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Börsenoackrichten.

5. März 1868.

Preuss. 41/20/0 Obi. 955/8 Frankf. 37/36/0 Obi. 802/4 Nass. 41/2% Obi. 94 Kurh. 4o/o Obi. 893/4

Hess. 4O/o Obi. b. Roths. 907/8

3Vs% do. do. Bayer. 5% Obi. 1011/4

41/2O/O 1jährige 93Vs

» 41/36/0 i/jjährige 93/8 Würtemb. 4*/2% Obi. 94 Baden 41/36/0 Obi. c. E.L. 94 Oestr. 5% b. R. 65*/2

50/0 National 55

50/0 Metall. Obi.

M. steuerf. 501/4

Amer. 60/g 1882r Bds. 751/4 60/q 1885r 741/3

Aetien.

Frankf. Bank 126 t/ö

Oester. Bank 718

Creditact. 1911/3 Darmst. Bankact. 221 'm

PrioFltftteii.

56/o östr. F. St. E. B. 261 Ludwigsh.-Bexbach 156-' 4 Maxbahn 107

Bayer. Ostbahn 1203/4 Hess. Ludwigsbahn 131 t/g 3o/o östr. Stsb.-Prior. 533/8 3% östr. s. Lombard. 431/4 3% Livorneser 28*/8 Toscaner 413/g

Frankf. Hypoth.-Bank Frankf. Vereins-Kasse 5% Elisabeth-Prior. 761/4 do. II. Emiss. 733/4

Wechsel.

Amsterd. k. S. 1005/# Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 977/8 Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 881/3 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1195/e Lyon k. 8. Paris k. 8. 953/0 Wien k. 8. IO2V4 Disconto 3% G.

(xeldsorten.

Anlehensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 54 Nassau fl. 25 b. Roth. 353/0 Gr. Hess. fl. 50 b. R. Gr. Hess. fl. 25 b. R. 381/3 4O/o bayr. Präm. Anl. 977/8 4% badische Loose 933/3 Badische fl. 35 Loose 50*/8 1858r Prioritätsloose 133 1860r Loose 713/8 1864r 811/4

Pr. Gass. Sch. 1 Div. Cass.-A.

Pr. Friedrdor. 9

Pistolen . . 9

doppelte 9 Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankens!. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2

447/8-45i/8

57I/3-58V, 49-51 50-52 54-56 37-39 31-32 54-58 50-52

271/3-281/3

Denselben. Dem Ortsbürger in Mel­bach und Weißbinder dahier, Philipp Otto, «ine Tochter, Auguste Elise, geboren den 16. Februar.

Denselben. Dem Bürger und Schnei­dermeister, Wilhelm Kreiling, eine Tochter, Anna Louise Henriette Elisabeth, sgeboren den 9- Decembcr-

Denselben. Dem Bürger und Heilge- hülfen, Christian Frutig, eine Tochter, Ka- roline Auguste Sophie Luise Dora Wilhel­mine, geboren den 22. Januar.

Denselben. Dem Bürger und Küfer, Karl Klemmrath, ein Sohn, Karl Friedrich, geboren den 30. Januar.

D ens elben. Dem Bürger und Schrei­ner, Georg Tränkner II., ein Sohn, Wil­helm Heinrich, geboren den 26. Januar.

Denselben. Dem Ortsbürger in Hau­sen und Arbeiter dahier, Konrad Atzbach, eine Tochter, Elise Philippine Marie, gebo­ren den 3. Februar.

Denselben. Dem Ortsbürger zu Men­dorf an der Lumda und Fuhrmann dahier, Jost Vogel, ein Sohn, Friedrich Hermann, geboren den 3. Februar.

Den 3. März. Dem Bürger und Apo-

Di e Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.

theker, Dr. Karl Wilhelm Hempel, ein Sohn, Adolf Ferdinand, geboren den 28. Januar.

Denselben. Dem Bürger und Schuh­macher, Georg Schneider, ein Sohn, Julius Heinrich Karl Konrad, geboren den 6. Ja­nuar.

