schroffsten Weise ab.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen-
Gießen. Das Gebiet der Köln-Mindener Ei- senbahngejellschaft in nördlicher und nordöstlicher Richtung wird eine sehr bedeutende Ausdehnung erhalten, ebenso wird ihr durch die Oberhessischen Bahnen, für welche eine Zinsgarantie von 3i/2 % auf ein Baukapital von fl. 28,400,00? seifens der hessischen Stände genehmigt wurde, ein besonders wichtiges Verbindungsglied mit dem Süden dargeboten. Die letztgenannten Bahnen (von Gießen nach Fulda und von Gießen nach Gelnhausen) füllen eine schwer empfundene Lücke in dem deutschen Eisenbahnnetze aus, und sie scheinen vorzugsweise berufen, der west- phälischen Kohle ein großes Absatzgebiet nach Mittel- uiio Süddeutschland zu gewinnen. Wir haben schon früher auf das besondere wirthschaftliche Interesse, welches diese Bahnen in Anspruch nehmen, hingewiesen und führen jetzt noch weiter an, daß nach Genehmigung der Verträge mit dem Bankhause der Herren von Erlanger L Söhne, die mit 40 gegen 6 Stimmen erfolgte, nunmehr die Arbeiten unverzüglich in Angriff genommen werden sollen und demnächst die Actienemission, wie wir hören vom 6. April an, zum Kurse von 75 (für die mit 3i/2 % auf 99 Jahre garantirten Aktien, deren Werth jedoch erheblicher Steigerung fähig zu sein scheint) stattfindcn wird. Als Verwaltungsräthe bezeichnet man den Prinzen von Sachsen-Weimar,
den Grafen von Solms-Laubach und den Fürsten von Isenburg-Büvingen-Wäch- tersbach, Vie Herren M. v. Bethmann und
bleibende Jahresrente auf 60,000 fl. angeschlagen. Prinz Leopold erhält das Schloß Leopoldskron und Vie Marmorbrüche am Untersberg; Prinz Arnulf, dritter Sohn des Prinzen Luitpold, die Villa Malta in Rom, mit der ausvrücklichen Befugniß, sie zu ver- äußern oder zu vermiethen. Von den beiden Söhnen des Prinzen Avalbert erhält der ältere, Prinz Ludwig Fervinanv, die Villa Ludwigshöhe bei Eden- koben in ver Pfalz, der jüngere, Prinz Alphons, die Summe von 30,000 fl. Die Walhalla bei Regens- bürg erklärte der hohe Erblasser als ein Vermächtniß an ganz Deutschland, die Ruhmeshalle bei München, die Befreiungshalle bei Kelheim und die übrigen noch vorhandenen Gebäude, welche Eigenthum Kö- nigs Ludwigs I. waren, sollen dem König Ludwig II. vermacht sein, welchem auch die Armen, die von König Ludwig I. Unterstützung erhielten, empfohlen sind. Außerdem sind noch mehrere kleinere Legate an den Hofmarschall Frhrn. v. Laroche, die beiden Flügeladjutanten, Generallieutenant von Jeetze und Oberst von Gmainer, dann an die übrigen Bediensteten des hohen Erblassers ausgesetzt.
