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Das theologische Seminar an der Großherzogli­chen Ludwigs > Universität zu Gießen hat laut §- 1 seiner Statuten die Bestimmung, ras Studium der Theologie Studircnden durch selbstständige Hebungen ju fördern. Indem es die Strebsameren unter ihnen in unmittelbaren wissenschaftlichen Verkehr mit ihren Lehrern setzt, soll es sie zu einer gründlicheren und selbstthätigeren Aneignung theologischer Kenntnisse, dadurch aber auch zu einer tieferen und selbstständi- geren Einsicht in die theologische Wissenschaft führen, als sie ans gewöhnlichem Wege gewonnen wird. Demgemäß hat es einen wissenschaftlich gelehrten Charakter, während das Prediger-Seminar zu Fried­berg hauptsächlich die practische Vorbereitung auf das geistliche Amt zur Aufgabe hat.

Um Zulassung zum Seminar kann, nach §. 8, nur Derjenige nachsuchen, welcher bereits ein Jahr auf einer deutschen Universität Theologie studirt hat.

Das theologische Seminar ist, laut §. 14, ein Universitäts-Institut, welches wie die ganze Universi­tät, unmittelbar unter dem Großherzoglichen Mini­sterium des Innern steht. Die vier Abtheilungen des Seminars bilden ein Ganzes, welches von der theologischen Facultät als solcher geleitet wird. Sie hat namenlich über Aufnahme und ^Ausschließung der Mitglieder, Vertheilung der Prämien, Anschaffung von Büchern für die Seminar-Bibliothek nach den Vor­schlägen der Dirigenten zu beschließen.^ Die gemein- schaftlichen Verhandlungen über das Seminar wer­den nach der bestehenden Geschäftsordnung unter Vorsitz res Decans geführt. Die Facultät ist be­züglich der Verwendung der Gelder der Aufsicht der academischcn Administrations-Commission in gleicher Weise, wie der Director des philologischen Seminars, unterworfen. (Schluß folgt-)

Darmstadt, 29. Fcbr. Das vor Kurzem an die Stände gelangte Budget schließt trotz der in Aussicht genommenen Einkommensteuer und Erhöhung der bereits bestehenden Steuerarten mit einem De­ficit ab. Die großh. Regierung glaubt, daß dasselbe mittelst zu erwartender Mehreinnahmen aus älteren Einnahmerubriken gedeckt werden könne und hat diese Ansicht auch den ständischen Ausschüssen gegenüber bereits ausgesprochen. Der Abg. Wern her, kessen gründliche Kenntniß des gejammten hessischen Finanz- und Steuerwesens stets allseitige und verdiente An­erkennung gefunden, theilt diesen Standpunkt der Regierung nicht, fonrern schlägt den wegen Anschaf, fungen in Folge Neuorganisation der hessischen Di­vision erforderlichen, vorübergehenden Aufwand, daher auch das zu erwartende Deficit Weit hoher an, als dies Seitens des Finanzministeriums geschehen ist. Er hegt die Ansicht, daß der Ausfall mittelst eines Anlehens zu decken sei. Wir halten diese Ansicht für eine sehr bcachtenswerthe, da die erwarteten Mehreinnahmen in Folge der allgemeinen Geschäfts­stockung sehr dürftig ausfallen mochten. Zwar lassen die Pachtangebote für Domanialgüter wieder ein sehr erfreulicher Steigen warnehmen, allein von den Er­trägnissen der inCirecten Abgaben läßt sich ein Glei­ches vorerst nicht erwarten und auch die Rückstände an indirekten Steuern dürften, nachdem so viele Ar­beitskräfte eine inproructive Verwendung im Mili­tärdienste gefunden haben, zu bedeutenderen Beträ­gen, als sie feit einer Reihe von Jahren beobachtet wurden, anschwellen. Ferner dürfte es den Anforde­rungen der Billigkeit entsprechen, an den Lasten, Welche in Folge der Ereignisse des Jahres 1866 den Steuerzahlern aufgebürtet werden müssen, auch spä­tere Generationen theilnehmen zu lassen; dieser For­derung zu genügen, scheint uns der Wernher'sche Vorschlag ganz geeignet.

