Art. 31. Unser Ministerium der Finanzen ist mit der Ausführung des gegenwärtigen Gesetzes beauftragt.
Urkundlich ic.
III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, den Oberinspector der Rheinschifffahrt betreffend.
IV. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbe- bürfniffe in den Gemeinden des Kreises Vilbel.
V. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfniffein den israelitischen ReligionSgemeinven des Kreises Lindenfels.
VI. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communalbedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.
VII. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeindcn des Kreises Alzey.
VIII. Bekanntmachung Großherzoglichen KreiS- amts Offenbach, die Nichterhebung einer Umlage bei der israelitischen Religionsgemeinde zu Weiskirchen im Jahre 1867 betreffend.
IX. Charakterertheilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst ge- rcuht: am 4. April dem Lehrer an dem evangelischen Schullehrer-Seminar zu Friedberg, Ludwig Wilhelm Christian Roth, den Charakter als „Professor" zu verleihen.
X. Dienstentlassungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 28. März den ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität, Geheime Justizrath Dr. Rudolph Ihering, auf sein Nachsuchen von seinem Dienste mit Ende des Som- mersemesters 1868 zu entlassen.
XL Versetzungen in den Ruhestand. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnä- digst geruht: am 4. April den Lehrer an dem evangelischen Schullehrer-Seminar zu Friedberg, Ludwig Wilhelm Christian Roth, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner vieljährigen treuen Dienste, — an demselben Tage den Expeditionsge- hülfen bei der Personenexpedition Darmstadt der Main-Neckar-Eisenbahn, Expeditor Carl Christian Seipp, — den Forstwarten der Forstwartei Kirschgarten, Caspar Laub, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste — und den Brückenwärter bei der Schiffbrücke zu Worms, Mathias Menges, in den Ruhestand zu versetzen.
XII. Sterbfälle. Gestorben sind: am 4. März der pensionirte städtische Waisenhauslehrer, Franz Alisky, zu Mainz; — am 23. März der katholische Schullehrer Englert zu Hammelbach, im Kreise Lindenfels; — am 25. März der pensionirte Ober-Domänen-Registrator Ludwig Schäffer zu Darmstadt; — am 30. März der Gerichtsvollzieher Georg Franz Sieglitz zu Mainz; — am 31. März der Reallehrer Schleidt zu Mainz; — an demselben Tage der Hofgerichts-Advokat Theodor Reh I. zu-Darrnstadt;-—am 11. April der FriedenS- gerichtS-Actuar Johann AdamOrthzu Worms.
Darmstadt, 25. April. Das heute ausgegebene, 26 Druckbogen umfassende Regierungsblatt Nr. 21 enthält eine Verordnung, das Bunke tzgesetz vom 9. November 1867 wegen der Verpflichtung zum Kriegsdienste und die Militär-Ersatz- Instruction für den norddeutschen Bund vom 26. März 1868 betreffend.
In Ausführung der Militär-Convention mit Preußen wird hiernach das genannte Gesetz (abgedruckt im Regierungsblatt Nr. 9), auf die nicht zum nord- deutschen Bunde gehörigen Theile des Großherzog- thums ausgedehnt, und treten die im vorliegenden Regierungsblatt abgedruckte Militär-Ersatz-Jnstruction sammt der dazu erlaffcnen Ausführungs-Verordnung und die durch das Regierungsblatt Nr. 15 bereeis veröffentlichte Instruction für Militärärzte für das gesammte Gebiet des Großherzogthums in Wirksamkeit.
Das vorbenannte Gesetz und die vorbenannten Instructionen treten an die Stelle des Gesetzes vom 20. Juli 1830 und der dazu erlassenen abändernden, ergänzenden und erläuternden Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen, sowie des Reglements von 23. Mai 1827.
Gegenwärtige Verordnung, mit deren Ausführung die Großherzoglichen Ministerien des Innern und des Kriegs beauftragt sind, tritt mit ihrem Erscheinen im Regierungsblatt in Kraft.
Darmstadt, 23. April. Das Regierungsblatt Nr. 22 enthält:
I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Erbauung mehrerer Eisenbahnen in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen betreffend.
II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Erbauung von Eisenbahnen in der Provinz Oberhessen betreffend.
III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Steuerausschlag für die letzten neun Monate des Jahres 1868 betreffend.
IV. Ermächtigung zur Annahme eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 16 April dem Cabinets - Archiv - Director, Geheimerath Dr. Baur, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem König von Würtemberg verliehenen Commenthurkreuzes des Ordens der Würtembergischen Krone zu ertheilen.
V. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 4. April den Gerichtsvollzieher Johann Georg Ich le zu Ober-Ingelheim zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Mainz — und den Gerichtsvollzieher Philipp Steffan zu Alzey zum Gerichts- Vollzieher mit dem Amtssitze zu Ober-Ingelheim zu ernennen; — am 7. April den Privatdocenten Dr. Sigurd Abel zu Göttingen zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landes- Universität, insbesondere für das Lehrfach der Ge- schichte zu ernennen und in dieser Eigenschaft zu berufen.
VI. Charakterertheilung. Se. Königliche Hoheit der GroMr-og haben allergnädigst geruht: am 14. April dem ^Oberappellations- und Cassa- tionsgerichtsrathc bei dem OberappellationS - und Cassationsgerichte, Carl von Ochsen st ein, den Charakter Geheimerath zu verleihen.
VII. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evangelische Pfarrstelle zu Ober-Lais, im Decanate Gedern, mit einem Gehalte von 698 fl. 13 fr.; — die evangelische Schulstelle zu Queck, im Kreise Lauterbach, mit einem Gehalte von 300 fl. 38 fr., nebst 4 Stecken Holz zur Heizung des Schul- locals ; dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.
VIII. Sterbfälle. Gestorben sind: am 24. März der Großherzogliche Cvnsul Carl Friedrich Ad ae zu Cincinnati; — am 17. April der Notar und Ergänzungsrichter am Bezirksgerichte Alzey, Friedrich Carl Theyer.
Darmstadt. Prinz Ludwig, Großh. Hoheit, ist von seinem Besuche am Coburg'schen Hofe in Gotha zurückgckehrt. Während der kurzen Abwesenheit des Divisionärs unserer Truppen führte Oberst Seederer das Divisionscommando. Oberst Müller, Dircctor des Großherzoglichen Zeughauses, ist pen- sionirt worden. Für die nächsten Tage werden verschiedene wichtige militärische Neuigkeiten erwartet, so u. A. die definitive Bestimmung der zukünftigen Garnisonsorte und neben einem größeren Avancement mehrfache Personalveränderungen. Wie verlautet, wäre Hauptmann v. Hesse, bisher Adjutant des Divisionärs, bereits zum Chef des Divisionsstabs renannt.
Worms. Bon hier geht uns das Programm zur Feier der Enthüllung und Einweihung des Lu- ther-Denkmals das. am 24., 25. und 26. Juni d. I. zu. Am 24. Juni kirchliche Vorfeier und AbentS Einläuten des Festtages mit allen Glocken. Donnerstag den 25. Juni: Morgens früh 5^/, Uhr Festgeläute mit allen Glocken, Choral vom Thurme. Um 9 Uhr Geläute mit allen Glocken während des Festzuges nach der Dreifaltigkeitskirche; Beginn des Fcstgottesdienstes. Um ID/a Uhr Zug nach dem Festplatze unter Glockengeläute. Nach Ankunft die Enthüllungsfeier: Männerchorgesang mit Begleitung von Blase-Instrumenten, Festrede mit dem Enthiil- lungSact, worauf die ganze Versammlung unter Begleitung von Blase-Instrumenten das Lied: „Ein' feste Burg ist unser Gott" k. anstimmt; nach dem Gesang Weihredc und Uebergabe des Denkmals an die Stadt Worms, hierauf allgemeiner Gesang. Nachmittags 3 Uhr gemeinschaftliches Festessen in der Festhalle, Abends 9 Uhr Beleuchtung des Monumentes. Vorher Choral vom Thurme. Am 26. Juni Nachfeier.
Berlin. Wie der Telegraph meldet, enthält die heutige „A. A. Ztg." die allarmirenve Nachricht aus Paris, daß die französische Regierung im Begriff stehe, eine „Mainzer Frage" aufzuwerfen, da Preußen kein Recht habe, eine Besatzung in Mainz zu halten.
L a n d w i r t h s ch a f t l i ch e s.
Saatfrucht und Ernte.
