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König und der Kronprinz von Preußen sich binnen Kurzem hier einfinden, um, wie im Vorjahre, ras GeburtSfcst des Letzteren im Familienkreise zu feiern. Daß aus Anlaß dieser Besuche eine Revue über die gegenwärtig zu Manövcrn zusammengezogenc badische Division abgehalten wird, dürste nicht unwahrschein­lich sein.

Paris, 29. Ang. In derTribüne" antwor­tet Pelletan den osficiösen Blättern, welche gegen die innere (Koalition aus Anlaß der Wahl Grevy'S po- lemisirten:Ihr b.klagt euch über die Coalition der alten Parteien; wer aber hat kiese Coalition geschaffen? eben die, welche heute über sie seufzen; und wißt ihr, wann? an jenem Tage, da sie die Führer der verschi-kenen Parkeimeinungen in Zellen- wagcn einsperrten und in bunter Mischung tn die­selben Festungen warfen. Damals haben eure Her­ren und Meister die Einen den Ankeren genähert, die Einen mit den Anderen soUkari-ch gemacht und sie in der gemeüischastlichen Schule der Verbannung gelehrt, daß über ihren verschiedenen Ansprüchen und Meinungsstieikigkeiten ein gemeinsames Interesse, ein gemeinsam s Prineip stand, das Prineip der Freiheit und der Uno rietzlichkeit der Behausung. Enthält aber diese rein defensive und als solche berechtigte Coalition den Verzicht auf unser Glaubensbekennt- niß unk ein Opfer unserer Wurde? Verlangen wir von einander und geben wir ein ndcr irgend ein n Theil unserer lleberzeugungen als Geißel? Legen wir, wie Könige auf Besuch, welche als Act der Höflich­keit ihre Uniformen auslauschen, etwa auö Rücksicht für den Nachbar eine entlehnte Gesinnung an? Wir glauben, für unsere Person, auf eine solche Frage nicht erst antworten zu sollen; aber wenn unsere Gegner den geheimen Vertrag dieser sog. Coalition kennen zu lernen wünschen, so können wir ihnen Im Voraus versprechen, ihre Neugier reichlich zu befrie­digen." DerConstilutionnel" weist heute die Journale zurück, welche seit einiger Zeit ihr Erstau­nen darüber kund geben, daß tue Kaiserin den Mi­nistersitzungen beiwohnt. Er erinnert daran, raß durch das Senatscousult vom 17 Juli 1856 die Kaiserin eventuell zur Regentin während dir Min- derjährigkelt ihres Sohnes ernannt ist, wie hieß auch vollständig dem alten französischen Recht ent­spricht....Um uns, um die Sicherheit unserer Zukunft handelt es sich, wenn die Lebensgefährtin des Kaisers durch eine ununterbrochene Lehrzeit sich ausbiltet. Das Land begreift kicß unk fühlt sich ver­letzt, wenn man irgend ein M -kel hinteriistiger Weise auf eine so einfache, nolhwendig aus der Eonftitu- tion (?) unk der Natur ter Dinge sich ergebende Sache werfen will. Die gerechte Popularität, in der die Kaiserin steht, die theilnedmendcn Gefühle aller Derjenigen, welche in ihr die Mildthätigkeit sehen, die auf dein Throne sitzt, oder vielmehr, die von dem Throne hcrniederst.igt, um überall das Elend zu lindern, die achtungsvolle Bewunderung, die ihr Frankreich so oft bezeugt, alles dieß beweist besser, als unsere Bemerkungen, welches Schicksal jene bös­artigen Insinuationen haben, die hinlänglich vcrnr- theilt sind, sowie man weiß, von welcher Partei sie Herkommen unk an wen sie sich richten."

Paris, 30 Aug. In dem Generalrath von Toulouse hielt der Kriegsrnin stcr Marschall Niel, indem er von teilt Präsidium Besitz nahm, eine An­sprache, von welcher die vfsiciellcn und osficiösen Blat­ter auffallender Weise feine Notiz genommen haben, und von der wir nur in einem Toulouser Blatte, demProg ös libeial", eine kurze Analyse finden. Darnach Härte der Marschall int Wesentlichen gesagt, daßdie Armee vom besten Geiste befreit fei, daß unsere Arsenale voll seien, unsere Ausrüstung vor trefflich, unsere finanziellen Hülftquellen fast uner­schöpflich, und daß man unter solchen Umständen, wenn man Frankreich mit den andern europäischen Mächten vergleiche, nicht ohne einen gerechten Stolz sagen dürfe, daß Frankreich allein gegenwärtig nach seinem Belieben Krieg oder Frieden machen könne." DieEpoque,,, derSiöcle" und dasJournal des Debats" bitten dringend um Aufklärung über di-sc Rede einer so hochgestellten und einflußreichen Per­sönlichkeit.

