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Gedichte

18.

(Hochzetts - Sprüche und Wünsche eine liebe Braut.)

Mai da drauscn, Mai hier innen, Maienwonne allerwärts!

Ei, du willst mir ja fast springen, Du beglücktes kleines Herz!

Sieh' nur nicht so traurig aus, Gutes, liebes Mäuschen, Baüst dir jetzt dein eigen Haus, Oder doch ein Häuschen!

Vier reinliche Wände, 'S braucht feinen Palast, Und am Bettchen am Ende Für 'nen herzlieben Gast l

Du bist der schöne Edelstein, Er aber ist der Ring;

Drum klemm' dich in die Fassung ein, Bist sonst ein verloren Ding.

Der Altar ist nur Ein kaltharter Stein, Die Lieb' aber führt Zum Himmel dich ein.

Du bist die Blum' im Garten, Der Gärtner, das ist er, Drum soll er deiner warten Mit recht beglückter Ehr';

Denn so ein edles Blümelein Will auch recht fein gewartet sein, Wenn's süßen Dufts und Blüthen voll Des Gärtners Herz erfreuen soll.

A.

Kein Schlößlein ist so stark,

Das sich nimmer ergibt, Und kein Weiblein so hart, Daß es einmal nicht liebt;

Dieweil jedes hatnen Wächter, Die schlafen 'mal ein, Der Thurmwart auf dem Thurm, und Des Weibs Herzelein.

Wenn ein Kummer drückt dein Herz, Darfst mir ihn nicht hehlen, Denn noch Raum für manch' nen Schmerz Ist in meiner Seelen.

Fand ein Bub ein Blümchen zart, Sprach:®u bist nach meiner Art, Ganz nach mei'm Behagen; Willst Du mit mir Heime geh'n?" Blümchen ließ das all gescheh'n, Ließ sich heimwärts tragen.

Bub und Bräutchen sitzen hier, Nun so gratuliren wir.

Ei, Ei!

So, So!

Ei, Ei!

Thränen an dem Hochzeitstag, Laß sie dir nicht nehmen, Wer sie nicht verstehen mag, Kann sich selber schämen.

Wenn sie heute necken dich, I Laß es dir gefallen!

Wenn sie morgen wecken dich, | Tauschst du nicht mit Allen.

von H.

an

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung.)

Seinem Gefährten Äug' in Auge gegenübersitzend, lenkte der Hauptmann das Boot in die Mitte des Flusses; eine Brise wehte aus Nordwesten und hinderte sehr das Forttreiben des Kahnes mit dem Strome.

Ihr schienet mich heute Abend zu erwarten? nahm der Muscadin das Wort. Ich hatte Euch doch nicht von meinem Kommen benachrichtigt.

Mein alter Freunv Chateauneuf, antwortete der Offizier in scherzendem Tone, Ihr habt sicherlich oft jene unbestimmte Unruhe empfunden, welche uns fast immer von der Ankunft eines Feindes in Kemttniß setzt.

Allerdings, Hauptmann. Aber wie könnt Ihr bei meiner Ankunft un­ruhig sein? Bizr ich Euer Feine?

Seid Ihr nicht meine Qual? erwiederte Reymond. Das läuft auf dasselbe hinaus.

Die Worte des Hauptmanns konnten.einen doppelten Sinn haben; sie waren zweideutig, obschon Reymond heute Abend, wie immer, sehr offenher­zig war.

Aber gab sich wohl Herr Chateauneuf seit einigen Tagen über die Ein­drücke seines Herzens Rechenschaft? Ueberließ sich Herr Chateauneuf nicht wider seinen Willen einer Reihe von Illusionen, von rosigen Luftschlössern, welche man niemals ernstlich aus der Seele verbannt?

Gestehen wir's, Coraly hoffte mehr, als sie sich selbst Wohl bekannte, und den wahren Sinn der Worte des Offiziers mißverstehend, dachte sie, wenn sie jetzt seineQual" sei, bald etwas mehr zu werden.

Eure Qual, Hauptmann? fragte sie. Wie meint Ihr das?

Nun, mein Gott, erwiederte Reymond, kann ich mit kaltem Blute eine der schönsten und hochgestelltesten Frauen von der Weit sich jeder Gefahr aus­setzen sehen, um einen armen Proscribirten, wie mich, zu retten? Fürwahr, mein Fräulein hier auf offenem Strome darf ich S>ie mit Ihrem wirklichen Namen anreden Ihre Aufopferung, die ich bewundere, macht mich zittern.