Berlin, 29. Februar. Der Landtag wurde heute von dem König in Person geschlossen. In der Thronrede spricht sich der König mit Genug- thuung darüber ans, daß die wichtigen Aufgaben in wesentlicher Uebereinstimmung der Regierung und der Landesvertretung gelöst Worten sind. Er dankte für die Bereitwilligkeit der beiden Häuser des Landtags, den Mehraufwand zur Aufrechthaltung der Würde der Krone bewilligt zu haben und erwähnt der Maß­regeln wegen Linderung des Nothstandes in Ost­preußen , so wie der Belassung des Provinzialfonds für Hannover und der Uebereinstimmung mit den Ansichten der Regierung über die mit den ehemaligen Landesherrn von Hannover und Nassau abgeschlosse­nen Ausgleichungsverträge. Er schließt: Meine Re­gierung ist in ihren auswärtigen Beziehungen unaus­gesetzt bestrebt gewesen, ihren Einfluß für die Er- Haltung und Befestigung des europäischen Friedens zu verwerthen und kann ich mit Genugthuung bekun­den, daß die Bestrebungen, die von Seiten der aus­wärtigen Regierungen in freundschaftlicher und wohl­wollender Gesinnung getheilt werden, die Bürgschaft des Erfolges in sich tragen. Ich darf daher die Zuversicht aussprechen, daß das fester begründete

Red aetion, D:

allgemeine Vertrauen für die Entwickelung der geisti­gen und materiellen Güter und des Wohlstandes der Nation die gewünschten Früchte tragen werde.

Berlin, 29. Februar. Der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstages hat an die Ministerprä­sidenten der südlich des Maines gelegenen deutschen Staaten unter dem 26. Februar eine Petition ge­richtet, deren Petitum dahin geht,darauf hinzuwir- ken, daß im Anschluß an len Zollvereinsvertrag vom 8. Juli v. I. baldigst fernere Verträge zwischen dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten abgeschlossen, werden durch welche die Competenz des ZollbundeSratheS und des Zollparlamentes auf die in Art. 5 der Norddeutschen Bundesverfassung be­zeichneten Gegenstände (dahin gehören nämlich: Frei­zügigkeit, Bestimmungen über den Gewerbebetrieb, einschließlich des Versicherungswesen; Bestimmungen über die Colonisation und die Auswanderung nach außerdeutschen Ländern; die Ordnung des Münz-, Maß- und GewichtSsystemeS; Feststellung der Grund­sätze über die Emission von fundirtem und unfunvir- tem Papiergelde; die allgemeinen Bestimmungen über das Bankwesen; die Erfindungspatente; der Schutz des gejstichen EigenthumS; Organisation eines ge- meinfamen Schutzes des deutschen Handels im Aus­lande , der deutschen Schifffahrt und ihrer Flagge zur Sie und Anordnung gemeinsamer consularischer Vertretung, Welche vom Bunde aulgestattet wird; gewisse Beziehungen des Eisenbahnwesens; die Flöße- rei und Schifffahrtsbetrieb auf den mehreren Staaten gemeinsamen Wasserstraßen und der Zustand der letzteren, so wie die Fluß- und sonstigen Wasserzölle; Post und Telegraphenwesen; die gemeinsame Gesetz- gebung über das Obligationenrecht, Handels- und Wechselrecht und dar gerichtliche Verfahren), so weit sie das wirtschaftliche Interesse der Nation betreffen, erweitert Werde."

Köln, 28. Februar. Die Pferdeankäufe für französische Rechnung nehmen ihren Fortgang und Waren in jüngster Zeit in Holstein, Oldenburg und Hannover sehr bedeutend. Ein Theil dieser Pferde kam vor einigen Tagen nach Köln und wurde per Eisenbahn weiter befördert. Werken die osficiösen Dienstmänner dieses Thema nicht auch einmal in Angriff nehmen? Mit der Paßgcschichte und der sil­bernen Hochzeit haben sie sich schon lange genug fast ausschließlich befaßt.