London, 27J2Irg. Die Rückkehr der Königin wirk am 11. September erwarte!. Am Morgen die­ses Tages wird die königliche JachtVictoria und Albert" ihre Ankunft in Cherbourg erwarten. Die Königin begibt sich t irect nach Wind or unk wird von dort gegen Den 25. September noch Balmoral abreisen. - Lord Napier von Magdala ist zum Be­suche des Premiers nach Hugbrnden-Manor gereift, wo er vom Mayor und den Stadtverordneten und einer Ehr-ngarre von 50 Personen empfangen und nach dem festlich geschmückten Wohnsitze Disracli's geleitet wurde.

Vermischtes.

Giessen, 1. Sept. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom IV. Quartal 1668 werden

Montag den 5. Oktober 1. I., Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten ernannten Großherzog lrchen HofgerichtsrakhS Herrn von Lepcl beziehungsweise de» zu dessen Stellvertreter bestimmten Großherzoglichen Hofge- richtSraths Herrn Dr. Müller eröffnet werden, und es sind demzufolge in der heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Groß­herzoglichen Hofgerichts der Provinz Oderheffen die Haupt- und ErgänzungS-Geschwornen in folgender Reihenfolge ausgelooSt worden:

I ErgänzungS-Gefchworne:

1) Andreas Weidig III., Bierbrauer, 2) Friedrich Bender, Eigarrenfabrikant, 3) August Maner, Weinhändler, 4) Friedrich Barth, Hofgerichts-Advoeat, 5) Eduard T Horwatt. HofgerichtS- Advoeat, 6) Ottmar Weidig, HofgerichtS-Abvocat, 7) Adolph Zinßer, Weinhändler, 8) Georg Heinrich Ebel, Weinhändler, 9) Siegmund Bock, Fabrikant, IX)) Karl EmmeliuS, Cigar­renfabrikant, 11 > vr. Adolph Mettenheimer, Apotheker, 12) Do- minrkuS Hofmann, Post-Kassier; fämmtlich von Gießen.

II. Haupt-Gefchworue.

1) Dr. Hermann Weber, praktischer Arzt in Gießen, 2) Hein­rich Jacob Bruckmann, Kaufmann in Bermuthshain, 3) Hein­rich Otterbein I., Landwirth in Fraurombach, 4) Friedrich Christian Jochem, Oecvnom in Laubach, 5) Heinrich Frank, Gräflicher Oberförster daselbst, 6) Christoph Hifferich, Müller in Altendorf a. d. Lumda, 7) Heinrich Reitz V., Ziegelwaa- renbändler in Echzell, 8) Georg Puth. Oeconom in Okarben, 9) Adam Wei», Landwirth in Oberwiddersheim, 10) Conrad Sifl. Fabrikant in Lauterbach, 1t) Ernst Zimmer, Müller in Lauter, 12) Jacob Arnold, Wirth in Grüningen, 13) Georg LaupuS I., Müller in Nieder Eschbach, 14) Ludwig Guth, Oeconom in Harheim, 15) Julius Georg Daniel Bapst, Kauf­mann in Gießen, 16) Martin Schüßler, Oeconom in Ober- Seibertenrod, 17) Dr. Hermann Baur, Privatdocent in Gießen, 18) Johannes Lang II., Eisenhändler in Stockhausen, Kreis Lauterbach, 19) Heinrich Geiß III., Müller in Nidda, 20) Con­rad Nuppel II., Gastwirth daselbst, 21) Wilhelm Braun II., Müller daselbst, 22) Johannes Schäfer I, Oeconom in Alten­stadt, 23) Karl Oehl, Müller in Grünberg, 24) Johannes Möbs III, Bürgermeister in Nieder-Mörlen, 25) Dr. Friedrich HeinzerUng, Professor in Gießen, 26) Heinrich Doll V., Land­wirth in Ulfa, 27) Thomas Hofmann II., Landwirth in Wet­ters, ld. 28) Wilhelm Kleberger, Landwirth in Södel, 29) Georg Hartmann, Landwirth in Reinhardshain, 30) Heinrich Decher, Landwirth in Hutzdorf.