Den 5. März. Dem Bürger und Gast- mirth, Justus Göbel, eine Tochter, Anna Luise Marie, geboren den 1. Februar.

Beerdigte

Den 25. Februar. Johann Philipp Seuling, Kaufmann dahier, des verstorbe­nen Bürgers und Fuhrmanns, Johannes Seuling, ehelicher Sohn, alt 26 I. 10 M 21 T., gestorben den 17. Februar.

Den 3. März. Heinrich Mohr aus Wallersdorf, alt 26 I., gestorben den 2 März.

D en 4. März. Marie Margarethe Gra- velius, geborne Kannengießer, des Bürgers und Heilgehülfen, Jakob Karl Wilhelm Hein­rich Gravelius, Ehefrau, alt 60 I. 9 M 12 T-, gestorben den 2. März.

F e n i 1

Vetter und B a se.

Eine Familiengeschichte.

(Fortsetzung)

Am Mittag langte der Holländer Vetter mit dem Schnellzuge an und fand sich sogleich auf der Fabrik ein. Das Wiedersehen der beiden Liebenden war ein ungemein beglückendes für beide Theile. Der Briefwechsel hatte zu einem rückhaltslosen Austausch der innersten Gedanken und Gefühle zwischen beiden geführt und Liebe und Achtung geweckt; und hiezu kam noch Henriettens dank­barste Verehrung für den Retter ihres Vaters. Der äußere Widerschein ihrer Gefühle war für den Retter wahrhaft beseligend, und doch trübte ihm eine ge­wisse vage Furcht vor der Enthüllung des Mißverständnisses nahezu die Freude des Wiedersehens. Allein eie einfache Toilette und die ganze anspruchslose Er- scheinung Henriettens, vor allem aber der heilige, stille Enthusiasmus der Liebe, welcher ihre Züge vergeistigte und verklärte, ließ den Vetter hoffen, daß Hen- ricttens Neigung nicht seinem vorgeblichen Reichthum, sondern seiner Person und seinem Charakter gälten.

Der Commerzienrath empfing den zurückgekehrten Neffen mit der herzlichsten, dankbarsten Zärtlichkeit, drückte ihm unter Thränen die Hand und stammelte: Robert, guter edler Mensch! ich werde Dir nie vergessen, was Du an mir ge- than hast! Ich kann Dir's nicht lohnen, aber eine Andere soll Dir die Schuld des Vaters abtragen!" fügte er hinzu und führte Henrietten in seine Arme.

O stille, stille, bester Oheim I" bat der vermeintliche Holländer-Neffe; nur beute nichts von Geschäften! Morgen, morgen wollen wir darüber reden, und dann erst, wenn Sie mehr erfahren haben werden und wenn die Tante hier ist, sei von dem Glück und der Zukunft Ihrer Kinder die Rede!"--

Aber wie soll dieß noch enden, Vetter!" fragte der echte Rudolph den Buchhalter in der ersten Viertelstunde ihres Beisammenseins, als er nach Tische dem Buchhalter auf dessen Zimmerchen gefolgt war.Welch eine Lösung wirst Du diesem Qui pro quo noch geben?"

Hoffentlich die befriedigendste für uns alle," erwiederte der Buchhalter lächelnd.Mich dünkt und mir schwant, die Lösung wird nicht mehr lange aus- bleiben, denn ich fürchte von der Heimkehr der Tante eine Explosion."

Aber was soll alsdann aus mir werden, lieber Vetter ?"

Der Gatte Henriettens und der Direktor der Fabrik, zugleich aber der Bevollmächtigte des echten Robert Balder, wie solches schon in den Verträgen vorgesehen ist," versetzte der Buchhalter fröhlich.

Werden aber Tante und Onkel mir die Täuschung vergeben?

