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Politische Rundschau

Berlin, 2. August. Sämmtlichc Ortschaften bis zu 1500 Seelen sollen allmählich mit Te» legraphen Stationen versehen werken. Durch Ven Zutritt junger Leute aus norddeutschen nicht­preußischen Gebieten ist die Zahl ter Kadettenzög­linge auf 1800 Köpfe gestiegen. Der Handels­minister begibt sich mit einigen Beamten nach dem Westerwalde, um Maßregeln zur gründlichen Ab­stellung des dortigen Nothstandes anzuordnen. Wenn möglich, wird bis zur nächsten Reichstag«- fitzung auf Grund der stattgchabten Sachverstänkigen- Lernehmung Seitens des Bundesraths ein das ganze Gebiet des Hypothcnwefens umfassender Gesetzentwurf ausgearbeitet werten. Aus den russischen Grenz- drzirken hat Vie Regierung weitere Mitthcilungen erhalten, aus denen hervorgeht, daß Milzbrand und Rinderpest starke Verheerungen anrichten. Die Berliner Bäckergesellen wollen die Arbeit einstellen, weil die Meister das Verlangen, vie Nachtarbeit ab- zuschaffen, nicht eingehen wollen. Das Polizeipräsi- oium hat sich mit dem Militärcommando in Beneh­men gesetzt, damit im Falle der Arbeitseinstellung der Bäckergesellen die im Militär befindlichen Bäcker au«- tzülfsweise verwendet werden. Nach den letzten Be­richten ist unter den Bäckergesellen bereits Uneinig- feit ausgcbrochen und daher wahrscheinlich, daß der Linke keinen allgemeinen Charakter annimmt.

Kassel, 1. August. In der ersten Hälfte des August wird rahier eine beträchtliche Anzahl frei- sinniger Rabbinen Deutschlands sich versammeln, um über neuerdings nothwendig geworrene durchgreifen- oere Germanisirung des jüdischen CultuS und ander­weitige Fortschritte im Geiste der Zeit zu berathen. Seit länger als zwanzig Jahren hat eine solche Rabbinenversammlung nicht stattgefundcn. Einen ge­setzgeberischen oder hierarchischen Charakter besitzt die- selbe, den vollständigen autonomen Gemeinden gegen­über nicht. Um so anerkennenswcrther aber ist es, hier gerade die Geistlichen energisch die Fahne des Fortschrittes aufpflanzcn und die Zeitbewegung in­nerhalb ihres Amtsgebietes fördern zu sehen.

Gotha, 1. August. Die Gesammtsumme, um welche es sich bei der gegen den Rechtsanwalt Streik in Coburg erhobenen Anklage handelt, betragt nach derW. Z." etwa 20,000 st. Die Aburtheilung des ohne Zweifel mehrere Tage in Anspruh neh­menden Falles wird nicht vor einem Schwurgerichte in Coburg erfolgen, da bei den Vorurtheilen, Vic Vase bst sowohl für als gegen den Angeklagten eri- stiren, die Wahl eines andern Ortes geboten erscheint. Voraussichtlich wird überhaupt die Sache erst die zu rem Zeitpunkte spruchreif sein, wo Vie neue Ju- stizgemeinschafr bereits in Kraft getreten ist.

Wien, 1. Aug. Da«Fremdenblatt" meldet: Aus die Anfrage des Präsidiums des deutschen Schützenfestes, ob Leipzig bereit sei, das vierte deut­sche Bundesschießen zu übernehmen, antwortete der Leipziger Stavtrath telegraphisch ablehnend.