Giessen, 1. Sept. Dem den hiesigen GaScousumenten von dem Gießener Gaswerk" zugesandten Circular zufolge ist ein Abschlag von 5 fl. 10 Er. per 1000 C.-F. auf 4 fl. 20 Er. erfolgt. Indem wir diese Berücksichtigung der öffentlichen Wün­sche mit Anerkennung begrüßen, glauben wir, da dteß eine so viele Einwohner betreffende Geldfrage ist, das Publikum be­rechtigt, sich Aufklärung darüber auszubitten, ob, da auf dem betreffenden Circular unseres Wissens zum ersten Mal der Aus­druckCub.-Fuß englisch" gebrauch! ist, auch seither nach englischem, oder, wie wohl allgemein vorausgesetzt wurde, nach hessischem Fußmaaß der Preis für 1000 Cub. - Fuß angesetzt worden ist, da in den seitherigen Quittungen kurzweg nur von Cub.-Fuß ohne weitere Bezeichnung die Rede war.

Giessen, 2. Sept. Wir können dem Publikum die erfreu­liche Thatsache mittheilen, daß seit gestern, den 1. Sept., die Arbeiten an dem Bau unserer neuen Oberhessischen Eisenbah­nen in der Gemarkung Hausen begonnen haben.

Darmstadt, 21. August. Das heute erschienene Regie­rungsblatt Nr. 47 enthält:

I Gesetz, die Aufhebung der Schuldhaft betreffend.

Ludwig III. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. !k.

Nachdem das in Betreff der Aufhebung der Schuldhaft im Gesetzblatt de» Norddeutschen Bundes (Nr. 16) verkündigte Bundesgesetz am 31. Mai laufenden Jahres in den zum Nord­deutschen Bunde gehörigen Gebietstheilen des Großherzogthumö in Kraft getreten ist/ haben Wir für die nicht dem Norddeut­schen Bunde angehörigen Thcile deS GroßherzogthumS mit Zu­stimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen hiermit, wie folgt:

Art. 1 Der Personalarrest ist als ErecutivnSmittel in bürgerlichen Rechtssachen insoweit nicht mehr statthaft, als da­durch die Zahlung einer Geldsumme oder die Leistung einer Quantität vertretbarer Sachen oder Werthpapiere erzwungen werden soll.

Art. 2. Die gesetzlichen Vorschriften, welche den Perso­nalarrest gestatten, um die Einleitung oder Fortsetzung des Prozeßverfahrens, oder die gefährdete Erecution in das Ver­mögen des Schuldner« zu sichern (Sicherungsarrest) bleiben unberührt.

Art. 3. Die Bestimmung de« Art. 1 findet auch auf die vor Erlassung dieses Gesetzes entstandenen Verbindlichkeiten An­wendung, selbst, wenn auf Personalarrest rechtskräftig erkannt oder mit dessen Vollstreckung begonnen ist.

Art. 4. Alle diesem Gesetze entgegenstehenden Vorschriften treten außer Kraft.

Art. 5. Da« Gesetz tritt in Kraft an dem Tage, an welchem e» im Regierungsblatt verkündet wird.

Urkundlich ;c.

II. Gesetz, die Abkürzung der Fristen für Vorladungen und für Ergreifung von Rechtsmitteln in der Provinz Rheinhessen betreffend.

III Summarische Ueberficht der Rechnung der Großhcrzog- lichen LandcS-Waisen-Anstalt zu Darmstadt für 1867.

