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Oberhessische Eisenbahnen.

1284) Die Regierung hat bestimmt er­klärt, die Eisenbahnen nicht bauen zu wollen, weil sie den Staat, dessen Finanzkräfte schon so stark in Anspruch genommen sind, bei den jetzigen Zeitverhältnissen nicht in ein so bedeutendes Gcldunternehmen verwickeln will.

Sie erreicht den Zweck auf eine für den Staat billigere Weise, sie überläßt den Bau der Privatindustrie und garantirt einen ge­wissen Zinsenbetrag.

Wenn das Geld theuer ist, wie eben, muß man hohe Zinsen zahlen. Früher konnte der Staat für versprochene 4 fl. Zinsen 100 fl. voll bekommen, jetzt muß er minde­stens 5 versprechen, wenn er 100 fl. haben will. Der Staat kann daran nichts ändern. Wenn er eben Pariere ä 3*/2 pCt. ausgäbe, so würde Niemand dafür 100 fl. bezahlen, sondern 7475, weil sie eben nach dem jetzigen Preis des Geldes nicht mehr werth sind.

Wenn man also mit einer Rente von 3>/z fl- eben nicht 100, sondern nur 7475 Capital haben kann, so ist das hart, aber kein Verlust, weil man für den Preis eben nicht mehr Waare erhalten kann. Indem man also erhält, was zu erhalten ist, ist es ein Unsinn zu sagen, daß die Differenz bis zu 100 Profit für die Bankiers sei, wie es ein Unsinn sein würde, einem Fruchthändler, der eben den Waizen zu 17 fl. verkauft, nachzusagen, daß er mindestens 7 fl. Prosit in den Sack stecke, weil der Waizen vor Jahren nur 10 fl. gekostet habe.

Prioritäten dürfen nur ausgegeben wer­den, wenn sich die Regierung von der Noth- wcndigkeit überzeugt.

Wir dürfen überzeugt sein, daß der Re­gierung das Beste des Landes eben so am Herzen liegt, als dem Rechenmeister, der sich sub Nr. 1130 hören läßt. Wer nicht Schwindel in die Welt werfen will, kann leicht berechnen:

1) daß die Garantie noch nicht 3 pCt. des nothwendigen Kapitals beträgt und daß

2) die Garantie einer Rente den Staat vor allem Risiko schützt, das in dem Anschaffen des Kapitals liegt.

Als vor Jahren die Frucht theuer und deßhalb das Brod kleiner wurde, glaubten Einige, daß das Brod lediglich zuin Profit der Bäcker so klein geworden sei und riefen auch:

Selbstbacken sei die Loosung. Die Selbst­bäckerei trat in's Leben. Die Actionäre ver­loren ihr Geld und erkannten, daß man am klügsten nicht Alles selbst thut, sondern denen überläßt, welche die Sache verstehen.

Keinen Schwindel mit falschen Rechnungen verbreiten, sondern die Regierung in ihren wohlwollenden Plänen für die Provinz kräftig unterstützen, das sei die Loosung.

1265) Ein schwarzer Schleier wurde ver­loren und bittet man, denselben abzngeben bei Carl Gail.

Turnverein.

1278) Freitag den 6. März, Abends 9 Uhr, in der Turnhalle:

Generalversammlung.

Tagesordnung: Berichte. Beisitzerwahl. Schauturnen. Der Vorstand.

Für Cigarren- und Tabaks- Arbeiter.

1271) Sämmtliche obengenannte Arbei­ter, welche zu den Sammlungen am 13. und 14. August 1867 Beiträge geleistet haben, diene zur Nachricht, daß die noch übrig­gebliebenen 18 fl. 5 fr-, abzüglich 34 fr. Un­kosten, bei der am 23. d. Mts. stattgehabten Versammlung durch Einstimmigkeit den Ab- gebranntenj in Trendelburg zugedacht wor­den sind.

Gießen, den 1. März 1868.

Der Vorstand.

1276) Es sucht Jemand als Einsteher für einen Militärpflichtigen einzutreten. Wer? sagt Ausg. d. Bltts.