Wien, 3. Aug. Gleichzeitig mit dem Ban- kett in der Schützens:sthalle fand gestern in den welt­berühmten RäumenZum Sperl" eine Volksver­sammlung statt, in welcher über die deutsche Frage im Allgemeinen und über vie Zusammenwirkung Oester­reich« mit Snrdeutschlanv im Besonderen verhandelt werden sollte. Die hier anwesenden Wortführer der süddeutschen Volkspartei hatten, wie es scheint, in Folge der günstigen Aufnahme, welche ihre Reven und Trinksprüche in der Schützenfesthalle fanden, sich der Erwartung hingegeben, daß das Project eines parlamentarisch.militärischen Süvbunve« in den hie­sigen liberalen Kreisen allgemeinen Anklang finden werde. Die gestrigeVolksversammlung" hat ge­zeigt, daß diese Voraussetzung eine irrige war. Zwar wurden die Resolutionen, welche die Zerreißung Deutschland« unv die Wiedervereinigung der ge­trennten Bestandtheile auf vem Wege der Annexion verdammten, von der Majorität gutgeheißen, aber der dritte Theil des Programms, eine. Erklärung vcsVolks von Wien" zu Gunsten Ves süddeutschen Bundes war nicht durchzusetzen.

Prag, 31. Juli. Die Polizei entfernte heute gedruckte Placate, in denen es hieß: Eine fremde Nation, Vie Russen, flechten die Geißel für die Be­drücker des czechischen Volkes; bald werde der unter ras Sclavenjoch gebeugte Nacken sich in Freiheit er­heben. Darum auf zur Rache für die Schlacht am Weißen Berge und zur Erringung besserer Tage. Unsere Losung sei : Tov den NationSverräthern! Die Placat-Uaterschrift lautete: Taboriten.

Ischl, 3. August. Fürst Gagarin, Avelsmar- schaa von Moskau, und dessen Sohn sind durch Uu- vorstchtigkeit heute im Mühlbach ertrunken.

Paris. Rochefort'«, des Herausgebers derLan-

ternc", Popularität, steigt immer mehr. Er ist jetzt so bekannt, daß man ihn unter dem Volke nicht mehr Rochefort" nennt, sondern mitLui bezeichnet und die Arbeiter, die Commissionäre, selbst die Concierges reden sich des Samstags mit Ven Worten an:Hast tu Ihn gelesen?" und wenn einer die 40 Centimes, was ein ungeheurer Preis ist, nicht erschwingen kann, so leiht er sich das rothe Buch bei vem anderen und jede einzelneLanterne" geht im Durchschnitt wohl durch 3040 Hände, was bei einer Auflage von 120,000 Exemplaren ungefähr 4 Millionen Leser macht, so daß fast das ganze Frankreich, welches lesen gelernt, Rochefort's Prosa verschlingt. Unter diesen Umständen ist denn auch dieLanterne" so zu sagen eine innere Frage geworden unv macht den Ministern mehr Kopfbrcchens, als die ganze übrige Presse zusammengenvmmen.

Turin, 29. Juli. Das arme Italien scheint noch lange nicht am Ende seiner Chronique scanda- leuse zu sein. Der Diebstahl der Documcnte der Parlaments-Untersuchungs-Commission über die Wirx- sale der Südbahnen ist ein neuer Beleg dafür, wie weit die Schamlosigkeit der Consorten und ihrer Freunde geht, und mit welch eiserner Stirne sie dem Gesammturtheil der öffentlichen Meinung trotzen. Be­kanntlich enthielten diese Acten schwere Beschuldigun­gen gegen den ehemaligen Finanzministcr Bastogi als Director der Südbahmn und gegen den jüngst zu Pari« verstorbenen Deputirten Susani, welcher von Bastogi für die Summe von 1,100,000 Fr. bestochen worden war, um die Concessiou der genannten Bah­nen in die Hände Bastogi's zu bringen.