IV. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 1. August dem Prarramts-Caudidateu Georg August Emil Luft aus Hering, im Kreise Dieburg, die zweite evangelische Knaben-Schulstelle zu Butzbach, im Kreise Friedberg, zu übertragen; an dem­selben Tage den Domänenpfandmeister bei dem Rentamte Grün- berq, Johann Georg Rausch und den Rentamtsdiener bei demselben Rentamte, Johann Heinrich Gröninger in gleicher Tiensteigenscbaft an das Rentamt Homburg zu versetzen; am 4 August den GerichtS-Accesfisten Wilhelm Bechtold von Nierstein zum Notar mit dem Amtssitze zu Alzey, am 8. August den bisherigen Gesandtschafts-Kanzlisten in Pension, Eberhard Ihm, zum Ministerial-Protocollisten bei dem Groß- herzoglichen Ministerium de» Großherzvglichen Hauses und des Aeußern und am 19. August dem Präsidenten de« Ober- ConsistoriumS, Carl Ernst AugustRinckFreiherrn von Starck, in Aneikennunq feiner fünfzigjährigen treuen und ausgezeichneten

Dienstführung, zum wirklichen Geheimenrath mit dem Prädi­kateErcellenz" zu ernennen.

V. Charakterertheilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst gencht: am 1. August dem Lehrer an der zweiten evangelischen Knabenschule zu Butzbach im Kreise Friedberg, Georg August Emil Luft, den Charakter al» Mitprediger zu verleihen.

VI. Versetzungen in den Ruhestand: Se. König­liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 1. August den evangelischen Schullehrer zu Mainz, Johann Philipp Weihrauch, auf sein Nachsuchen und unter An­erkennung seiner langjährigen und treuen Dienste Unb am 4. August den Lehrer an der technischen Schule zu Darm­stadt, Baurach Balthasar Harre« auf se n Nachsuchen, mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit, in den Ruhestand zu versetzen.

Worms, 29. Slug. Wie wir vernehmen, sind dieG e- benfblätter z ur Erinnerung an die Enthüllung «.- feier des Luther-ü enkmals", mit deren Herausgabe Hr. Dr. Eich vom Vereins-Ausschuffe beaiistragt wurde, schon so weil vorgerückt, daß das Erscheinen derselben Ende Sep­tember erwartet werden darf. Da dies- Schrift bedeutend um­fangreicher wird, al» man anfangs glaubte, so war eine mäßige Preiserhöhung uothweudig. Da« Buch, auf welches bereits an vielen Orlen Subscriplivnelisten in Umlauf gesetzt sind, wird 2526 Bogen stark und ist der Preis nunmehr auf 25 Sgr. oder 1 fl. 30 fr. festgesetzt.

Köln. Dieser Tage find höchst wahrscheinlich zwei jener englischen Schwindler, welche seit einiger Zeit in 2 anquier- und Geschäftshäusern des Continentes' ihr Unwesen trieben, hier unschädlich gemacht worden. Es präsentirlen nämlich kürz­lich zwei Engländer im A. Schaffhausen'schen Bankverein einen Check lWechsel), auf 200 L.-Sterling lautend, und entkernten sich nach der Empfangnahme der Summe. Der Dolmetscher des Bankvereins erklärte sofort dem Director, Herrn Wendel- stadt, daß ihm da» Benehmen der Engländer sonderbar vorge- kommen sei, worauf sich das Papier als ein gefälschte» her- ausstellte. Sofort angestellte Recherchen waren von Erfolg; es gelang, der sauberen Herren habhaft zu werden.

Marburg, 28. Aug. In dem Archiv des hiesigen Kreis­gerichts ist ein sehr interessanter literarischer Fund ge­macht worden; nämlich verschiedene seither unbekannte Briefe luther'S und Götz'» von Berlichingen, sowie auch einige Ab­laßbriefe von 1517.

Bern, 26. Aug. Auch diese» Jahr ist die Schweiz reich an Unglucksfällen unter den Reisenden. Letzten Samstag allein ereigneten sich vier traurige Katastrophen. Bei Cliamnoimir stürzte ein junger Mann, welcher einer der berühmtesten Fami­lien Frankreichs angehört, Graf Cambcicbres, vor den Augen seiner erst vor einem Monate angetrauten jungen Frau in der Nähe derGrotte de Balme" in einen tiefen Abgrund, in welchem sein Leichnam erst am anderen Tage aufgefunden werden konnte. Und bei Vevey schlug ein Windstoß eine Barke mit einer aus aci>t Personen bestehenden englischen Familie nm. Ohne die Geistesgegenwart und den Muth des einen Sohnes, eines jungen 18jährigen Mannes, wären die Unglücklichen ret­tungslos verloren gewesen. Als gutem Schwimmer gelang es demselben, sämmtlrche Verunglückte an das Steuerruder der Barke zu bringen, wo sie sich mit den Händen festhielten. Leider dauerte es 25 Minuten, bis ein Reitungsboot heran­nahte. Dieß war zn viel für die Kräfte der Mutter. Ihre Hände ließen das Steuerruder los, und sie versank mit ihrem jüngsten vierjährigen Kinde, das sie umschlungen hielt, in den Fluthen des See's. Dieser Vorfall hat ganz Vevey in Trauer versetzt.

