8958) Donnerstag den 3. December:
5. Abonnements-Concert
im Saale des Herrn Ph. Leib,
ausgesiihrt vom ganzen Musikcorps des Großh. Hess. II. Jnf.-Regiments.
Die verehrten Abonnenten werden ersucht, ihre Karten mitzubringen.
Anfang 7 Uhr- — Entree für Nichtabonnentcn ä 18 fr. Programme an der Kasse.
(Man bittet, nicht zn rauchen.)
Im Verlage von I. Schneider in Mannheim ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
HeimathkläNge,
Lieder
für
religiöses Gemüth sieben
von
Johann Philipp Glökler.
8^=5' Zweite Auflage.
8° geh. 24 Sgr. — 1 fl. 24 fr. rhein. — Eleg. geb. 1 Thlr. = 2 fl. 12 fr. rhein.
Wir empfehlen diese, von ächt religiösem Geiste durchwehte, Lieder-Sammlung auch in der neuen Auflage als ein vorzügliches Festgeschenf.
Noch ein Urtheil über de» Lahrer Hinkenden Boten.
Zürich, in der Schweiz, 27. September 1868.
Ihr Jllnstrirter Familienfalender des Hinfenden Boten verdient vollkommen die außerordentliche Verbreitung, die er seit Jahren findet, die größte und ausgedehnteste, wie sie, so viel ich weiß, fein ähnliches Unternehmen in Deutschland gefunden hat. Es ist ein achter Volfskalender; er bringt seinen Lesern viel in einer kernigen, allaemein verständlichen Sprache, und immer mit jenem, gerade Ihrem Hinfenden Boten eigenen köstlichen Humor, der im fröhlichen Scherz wie im bitteren und das Herz ergreifenden und erschütternden Ernst seine wohlthuende Wirfung nicht verfehlt. So spreche ich Ihnen denn meinen aufrichtigsten Danf dafür aus, daß Sie eine besondere Ausgabe Ihres Kalenders für meine liebe Heimath Westphalen veranstaltet haben und ich zweifle nicht, daß er dort viele Leser finden wird, die sich an seinem Inhalte erfreuen werden, wie dieser mich so sehr befriedigt hat. Dabei muß ich jedoch einen Vorbehalt machen, der den politischen Theil Ihres Kalenders betrifft. Ich bin alt geworden im Dienste der Freiheit und des Rechts. So war ich, wie ich gegen jeden Krieg bin, den nicht ein Voll zur Abschüttelung eines Joches unternehmen muß, auch gegen den von 1866 und gegen seine Folgen. Deutschland muß und wird einig werden; aber nur durch freie Verbindung seiner Volksstämme.
(8997) Dr. J. 11. II. Tennne.
Telegraphischer Schiffsbericht,
mitgetheilt von Chr. Wallenfels, jun.
Angekommen in New-Pork r
Das Bremer Postdampfschiff Union, Reisedauer 10 Tage — Stunden,
„ » „ Deutschland, „ 11 „ — „
„ Hamburger „ Germania, „ 11 „ — „
Angekommen in Havanna und New-Orleans r
Das Hamburger Postdampfschiff Bavaria, Reisedauer 18 Tage — Stunden.
Abgehend:
Am 5. December Dampfer Hansa von Bremen nach New-Zjorf.
„ „ „ „ Java „ Liverpool „ »
» 9' „ ,, Westphalia „ Hamburg „ „
„ 30. „ „ Aragv „ Bremen „ „
i> 31. „ „ Saxonia „ Hamburg „ New-Orleans-
Dampfer St r et g o mit ermäßigten Preisen.
Nähere Ausfunft ertheilt und Contracte schließt der Obige ab.
Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zn haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg.
Börsennachrichten.
1. December 1868.
Prioritäten.
5% östr. F. St. E. B. 307 Ludwigsh.-Bexbach 160% Maxbahn 106
Bayer. Ostbahn 127
Hess. Ludwigsbahn 139 3% östr. Stsb.-Prior. 54% 3% östr. s. Lombard. 44% 3% Livorneser 32% Toscaner 49% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 95 % 5% Elisabeth-Prior. 75% do. II. Emiss. 73%
Anleliensloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 170 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 41% 4% bayr. Präm. Anl. 103% 4% badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 54% 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 785/g 1864r „ —
Wechsel.
Amsterd. k. S. 99% Augsb. k. 8. 99% Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 96% Cöln k. 8. 104% Hamburg k. 8. 87% Leipzig k. 8. 104% London k. 8. 119 % Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 100% Disconto 3%% G.