1281) Ein junges Mädchen aus hiesiger Stadt, das in allen häuslichen Arbeiten erfahren ist, sucht eine Stelle. Das Nähere bei der Exped. d. Bltts.

1254) Zur Ordnung des Nachlasses des Fabrikanten August Burk von hier wer­den Diejenigen, welche Forderung an den­selben haben, aufgefordert, ihre Rechnungen binnen 8 Tagen bei dem Unterzeichneten ein­zureichen. Derselbe ist von den Erben er­mächtigt, die Ausstände einzucassiren, weß- halb die betreffenden Schuldner sich mit mir in Benehmen setzen wollen.

Eckstein, Hofgerichtsrath.

1258) Schutt zum Auffüllen kann gegen Trinkgeld abgeladen werden bei

B. Katzenstein.

Epileptische Krämpfe (Fall-! sucht) heilt Ur. O. Killisch, Spezial- ! arzt für Epilepsie, Berlin, Jägerstr. z 75/76. Auswärtige brieflich. (1261) |

1288) Ein zuverlässiges Mädchen wird gegen guten Lohn in Dienst gesucht. Von wem? zu erfragen bei der Exped. d. Bltts.

1259) Ein Lehrling wird in ein hiesiges Fabrikgeschäft gesucht. Näheres bei der Exped. d- Bltts-

1286) Ein braunseidener Regenschirm mit weißem Griffe wurde gefunden und kann derselbe bei mir in Empfang genommen werden. W- Zurbuch.

1211) Ein Mädchen, welches kochen kann und in allen Hausarbeiten erfahren ist, wird gegen guten Lohn in Dienst gesucht- Von wem? sagt die Exped- d- Bltts.

Jaeob Krichelsche Schönfärberei

in Homburg.

1289) Nächste Absendung Freitag den 6- März- Gegenstände zum Färben und Drucken besorgt prompt I- Ch- Retter, am Kreuz.

1 Auswanderer

befördert billigst

Christian Wallenfels, jun.

Merhesllsche Eisenbahnen.

1285) Die in Nr- 24 und 26 dieses Blattes bezüglich der oberhessischen Eisen­bahn niedergelegten Ansichten und Berech­nungen sind mit Ausnahme der Prioritäts­frage so sehr von den meinigen abweichend, daß ich gegen die mir angedichtete Autor­schaft dieses Artikels öffentlich Verwahrung -einlegen und die vereheliche Redaktion um die nöthige Erklärung bitten muß.

Gießen, den 1- März 1868.

Hcinr. Hornberger.

Wir bescheinigen hiermit, daß uns der in Frage stehende Artikel durch die Zeitungs- Annoncen-Expedition von Haasenstein «fe Bögler in Frankfurt a. M. zugesendet worden ist, weshalb wir feinen Anstand nah­men, denselben in den Anzeiger anonym auf­zunehmen, da die Herren Haasenstein & Vog­ler, ein uns schon seit langen Jahren be­freundetes und mit uns in Geschäftsverbin­dung stehendes Haus, Erklärt haben, die Verantwortung dafür übernehmen zu wollen. Ob dieser Artifel nun seine Autorschaft in

Gießen oder anderwärts hat, können wir nach dem eben Mitgetheilten nicht ermessen.

Die Redaction des Gießener Anzeigers.

1279) 300 fl. sind gegen gerichtliche Sicherheit zu verleihen. Wo? sagt die Exped. d. Bltts.

Theater in Gießen.

(Im Cafv Leib.)

1253) Mittwoch den 4. März 1868:

Der erste Waffengang des kleinen Richelieu.

Lustspiel in 2 Akten, von Heine.

Hierauf:

Cin gebildeter Hausknecht,

oder:

Verfehlte Prüfungen.

Posse mit Gesang in 1 Akt, von Kalisch.

W. Kern, Director.

Biirseunachrichten.