Pah! antwortete Coraly, was kann ich denn verlieren? Die Gunst von Barras? Perikles ist nicht immer amüsant!

Nein, aber sehr mächtig.

Glaubt Ihr, daß ich so viel Werth auf Luxus oder Geld lege? . . . Pfui, Bürger!

Aber Ihr legt viel Werth auf Eure Unabhängigkeit, Eure Ruhe, Bürgerin.

Der Tausend! lachte Coraly. Meint Ihr, das Direktonum wurde sich den Spaß machen, mich zu verfolgen?

Es läßt Euch nachspüren, es überwacht Euch; Ihr interessirt Euch für einen seiner Gegner.

Sollte cs mich fructidorisiren wollen?

Nun, es ist eifersüchtig und argwöhnisch, versetzte Reymond.

Meinethalben, antwortete Coraly, offenen Krieg! In der That, dieser bewaffnete Friede ihm gegenüber fängt an, mich zu langweilen. Ich habe den Direktor Sieyös mittelst einer Jngwerbohne vom Sattel fliegen lassen; ich fände auch wohl ein Mittel, Barras vom Präsidentenstuhle zu werfen, auf dem er so übermüthig thront. Laßt uns einmal nachdenken! Wünscht Ihr es, Hauptmann?

Mein Fräulein, Sie sind charmant, erwiederte der Offizier. Allein ich nehme ein solches Opfer nicht an. Bleiben Sie bei dem Direktonum! Alles, was ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen kann, ist der umfassendste «schütz im Fall seines Sturzes, da Sie mir so großmüthig die Hand gereicht haben.

Einige Augenblicke tiefsten Schweigens folgten diesen Worten.

Das klare Mondlicht erhellte die beiden Ufer der Loire und spiegelte sich mit schimmerndem Glanz in den Wellen des Stromes. Die Landschaft war herrlich und von einem melancholischen Zauber, welcher den Blick wie die Seele entzückte.

Coraly bewunderte diese großartige und erhabene Natur, an welche sie seit lange nicht mehr gewöhnt war. Die feenhaftesten Abendgesellschaften von Paris erschienen ihr in diesem Augenblick düster und matt. .tiowk

Der Nachen befand sich, nachdem er an einer dichten Pappel^.am inken Ufer vorbeigefahren war, einer langen Wiese gegenüber, a vi.u? E.vde ich ein schräges Schieferdach erhob; zwei Thürme ragten mit ihren vergoldeten Spitzen in die blaue Luft; einige Fenster schienen erhellt.

Ohne Zweifel ein Schloß? fragte Coraly. Die Gleichmacher haben noch nicht alle an den Ufern der Loire zerstört. Wie heißt dies, Hauptmann?

Reymond antwortete nicht; er schien angelegentlich damit beschäftigt, das Tauwerk der Segel zu entwirren.

Coraly betrachtete indeß noch immer das schräge Dach, welches wie eine Glaskuppel im Mondlicht glänzte. Sie wiederholte ihre Frage.

Hauptmann kennt Ihr den Namen dieses reizenden Schlosses? Es ist ein verwegener Aristokrat, der mitten in der Republik so im Mondlicht zu glänzen wagt. Sein Name, Hauptmann?

Was, antwortete der Offizier, immer noch an den Knoten seines Tau­werks nestelnd; wo seht Ihr denn solch einen Zauberpalast, Bürgerin?

Wollt Ihr in Abrede stellen, daß dort zu unserer Linken eine große Avclsbesitzung liegt, deren Pracht uns beleidigt? Seht doch hin, Hauptmann, und zerschneidet Euren Knoten, wenn Ihr ihn nicht zu entwirren vermögt.

Reymond hätte gern den guten Rath befolgt und den gordischen Knoten seiner Situation zerhauen; aber er besaß weder ein Schwert Alexanders noch hinlängliche Gewandtheit.

Indeß nahm er all seine Geistesgegenwart zusammen und antwortete so kaltblütig wie möglich, indem er sich immer noch bei dem Segel zu thun machte:

Ich glaube, mein Fräulein, daß dies Gebäude zu der Besitzung de Rencey gehört.

Bei diesem Namen vermochte Coraly nicht, einen Schrei zu unterdrücken.

Der Hauptmann näherte sich ihr und fragte, ob sie sich gestoßen habe.

Ich ? entgegnete sie. Durchaus nicht, mein Herr. Ich schrie nur auf, weil ein herabfallender Stern mich überraschte. Ja, ein schöner Stern fiel eben vom Himmel, seufzte sie, nach oben deutend.

