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Politische Rundschau

Berlin, 3. Oct. Die in Paris wöchentlich erscheinende,Finanze" erklärt:Wir wissen aus bester JDuJ e, vaß ein diplomatischer Vertrag zwi­schen ___eich und Holland soeben abgeschlossen

werden die Existenz dieser Convention und

die Unterhandlungen selbst, die ihr vorhergingen, in Zweifel gezogen worden sind, so halten wir es für nützlich, das Factum festzustellen, dessen Wichtigkeit Niemanden entgehen wird, und dessen Authenticität wir zu garantiren wagen, indem wir uns auf for­melle und präcise Mittheilungen stutzen, welche aus einer besonderen und ausgezeichnet gut unterrichteten Quelle stammen.

Kassel, 1. Oct. Vom Ministerium des In- nern zu Berlin ist nunmehr angeordnet worden, daß in den Städten Hanau, Marburg und Fulda die Ortspolizei an die Gemeinden übergeht; wahrschein­lich vom 1. Januar 1869 an.

Frankfurt a. M., 29. Sept. Mit dem 1. October werden, nach einer Verordnung des Ober- präsidcnten v. Möller in Kassel vom 1. September, die höhern Untcrrichtsanstalten der Oberleitung der königl. Regierungen in Kassel und Wiesbaden ent­zogen und der Oberaufsicht eines königl. Provinzial- fchulcollegiumS in Kassel unterstellt werden. Diese Verordnung ist von dem Oberregierungsrath v. Pritt­witz unter dem 5. September auch in dem hiesigen AmtSblatte veröffentlich worden. Unter den in der Verordnung angeführten Schulen sind auch die hie­sigen höhern Unterrichtsanstalten namentlich bezeich­net worden, so daß es keinem Zweifel unterliegen kann, daß der seitherigen maßgebenden Behörde in Frankfurt die Oberaufsicht Über die hiesigen Schulen entzogen werden soll. Wir vernehmen nun aus gu­ter Quelle, daß den vereinigten lutherisch-evangcli- scheu Consistorien diese Verordnung als ein Eingriff in ihre Rechte erschienen ist und sie deßhalb höhern Orts Protest dagegen eingelegt haben. Der Protest gründet sich hauptsächlich auf die Thatsache, daß einer noch immer zu Recht bestehenden und vom Staat anerkannten Behörde keine ihrer Befugnisse entzogen werden könne. Welchen Erfolg dieser Pro­test haben wird, muß selbstverständlich abgewartet werden.

Wien, 2. Oct. Die heutigePresse" erfährt, daß Stanley in Paris die vorläufige Aufrechthaltung des Status quo bei der diplomatischen Vertretung in Madrid vorschlug und Frankreich sich einverstan­den erklärte.

Prag, 2. Oct. DemTagesboten" wird von angeblich zuverlässiger Seite mitgetheilt, daß der Kurfürst von Hessen beabsichtige, in der Schweiz, und zwar in der Nähe von Genf, eine Villa anzukaufen. Die Uebersiedlung solle schon im nächsten Frühjahr stattfinden.

Paris, 1. Oct. Gestern um 6 Uhr Abends ist die Königin mit ihrer Familie in Pau einge­troffen. Herr Mon, ihr letzter Gesandter am fran­zösischen Hose, hatte dort das Nöthige für ihren Empfang vorbereitet. Die Gräfin von Girgenti, deren Gemahl bei dem Gefecht von Alcolea verwun­det sein soll (sein Regiment ging im entscheidenden Moment zu Serrano über), wird sich ebenfalls von hier nach Pau begeben, wo auch die Königin Marie Christine von Gijon (in Asturien), wo der Aufstand sie überraschte, erwartet wirb. Die Marschälle Concha und Pezuela und viele andere Anhänger der Köni­gin, darunter auch der Herzog und die Herzogin von Sesto (verwittwete Herzogin von Morny), sind auf dem Wege nach Frankreich. DiePresse" meldet:Der General Prim hat gestern auf tele­graphischem Wege seiner Gemahlin, dem Prinzen Napoleon und anderen Pariser Persönlichkeiten, mit welchen er Beziehungen unterhält, den Triumph des Aufstandes und den Sturz der Königin Isabella und ihrer Dynastie angezeigt. Die iberische Union oder die föderative Republik sind die Grundlagen des Prim'schen Programms.