29. Februar 1868.

Preuss. 41/2% Obi. Frankf. 3V?/o Obi. 811/4 Nass. 41/2o/o Obi. 94i/2 Kurh. 40/0 Obi. 893/4

Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 897/8 3i/3% do. do. 83

Bayer. 5% Obi. lOl/g

41/2% 1jährige 931/4

» 4 V2°/0 Vejährige 933/4 Würtemb. l'/VVo Öbl. 935/s Baden 41/2% Obi. c. E.L. 94

Oestr. 5% b. R. 66 5°/o National 553/4

50/0 Metall. Obi.

M. steuerf. 51

Amer. 6% 1882r Bds. 75 60/q 1885r 74i/a

Aetieii.

Frankf. Bank 126

Oester. Bank 721

f Creditact. 191 f/2

| Darmst. Bankact. 2201/2

Prioritäten.

50/0 östr. F. St. E. B. 26O V2 Ludwigsh.-Bexbach 1563/4

Maxbahn 107

Bayer. Ostbahn 120

Hess. Ludwigsbahn 131

30/0 östr. Stsb.-Prior. 53'/2 3% östr. s. Lombard. 435/j 3% Livorneser 281/4 Toscaner

Frankf. Hypoth .-Bank Frankf. Vereins-Kasse 50/0 Elisabeth-Prior. 76 do. II. Emiss. 73%

Wechsel.

Amsterd. k. S. 100i/2 Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. S. 105 Bremen k. 8. 977/a Cöln k. S. 105 Hamburg k. S. 883/g Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119/2 Lyon k. S. Paris k. 8. 953/g Wien k. S. 101% Uisconto 3% G.

Geldsorten.

Anleliensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 541/2 Nassau fl. 25 b. Roth. 36i/2 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 4'1/0 bayr. Präm. Anl. 985/g 40/0 badische Loose 981,2 Badische fl. 35 Loose 1858r Prioritätsloose 134* 2 1860r Loose 72Z/g

Pr. Gass. Sch. 1 Div. Cass.-A.

Pr. Friedrdor. 9

Pistolen . . 9

doppelte 9 Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankenst. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2

447/8-451/8

57i/2-58*/2

49-51

50-52

54-56

37-39

32-33

54-58

50-52 271/2-281/2

Für die Abgebrannten in Trendelburg

wurden von den Cigarren- und Tabaksarbeitern gesammelt und an uns abgeliefert ab­züglich der Unkosten 17 fl. 31 fr.

Weitere Beiträge werden mit Dank angenommen.

Die Expedition.

Feuilleton.

Vetter und Bafe.

Eine Familiengeschichte.

(Fortsetzung)

Der Buchhalter gab Henrietten stumm die Hand und suchte sie mit einem bedeutsamen Blicke zu beruhigen. Herr Gottfried Balder aber ging mit starken Schritten im Zimmer auf und ab und hatte das Haupt tief aus die Brust ge­senkt.Das sind meine Freuden!" murmelte er halblaut mit einem tiefen Seuf­zer vor sich hin.Ich hoffte heute Abend ein Freudenfest hier zu feiern mit den Meinigen, ich rechnete auf Dankbarkeit, Liebe und Ergebung, und finde Verstocktheit, Vorurthcil und Bitterkeit! ... Ist dich ein Leben, das der Sor­gen und Mühsale lohnt?"

O, Papa, sein Sie großmüthig und vergeben Sie ihr!" ries Henriette und warf sich an des Vaters Hals.Legen Sie nicht dem Herzen zur Last, was nur die erregten Nerven verschuldet haben! Bedenken Sie, wie unvorbe­reitet uns die Nachricht traf, als wie ein Blitz aus wolkenlosem Himmel!"

Ja, bester Onkel, üben Sie Nachsicht!" bat auch Pauline von der andern Seite.Wenn Sie ahnen könnten, wie furchtbar die gute T die Frau Com- merzienräthin gelitten hat, als so eine Dame nach der andern kam, und mit heuchlerischer Theilnahme und schlechtverhehlter Schadenfreude erfahren wollte, ob es wahr sei, daß der Balver'sche Glücksstern untergegangen? .... ach, liebster Onkel, das war doch eine schwere Prüfung und Heimsuchung! Aber nun kommen Sie zu Tische, oder ich muß die Suppe noch einmal an's Feuer setzen lassen! Zu Tische, zu Tische!"