Wien, 29. Wärz. Die päpstliche Antwortin Sa- chen der ConcordatSrevision ist bereits aus Ofen hierher zurückgelangt unv sosortj dem cisleithanischen Mini e- rium mitgetheilt worden. Die Antwort bekämp t, mit Zugrundelegung des in Rom übergebenen Mc- moire's des Hrn. v. Hasner, die darin motivirten Forderungen Punkt für Punkt in einem umfang- reichen Schriftstück vom Standpunkte des göttlichen Rechts aus, unv lehnt dieselben schließlich nicht nur insgesammt und entschieden sondern in der aller-
Es sollen schon jetzt Handwerker, oder endlich beim Train verwandt wer- " ' ■ den. Freilich sind bisher auch zu Krankenwärtern
pers „definitiv" abzustehen. Dagegen brechen die clericalen Blätter, voran die „France," für die Auf- lösung auch heute wieder Lanzen. Die ostensibeln Gründe für diese Auflösung gehen dahin, daß die Majorität bei ganz anderen Verhältnissen im Jahre 1863 unter dem Ministerium Persigny gewählt sei, „wo der Wahlanstoß keineswegs die liberalen Formen ahnen ließ, welche die Kammer jetzt zu bestäti- gen berufen wurde." Allerdings ist es richtig, „daß die Conccssionen vom 19. Januar fichtbarlich Vic liberalen Aspirationen ver Majorität übertreffen," aber was wirv denn das Land vabei gewinnen, wenn die neue Majorität nach vem Wunsche der clericalen Hofpartei zusammengesetzt und der Senator Langueronniöre Minister de« Innern wird? Ist Vieser Mann etwa consequenter und fester, ist er freisinniger im Herzen und praktischer in der Arbeit, wie der'edle Herzog von Persigny? Wenn die neuen Gesetze in Kraft getreten cknv, so ist eine größere Pause sehr nützlich für die Beruhigung der Gemü- ther, und es ist deßhalb der Beschluß des Kaisers nur zu loben, die jetzige Diät sich vollständig aus- leben zu lassen. Wir geben nicht viel auf Granler's neueste Phase, wenn er heute im „Payr" Fempire parlementaire“ verlangt und die reactionäre Fahne plötzlich mit der liberalen vertauscht; aber wir sind überzeugt, daß die Zeit kommen wirv unv schon vor ver Thür steht, wo keine Majorität im Stande sein wird, den erwachten Fortschrittsdrang der französischen Nation zu bannen.
Madrid. Die Zustände in Spanien geben von Neuem zu ernsten Befürchtungen Anlaß. Es scheint, daß die Republikaner unv Karlisten es für gut gefunden haben, sich gegen die Regierung der Königin Isabelle zu vereinigen. Besonders hat man die Theurung und ven Mangel an Arbeit benützt, um die Bevölkerungen der industriellen Mittelpunkte des Landes aufzu- rcgen. Zahlreiche und starke Banden haben sich in den Bergen von Katalonien und den Provinzen von Saragossa und Jean gebildet. Die Truppen sind gezwungen, sich in den Gebirgen zu zerstreuen. Die Banden greifen weniger die Dörfer als vielmehr die Schlösser' derjenigen hervorragenden Grundbesitzer an, die wegen Hinneigung zu der Regierung bekannt sind. Aus diesem Grunde sind bereits über tausend Landedelleute nach Madrid zusammengeströmt, wo sie von der Regierung Schutz und Ersatz ihres Schadens fordern. Man glaubt, daß binnen Kurzem die Hauptstadt Barcelona von Neuem in Belagerungszustand werde erklärt werden. Der Marschall Narvaez wird die Reihe seiner Erschießungen und Deportationen von Neuem beginnen müssen.
Berlin. Die Mennoniten, welchen nach ihren Glauvenssatzungen der Kriegsdienst untersagt ist, hatten in Preußen von jeher Vie Vergünstigung genossen, von der Militärpflicht befreit zu bleiben, wogegen sie eine besondere Abgabe (die Mennoniten- steucr) zu entrichten hatten.
Durch die Gesetzgebung des norddeutschen Bundes über die Verpflichtung zum Kriegsdienste ist jene Vergünstigung neuerdings aufgehoben worden. Hierdurch war unter ven zahlreichen Mennoniten (welche besonders in der Provinz Preußen wohnen) eine lebhafte Erregung entstanden; durch Bittschriften und Deputationen drangen sie in die Regierung um Abhülfe ihrer Gewissensnoth.
Weder von der preußischen Regierung noch durch die preußische LandeSvertretung konnte dem Reichsgesetze zuwider in der Art verfahren werven, daß den Mennoniten wie bisher völlige Befreiung vom Kriegsvienste gewährt wurde. Indem es jedoch der dringende Wunsch des Königs war, den Mennoniten, welche sich stets als brave und treue Unterthanen bewährt hatten, Erleichterung ihres Gewissens zu verschaffen, kam cs darauf an, einen Weg zu finden, um dem Bundesgesetze Genüge zu thun und doch die Mennoniten von dem eigentlichen und unmittelbaren Waffengebrauche zu befreien.