Rom, 24. Juli. Nach den neuesten statistischen Aufnahmen beläuft sich die Bevölkerung der ewigen Stabt auf 217,378 Seelen, mithin 30,000 mehr als im Jahr 1858. Die Gesammtbevölkeruug des noch zum Kirchenstaat gehörigen Gebiets beträgt nicht über 720,000 Seelen. Zu den 217,378 Seelen Cer ewigen Stadt gehören 29 Cardinäle, 28 Pa- triarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 1372 Prälaten und Priester, 799 Seminaristen, 2947 Mönche und 2191 Nonnen. Außerdem 2394 Juden unv 2208 Jüdinnen und 4?8 Häretiker und Schismatiker, welche die russische, preußische, englische und amerikanische Kapelle besuchen. Nach der von den 54 Pfarrgeist­lichen aufgenoinlnencn Statistik genießen 14,057 Kin­der männlichen und 11,860 weiblichen Geschlechts den Schulunterricht in seinen verschiedenartigen Ab­stufungen.

Vermischtes.

Giessen. lieber die europäische Ernte lauten die Berichte in der Mehrzahl sehr gut. Als gewiß erscheint es, daß Frankreich wenigstens seinen Bedarf ernten wird; von mancher Seite wird behauptet, daß dasselbe viel zur Ausfuhr erübrigen werde. Der Ertrag ist reichlicher im Westen und Norden als im Süden des Landes. In England erwartet man auf gutem Boden mehr als eine Durchschnittsernte, wäh­rend in den sandigen und hochgelegenen Gegenden nur ein dürftiger Ertrag in Aussicht steht. Ungarn soll durchschnittlich wenigstens ebensoviel, wenn nicht mehr, als voriges Jahr ern­ten. Bedenkt man, daß dort vom Monat August v. I. bis Ende Mai d. I. 7Va Mill, baierische Scheffel Getreide (die großen Mehlquantitäten gar nicht gerechnet) ausgeführt waren, und die Borräthe trotz der seither fortgesetzten Ausfuhr noch immer bedeutend sind, so wird man sich, wenn es auch hie und da Lücken geben sollte, auf einen hohen Preisstand nach der Ernte keine Rechnung machen können. Oberösterreich, Salz­burg, Steiermark, Kram, Mähren, Schlesien, Böhmen, Dal­matien werden sehr gute Ernten haben; in Galizien, in der Bukowina wird dieselbe nur mittelmäßig sein. In Rußland find die Preise in Folge der guten Erntcaussichten bedeutend gefallen, obwohl andere Berichte sagen, daß im Süden die Dürre viel Schaden ungerichtet habe. In Algerien fieht man, nach den neuesten B erichten, einer guten Ernte entgegen, so daß man noch zu erpvrtiren haben wird. Auch aus Italien lauten die Nachrichten erfreulich. Getreide, Wein, Oel, Reis, Seide, Alles verspricht einen guten Ertrag. Aus Spanien wird dagegen sehr geklagt, auch aus Schweden in Folge von Regen­mangel. Am verschiedensten und oft widersprechend laute» die Berichte aus Nord- und Süddeutschland. Das unglückliche Ostpreußen hat theilweise eine Mißernte, im Uebrigen scheinen aber die Winterfrüchte so ziemlich überall mehr oder weni­ger gut gerathen zu fein. Auch die'Kartoffeln stehen überall vielversprechend. Reps ist in de» meisten Ländern gut gerathen.

Giesse». Ein Berliner Blatt erinnert bei Mittheilung der Nachricht von dem Tode Vilmar's an dessen bekannte Be­hauptung, daß ihm der Teufel persönlich einen Besuch abge- stattet habe und fügt hinzu, daß es nur recht und billig sei, daß jener ihm nun auch einen Gegenbesuch mache.

- Darmstadt, 30. Juli. Das heute erschienene Regie­rungsblatt Nr. 41 enthält:

I. Gesetz, die Versorgung der als Invaliden entlassenen Unteroffizieren und Soldaten betreffend.

II. Gesetz, 1) die PenflonSerhöhung für die im Kriege invalid gewordenen, sowie für die überhaupt durch den activen Militärdienst verstümmelten oder erblindeten Offiziere der Linie und Landwehr und die oberen, beziehungsweise im Offiziersrang stehenden Militärbeamten: 2) die Unterstützung der Witt- wen und Kinder der im Kriege gebliebenen Militärpersonen aller Rangklaffen betreffend.