Wiesbaden, 28. Febr. Dem Ministcrpräsi. denten v. Bismarck ist von einem Privatmanne eine Denkschrift über die Zustande im Westerwalde über­reicht worden, Wofür dem Verfasser im Auftrage des Premiers von-Herrn v. Dicst viel Verbindliches ge­sagt worden sein soll. Wie wir weiter von glaub­würdiger Seite vernehmen, soll der Regierungsprä­sident aufs Bestimmteste versichert haben, daß dem Westerwald und seinen Zuständen eine unausgesetzte Sorgfalt gewidmet und eine Wiederholung des ge­genwärtigen Nothstandes unmöglich gemacht werten solle. Ein hiermit in Verbindung stehendes Gerücht will sogar wissen, daß von Seiten der Regierung bereits eine namhafte Summe für öffentliche Arbei- ten, die im Westerwalde vorgenommen werden sollen, ausgesetzt worden sei. Wir glauben jedoch versichern zu können, daß dieses Gerücht bis jetzt noch einer thatsächlichen Unterlage entbehrt. Jedenfalls ist durch die Intervention der Regierung der Beweis gebracht, daß die Presse bezüglich des Westerwälder Nothstan­des sieh kaum einer Uebertreibung schuldig gemacht und die Regierung dadurch Gelegenheit erhalten hat, die hülfsbedürftigen Zustände des Westerwaldes gründlich kennen zu lernen; wenigstens soll sich Hr. v. Diest selbst in diesem Sinne mehrfach ausgespro- chen Haden.

Hannover, 28. Februar. König Georg läßt durch seine Bevollmächtigten in London, Wie ter K. Z." von dort gemeldet Wird, alle jene Geld­posten einziehen, welche nicht zu den Staatsgelvern gehören, die nach dem Vertrage mit Preußen zurück- gesandt worden, sondern als Privateigenthum ihm verblieben sind und im Juni 1866 nach England befördert wurden. Die Summen werben nach Hietzing geschickt, so daß in England kein Vermögen des Königs zurückbleibt. Bis jetzt werde der König demnach seine Ueberjtebelung nach England nicht be- schloffen haben. , '

München, 29. Februar. König Ludwig I. ist in Nizza gestorben.

Paris, 25. Febr. Nachmittags 3 Uhr. Die Aufregung, die in Paris herrscht, so schreibt man derK. Z." ist im Zunehmen begriffen. Die erste Demonstration fand heute Morgen zwischen 9 und 10 Uhr in den ChampS ElysoeS statt. Es kam nämlich ein aus drei Wagen bestehender Zug, dem ein Mu- sikeorps vorherschritt, die Champs Elysües herunter. Auf dem ersteren Wagen befanden sich Männer, Frauen und Kinder, Alles in Waffen, und darüber f und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pie