Geldsorten.
Pr. Cass. Sch. 1 44%-45 Div. Cass.-A. —
Pr. Friedrdor. 9 58-59 Pistolen . . 9 49-51 „ doppelte 9 50-52
Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankens!. 9 26%-27% Engi. Souver. 11 54-58 Buss. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 27-28
Preuss. 41/2% Obi. 94%
i Frankf. 3%0/0 Obi. 80% Nass. 41/2% Obi. 95 Kurh. 40/o Obi. 871/8 Hess. 4% Obi. b. Roths. 90% „ 31/50/0 do. do. 86 Bayer. 5% Obi. 102%
„ 4%% 1jährige 96%
„ 41/2% '/.jährige 961/2 Würtemb. 4'/2% Öbl. 94% Baden 4%% Obi. c. E.L. 94% Oestr. 50/0 b. R. 60%
„ 50/0 National 52%
„ 5% Metall. Obi. —
„ M. steuerf. 52%
Amer. 6% 1882r Bds. 79%
! „ 6% 1885r 78%
Aetien.
Frankf. Bank 121
1 Oester. Bank 685
I „ Creditact, 241 Darmst. Bankact. 265%
Feuilleton.
Unschuldig und doch nicht schuldlos.
Criminalnovelle von Julie Düngern.
lFortsetzung.)
Entmuthigt und unentschlossen schüttelte der Fremde das Haupt; plötzlich schien ihm ein neuer Gedanke in den Sinn zu kommen. Mit einer raschen Bewegung streifte er den Handschuh ab und zog einen Ring vom Finger, in dessen dunklem Email ein großer Brillant glänzte.
Flora sah auf die schöngepflegte aristokratische Hand. An dem Finger, von welchem der Reif eben abgezogen worden, glänzte noch ein Trauring, der weit und lose an dem schlanken Gelenke hing und leicht abzustreifen schien, nachdem der andere hinweggenommen war.
Der Mann reichte den Brillant durch das Gitter dem erstaunten Mädchen. „Wenn Ihnen als Christin die Ruhe eines Nebenmenschen, und als Tochter das Glück Ihrer Mutter etwas werth erscheint, so bringen Sie diesen Ring zu ihr, zeigen Sie ihr nur denselben, das kann ihr ja durchaus nichts schaden. Wenn sie den Ring erkennt, wird sie mich jedenfalls rufen lassen. O seien Sie barmherzig, Fräulein, denn auch meine Zeit ist beschränkt!"
Mechanisch nahm Flora das kostbare Pfand aus des Mannes zitternden Fingern und eilte durch den Garten, die Terasse hinauf in das Haus und in das Krankenzimmer. Als sie, noch von der Erregung des eben Gesehenen tief ergriffen, die Thüre rascher als gewöhnlich aufmachle, fuhr die Kranke von ihren Kissen in die Höhe und Anna sah vorwurfsvoll auf die Eintretcnde. Das Mädchen trat dem Bette näher, und die herabhängende Hand der Mutter ergreifend, wollte sie dieselbe an ihre Lippen ziehen, aber die fieberweißen Finger der Patientin berührten den kalten Ring und entsetzt rief sie aus:
„Was hast Du da, Flora, eine Schlange hat mich berührt, so glatt und kalt, sie wird mich stechen, mich umbringen!"
„Beruhige Dich, theure Mutter," flüsterte das Mädchen und schlang kosend ihre Arme um der Mutter Hals, wie um sie zu schützen. „Es ist ein Ring, den Du berührt hast und der mir eben von einem Manne gegeben wurde, der ein früherer Bekannter unseres Hauses zu sein scheint. Wenn es Dich aber aufregt und Du mir nicht recht hübsch und brav bleibst, so zeige ich Dir ihn gar nicht."
Frau Waller hatte sich tut Bette aufgerichtet und faßte nach der Tochter Arm, als diese wie im Scherz ihre Hand zurückziehen wollte. „Wer ist's, Flora, und wo ist der Ring," stammelte sie, und die Fieberröthe war einer so töttlichen Blässe gewichen, daß ihre Tochter sich über die Folgen ihres Wagestücks entsetzte. Doch lag ein so leidenschaftliches Flehen in den Augen der kranken Frau, daß Flora willenlos, wie von höherer Macht getrieben, die geschlossene Hand öffnete und die Botschaft des Fremden übergab. Mit heftig klopfendem Herzen beobachtete sie die Wirkung, aber kein Laut kam über die Lippen der Kranken. Mit weit geöffneten glänzenden Augen betrachtete sie den Ring und drückte ihn dann leidenschaftlich an den Mund.