III. Oeffenlliche Anerkennung einer edlen That. Am 2. April d. I., des Morgens um 9 Uhr, fiel die sechs­

zehnjährige Magdalena Brückner von Klein-Steinheim j» p,r Nähe dieses Ortes in den Main und war bereits dem Ertrin­ken nahe, als der Floßherr Georg Joseph Bauer von Kronach im Königreich Baiern, in das Wasser sprang, um fie vor dem Ertrinken zu retten. Allein die Stelle war so tief, daß er nicht nahe genug bcikvmmen konnte, ohne sich selbst der Ge­fahr des Ertrinkens auSzusctzen. An einem Vorbau im Main begaben sich nun die drei Floßknechte Mathias Bauer, Eonrad Bauer und Lorenz Langold aus Kronach in das Wasser, bilde, ten mit den Händen eine Kette, und so war es dem am äußer, sten Ende befindlichen Conrad Bauer, welcher den Haken hand­habte, aber dabei selbst dem Ertrinken nahe war, möglich, das Mädchen an das Land zu bringen, woselbst sie allmählig da« Bewußsein wieder erlangte.

Seine Königliche Hoheit der Großherzvg haben dem Can- rad Bauer aus Kronach für diese mulhvolle, mit eigener Le­bensgefahr verbundene That das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: , Für Rettung von Menschenleben" und den Schiffsknechten Mathias Bauer und Lorenz Langold für die hierbei geleistete thätige Beihülfe eine Geldprämie Allergnädigst zu verleihen geruht.

IV. Ermächtigung zur Annahme fremder Or, den. Seine Königliche Hoheit der Großherzvg haben aller­gnädigst geruht: am 17. Juli dem Gymnasiallehrer in Pension Dr. Eich zu Worms die Erlanbniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Könige von Preußen verliehenen Königlichen Kroiien-Ordens dritter Klaffe und von Seiner Majestät dem Könige von Würtemberg verliehenen Ritterkreuzes des Friedrichs-Orden« zu ertheilen.

V. NamenSveränderung. Seine Königliche Hoheit der Grvßherzog haben allergnädigst geruht: am 15. Juli dem Paul Grobe ans Odernheim zu gestatten, statt seines bisheri­gen Familiennamens Grode in Zukunft den Familiennamen Schnorrenberger zu führen.

VI. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: 1) am 23. Juni dem Schulamts-Aspiranten Rötgcr aus Astheim die erste katho­lische Schulstelle zu Gau-Bickelheim zu übertragen; 2) am 1, Juli den Lehrer an der Realschule zu Gießen Dr. Stein zum Direetor an der genannten Anstalt zu ernennen; 3) an dem­selben Tage dem Schullehrer an der evangelischen Schule zu Dudenrod, Gundermann, die evangelische Schulstelle zu Ober-Schmitten dem Schulamts-Aspiranten Winkler ans Hvrchheim die katholische Schuistelle zu Ober-Flörsheim dem Schulamts - Aspiranten Grim ans Hesselbach die katho­lische Schulstelle zu Dorndiel dem Schulamts - Aspiranten Hechler aus Asbach die zweite evangelische Schulstelle zu Nieder-Florstadt und 4j am 10. Juli dem Schulamts- Aspiranten Bernhard aus Alzev die katholische Schulstelle zu Frei-Weinheim zu übertragen; 5) an demselben Tage den vormaligen Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Worms, Georg Emrich, zum Aetnar bei dem Friedenögerichte Worms und den Polizei-Commiffär zweiter Klaffe bei der Polizei- Verwaltung der Kreisstadt Worms, Anton Franz Rehr, zum Actuar bei dem Friedensgerichte Alzey zu ernennen; 6) am 15. Juli dem Schulamts.Aspiranten Kurz aus Dieburg die zweite katholische Schulstelle zn Ober-Wöllstadt zu übertragen; 7) an demselben Tage den Veterinär«;! Du. Leonhard aus Bön­stadt zum Kreisveterinärarzt des KreiSvetcrinäramtes Gießen zu ernennen; 8) am 18. Juli dem Schulamts-Aspiranten Kl äs­se rt aus Darmstadt die zweite katholische Schulstelle zu Ep­pertshausen zu übertragen; 9) an demsetben Tage den Lber- RechnungS-Probatvr erster Klaffe, Neuling, znm Ober.Rech- nungS-Revisor bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Ober-Rechnungs-Kammer und den Ober-Rechnungs-Probator zweiter Klaffe, Gölz, zum Ober-RechnungS-Probator erster Klaffe bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Ober- RechnunqS-Kammer zu ernennen.

