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Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung)

Nicht so ganz, erwiederte Gohier. Es handelt sich um eine wichtige Nachricht, die uns eben zugekommen ist. Bonaparte ist seit vierzehn Tagen von Egypten abgereist

Wieder nach Syrien? fragte der unbewegliche Mann.

Bewahre, nein! er kehrt nach Frankreich zurück. Er ist vielleicht setzt schon in einem unserer Hafen gelandet.

Herr de Talleyranv blieb ebenso regungslos wie eine Hermannsstatue, die ihn unverwandt mit ihren marmornen Augen anblickte

Nun, Bürger Talleyranv, nahm Gohier wieder das Wort, was ist bei Viesen mißlichen Umstänven Euer Rath ? Welche Rolle bleibt uns zu spielen? Aber beiläufig, Ihr, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, müßt doch etwas hieeüber wissen. Habt Ihr Depeichen erhalten?

Ihr fragt mich nach zwei Dingen auf einmal, versetzte der kaltblütige Mann; nach den Depeschen und nach meinem Rath. Welche Frage wünscht Ihr zuerst beantwortet?

O. wahrhaftig, wie's Euch gefällt! Die Zeit drängt, Bürger Minister! Eure Ansicht ist vermuthlich, daß wir das Direktorium versammeln, den Rath der Alten und die Versammlung Der Fünfhundert benachrichtigen und Bonaparte als VaterlanvSoerräther außer vem Gesetz stehenD erklären.

Uno die Eurige? fragte Herr de Talleyrand.

Lieber Himmel, das ist auch die meinige. Weder Moulins noch ich sehen etwas Besseres, das sich thun ließe.

Nun, wenn dies das Beste ist, sagte Talleyrand, findet Ihr doch schwer­lich etwas noch Besseres.

Falls wir es nicht vorziehen sollten, zu schweigen und ruhig zu warten, um je nach den Umständen zu handeln.

So? versetzte Talleyrand. Also dies gefällt Euch noch besser?

Wahrhaftig, ich weiß nicht.

Wie soll ich es dann wissen, Bürger Direktor? fragte Talleyrand, end­lich die Prise nehmend, welche er bis jetzt zwischen den Fingern gehalten.

Bürger Talleyrand, brummte Gohier ungeduldig, Ihr seid zum Ver­zweifeln !

Sagt ihm, daß er mit Bonaparte conspirire, flüsterte Moulins. Das wird ihn ein wenig aufbringen.

Bürger Minister, fragte Gohier, würdet Ihr vielleicht Bonaparte zu einem Staatsstreiche behülflich sein?

Wenn das der Fall wäre, antwortete Herr de Talleyranv, so werdet Ihr begreifen, daß ich es Euch nicht erzählen würde.

Hol' ihn der Teufel! fluchte Gohier, indem er Moulins ansah.

Der Teufel wird sich hüten, gab vieser zurück; er wäre schön geleimt!

Also, Bürger Minister, nahm Gohier Vas Wort, invem er auf seinen alten Posten trat, also setzten Eure viplomatischen Agenten Euch von nichts in Kenntniß?

Ei nun, erwieverte der Fürst, sie Pflegen sich meist bei Eurer Fremden- polizei zu erkundigen.

Ihr seht aber doch jetzt, daß ich wirklich etwas weiß. Hier ist ein wichtiges Billek. Seht es Euch an!

Herr de Talleyranv streckte, ohne den Kopf umzudrehen oder sich sonst zu bewegen, seine Hand über die Schulter und nahm so den kleinen Pergament­streifen in Empfang. Das Billet vor seine Augen haltend, betrachtete er das­selbe einen Augenblick und reichte es dann über seine Schulter zurück, ohne ein Wort zu reven.

Nun? fragte Gohier. Ihr seht, die Sache verhält sich so.

Sie steht hier geschrieben, meint Ihr, antwortete Talleyranv. Und wie ist dieser anonyme Wisch in Eure Hände gekommen?

Hier im Saal, mittelst der Bombe

Ich verstehe das nicht, versetzte ver phlegmatische aller Staatsmänner.

Gohier näherte sich vem Ohr des Fürsten unv erzählte ihm leise die Ge­schichte des merkwürdigen Billets. Statt aller Antwort brach Herr de Talley- ranv in ein lautes Gelächter aus. Die beiden Direktoren zogen sich enttäuscht und wüthenv in den Garten unter Vie Linden zurück.