Wie außerordentlich groß der Einfluß einer guten Saatfrucht auf den Ertrag ist, ergibt sich aus folgendem, ebenso intereffanten wie lehrreichen Versuche. Ein sich in gleichem Baue und in gleicher Düngkraft befindendes Feld wurde im vorigen Herbste in drei gleiche Theile getheilt. Der Theil I wurde besamt mit Waizenkörnern, von denen durchschnittlich 389 ein Loth wogen, der Theil II mit Waizen, von denen das Loth 361 Körner enthielt, und der Theil III mit Waizen derselben Art, von denen aber nur 331 Körner auf ein Loth gingen. Beim vorgenommenen Ausdrusche wurde ermittelt, daß der Theil III, der die vollkommensten Körner erhalten hatte, den Ertrag des gleich großen und gleich guten II. Stückes circa um 163 Pfd. und den Ertrag des Stückes I, das die unvollkommensten Körner als Saatgut in gleichem Maße erhalten hatte, sogar um 195 Pfd. Waizenkörner überstieg. Hieraus folgt, was die Masse des Laudwirthstandcs noch lange nicht genugsam beachtet, wie nachtheilig es ist, die bessere Frucht zu verkaufen und die geringere Qualität als Saatfrucht zu benutzen.
Genossenschaften.
Die Landwirthschaft macht in neuerer Zeit nach allen Richtungen Fortschritte; sie sucht sich gleich allen anderen menschlichen Erwerbszweigen von Zeit, Witterung und menschlicher Arbeitskraft unabhängig zu machen. Vervollkommnete Maschi- nen leisten mehr, als eine ganze Colonne Arbeiter. Drainage und Unter- grundspflüge bewähren sich als Hülfsmittel gegen übermäßige Nässe und Trockene, durch zweckmäßig zusammengesetzten Dünger ist man im Stande, den strengen Lehren der rationellen Fruchtfolge ungestraft entgegen zu handeln, und bereits stellt die Anwendung des Dampfes als Arbeitskraft auf dem Felde und in der Scheune die Ueberwindung sprichwörtlicher Langsamkeit wirtschschaftlicher Arbeiten in Aussicht. Aber alle diese Fortschritte kommen meistens nur dem großen arrondirten Grundbesitze zu Gute; sie scheinen nur für den reicheren Grundbesitzer und den reichen Pächter gemacht. Der kleine und größtentheils auch der mittlere Landwirth mühen sich mit dem alten Pfluge ab, schwingen fortwährend den alten Flegel und seufzen unter der Herrschaft klimatischer und tellurischer Tyrannei. Sollte denn wirklich dem mittleren und kleineren Grundbesitzer der Fortschritt unmöglich sein? Es wäre traurig, wenn
dem so wäre, und es ist wohl der Mühe Werth, zu untersuchen, ob die größte und zahlre chste Klasse der menschlichen Gesellschaft von den Erleichterungen, welche die Resultate der wissenschaftlichen und gewerblichen Forschung gewähren, ausgeschlossen ist. Nach meiner Meinung gibt es ein Mittel, alle Hülfsquellen der wissenschaftlichen und gewerblichen Forschungen auch dem mittleren und kleineren Grundbesitze zugänglich zu machen, die Association, die Vereinigung Mehrerer oder Vieler zu einem bestimmten Zwecke. Darum sollten sich in jedem Dorfe, in jedem Dörfchen Einzelne oder Mehrere zusammenthun, um auf gemeinsame Kosten und für gemeinsamen Gebrauch bessere Geräthschasten, als Pflüge, Wieseneggen, Heurcchen, Ernte- und Dreschmaschinen rc. anzuschaffen, Meliorationen, als Flußcorrectionen, Drainagen, Bewässerungen auszuführen und andere nützliche Unternehmungen, als Creditinstitute, Viehversicherungen u. bergt in's Leben zu rufen.
Verwendung der Braunkohlen - Asche.
Der Fürstlich Solmsische Rentmeister, Herr Kreutzer zu Lich, schreibt an die landwirthschastliche Zeitung des Großherzogthums, daß sich die Braunkohlen- Asche als Wiesendünger gut bewährt habe, so daß man dieselbe in so ausgedehntem Maße verwenden sollte, als man deren nur habhaft werden könne. Als Beleg hiezu theilt er folgendes Erträgniß mit: Von einer 15 Morgen großen Wiesenfläche, mager und in geringer Lage, wurden bei öffentlichem Ausgebot erlöst im Jahre: 1866 für das Heugras . ... ft 63. 5 fr.,
„ „ „ Grummetgras . . „ 40. 20 „
Summa fl. 103. 25 fr.
1867 nach vorhergehender Düngung mit Braunkohlen-Afche:
für das Heugras.......fl. 248. — fr.,
„ „ Grummetgras..... „ 86. 20 „
Summa fl. 334. 20 fr.
Die Quantität des Grafts in 1867 war wohl das Vierfache gegen 1866; dabei war die Qualität nach der Düngung eine ausgezeichnete, und waren besonders viele Kleearten und Wicken reich vertreten.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr- Pietsch) in Gießen.