Paris, 1. Oct. DerConstitutionnel sagt: Angesichts der letzten Ereignisse in Spanien haben die zur Wahrung nationaler Verträge ergriffenen Vorsichtsmaßregeln keinen Zweck mehr. Den Flücht­lingen ist also vollständige Freiheit in ihren Bewe­gungen gelassen. Die französische Regierung hat nur die einzige Verpflichtung, die Ordnung an der Gränze aufrecht zu erhalten. Mehrere Fahrzeuge .sinv an verschiedene Punkte der Küste abgegangen, um im Nothfall unseren Landsleuten beizustehen. Dieß ist jedoch wohlverstanden nur eine Maß. regel zur Wahrung von Privatinteressen und schließt keinen Gedanken an Einmischung in die spanischen Angelegenheiten in sich, denen Frankreich vollstän- dig fremd zu bleiben gedenkt." DiePresse"

sagt, die iberische Union oder die Föderativrepublik seien Vie Grundlagen des Programms von Prim. Der König von Portugal habe für sich und feinen Bruder das Anerbieten Prim's abgelehnt.

Paris, 3. Oct. DieFrance" wiederholt das Gerücht, daß Preußen die spanische Bewegung mit Geldmitteln unterstützt habe, und sucht die Behaup- tung deutscher Journale, daß die spanische Revolu­tion eine Quelle von Verlegenheiten für Frankreich sei, als irrthümlich darzulegen, indem sie sagt: Es ist für uns auf der Seite der Pyrenäen so wenig eine Verwicklung möglich, als auf der Seite der Alpen." DerConstitutionnel" dementirt das Gerücht, wonach der Kaiser nach seiner Rück- kehr nach Paris einen Scnatsconfult in Vorschlag bringen werde, kraft dessen der kaiserliche Prinz direct Theilhaber der Regierungsgewalt sein würde. Das Leichenbegängniß des Grafen Walewski hat heute stattgefunden. Marquis von Moustier hielt am Grabe eine Rede. DerEtendard" meldet: Das neue spanische Ministerium wurde gebildet aus Marschall Serrano als Präsidenten, Castilla für den Handel, Topete für Marine, Aguirre für Justiz, Prim für Krieg, Olozaga für Auswärtiges, Madoz für Finanzen.

Madrid, 1. Oct. Novaliches ist heute Mor­gen in Folge der bei Cordova erhaltenen Wunden gestorben. General Calonge, welcher nach Frank­reich flüchten wollte, wurde verhaftet und der Revo­lutions-Junta in Burgos übergeben. In Madrid herrscht vollständige Ruhe. Das ganze Land hat sich jetzt für die Revolution erklärt. Prim und Serrano sind noch nicht angekommen. Don Se­bastian crtheilte der Königin den Rath, einen Bür­gerkrieg zu beginnen, aber die baskischen Provinzen verweigerten Mannschaften und Geld und erkannten die Revolution an. Die Börse verkehrte, in stei­gender Tendenz.

Madrid, 2. Oct. Heute sandte die Königin einen heftigen Protest von Pau aus. General Eheste hat sich nach dem Ausland eingeschifft. Es fand ein großes Bürgerfest mit Revue statt. Die Garnison und Vie Nationalmiliz vefilirten vor der Junta. Nach dem Defile hielt Marschall Ser­rano unter großem Enthusiasmus seinen Einzug.

Alexandrien, 1. Oct. Auf den Vicekönig von Egypten fanv in Cairo beim Besuch einer en­gen Straße ein Attentat statt. Es wurde von Oben eine Stahlkugel herabgeworfen, welche den Wagen anstatt den Kopf des Vicekönigs traf, so daß Letz­terer unversehrt blieb. Der Verbrecher wurde noch nicht entdeckt.

Vermischtes.

Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 2. Oct.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Ge­meinderathsmitglieder Ricker, Keller, Felsing, Petri, Aleidig, Löber, Nagel, Rosenberg und Bücking.

Auf Vorlage des Schreibens des Ingenieurs Lippolt vom 28. Sept, und der kreisamtlichen Verfügung vom 1. Oct. d. I. spricht sich der Gemeinderath dahin aus, daß die Be­schlußfassung in dieser Angelegenheit bis nach Abhaltung der von Großh. Krcisamt auf den 6. Oct. bestimmte» Verhand­lung auszusetzen sei.

Nachdem der Ausschußbericht in Betreff der Errichtung einer Vorschule an der Realschule verlesen war, beschließt der Gemeinderath, zwei Katheder für die Vorklaffe anzuschaffen, und auf die Mittheilung der Direktion der Realschule vom 30. Sept, im Sinne der früheren Vorschläge des Gemeiuderaths in Beziehung auf dessen Mitwirkung bei Besetzung der Lehrer­stellen die geeignete Erwiederung folgen zu lassen.

Dem Bittsteller, Lehrer Jung, soll daS fragliche Gelände (zwischen seinem neuerbauten Haus und der Wieseck) überlassen werden, wenn er einen Bauplan vorlegt, der die Genehmigung dcS Gemeinderaths erhält, und wenn er sich verpflichtet, das Gelände binnen 1 Jahr bei Vermeidung des Rückfalls an die Stadt zu verbauen.