Die alte Dienerin hatte sich bei dem leisen Zwiegespräch an das Fenster zurückgezogen; jetzt sah sie auf die Gruppe und wie sie den Ring erblickte, stieß sie einen Ausruf des Staunens aus. Die Kranke wandte mühsam ihr Haupt zu ihr, und jetzt sah Flora, daß Thränen in ihren Augen standen. „Komm her, Anna," flüsterte sie mühsam, „ängstige Dich nicht zu sehr um mich, ich glaube, daß ich jetzt wieder gesund werde; laß mich nun aber einen Augenblick mit Flora allein."
„Aber der Ring," sagte die Alte, „es ist derselbe —
„Derselbe, den Du bei mir sah'st," war die Entgegnung; „nun aber geh' und sorge, daß wir nicht gestört werden."
Als die Alte draußen war, schlang die Kranke den matten Arm um das Haupt ihrer Tochter und brachte ihren Mund zu deren Ohr. „Wer gab Dir den Ring?" war ihre hastige Frage, „und was wurde dabei gesagt?"
„Ein Fremder, ein großer, schlanker Mann, übergab mir den Ring, theure Mutter, und flehte mich an, Dich, wenn auch nur auf einen Augenblick sprechen zu dürfen. Ich safite ihm, Du seiest krank; er beschwor mich dennoch, sein Lcbensglück hänge davon ab."
Ein Strahl inniger, tiefer Freude glitt über das Gesicht der Kranken. „Wo hast Du ihn gelassen?'' fragte sie weiter —
„Er steht am Gartenthor und wartet auf Einlaß."
„So nimm den Schlüssel und führe ihn durch den Garten hierher, sorge aber vorher, daß ihn Niemand sieht." —
Eine mächtige Veränderung war in den letzten Momenten mit Frau Waller vorgegangen; von Minute zu Minute wurde ihre Stimme kräftiger, ihr Auge weiter und glänzender, mit liebevoller Hast drängte sie Flora mit der Hand von ihrem Bette hinweg; diese gehorchte, mit bebender Eile raffte sie den Schlüssel weg, der am Brette hing, und huschte einem Schatten gleich im Schutze der hereinbrechenden Dämmerung durch Hof und Garten, bis sic an der Gitterthüre stand. Athcmlos stand sie da, steckte den Schlüssel in das Schloß und öffnete dem Fremden, der mit einem „Gott sei gelobt" ihre Hand ergriff und innig drückte. Flora sagte blos: „Folgen Sie mir eilig und leise, die Mutter will Sie sehen, doch soll es Niemand wissen; ich baue auf Sie, daß die arme Mutter nicht in zu heftige Gemüthsbewegung verfällt." —
»Ich werde sie schonen, wie das Licht meiner Augen, was mir nicht theu- rer ist als die Arme," war seine Antwort. Flora hatte ihm ihre Hand gelassen und in raschem Laufe zog sie ihn mit sich fort durch den Garten, Hof und Haus, bis vor ihrer Mutter Thüre. Noch einmal mahnte sie leise zur Besonnenheit, öffnete die Thüre und trat mit dem Fremden ein. Frau Waller streckte demselben ihre zitternden Hände entgegen, der starke Mann bebte vor tiefer Rührung und Bewegung und sank vor dem Bette der Kranken auf die Knie: „Sidonie, armes liebes Herz," sagte er, „so muß ich Dich wiederfinden und sie?" — er deutete fragend auf Flora —
Frau Waller zuckte zusammen, als ihr Auge das der Tochter traf; kaum bemerkbar nickte sie dem Manne ein „Ja" zu. „Laß uns einige Minuten allein, mein Kind," befahl sie der Tochter.
Flora's Auge flehte, bleiben zu dürfen, aber sie glitt gehorsam und willig zur Thüre hinaus und ging mit verschlungdnen Händen in athemloser Spannung im Gange auf und ab, in steter Besorgniß auf die Stimmen im Krankenzimmer lauschend, die bald mehr oder minder laut zu ihr heraus schallten. Sie wollte nicht horchen, aber trotzdem vernahm ihr Opfer manches rasch gesprochene Wort.
„So hast Du mein gedacht?" fragte ihre Mutter.
„Im Glück und im Unglück, Sidonie! Ach, ich war selten glücklich; sage noch einmal, daß Du mir verzeihst" —
„Von ganzer Seele, mein Freund, ich trage gleiche Schuld." —
(Fortsetzung folgt.)