stand:La loi militaire; auf dem zweiten befand sich eine ungeheure Zeitung mit dem Titel:LEm- pire; der dritte Wagen endlich war ganz leer; keine Menschenseele war darauf zu sehen, eine Fahne trug die Inschrift:Droit de Reunion. Die drei Wa- gen, die von ungefähr 20 bis 30 Leuten zu Pferde, die alle mit Trauerfloren geschmückt waren (eS sollen Studenten gewesen sein) und von denen einer eine Standarte mit der Inschrift:La France libre trug, begleitet waren, gelangten aber nur bis zur Mitte der Champs Elysäes. Dort wurden sie von einem Polizeicommiffär, der sich an der Spitze zahl- reicher Agenten befand, angehalten. Derselbe nahm die Embleme weg und geleitete den ganzen Zug nach seiner Amtswohnung. Eine Demonstration anderer Art ereignete sich, als die fetten Ochsen den Tuile- rien ihren Besuch abstatteten. Die Ochsen kamen dort um 1 Uhr an, wie dies immer der Fall ist, der Kaiser, die Kaiserin, der kaiserliche Prinz und der ganze Hof auf dem großen Balcone befanden. Der Schlächtermeister Duval begab sich in die Tuile- rien, um ihre Majestäten zu begrüßen. Als er wie­her herunter kam, spielten die Musikbanden das be­kannte:Partant pour la Syrie, und die Escorte der Ochsen stimmte dasVive lEmpereur! an. In diesem Augenblicke ertönte plötzlich ein gewalti- tiges, man könnte sagen, tausendstimmige«:Thiers, Thiers! Was das Wort bedeuten sollte, weiß ich nicht genau; eS schien aber ein Losungswort zu fein, was auch wieder laut wurde, als die Ochsen zur Begrüßung des Prinzen Napoleon nach dem Palais Royal zogen. Die Polizei, obgleich sie in Unzahl vertreten war auf dem Carouffelplatze befand sich eine doppelte Cavalleriebedeckunz für die Ochsen, schritt nicht ein und ließ den Ruf:Thiers! ruhig feinen Laus gehen. Wahrscheinlich soll ter Ruf an- deuten, daß man das Juli-Königthum dem jetzigen Regime vorziehen würde. Nachschrift. So eben höre ich, daß es auf dem Pont Neuf zu Bal- gereien zwischen Polizei-Agenten und Blousenmän- nern, zu einem ernstlichen Handgemenge gekommen ist und Verhaftungen stattgefunden haben. Anlasz , dazu gaben Demonstrationen, welche man ^.ber auf der genannten Brücke stehenden Re- -rtatue Heinrich'- IV. machte. Den fetten Ochjen ging nämlich eine Schaar von 300 Blousenmännern vor- aus. Als dieselben an der Statue ankamen, mach- . ten sie plötzlich Halt, zogen ihre Mützen ab und brachten ihr eine Ovation dar (nach Ei'igen sollen sie die Parisienne, eine Art von Marseillaise, ange­stimmt haben). Dann zogen sie weiter. Den Och­sen folgte eine zweite Schaar Blousenmänner, die dasselbe Manöver aufführen wollten, die Polizeidiener ließen es aber nicht zu und fielen über sie her. Ein ziemlich heftiger Kampf entstand, wobei den Polizei- dienern der Sieg verblieb- Nähere Einzelnheiten fehlen noch.

Paris. Während die untere Strömung der gouoernemcntalcn französischen Kreise noch an der Ernennung des Generals Beyer zum badischen Kriegs- Minister herumnagt, beschäftigt man sich in den oberen Regionen der diplomatischen Welt mit einem Ge­rüchte von ganz anderer Tragweite. Es ist nämlich da von einer vemnächst bevorstehenden Sendung des Prinzen Napoleon nach Berlin in besonderem Auf­trage (dieselbe meldet diePatrie" heute in ' ((run­ter Weise) die Rede, die man natürlich nicht i. : ihm mit der orientalischen Frage in Verbindung zu

Paris, 27. Febr. Die Minister Pinard uUD Baroche haben den Vicepräsiventen Jerome T vid ihr tiefes Mißfallen darüber auSgedrückt, daß im 24. Februar, al« Havin das Erkenntniß des yren- gerichteS zur Vorlesung bringen wollte, die mtzung aufgehoben, ohne die Kammer zu consultiren- Die Deputirten von Paris erhielten übrigens Adressen,, welche sie auffordern, den Gegenstand bei,dem Wie-, derzusammentritte der Kammer zur Sprache zu brin gen und ihre Entlassung zu geben, wenn ihnen n cht Genugthuung werde.

Paris, 27. Februar. Die Ruhestörungen, die am 24. auf den Straßen vorgekommen sind (be­reits in der vorigen Nummer unseres Blattes mit- getheilt), sind so ernstlicher Natur, daß man einen Augenblick die plötzliche Panik der Börse daraus zu erklären dachte. Dieß ist nun zwar nicht der Fall; es geht aus den heutigen Abendblättern, die natür­lich sonst mit keiner Silbe von den etwas mehr als earnevalslustigen Vorgängen sprechen, zur genüge her- vor, daß einzig und allein die russischen Jntriguen, die den Franzosen überhaupt stark in be*- Knochen zu liegen scheinen, die Börsenredoute verau.ußt ha­ben. DasJournal de Paris" ist überzeugt, daß die Artikel desJournal de St- Petersb urg" all' Viesen Lärm verursacht haben; im Uebrigen hält es Dafür, daß wenig Grund zu ernstlicher Besorgniß vorhanden fei.________________________________/

sch) in Gießen-