Feuilleton.
Die Verschwörer non 1799.
Roman von de Saint-Felix.
(Fortsetzung)
Diesmal streckte Helene de Rencey ihre Hand dem republikanischen Haupt- mann entgegen, welcher auf diese schöne und edle Hand einen ehrerbietigen, aber sehr herzlichen Kuß drückte.
Eine Biertelstunde nachher .fianb unser Offizier wieder bei seinem guten Kameraden, der sich unter dem Baum, an welchen er gebunden war, wie eine Antilope auf's Gras gestreckt hatte, und im Galopp schlugen Beide den Rückweg nach der Stadt Tours ein.
Wahrend des aufregungsvollen Drama's, das soeben auf dem Schlosse gespielt worden war, hatte Sultan nach vielem ungeduldigen Wiehern, Scharren und Stampfen sich, wie gesagt, unter der schattigen Eiche zum Schlummer ausgestreckt und Glieder dehnend, seinen Kamm an der Baumrinde scheuernd, vielleicht von der Wüste träumend, sich über die Maßen gelangweilt.
9.
Die eiserne Kiste.
Bierunvzwanzig Stunden nach der Scene, welche auf dem Schlosse von Rencey stattgrfunden hatte, langte der Hauptmann Reymond in Paris an. Es war schon finstere Nacht, als er über die elysäischen Felder ritt, um sich nach seiner Wohnung in der Straße des Faubourg St. Honorö zu begeben.
Bernhard erkannte den Schritt des Pferdes; er eilte an das Thor, welches er hastig öffnete und vorsichtig wieder schloß, sobald der Hauptmann im Hofe war.
— Nun, Bernard, was giebt es Neues ? fragte der Offizier, sein Pserd in den Stall führend.
— Das sollen Sie gleich erfahren, Hauptmann, antwortete der Pförtner mit geheimnißvoller Stimme.
—- Teufel! sagte Reymond, das heißt also es lauert eine Schlange unter den Blumen.
— Es heißt, daß mein Hauptmann ein beglückter Krieger ist.
— Wieso? fragte Reymond, indem er Sultan zum letzten Male streichelte.
— Kommen Sie zum Essen, mein Oberst, versetzte Bernard.
— Unmöglich! antwortete der Offizier.
— Kommen Sie, Herr General, kommen Sie! rief Bernard.
— Es ist wirklich schade, daß man das Feldmarschallsamt abgeschafft hat, lachte der Offizier und trat in das Zimmer, wo Marguerite ihn, den Tisch deckend, erwartete.
Bernard beeilte sich, zwei Briefe herbeizuholen, welche gestern für den Haupt- mann angelangt waren.
— Da! sagte er. Hier ist zuerst eine Depesche für Sie, welche durch eine berittene Ordonnanz überbracht wurde.
— Gut versetzte der Offizier, es ist eine Generalstabs-Ordre für morgen. Die Herren wollen durchaus alle Tage mein Gesicht sehen, es kostet ihnen schreck- lich viel Mühe, sich an meine Physiognomie zu gewöhnen. Sage mir, Bernard, sehe ich Wie ein Verschwörer, wie ein royalistischer Lump aus?
— Nein, nein, Hauptmann, erwiederte Bernard; aber Sie sehen wie ein ehrlicher Mann aus, und eben veßhalb — —
— Ah, Du magst recht haben; das erregt ihnen Furcht. Du bist ja recht garstig boshaft.
— Hier, mein Hauptmann, ist noch etwas, das Sie weder boshaft, noch garstig finden werken. Dies Billet-doux wurde von einer schönen Dame eigenhändig überbracht. Ihr Wagen hielt vor unserer Thür. Sie ließ mich rufen und sagte mir, den Kopf ein wenig aus dem Schlage vorbeugend: „Dies Billet ist für den Hauptmann Reymond." Ja, aber sie flötete diese Worte mit einem so sanften Tone und reichte mit das Briefchen mit einer so weißen Hand, daß ich mit offenem Munde ganz verzückt stehen blieb. Der Wagen war schon Weit entfernt, als ich noch immer reglos mit dem Billet auf derselben Stelle staut, dessen Duft mich wie ein köstlicher Wein berauschte.
— Du bist wirklich zu empfindsamer Natur, Bernard, lachte der Hauptmann. Frau Marguerite, nehmt Euch in Acht, Euer Herr Gemahl ist der Versuchung gefährlich ausgesetzt!