In Betreff der Begießung der Straßen auf dem Selters­berg soll auf die betreffende Eingabe erwiedert werden, daß die beschlossene Maßregel auch auf die Straße von dem Anatomie- gebäude bis zum Thor des Bahnhofs angewendet worden sei.

Auf das Gesuch des Wegewärters Zinßer um Gehaltszu­lage beschließt der Gemeinderath, demselben für das Jahr 1868 eine Remuneration von 50 fl. zu bewilligen, eine Gehaltserhö­hung aber abzulehnen.

In Betreff des Nachtwachedienstes beschließt der Gemeinde­rath, seiner Erklärung vom 17. Sept. d. I. folgende Fassung zu geben: In Betracht der von Großh. Polizeiverwaltung dahier erhobenen Schwierigkeiten finde sich der Gemeinderath nicht veranlaßt, die Beseitigung der Nachtwache und der Er­setzung durch drei Polizeidiener jetzt noch zu beantragen.

Der Gemeinderath erklärt sich mit der Ansicht der Großh. Polizeiverwaltung in Betreff des Baugesuchs des Caspar Schomber einverstanden.

Der Gemeinderath beschließt, dem Christian Schäfer von Hausen die berechnete Fläche 206 Quadratklaftcr der Sandgrube am Schiffenberger Wege für 270 fl. auö der Hand zu verpachten.

Der Gemeinderath gibt zur Ausführung des Voranschlags für Wässerungsanlagen hinter den Eichen vom 19. Sept, seine Zustimmung, und bestimmt, daß diese Ausgabe im Betrage von 634 fl. 2 kr. ins 1869er Budget ausgenommen nnd vor­lagsweise bestritten werde.

Der Gemeinderath beschließt, den Kostenüberschlag für Ver­besserung der Ausgerinnschleuße im Betrage von 198 fl. 293/4 kr. ausführen zu lassen, die Berechnung ebenfalls ins künftige Budget unter vorlagSweiser Bezahlung aufnehmen zu lassen.

Das Bauprojekt des Karl Kreiling wurde nicht beanstan­det. Das Gelände, welches er dafür von dem städtischen ($u genthum bedarf, soll ihm gegen 2 fl. 30 kr. Vergütung für die Quadratklafter und Zahlung der entstehenden Kosten über­lassen werden.

Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persön­licher Art.

Hannover, Viele Hannoveraner haben gesammelt und ihrem früheren Kronprinzen Ernst August in Hietzing einen Chrensäbel zu seinem Geburtstag übersandt. Es ist ein Ca- valleriesäbel, dessen Klinge am Heft die Devisen des hannvver'- schen Wappensnunquam retrorsum (niemals zurück) und dien et mon droit (Gott und mein Recht) trägt, während der Spitze des Degens der NameLangensalza" eingravirt ist. Die Widmung weist auf Psalm 125, 3 hin:Denn der Gottlosen Scepter wird nicht bleiben über dem Häuflein der Gerechten. Der Prinz hat den Säbel mit der ausgesprochenen Hoffnung angenommen, auch er hoffe auf die Erfüllung des Psalmisten.

Hameln, 28. Sept. Es muß auch solche Käutze geben! Wie derDeister- und W.-Ztg." mitgetheilt wird, hot die Ortschaft W. in unserer Nähe beim letzten Manöver keine Einquartierung gehabt. Die Gemeinde, welche sich da­durch ^zurückgesetzt gefühlt, hat sich beschwerend an den König gewandt.

Aus Kurheffen, 22. Sept. Gutem Vernehmen nach hat Se. Maj. König Wilhelm geruht, eine erhebliche Zahl von Eremplaren der zum Andenken der Enthüllung des Luther- Denkmals von dem Großherzogl. Hessischen Hof-Medailleur Prof. Schnitzspahn zu Darmstadt aus Britannia-Metall ge­prägten Erinnerungs-Medaille ankaufen und dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- nnd Medicinal-Angelegenheiten über­weisen zu lassen, behufs Verwendung derselben als Schulprä­mien in den höhern Bildungsanstalten des Vaterlandes. Wie man hört, ist aus gedachtem Ministerium unter dem 12. d. M. auch an die zuständige Behörde in Kassel ein bezügliches Re- script ergangen, begleitet von einer Anzahl jener ausgezeichnet schönen Denkmünzen, welche bereits den Direktoren unserer hö­heren Schulen zum Zweck geeigneter Verwendung zugesertigt sein sollen.