VII. Charakterertheilungen. Seine Königliche Ho­heit der Großhcrzog haben allergnädigst geruht: am 25. April dem Kaufmann Huber zu Darmstadt den Charakter al« Hof­lieferant zu verleihen.

VIII. Cvnenrrenz für: die erste katholische Schulstelle zn Rockenberg mit einem Gehalte von 544 st. 30 kr. und einer Vergütung von 30 st. 40 kr. für Heizung des SchullocalS; dem Pfarrer und dem Gemeinderath zu Rockenberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.

IX. Gestorben find: am 25. April der penfiouirte Schul­lehrer Litt zu Zell; am 2. Juli der Militärpeufionär Mo yat zu Mainz.

Wien, 30. Juli. Seit Mitternacht bis heute Mittag hat es ohne Unterbrechung stark geregnet, so daß der Festplatz und die Wege dahin übel zugerichtet wurden. Auf dem Schieß- staude trat heute eine längere Pause ein, dagegen fand eine Bera- thung des Gesammt-Ausschuffes des deutschen Schützenbundes statt. Unter Anderem wurde über die Wahl des nächsten Vorortes bera­then. Der Stadtrath von Leipzig theilte gestern telegraphisch mit, daß die gesummte Bürgerschaft die höchste Freude empfin­den werde, wenn die Wahl auf Leipzig falle. Das Fest-omite wird in den heutigen Blättern wieder sehr scharf mitgenommen wegen der heillosen Wirtbschaft in der Festhalle. Gestern schossen die Schweizer allein 26 Becher heraus; aber auch deutsche Schützen, namentlich Tyroler, Baiern, Würtemberger und Badener trugen Beste davon. Als König des Schützen­festes wurde gestern Abend Michael Feßler aus Bregenz (Vorarlberg) proklamier; er schoß mit 3 Schüssen 60 Punkte auf der Feld-Jndustriescheibe. Ihm wird also der erste Preis, das auf 1500 Dollar geschätzte Steinway'sche Clavier, die Festgabe der Newyvrker Schützengesellschaft, zuerkannt werden. Auf dem Schnellfeuerstande machte Brechbühl au« Thun in der Schweiz in drei Minuten mit 30 Schüssen 26 Treffer. Nachmittags um 5y2 Uhr fuhr der Kaiser in Begleitung des Hofmarschalls Hohenlohe in den Festplatz ein, wo er vom Statthalter, Bürgermeister Zelinka, und dem Festcomite em­pfangen wurde. Das zahlreich versammelte Publicum brach in stürmisches Hochrufen aus. Der Kaiser ließ fich vom Prä­sidenten des Eentralcomitv's, Dr. Kopp, die Herren Schröder, Fabricins und Sterzing vorstellen, besichtigte alsdann den Ga­bentempel, die Festhalle, die Schießstände und die Küche, wo er überall mit begeisterten Hochrufen der Volksmenge begrüßt wurde. Der Kaiser that in der Schießhalle drei Schüsse und trank in der Festhalle unter jubelnden Zurufen der Anwesenden auf das Wohl der Schützen. Nach anderthalbstündigem Ver­weilen verließ der Kaiser den Festplatz.

Redaetion, Druck und Verlag der Brühl'scheu Dnickerci (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.