15.

Vetter," flüsterte Pauline dem Buchhalter zu, als sie das Obstkörbchen und das Dessert auf den Tisch gesetzt hatte,ich denke, wir gehen weg und lassen die Familie allein, sonst thut die Tante keinen Mund mehr auf. Ich bringe Ihnen Ihr Gläschen Grog in Onkels Zimmer hinüber!"

Und leisten mir Gesellschaft, bis der Oheim kommt, mit dem ich noch manches zu besprechen habe," versetzte der Buchhalter.Topp, unter dieser Be- dingung gehe ich Ihnen voran!" Und er schlich sich in aller Stille davon.

Nicht lange darnach folgte ihm Pauline auf des Oheims Privatzimmer und brachte ihm den Grog, den er seither jeden Abend mit dem Oheim gemein­sam zu nehmen pflegte. Es drängte Paulinen, mit dem Vetter zu reden, nicht

allein aus Neugier, zu erfahren wie denn alles so plötzlich gekommen sei, sondern auch aus aufrichtiger Dankbarkeit, weil sie ihm instinktmäßig das Verdienst bei­maß, durch diesen Schritt der Retter ces Oheims und der ganzen Familie ge­worden zu sein. Und offen und herzlich, wie sie war, ohne jede Spur von falscher Ziererei und Prüderie, drückte sie ihm denn nun ihre dankbare Anerken­nung in herzlichen einfachen Worten aus. Er lehnte diesen Dank und das ihm beigemessene Verdienst aber ebenso unbefangen ab, wie es ihm gezollt worden war.

Sie wissen ja, liebes Väschen, daß die erste Idee, dem Oheim auf diese Weise zu helfen, eigentlich von Ihnen herrührt! Daß Sie das größste Verdienst dabei haben, baß die Sache gelang!"

Ich?" rief Pauline verwundert.

Nun ja doch! Erinnern Sie sich nicht des Abends, wo wir allein zu­sammen speisten, und Sie mir erzählten, wie den Oheim der Schlaf meide und er oft beinahe bis zum Morgen in seinem Zimmer auf- und niedergehe, seufze und mit sich selber rede? Und ist Ihnen nicht mehr gegenwärtig, wie Sie da­mals die Aeußerung thaten:Ach, wenn sich doch ein Käufer zu dem ganzen Geschäfte fände, oder wenn doch Vetter Robert ahnen könnte, welche Sorgen und Aengsten den armen Oheim quälen! Entsinnen Sie sich dissen noch?"

O ja, Vetter, aber das war nur so ein Einfall von mir!"

Jedoch ein glücklicher, liebes Väschen, und ich griff ihn auf, machte ihn mir zu eigen, und so ermhr Robert mit Einem Male die kritische Lage des Oheims und die Mittel zu ihrer Beseitigung! Darum gebührt Ihnen das Haupt­verdienst !"

Nein, Ihnen, Vetter, denn Sie haben den Gedanken erst fruchtbar gemacht!" sagte Pauline.Sie sind überhaupt cin merkwürdiger Mensch! Was Sie an­greifen, das gelingt Ihnen, und Sie sind wie der gute Genius in dieses Haus hereingekommen. Seit Sie da sind, ist der Oheim ganz anders; er läßt sich nicht mehr so geringschätzig von der Tante behandeln und macht seinen Willen geltend. Und dann ist er weit besonnener t..:d ruhiger geworden und ist nicht mehr so verstört und sorgenvoll. Sie haben ihn gerettet, Vetter, denn wenn diese Unruhe, diese Qual der Sorgen und geistigen Aufregung noch eine Weile so ungemindert angedauert hätte, so würde er diesem Zustand erlegen fein, davon bin ich lebhaft überzeugt. Und darum bin ich Ihnen auch recht dankbar, wenn Sie mir gleich zuweilen Grauen einflößen!"

Ich Grauen einflößen?" rief der Vetter lächelnd;wie so denn, Väs­chen? Bin ich denn ein solcher Knecht Ruprecht?"