M ttlerweile fand Drinnen ein herrlicher Wettkampf zwischen den Liedern GaratS unv den Klängen der Harfe statt. Das berauschte, vor Entzücken be­bende Auditorium überließ sich dem begeistertsten Beifallsklatschen. Barras streckte seine Beine lang vor sich hin, verschränkte die Arme über der Brust und schwelgte in den Tönen.

Moulins und Gohier traten in diesem Augenblick wieder in den Saal, entschlossen, den Präsidenten aus seiner Ekstase zu wecken. Sic hatten ihre Zeit

zu einer wichtigen Mittheilung schlecht gewählt. Gohier näherte sich zuerst und flüsterte Barra« einige Worte zu, welche vieser nicht vernahm. Moulins kam von der anderen Seite und wiederholte die Worte Gohiers. Taub auf dem rechten und taub auf dem linken Ohr, hörte Barras nur die Stimmen der Peris und Aimeen in einer unbekannten Welt.

Man zündete Vie Kronleuchter und die Kandelaber im Saale an. Herr ve Talleyrand saß noch immer am Fenster und sah nach den Sternen, oder folgte vielmehr seinen Gedanken inmitten Ver Sterne.

Wißt Ihr, wem sie Beide ähnlich sehen? wandte sich Moulins an Gohier

Nein wen meint Ihr?

Zwei Banditen, welche sich begeistert , von Entzücken berauscht stellen, um Die Leute sicher zu machen, bevor sie einen tödlichen Streich führen.

Soll ich Euch sagen, was ich denke? Ich denke, wir suchen Die An­sicht von SieyeS und Roger Dueos in Erfahrung zu bringen.

Ihr sucht stets Eure Ansicht in Den Taschen ver Andern, versetzte Moulins. Aber sei es Drum, gehen wir fort und lassen wir Vie ganze Gesell­schaft hier bei Circe in Schlaf fallen; sie könnten leicht mit vier Pfoten und mit Köpfen aufwachen, die nur zum Einpökeln gut sind.

Nach diesen Worten entfernten sich eiligst Die beiDcn wackeren Direktoren. Sie stiegen in denselben Wagen, um sich nach Dem Palais Luxembourg zu be­geben. Allein zuvor befahlen sie einem Polizei - Agenten, welcher sich im Vor­zimmer befand, Den Bürger De Foy im Palais National früher Palais Royal einzulaDen, sich sofort auf das Sekretariat des Direktoriums zu ver­fügen, wo man ihn erwartete.

Der Bürger de Foy war Der Anfertiger oder vermeintliche Anfertiger Der überzuckerten Bombe; folglich konnte er wahrscheinlich einige Aufklärungen über den Pergamentstreifen geben, welcher sich in Der Erdbeeren- und Eitronenkugel befunDen hatte.

Es wäre übrigens einfacher gewesen, hiermit anzusangen.

Wir gedenken nicht, Den beiden bestürzten Direktoren nach dem Palais Luxembourg zu folgen.

Wir werden ebenso wenig in den glänzenden Saal Coxaly's zurückkehren, wo wir vermuthlich nur vortreffliche Musik, aber nichts Wichtiges über die Nachricht erfahren würden, welche das Billet in der Bombe enthalten hatte.

Fügen wir hinzu, daß diese Neuigkeit Der unvermuthetrn Rückkehr Des Ge­nerals en Chef Der egypt.schen Armee in diesem Augenblick von Allen geahnt wurde und das Direktorium weit mehr in Schrecken, als in Verwunderung setzte.

Als Der ehrenwerthe Bürger De Foy in Begleitung seines ersten lieber» zuckererS sich auf Dem Sekretariat im Palais Luxembourg einfanD, mürbe er wegen des anonymen Billets befragt.

Statt aller Antwort beschränkte er sich Darauf, sehr ausführlich und speciell das Reeept zu Der überzuckerten Bombe zu geben. Was den kleinen Pergament­streifen betraf, so erklärten Der Bürger Eigenthümer des Caio De Foy und sein Begleiter, daß ein solches JngreDienz Den Zuthaien zu einer Erdbeeren- und Citronenbomde so fremd sei, wie eben diese Zuthaten vermuthlich Der Anferti­gung Des Pergaments.

So wenig Das Direktorium hiervon erbau war, glaubte es doch Die Nach» forschungen nicht weiter ausvehnen zu Dürfen. Herr De Foy unD sein Zucker- meister kehrten Darauf nach ihrem Hause zurück.

14.

Die Unterrichtsstunde eines Abbe in der Reitkunst.