Es konnte dich nur in der Weife geschehen, daß dieselben je nach ihren persönlichen Eigenschaften entweder zum Dienst als Krankenwärter in den Laza- rethen, oder als Schreiber, oder als Oeconomie-
Paris. Die Regierung hat „jede Idee an eine vorgreifliche Auflösung des gesetzgebenden Körpers aufgegeben." So versichert ein Theil der französischen officiöseu Presse unv der „Etenvard" behauptet sogar, daß in einem am 30. März Vormittags stattgehabten geheimen Ministerialrath beschlossen wurde, von der Idee der Auflösung des gesetzgebenden Kör-
„rer auszuheben sine, unv daß bei den hiernach für | „Vie Landwehr-Commando's auszuhebenven Menno- „niten von ver Ausbildung mit der Waffe Abstanv zu nehmen ist."
Frankfurt, 23. März. Nach einer Nachricht aus Lahr vertheilcn sich die Prämien für ven „Lahrer Hinkenven Boten" wie folgt: Erste Prämie: 60 Thaler, Nr. 265,681. Zweite Prämie: 50 Thaler, Nr. 438,661. Dritte Prämie: 40 Thaler, Nr. 474,261. Vierte Prämie: 30 Thaler, Nr. 343,464. Fünfte Prämie: 20 Thaler, Nr. 507,205. Sechste Prämie: 2 Thaler 25 Sgr,, Nr. 78,783.
Wiesbaden, 20. März. Dem Vernehmen nach beabsichtigt Vie königl. Regierung dahier ein großes Militär-Bad- und Krankenhaus zu errich- ten. Es ist von verselben bereits ein Fonvs von 150,000 Thaler für diesen Behuf zur Verfügung gestellt.
Wiesbaden, 27. März. Wie der „Rhein. Kurier" erfährt, wirv der König von Preußen Anfangs Juni wieder nach Ems kommen, wo ihm Kai- ser Napoleon einen Besuch abstattcn wird. — Die Homburger Spielbank bleibt nächsten Sonntag, in Folge des Spielverbots an Sonn- und Feiertagen, zum erstenmale geschlossen.
Kiel, 18. März. Daß die Abtretung norschles- wig'schcr Districte noch in unbestimmte Ferne gerückt ist, geht aus der jetzt für Törninglehn erfolgten definitiven Ernennung von Predigern für Vie durch Eidesverweigerung der vorigen Inhaber erledigten Stellen hervor. Es bleiben nur noch einige Stellen unbesetzt.
München, 27. März. Das Testament des Königs Ludwig I. ist eröffnet worden. Die Kunstsammlungen re. des Königs werden dem Krongute einverleibt. Aus l1/? Millionen Gulden Baarver- mögen wird ein Fideicommiß gebildet.
München. Die „A. Z." erfährt folgendes Nähere über vas Testament König Ludwigs L: Aus dem Äachlaffe wird ein Fiveicommiß errichtet, dessen Nutznießer Prinz Luitpold als Haupterbe sein wird. In Dieses Fideicommiß sind auch die neue Pinakothek und die Glyptothek inbegriffen. Zum Nachfolger des Prinzen Luitpold in diesem Fideicommisse ist dessen ältester Sohn, Prinz Ludwig, bestimmt, welchem außerdem zwei kostbare Basen vermacht sind. Aus den Erträgnissen des Fideicommiffes ist dem Prinzen Adalbert eine jährliche Rente von 40,000 fl. hinauszuzahlen, und die dem Prinzen Luitpold noch
außerdem jetzt gern von Oesterreichischen und Amerikanischen Papieren frei macht, mit Eifer aufgegriffen werden.