Gotha, 30. Sept. Die deutsche Nordpolerpedition ist glücklich nach Bergen zurückgekehrt. Sie war am 15. Sept, bis 81 Grad 5 Minuten vorgedrungen. Obgleich die dießjäh­rige Witterung sehr ungünstig, so sind die Resultate doch werth- voll für die Wissenschaft. Die Erpedition geht von Bergen nach Bremerhaven. Das Schiff ist brauchbar für eine weitere Erpedition.

Aus Herrieden, 28. Sept., schreibt man derFr. Ztg.": Während uns immer neue, vom atlantischen Meer her zie­hende Lnftthäler gemischte Witterung bringen, so daß der Ba­rometer vorgestern, mit Ausnahme vem südlichen Italien und der Türkei, in ganz Europa unter dem Mittel blieb, herrscht in Nordamerika im Gegentheil sehr hoher Luftdruck, indessen verhältnißmäßig auch große Wärme. Die Temperaturunter­schiede Europas bleiben ungeachtet des tiefen Barometerstandes fortwährend groß; die Gewitter ziehen sich mehr nach Süden zurück; die Nordlichter in Schweden und die Erdbeben in JaSzbercny (in Ungarn) dauern noch fort.

München. Der junge König von Baiern leidet hie.und da an Schlaflosigkeit. Da fällt ihm in einer Nacht, wo er auf seinem Schlosse am Starnberger See nicht schlafen kann, ein, daß es doch recht langweilig sei. so auf die dunkle Zim­merdecke zu blicken. Am andern Morgen läßt er sich den Ma­schinisten des Hoftheaters aus München kommen und sagt ihm: Hören Sie, lieber X., Sie verstehen e« so wundervoll, auf unserm Theater den Mond am Himmel nachzubilden; ich möchte auch einen solchen Mond an der Decke meines Schlafzimmers haben."Gewiß, Majestät; ich werde einen eben so schö­nen Mond an die Decke von Ew. Majestät Schlafzimmer machen, aber es muß eine Veränderung mit der Decke vvrge- nvmmen werden." Und welche?"Die Decke muß drei- oder viermal höher sein als jetzt, Majestät, sonst ist die Täu­schung nicht zu bewerkstelligen."Das ist ja zu machen; lassen Sie die Decke durchbrechen." Uni nud wird der Raum des Schlafzimmers nach oben hin um die Höhe von zwei Stock erweitert und der Maschinist zaubert einen eben so prächtigen Mond an die Decke des königlichen Schlafzimmers, wie in den Mondscheinlandschaften am Himmel des Hofthcaters. Aber einige Wochen später gefiel dem Könige der Mond in seinem Schlafzimmer nicht mehr. Wiederum befahl der Telegraph den Maschinisten nach Berg.Hören Sie, lieber X. sagte der König,Ihr Mond scheint um Mitternacht sehr schön, aber gegen Morgen hin gefällt er mir nicht mehr, er wechselt dann Die Farbe und wird roth." Der Maschinist erklärt dem Könige, daß dieser Farbenwechsel daran liege, daß der Mond im Schlafzimmer Er. Majestät nicht durch Gaslicht wie der Theatermond, sondern durch Oellampenlicht erleuchtet werde. Nichts leichter als das zu ändern", sagte der König, und dem Monde zu Gefallen wird auf Schloß Berg Holzgas einge­richtet, und von nun an leuchtet der Mond an der Decke des königlichen Schlafzimmers von Mitternacht bis zum Morgen in demselben silbernen Glanze, wie der Mond an dem Theater- Himmel.

London. Die neuesten Nachrichten aus Südafrika bestä­tigen die früheren Angaben über die Reichhaltigkeit der von Karl Mauch entdeckten Goldfelder, zeigen aber auch, daß die­selben doch von der Cap-Colonie aus nicht ganz so leicht zu erreichen sind, wie anfänglich Mancher gedacht haben mag.^ So zeigt derNatal Mercury" eine Erpedition nach den Victoriagoldgruben für Ende September an; Passage und Be­köstigung während derselben kosten für jeden Passagier 30 L., und dafür darf er nur 100 Pfund Gepäck,eine Flinte und 5 Pfund Pulver ausgenommen", mitnehmen. Die Expedition ist auf 100 Mann berechnet, und sobald 50 beisammen stn d, will der Unternehmer ihr einen Arzt beigeben. Diese Expedi­tion würde die erste vonNatal" nach den Goldfeldern sein.

Amerika. In Louisiana wurde ein schwarzer Senator ausgestoßen, weil er während der Vertagung auf einem Misfi- sippiboot als Barbier gedient hatte, und in Alabama zwei Deputirte, die in Hotels von Montgomery als Kellner auf­warteten.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr- Pietsch) in Gießen.