Der Hauptmann verstand recht gut dies allegorische Wort. Er verwünschte im Herzen seine Fahrlässigkeit, die ihn hierher hatte fahren lassen, statt nach der andern Seite der Insel oder zum entgegengesetzten Ufer zu steuern. Er wollte das Bost herumwcnden, um der Landschaft mit dem unglückseligen Schicferdache des Schlosses de Rencey den Rücken zu kehren.

Aber Coraly, welche den Zweck dieses Manövers durchschaute, fragte ihn:

Was machen Sie da, Hauptmann? Was soll das bedeuten? Aendern Sie nicht die Richtung; es ist hier so schön und wir haben die ganze Nacht vor uns. Eine herrliche Gegend, Herr Hauptmann! Und wie ich diese langge­streckten Wiesen, diese Wälder zur Rechten und Linken und dies prachtvolle Schloß als Hintergrund res Gemäldes schön finde! Ihr wißt also bestimmt, daß cs Vas Schloß de Rencey ist?

Mein Fräulein, antwortete der Hauptmann, welcher am Steuer saß, es scheint Ihnen viel daran gelegen zu sein . . .

O, sehr viel, mein Herr, antwortete sie mit affektirtem Tone. Ich mag gern meine Reisekarte genau kennen; ich fürchte immer sehr, mich zu ver- irren. Diese große Besitzung ist also die ehemalige Herrschaft des Marquis de Rencey?

Ja wohl, Fräulein, lautete Reymonds trockene Antwort.

Der EwMarquis hat eine einzige Tochter, die, wie man.sagt, bezaubernd liebenswürdig unv schön ist?

Man sagt es, Fräulein, antwortete ungeduldig der Offizier.

Und der Hauptmann Reymond theilt das Urtheil der ganzen Welt? fragte Coraly auf's Reue.

Warum nicht, mein Fräulein?

Gewiß, versetzte Coraly, man heult mit den Wölfen und girrt mit den Tauben.

Mein Fräulein, sagte der Hauptmann mit ernstem Tone, wollen Sie mich verhöhnen? Spotten Sie meiner? Sie haben freilich ein Recht dazu; Sie haben mir so viele Dienste erzeigt, daß ich Ihnen wohl etwas von meinem Glück opfern mag.

Das heißt, Sie beschuldigen mich einer Nichtswürdigkeit, mein Herr, entgegnete sie. Wissen Sie denn, ich bin stolz darauf, daß Sie mir verpflichtet sind. Ich habe Ihnen Dienste erzeigt leben Sie in Frieden! Ich werde nie daran denken, Sie meine einfältige Ueberlegenheit fühlen zu lassen.

Es lag Bitterkeit in diesen Worten. Reymond begriff, daß er leidenschaft­licher geliebt werde, als er bisher hatte glauben können. Die Eifersucht Co- raly's blitzte wider deren Willen hervor; der Name ve Rencey hatte schmerzliche Erinnerungen in ihr geweckt.

Indem Coraly zu der Entdeckung gelangte, daß der Hauptmann wegen der Nachbarschaft dieses Schlosses eine Loire-Insel zu seinem Verstecke gewählt hatte, gevachte sie ver schrecklichen Worte von Barras :Er liebt ein vornehmes Mädchen, unv Du bist für lhn ein Werkzeug und Zeitvertreib." Und den Namen dieses vornehmen Mävchens hatte Coraly zufällig heute Morgen im Hotel zum Fasanen gehört, wo Jemand bei Tische gesagt hatte:Der Bürger de Rencey, der alte verrückte Marquis, hat eine retzenve Tochter, welche die Geliebte eines bonapartistischen Offiziers ist.

Alles war Plötzlich wie durch einen Blitzschlag klar.

Ja, Coraly liebte den Hauptmann. Diese Liebe war bei einem Abendessen bei Barras plötzlich über sie gekommen, während sie es übernommen hatte, den Offizier in eine Falle.zu locken und ihn, falls er ver Couspiration schuldig fei, Ver Gewalt des Direktoriums und des Criminalgerichts zu überliefern. Ach, sie war selbst in die Falle gerathen, das arme Kino! Sie hatte sich varin ge­fangen, unv für ewig!

Auch hatte sie sich seitdem die Rolle, welche ihr vonPerikles" dem Direktor zugedacht war, verabscheuend, zwei Dinge zugeschworen: Barras so oft und schnell, wie möglich, zu mystisiziren, unv die Liebe ves Hauptmanns zu gewinnen, dessen Herz sie wenigstens erobern wollte, wenn sie nicht hoffen durfte, seine Hand zu erobern unv seinen Namen zu führen. (Forts, folgt.)