Ausgabe 
2.7.1868
 
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SM- Z1 n s s e rsclier Garten. <e^^|

Freitag, den 3. Juli:

Großes Ertro-Concerl, ausgeführt v o in ganzen Musik-Korps der hiesigen Jäger.

Darstellung der rühmlichst bekanntenWunderfontame", genannt:

KnOSPlMEtHROMOKi

oder:

dierystallgrotte der l¥ajaden,

eonstruirt und uvrungirt vom Unterzeichneten.

Zum Schluß:

Brillante Beleuchtung des ganzen Gartens durch

electrisches LtcM.

Anfang des Honcerts 6 Ahr, der Iontaine 9 Ahr.

Entree ä Person 15 kr., Kinder 6 kr.

Hierzu ladet ergebenst ein Gustav Petfch.

Tagesbillets sind zu haben bei Herrn C. Roloff, sowie Abends an der Casse.

F e « i l

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung)

Also erscheinen die Modeschönheiten, fuhr Barras fort, wirklich öffent­lich in diesem antiquen Gewände? Meiner Treu', man sollte glauben, die Göt­terstatuen wandelten unter uns einher.

Wisse, antwortete Coraly, daß nur drei Frauen es wagen, so zu er­scheinen.

Ja, versetzte der gelehrte und galante Director, es ist nicht Allen er­laubt, nach Korinth zu gehen non licet omnibus adire

Latein, Herr Graf? rief Coraly hell auflachcnd. Du sprichst ja wie ein Pastor.

Wie der Abb6 Sieyös, mein Fräulein

Bösewicht! sagte Coraly und verzog ihr Gesicht zu einem lieblichen Schmollen. Gut, wie ein Bischof--

Also wie Taleyrand, mein Fräulein; denn unser politischer Olymp hat Ueberfluß an Geistlichen, welche die Kutte abgelegt haben.

Wie bist Du grausam, erwiederte Coraly. Aber Du wolltest ja mit mir reden ich höre.

Der Director nahm ein prachtvolles Bouquet aus einer Porzellanvase von Sevres, die auf dem Kamine stand, und überreichte Coraly die Blumen. Diese stieß einen Ausruf der Bewunderung aus.

O Himmel! sagte sie. Die hast Du wohl aus Florida verschrieben ?

Für Dich, schöne Nymphe. Dies Bouquet ist ein Symbol; es sagt Dir im Voraus, daß Du eine reizende und wunderbare Aufgabe übernehmen sollst.

Ich begreife noch nichts davon, versetzte Coraly, an den Blumen rie­chend. Aber hier kommt der Duft der Kaiserlilie--

Höre mich jetzt aufmerksam an, nahm Barras das Wort, und bemühe Dich, genau dem Plane zu folgen, welchen ich Dir mittheilen will.

Conspirirt man etwa gegen die Republik, Bürger?

Wenigstens gegen das Direktorium.

Ah, das ist ja noch ärger, Herr Graf!

Barras drehte seinen Stuhl so um, daß er dem schönsten Gesicht von der Welt gerade in die Augen sah. Coraly schickte sich mit dem festen Entschlüsse, nicht zu gähnen, an, ihm zuzuhören. Da jedoch das Gespräch mit leiser Stimme geführt ward und für keinen indiskreten Horcher verständlich sein sollte, müssen wir bekennen, daß es uns nicht möglich wäre, hier das kleinste Fragment da­von mitzutheilen. Wir bemerken nur, daß Fräulein Coraly zuerst sehr auf­merksam, dann überrascht und endlich entzückt war, und wir vermuthen daher, daß der Bürger Direktor seine Predigt mit den berauschendsten Redeblumen

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schloß. Niemandem stand besser als ihm das galante Wörterbuch de« alten Hofes und das verführerische Supplement des neuen Regime zu Gebote. Kein Wunder, daß Coraly die ihr zugetheilte Rolle mit all' ihrer Kunst zu spielen versprach und den glücklichsten Erfolg in Aussicht stellte.

Noch fehlte eine Person. Dieselbe langte in diesem Augenblicke in dem Vorzimmer des Palastes Klein-Luxembourg an. Eine Komödie von drei Perso­nen entspann sich, bei der wir unsere Plätze als Zuschauer behalten wollen.

4.

Wie die Maus mit der Katze fertig wird.

Der dienstthuende Portier meldete den Hauptmann Reymond. Der Direk­tor flüsterte dem Fräulein Coraly zu:

Du mußt also seinen wirklichen Namen, seine Vergangenheit und den Zweck seiner Sendung nach Paris erfahren.

Kaum hatte er diese Worte beendet, als der Hauptmann in'« Zimmer trat.

Himmel, wie schön er ist! murmelte Coraly sehr offenherzig, oder in­dem sie eine erheuchelte Bewunderung zur Schau trug.

In der That zeigte sich der Hauptmann Reymond, welcher überhaupt nach dem Ausdrucke der Zeit für einen sehr schönen Cavalier gelten konnte, an dem heutigen Abende so elegant und jugendlich, daß er noch einnehmender al« gewöhnlich erschien.

Die Herren Lesage und St. Georges hatten aus unserem Offizier einen Stutzer ersten Ranges gemacht; aber was sie ihm nicht verliehen hatten, war jener Adel des Benehmens, jener Charakter männlicher Unerschrockenheit, gepaart mit Sanftmuth, und jener sichere, feste Blick, den Reymond von Natur und Ge- wohnheit seines Lebens im Feldlager besaß. Uebrigcns aber müssen wir beken­nen: wenn das Kleid auch nicht den Mann macht, so ziert es ihn doch sehr.

Der Hauptmann trug einen grünen Rock von modernstem Schnitte und eine seidene Weste, deren hellgelbe Farbe durch eine Stickerei von schmalen Sil­berstreifen angenehm hervortrat; sein kurzes, eng anschließendes Beinkleid war von feinstem, geschmeidigen Casimir; die seidenen Strümpfe von durchsichtiger Weiße ließen die drallen, untadelhaften Formen seiner muskulösen S3ttne erken­nen ; die Schnabelschuhc mit goldenen Schnallen waren von rbealer Gestalt, sie verlängerten und schweiften den Fuß, ohne ihn zu beengen.

Der Hauptmann trug einen niedrigen Claquc - Hut in der Hand, dessen weicher und nachgiebiger Filz sein geschmackvoll geordnetes Haar sicher nicht im mindesten gedrückt hatte, das nur leicht gepudert war und am Nacken durch ein Moireeband mit einer goldenen Agraffe zusammen gehalten ward.

Der Hauptmann schritt gradesweges auf Barras zu, welcher ihm die Hand cntgcgenstreckte und ihn vor das Sopha führte.

(Fortsetzung folgt.)