— Während dieses Geplauders hatte Reymond das Briefchen entfaltet. Es enthielt die Worte:
„Sie sind ein schlechter Mensch, ein Türke, ein Mameluck, ein Beduine, ein erbarmungsloser Feind. Sie haben mich verlassen! . . . Und doch hatte ich Ihnen so viel Aufopferung bewiesen, indem ich Sie aus den Fallstricken befreite, welche man Ihnen im Luxembourg gelegt hatte.
Ich müßte sie eigentlich Ihrem Geschick überlassen — aber ich bin großmüthig.
Man überwacht Sie; man wird Ihren wirklichen Namen in Erfahrung bringen; man weiß mit Bestimmtheit, daß Sie confpiriren, und man wirb ®te auf frischer That der Verschwörung ertappen.
Die Polizei stellt sich die Aufgabe, Sie des Verbrechens zu überführen.
Geben Sie Acht auf sich! Barras ist wüthend; der Abb«; Sieyäs fürchtet Sie und wünscht Sie zu sprechen; Fouchö heg» Verdacht gegen Sie und läßt Ihre Schritte durch seine Agenten bewachen; Talleyrand schweigt, aber er hört den Leuten zu, welche von Ihnen wen, schließt die Augen, scheint zu schlummern und denkt nach.
Wenn Sie eompromittirt werden können, verlassen Sie Paris. — Ich biete Ihnen in meiner Eremitage zu Montmorency ein Asyl an.
Leben Sie wohl, Undankbarer, Türke und Mameluck!
Gor al p."
— Sie ist eine gute Seele, sprach Reymond und ließ das Billet an der Lampe ausflackern.
— So, weiter nichts? murmelte der ehrliche Bernard. Ich habe sie für eine große Dame gehalten.
— Sie ist eine sehr große Dame, mein Freund, die sogar einen Hof- ß»at hält.
— Ah, mischte sich Marguerite in'« Gespräch, indem sie eine grüne Erbsen
suppe auffüllte, eine Theaterkönigin? Seit der Revolution haben wir nur solche Prinzessinnen. Aber, Herr Graf, es werben auch wieder andere kommen.
— Marguerite, liebe Freundin, unterbrach sie ter Hauptmann, mäßige Deine Worte! Ich bin Republikaner.
— Sic? Wohl eben so sehr, wie ich, Herr Graf?
— Marguerite, Deine Grundsätze sind verderblich und Deine Ansichten verdammungswerth; aber Deine Erbsensuppe ist vortrefflich.
Der Offizier aß mit großem Appetit. Als ihm der Kaffee gebracht worden war und er sich mit Bernard allein befand, wurde er ernsthafter und lenkte das Gespräch ällmälig auf seine Familien-Angelegenheiten. Der ehrliche Pförtner ertheilte ihm als ehemaliger Haushofmeister jegliche Auskunft, zu welcher ihn sein Gedächtniß und seine Notizen in Stand setzten.
— Also, fragte Reymond, blieb uns beim Tode meine« armen Vaters kein Eigcnthurn mehr, außer diesem Hause und dem Landgute Vandore in Burgund?
— Wie Sie richtig bemerken, Herr Graf. Vandore war vor der Revolution reichlich seine sechshunderttausend Francs werth. Heutzutage brächte es keine dreihunderttausend ein. Dies Haus, welches damals auf hunderttausend Thaler geschätzt wurde, ließe sich heute nicht für mehr als hundertunbzwanzig dis hundertunddreißigtausenb Francs verkaufen.
■— Und das ist Alles, was uns übrig bleib», nicht wahr, Bernard?
— Leider, ja! Der Herr, Ihr Vater, verkaufte zwei herrliche Landgüter in Berry, einen Monat nachdem Sie in bas Ausland gereist waren. Hätte er sich nicht damit beeilt, so würden diese Landgüter jetzt scquestrirt und gleich dem Uebrigen zu Nationalgüt-rn erklärt worden fein.
— Und der Preis dieser beiden Güter, mein lieber Bernard? fragte der Hauptmann höchst sorgenvoll, ohne jedoch seine Aufregung zu verrathen.
— Der Herr Graf erhielt dafür bedeukendc Summen — erwiederte Bernard.
— Ich sehe, mein Freund, Du bist ebenso verschwiegen Wie treu. Soll ich Dir jetzt meinerseits Nachricht über jene Kapitalien geben ?
Der Pförtner betrachtete feinen Herrn mit einem Ausdruck von lieber- raschuug und unvcrholener Freude.
— Mein treuerer Herr, sagte er, das versiegelte Päckchen ist also in Deutschland in Ihre Hände gelangt . . . Gott sei gelobt! Wir hatten es einem würdigen Diener anoertraut, welcher sich zu den Emigrirten gesellen Wollte.