London. Ein eingeborner Arzt in Bombay, Dr. Bhan Daji, welcher die Behandlung des Aussatzes zu seinem Spe­zialstudium gemacht hatte, hat vor Kurzem in seiner Vaterstadt ein Hospital ausschließlich für Aussätzige errichtet, in welchem sich gegenwärtig etwa siebenzig Kranke befinden. Es heißt, daß derselbe schon viele schnelle und vollständige Kuren erzielt habe, zu denen er, je nach dem Grade der Krankheit, dem Alter de« Patienten rc. nur bis höchstens acht Monate in An­spruch nimmt, während die Kunst europäischer und eingeborener Aerzte sich bekanntlich bisher gegen diese Krankheit als völlig wirkungslos erwiesen hat.

Florrnz. Die italienische Kriegsmarine hat Stoff zu einem zweiten Seandalproceß geliefert/ Im Mai d. I. wurde Contre-Admiral AnguiSciola, ein Neapolitaner, und als solcher s. Z. der Erste, der sein Schiff an Garibaldi auSlieferte, mit dem KriegsdampferCavour" und 480 Mann zur Ablösung des Cvntre-Admirals Ricasoli nach Montevideo geschickt. Un­gefähr 200 Seemeilen von dieser Stadt lief der Dampfer auf eine Sandbank, worüber der tapfere Contre-Admiral so in Schrecken gerieft), daß er trotz aller Vorstellungen und Bitten des wackeren Schiffseommandanten Sivvri das sauve qui peut au«tief und mit dem größten Theil der Bemannung auf Boo­ten das Schiff verließ. Sivori, empört über diese Feigheit seine« Obern, erklärte, solange eine Planke seines Schiffe« halte, werde et dasselbe nicht verlassen, und es gelang ihm auch mit einigen Offizieren und circa 40 Wackern der Beman- mung, nach riesigen Anstrengungen das Schiff wieder flott zu machen. Nachdem alle Gefahr vorüber war, kehrte der Ad­miral mit einem Theil der Mannschaft an Bord zurück, der Rest hatte sich »erlaufe». In Montevideo angekommen, wollte der Contre-Admiral ganz ungenirt das Commando des Ge­schwaders übernehmen; die Offiziere desselben protestirten jedoch dagegen und er wurde nach Europa zurückgeschickt. Dieser Tage trat nun, vom Marineminister berufen, der AdmiralitäfS- ratl) in Florenz zusammen und beschloß, daß Contre-Admiral AnguiSciola wegen deS Verbrechens der Feigheit vor da« Mi­litärgericht gestellt werden solle. So ist denn auch geschehen, und ein neuer Scaudalprozeß steht bevor, dessen Ergebniß jeden­falls den Beweis liefern wird, daß mit solchen Elemente» in der italienischen Kriegsmarine sich Niemand über den Verlust der Schlacht von Liffa wundern darf, und daß Perfano bloß den Sündenbock für viele allgemeine Sünden abgab.

Amerika. Ein kürzlich verstorbener reicher Eigenlhümer in Kentucky hat ein eigenthümlicheS Testament hinterlassen. Dasselbe fetzt ein Legat von 200,000 Dollar» zur Errichtung eine» Pferde-Hospitals aus. Selbst Besitzer einiger Pferde, bestimmt der Erblasser ausdrücklich, daß tiefe bi« zu ihrem Tode in dem zu begründenden Hospitale verpflegt weiden. Da« Etablissement soll ungefähr fünfzig au« altersschwachen und dienstunfähigen Pferden bestehende Pensionäre umfassen. Um sich übrigens die Ausführung feine« letzten Willens zu sichern, hat der Testatat einen besonderen Fond« errichtet, aus dem auf Verlangen seines Besitzers siir'das autrangirfe Pferd die­selbe Summe gezahlt wir», die der Abdecker dafür entrichtet.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Giehen.