Kleinmüthiger, Du bist ja außer aller Schuld!" rief der Buchhalter. Die ganze Geschichte ging nur von mir aus, und ich übernehme alle und jede Verantwortlichkeit. Ich habe ein leichtes Spiel, denn der Onkel ist in meiner Hund, und die zürnende Tante magst Du Henrietten überlassen, welche in Dich so sehr verschossen ist, daß sie alle Hindernisse beseitigen wird. Die Hauptsache ist nur, daß Du sie ebenso innig liebst, als sie Dich, denn im Grunde ist sie doch von besserem Zeug, als ich anfangs gedacht habe. Sie hat viel Charak­terstärke und klaren Verstand unter den jüngsten Prüfungen bewiesen und ihre hochmüthigen Ideen glücklich überwunden. Liebst Du sie denn wirklich um ihrer selbst willen?"

Wie magst Du fragen, Robert?" rief der Vetter mit leuchtenden Augen. Lies erst ihre Briefe, dann wirst Du begreifen, daß sie mehr ist als die stolze herzlose Zierpuppe, für welche Du sie hieltest! Kenntest Du sie so genau wie ich, Du würdest mich beneiden und mein Nebenbuhler werden!"

Der Buchhalter schüttelte den Kopf und lächelte fein.Mag sein," sagte er,aber ein Bißchen Skeptieismus darf Dich nicht beleidigen. Es soll mir schon eine große Beendigung und Genugihuung in dem Bewußtsein liegen, daß ich euer beider Lebensglück gegründet habe. Meinen Neigungen und Ansprüchen würde Henriette vielleicht nicht ganz genügt haben. Ich liebe die Menschen nicht, Die nur im ungetrübten Sonnenschein des Glücks und Wohllebens ausgewachsen sind. Sieh' über nur zu, daß Du die Tante für Dich gewinnst! Kommt sie hjehxr und findet sich so entthront und ausquartiert ohne ihr eigenes Zuthun, so wird sie toben und in ihrer blinden Erbitterung vielleicht auch gegen Dich ungerecht sein! Mich kann sie eigentlich nicht mehr hassen, als sie schon thut, aber ich spotte ihres Grolls. Nur für Dich bangt mir einigermaßen!"

Aber gesteh', lieber Vetter, daß Du es mit der Tante auch beinahe zu weit getrieben hast!" sagte der Verlobte Henriettens.Du hättest ihr doch wenigstens die Demütigung ersparen können, daß sie die Villa räumen und auf das Bißchen Flitter verzichten mußte."

Mein lieber Freund, ich bin kein Freund von halben Maßregeln," erwie­derte der Buchhalter mit einigem Ungestüm.Sollte der Oheim gerettet wer-

l e t o n.

den, so mußte er mit der Vergangenheit brechen, die Zügel des Hausregiments wieder in die eigene Hand nehmen und dem eitlen, hohlen Prunk, der Ostenta- Hon, der Verschwendung und Verblendung Einhalt thun. Ich kannte die Tante, dieses vom Glück verwöhnte, schwache, eigenwillige Weib. Ich wußte und war überzeugt, daß an diesem bethönen, herzlosen Wesen Vernunftgründe und Bitten abprallen würden daß nur Gewaltmaßregeln helfen konnten, welche gleichzei­tig auch den schwachen, gutmütigen Oheim in Pflicht nahmen. Auch stand ja im Grund noch mehr auf dem Spiel, als nur der materielle Wohlstand und die bürgerliche Ehre der Familie: das Lebensglück der beiden Töchter, deren eine sie in ihrem unsinnigen Ehrgeiz beinahe schon in'S Verderben gestoßen hatte, sowie zeitliches und ewiges Wohl der jüngeren Kinder. Nein, lieber Vetter! hier durfte ich nicht mit Glacehandschuhen zugreifen hier galt es eine kecke rasche Eisenfaust ohne falsches Mitleid. Kennst Du den alten Spruch: Aut disce aut discede; manet sors tertia, caedi?*) Daran dachte ich und dar­nach habe ich gehandelt! Tante Albertine muß sich fügen ober untergehen! Was ist das Leben eines thörichten Weibes gegen das Glück einer Familie, gegen das Wohl von Generationen ?"