— Bernard hier ist der Brief, welcher in dein Päckchen enthalten war, antwortete Reymond und drückte ihm mit lebhafter Rührung die Hand. Das Packet enthielt sechstausend Francs in Gold, welche fünf- oder sechsmal nicht wenig dazu beitrugen, mir das Leben zu erhalten. Was den Brief meines Vaters, den schwarzversiegelten Brief betrifft, so habe ich denselben erst gestern, vierzig Stunden von hier, geöffnet. Du weißt, was aus der Adresse geschrieben stand.
— Ja, sagte Bernard mit Thränen in den Augen, ich sehe noch meinen alten Herrn, wie er den Brief versiegelte und die Worte schrieb . . . Aber, lassen Sie, o, lassen Sie mich noch einmal iie theuren Züge erblicken —!
Reymond War tief ergriffen. Er wandelte nachdenklich auf und ab im Gemache. Der redliche Bcrnaro ergriff den Brief, welchen der Offizier ihm einge« händigt hatte, bewaffnete seine Nase mit einer großen Kneifbrille und las mit schluchzender Stimme die Worte:
„An Reymond.
Reymond soll diesen Brief nicht vor seiner Rückkehr nach Frankreich und nur in einem der beiden nachstehend erwähnten Fälle öffnen:
1) Falls er in Folge einer Verbess rung der öffentlichen Zustände das Besitzrecht seiner Güter friedlich wieder antreten könnte.
2) Falls er sich durch den Verkauf seiner Güter im Namen der Nation in Gefahr sähe, seines Eigenthums beraubt zu werden.
Bernard, welcher den Inhalt dieses Briefes kennt, ist beauftragt, über die Interessen Reymonds zu wachen und ihn von einer drohenden Gefahr, wo möglich bei Zeiten, in Kenntniß zu setzen."
(Fortsetzung folgt.)
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Memorir-Verse zur Einprägung
1. Längen - Maße.
DeS Maßes Einheit gibt uns ab Das Meter oder Deutsch: der Stab. Ein Hundertstel des Meters heißt Ein Centiineter, daß du's weißt! Ein Tausendstel an und für sich Heißt Millimeter oder*Strich Zehn Meter bilden — o wie nett! — Das Dekameter (deutsch: die Ke»»). Willst du ein Kilometer ba'n, Mil tausend Metern ist'S gethan.
2. Flächen-Maße.
Das Meter, insofern's qnadrat'sch, Mißt flächt ich jeder Kladderadatsch. Quadrat'scher Meter hundert find Ein Ar — das ist doch deutl ch, Kind? Grad' hundert Ar sind ein Hectar — Ich denk' das ist dem Dümmsten klar.
3. Körpermaße.
DaS Meter, wenn es knb'fch ist, mißt, Was körperlich zu messen ist.
Ein Tausendstel davon — denk' an! — Heißt Liter oder einfach Kann'.
der neuen Maß- und Gewichtsordnung.
Ein halbes Liter heißt schlechthin Ein Schoppen — ,s ist nicht viel darin. Brauchst, Söhnlein, einen Scheffel du. Der Liter fünfzig nimm dazn;
Doch hundert bilden, merk' dir das, Ein Hectvliter oder Faß.
4. Gewichte.
Gewichtes Einheit bildet am Bequemsten wohl das Kilogramm. In tausend Theil' theilst du S mit Wonn'. Ein Gramm ist jeder Theil davon. Aufs Decagra mm (auch Neuloth) geh'» — Merk dir'S genau — der Gramme zehn. Jedoch ein Decigramm benams' Den zehnten Theis du eines Gramms.
C e n t i - und M i 11 i g r a m m, o Sohn, Was das sagt, sagt der Name schon.
Jetzt sag' ich dir noch kurz und rund: Ein halbes Kilogramm heißt Pfand. Ein Centn er wird, wie allbekannt. Die Summ' von hundert Pfund genannt. Zweitausend Pfund sind eine Tonn' — Nun geh! du weißt genug davon.
Temperatur in Gießen, Juli 1868: niederste.................-{- 3,3" E.
mittlere.................4- 15.40 „
Mittel früherer Jahr, . ...........+ 14 38 „
höWste.................4. 26,0 „
höchste 1865 am 21. Juli an derselben Stelle .... 27,5 „
Niederschlag: an 9 Tagen ........... 0,90 Par. Zoll.
im Mittel früherer Jahre: 15 Tag« mit . . . 2,89 „ „
im Mai, Juni und Juli 1868: 26 Tage mit 5,19 , „
....... 1859: 24 „ „ . 3,25 . „