Berlin. Wie versichert wird, dürfte der Reichs- I tag nächsten Sonnabend seine Sitzungen schließen und am 15. April zur Wahl von Commissionen für das Zollparlament wieder zusammentreten. Das Zollparlament würde am 20. April beginnen. Das Hauptinteresse der politischen Kreise concentrire sich auf die Frage, ob die Ausdehnung der Freizügigkeit auf Süddeutschland im Wege des Vertrags mit den Einzelstaaten oder durch eine Vorlage de« Zollbun- vesrathes an das Zollparlament erfolgen soll. Entschieden scheine diese Frage noch nicht zu sein.
Berlin. Provinzialfonds. Bei den Be- rathungeu über den hannover'schen Provinzialfonds hat Die Staatsregierung bekanntlich Die Zusage er- theilt, daß auch für die übrigen Provinzen in ähnlicher Weise Fonds zu eigener Verwaltung aus dem Staatshaushalte ausgeschieden werden sollen.
Indem jetzt wegen Ausführung ves Gesetzes in Betreff des hannover'schen Provinzialfonds die wei- teren Anordnungen erlassen werden, sind gleichzeitig auch bereits Einleitungen getroffen, um Der Ausführung jener Zusage zu Gunsten Der übrigen Provinzen näher zu treten.
Berlin. Der Gesetzentwurf, betreff nd die Aufhebung der polizeilichen Beschränkungen der Ehe- schließung, lautet rote folgt: §. 1. Bundesangehörige bedürfen zur Eingehung einer Ehe oder zu Der damit verbundenen Gründung eines eigenen Haushalte« roe« der des Erwerbes der Gemeindeangehörigkeit (Gemeindemitgliedschaft) oder des Einwohnerrechtes, noch der Genehmigung der Gemeinde (Gutsherrschaft) oder ves Armenverbandes, noch einer obrigkeitlichen Er- laubniß, sofern diese nicht nach den Vorschriften des bürgerlichen Eherechtes erforderlich ist. §. 2. Die polizeilichen Beschränkungen der Befugniß zur Ehe- schließung, welche in Ansehung der Ehen zwischen Juden und für die Angehörigen einzelner bürgerlicher Berufsstände bestehen, werden aufgehoben. Die Bestimmungen über die Genehmigung der Eheschliessung der Militärpersonen, Beamten", Geistlichen und Lehrer durch die Vorgesetzten werden hierdurch nicht betroffen. §• 3. Die für Geistliche und Civilstands- beamte bestehenden Verbote, bei der Schließung einer Ehe ohne vorherige Beibringung einer obrigkeitlichen Bescheinigung amtlich mitzuwirken, bleiben in Bezie- hung auf Bundesangehörige nur soweit in Kraft, als diese Bescheinigung das Vorhandensein der im bürgerlichen Eherecht begründeten Voraussetzungen der Eheschließung oder die in §. 2 Alinea 2 erwähnten Bestimmungen zum Gegenstände hat.
Berlin. Die neue Landwehr geht manchen Baiern schwer ein. In Traunstein und Troßberg erklärten die Landwehrleute bei der Controleversamm- lung (yrotr wollen nicht preußisch schwören ! demolir- ten das Rathhaus, verjagten die Gensd'armen u. f. W. Es mußte Militär au« München gerufen werden.
R. v. Erlanger u. s. w.
bedeutende Anmeldungen zu den zu eröffnenden Zeich- „
nungen vorliegen und werden die zur Subscription und zu Schreibern u. s. w. besttmmungsmaßtg nur kommenden Summen von dem Publikum, das sich Mannschaften verwandt worden, welche vorher schon ‘ “ im Waffendienst geübt waren, und es wird daher
zu Gunsten der Mennoniten in dieser Beziehung noch eine besondere Ausnahme erforderlich sein Durch eine jüngst erlassene allerhöchste Ordre hat der König bestimmt, „daß die Mitglieder der älteren Menno- „nitenfumilien, wenn sie sich nicht freiwillig zum „Waffendienst bereit erklären, zur Erfüllung ihrer „Dienstpflicht als Krankenwärter für die Lazarethe, „als Schreiber für die Landwehr - Commando's, so „wie al- Occonomie-Handwerker und als Trainfah-


