsten Worte; der Lärm ist aber so stark, taß man fast nichts versteht. Die Kammer trennte sich in großer Aufregung. Auf den Quais waren über 5000 Personen versammelt, um den
Granada. In dem schönen Granada hat der General auf die Hungernden, die in den Straßen 1 Todten der diese sonderbar kann man