Du hast vielleicht Recht, Robert, denn ich sehe Logik und Plan in Deinem Verfahren, aber ich werde daraus nicht eben um vieles klüger. Ich stehe in einer sehr unangenehmen Situation Allen gegenüber, besonders Henrietten. Mein ganzes Wesen sträubt sich längst gegen die Täuschung, worin ich namentlich mein angebetetes Mädchen über meine Person lassen soll, und mein Freimuth erträgt es nicht länger, diesen Betrug auch im mündlichen Verkehr fortzusetzen. Sprich, soll ich nicht wenigstens Henrietten mich offen anvertrauen und ihr Alles gestehen?"

Meinethalben!" benütze den ersten besten Anlaß!" erwiederte der Buch­halter ;indessen rechne ich mehr auf die 'Wirkung einer plötzlichen Enthüllung, als auf allmähliche vorbereitende Geständnisse, die meinen ganzen Plan durch­kreuzen könnten!"

Dann muß ich wohl schweigen."

Wenigstens bis zur Rückkehr der Tante, Vetter!" bat der Buchhalter; trübe Henrietten nicht die ersten Stunden des Wiedersehens und des Genusses einer längst ersehnten Vertraulichkeit mit diesem Geständnisse; und vor Allem geh' jetzt zu Deinem Mädchen, und laß mich meinen Geschäften nachgehen."

Die Ankunft des Holländer Vetters hatte Henrietten veranlaßt, die Droschke mit den beiden Braunen der Fabrik nach Erlau zu schicken, um die Mama und Ida abzuholen. Der Abend war schon eingebrochen und der Familienkreis im Wohnzimmer versammelt, als die Droschke anfuhr und die rückkehrenden Damen brachte.

He, Kutscher! was ist das? warum fahren wir hier an auf der Fabrik?" rief die Commerzienräthin demselben zu, als er vor dem Herrenhause hielt und den Schlag öffnen wollte.

Halten zu Gnaden, Frau Commerzienrath, aber die Herrschaft ist ja hier- hergezogcn! das Landhaus auf dem Morgcnbühl ist seit gestern leer!" versetzte der Kutscher, und mußte diese Versicherung nicht nut wiederholen, sondern noch weiter ausführen, bevor ihm die Dame vom Hause glaubte. Aber ihr Erstau­nen wuchs noch und sic hatte sich von demselben noch nicht erholt, al« Henriette und ihr Verlobter herbeieilten, um die Mutter und Schwester zu bewillkommnen.

Blaß und bebend trat Frau Balder in das Wohnzimmer und sank in einen Stuhl, ehe sie sich noch ihres Pelzmantels und ihres Shawls entledigt hatte. Ihre wuthfunkelnden Augen liefen von einem der Anwesenden zum andern, von ihrem Gatten auf Paulinen, von dieser auf den Buchhalter. Der Moment der Explosion war da jedermann fühlte dies. Ida zitterte heftig und blieb scheu an der Thüre stehen. In ihrer Seele kämpften Schamgefühl und Angst, Freude und Staunen, und ihre Blicke hingen mit fieberischem Bangen an den Zügen der Mutter. Alles schwieg.

Schändlich!" rief endlich die Commerzienräthin und stieß unwillig die Hand ihres Galten zurück;warum bin ich nicht gestorben, ehe cs so weit mit uns. gekommen ist? Ist es recht und billig, daß man mich so behandelt? DaS hat'kein anderer gethan als dieser Dort," sie Deutete auf Den Buchhalter,der Mephistopheles unsres Hauses!"

Sehr verbunden, Frau Tante, für diesen Titel, aber vollständig erraten! Ich habe den Umzug bewerkstelligt," sagte dieser gelassen.Die Villa ist ander­weitig venuiethet."

Und dicß konntest Du zugeben, Gottfried, und Du, Robert?" rief sie ihrem Gatten und künftigen Schwiegersöhne. Der Commerzienrath zuckte die Achseln und wollte eine Entschuldigung stammeln, aber der ^Buchhalter kam ihm zuvor.

(Fortsetzung folgt.)

*) Seine ober weiche; es gibt nur eine dritte Wahl: untergehen.

(Hierzu eine Beilage.)