Am folgenden Nachmittage, zwischen Drei unD vier Uhr, sattelte unD zäumte in dem einsamen Gebäude Der Orangerie Des Palastes Klein - Luxembourg ein Dragoner Der Republik ein Reitpferd, das er Durch Die Allee hierher geführt hatte, welche westlich von Der Straße De VaugirarD ihren Anfang nimmt. Er war allein und hatte Die Thür sorgfältig wieDer geschlossen.

Alle Bäume unD StauDen ve« Gewächshauses waren in schönster Ordnung im Garten ausgestellt, so Vaß sich das große Gebäuve jetzt völlig leer befand. Der Grund war aufgehackt und mit einer Schicht feinen Sandes bedeckt wor­den. So stellte jetzt Vie große Orangerie einen vortrefflich bedeckten Reitsaal Dar, gänzlich sicher vor allen inDiscreten Blicken.

Der Dragoner hieß Franyois TrancharD und war einer der beiden Kaval» lerijlen, welche Den Hauptmann Reymonv von Egypten bis nach Pari« begleitet hatten.

Tranchard und fein Kamerad Pistole waren beiläufig feit Dem Verschwin- den ihres in Den Augen Des Direktoriums so schwer verdächtigen Hauptmanns von Der Polizei häufig ernst inquirirt worden.

Sogar Die Direktoren selbst hatten es nicht verschmäht, bei dieser Gelegen­heit in Person die beiden wackeren SolDaten nach ihrem Offizier und selbst nach manchen höheren Offizieren der ExpeDittons - Armee zu befragen.

(Fortsetzung folgt.)

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Politische Rundschau

Darmstadt, 31. Ang. Der älteste Sohn des Prinzen Alexander, welcher ohnlängst bas 14. Le­bensjahr zurückgelegt, wird in die englische Marine Eintreten. Zu Schluß dieser Woche wird hier die Hauptrevue unserer Division stattfinden, welcher auch der Kaiser von Rußland beiwohnen wird.

Berlin, 28. Ang. Nach dem Muster der mit Mecklenburg abgeschlossenen Militär-Convention soll eine solche auch mit Sachfen und Braunschweig (Den beiden Staaten, welche, wie Mecklenburg, Die geson­derte Verwaltung ihrer Kontingente behalten haben) vereinbart werden, besonders weil auch dort die Of­fiziere sehr wenig erbaut sind von der Aussicht, statt innerhalb Der großen norddeutschen Armee, in ihrem kleinen Kontingent zu avanciren. Ob man in Dres­den geneigt fein wird, zu Gunsten dieser Stimmung dieSouveränetät" noch mehr in Frage zu stellen,

mag noch einigermaßen zweifelhaft erscheinen, wäh­rend Braunschweig wohl ohne Weiteres zu der be­treffenden Konvention bereit sein wird. DieHess. Volks-Ztg." meldet folgende Personal-Veränderungen: Dem Vernehmen nach ist Seminallehrer Gabriel aus Schlüchtern, dessen Rede bei der Geburtsfeier des Königs Anstoß erregte, nach Frankfurt a. d. Over, und Seminallehrer Marschall von Frankfurt a. d. O. nach Schlüchtern versetzt. Der letztere ist jevenfalls einer von DenStrammen".

Hamburg, 31. Aug. Der Prinz Napoleon ist gestern im strengsten Jncognitv auf Der Damps- jachtJerome Napoleon" hier angekommen, besuchte Altona unD fuhr Nachmittags nach Lübeck, von wo er beute hierher zurückkehrt, um seine Reise nach Der Weser fortzufetzen.

Lübeck, 31. Aug. Der König von Preußen

hat die fettens Der Stadt an ihn gerichtete Einla- Dung zum Besuche Derselben angenommen und wird von Schwerin aus, wo Die Truppenvesi.btigungen nach dem 10. September beginnen, Herkommen. Auch Hamburg Dürfte auf dieser Reise Den Besuch des Königs empfangen.

, 30. August. Die Kaiserin von Oesterreich wirb in Den erssn Tagen nächster. Woche Garatshausen wieder verlassen und nach Wien zn- rückkehren. Ihre Majestät wird sohin der Vermäh- lungsfeier Der Herzogin Sophie, Die am 14. Sep­tember stattfindet, nicht beiwobnen. Der König und Die Königin von Sachsen roerDen, von Ischl kom­mend, morgen Mittags in Passau eintreffen unD per Ostbahn Die Reise über Regensburg nach Dresden forti'etzen.

Baden, 31. Aug. Wie verlautet, werden Der