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Washington, 16. Aug. Das feierliche Lei. chenbegängniß des verstorbenen amerikanischen Staats- mannes Thaddäus Stevens hat am 14. v. stattge. funden. Die Leiche wurde aus der Rotunde des Capitols, wo sie unter einer 25 Mann starken militärischen Ehrengarde gelegen hatte, in Begleitung zahlreicher Leidtragender nach dem Bahnhofe geleitet. Von dort wurde sie nach Lancaster gebracht, wo am 15. die Beerdigung — wcht weit vom Grabe des Erpräsidenten Buchanan — stattfand. Während sei- ner letzten Stunden war Thaddäus Steven- von zwei barmherzigen Schwestern gepflegt worden, deren eine, Schwester Loretta, den Sterbenden mit seiner
Berlin, 29. Aug. Außer den bereit- gemcl« deten Fällen in Schlüchtern und Hersfeld sind neuer« ding- wieder ein paar französische Offiziere, die, inkognito reisend, sich mit Planzeichnen in deutschen Gegenden beschäftigten, Gegenstand polizeilicher Auf« merksamkeit geworren. So wurde in Wittinghausen, Oberamt Hall, in Württemberg, ein Herr, welcher al- Maler die Umgegend recognoScirte und besonders bei Mergentheim Aufsehen erregt hatte, zur Vernehmung geführt. Bei dieser Gelegenheit prä« scntirte er seinen Paß als französischer Stabsoffizier mit dem Bemerken, daß er das Inkognito gewahrt habe, um kein Aufsehen zu erregen. Der genannte Herr ist dann zur Weiterreise bestimmt worden. Ein anderer Fall fand in Unterwittinghausen, Amt Tau« berbischofsheim, im Badischen, statt. Der Aufneh« mente war ein Hauptmann im Generalstabe und Attache au depöt de la guerre. Man sollte sich doch endlich dieser Aengstlichkeit entschlagen. Es ist schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden, wie es kaum denkbar, daß derartige Aufnahmen von Gegenden mehr als Privatliebhaberei reisender Offiziere sind. Die französische Regierung ist durch die Existenz der im größien Maßstabe angelegten Generalstabskarten so hinreichend über deutsche Terrainverhältnisse orientirt, daß sie schwerlich zu jenem Mittel ihre Zuflucht nehmen dürste. — lieber die Zusammenkunft des Kaisers von Oesterreich mit dem Fürsten von Hohenlohe am Münchener Bahnhof, welche von der Presse verschiedene Auslegungen erhalten hatte, glaubt das „Memorial diplomatique" Folgendes behaupten zu dürfen: „Was wahr ist, sagt es, ist, daß Kaiser Franz Joseph bei dieser Gelegenheit dem baierischen Premierminister seine Ideen mitge« theilt hat über die Stellung, welche das Münchener Cabinet Deutschland sowie Oesterreich gegenüber be» hauptcn muß. Diese Ideen sind, wie wir wohl kaum zu versichern brauchen, streng den Principien entsprechend, welche die Politik des Wiener Cabinettes seit zwei Jahren leiten und denen zufolge Oesterreich sich nur strikt an die Lage halten kann, die ihm durch den Prager Vertrag bereitet ist. Wir sind demnach sicher, daß ebensowenig unter diesen Umständen, als unter andern, Unterhandlungen angeknüpft worden sind, um zwischen Berlin und Wien eine Allianz oder auch um eine Annäherung hervorzurufen, sondern daß sich Alles auf einen Austausch der Ansichten über die Nothwendigkeit beschränkt, in welcher sich Baiern befindet, seine Lage im neuen Deutschland mit seinen traditionellen Pflichten Oesterreich gegenüber zu vereinbaren."
Frankfurt, 29. Aug. Aus glaubwürdigster Quelle werd uns bestätigt, daß Hr. v. Savigny (der sich eben in unserer Stadt aufhält) nicht wieder in den Staatsdienst eintreten wird, wie neulich in der „D. A. Z." zu lesen war. Derselbe hat sich ein großes Gut bei Gelnhausen gekauft, wohin er sich mit seiner Familie zurückzuziehen gedenkt.
Wien, 27. Aug. Der Kaiser wird (nach der „Bohemia") Dienstag der Schlußsteinlegung des Künstlerhauses beiwohnen und die lanrwirthschaftliche Ausstellung besuchen. Abends fährt er dann nach Ischl und am 7. Sept, nach Baiern. Am 9. Sept, erfolgt die Rückkehr mit der Kaiserin nach Wien. — An Stelle Mühlfeld's wird wahrscheinlich Giskra in das Abgeordnetenhaus gewählt werden, der dann auf das Mandat des mährischen Landtags verzichten würde. — Von der moldauischen Gränze wird der
„N. fr. Pr.
renden ehegerichtlichen Conflirte vas OberlandeSge- richt angewiesen, die in den schwebenden Eheschei« dungsprocessen benöthigtcn Acten von den geistlichen Ehegcrichten, sobald diese den an sie gerichteten Aufforderungen nicht entsprechen, mittelst Execution herbeizuschaffen. — Das Ministerium des Innern hat ein die neue Politische Organisation betreffendes Sir« cularschreiben an die Statthalter erlassen. DaS Mi« nistexium betont darin die Nothwendigkeit, Beamte, welche den verfassungsfeindlichen Parteien Vorschub leisten, ihres Dienstes zu entheben.
Paris, 28. Aug. Das Tribunal hat aus Anlaß der zweiten Beschlagnahme der „Lanterne", den Herausgeber desselben, Herrn Rochefort, zu 13 Monate Gefängniß und 10,000 Francs Geldstrafe ver« urtheilt. — Die Verfolgungen gegen die Presse dauern fort. Dem „Figaro" ist seit gestern der Verkauf auf der Straße untersagt worden. Der „Petit Figaro" wird dagegen gerichtlich verfolgt, weil er die falsche Nachricht gebracht, daß die Ver« waltung der Havrer Ausstellung Bankerott gemacht habe. Auf die Nummer 13 der „Lanterne", von der, und dieß ist vollständig begründet, einige Exemplare bis zu 500 Franken bezahlt wurden, wird noch immer stark gefahndet- — Das „Paps" schreibt an der Spitze des Blattes: „Es ist unsere Pflicht, mit einem ausdrücklichen Dementi Gerüchten entgegenzu- treten, welche gestern von der Speculat on unter dem Peristyle der Börse über eine Krankheit des Kaisers in Umlauf gesetzt wurden. Nichts ist unrichtiger, die Gesundheit des Kaisers läßt nichts zu wünschen und. ist niemals blühender gewesen." — Nulla dies sine linea, heißt's bei der „Liberte". Sie! schreibt heute: „Man versichert uns, daß alle Truppenkörper, welche nicht dem Uebungslager angehören, täglich militärische Märsche auesühren. Sonst wird diese Art von Uebungen gewöhnlich nur im Winter vorgenommen. Wenn die Nachricht richtig ist, welchen Schluß soll man dann ans ihr ziehen?"
London, 27. Aug. Im Wahlbezirke Birmingham haben int Ganzen 557 weibliche Steuerzahler Stimmrecht für die nächsten Parlamentswahlen be« ansprucht. In dem nördlichen Distrikt von Wax- wickshire sind 18 Frauenzimmer um Aufnahme in die Wahlregister eingekommen. — Neuerdings wird hier, wie in Paris, das Gerede wieder laut, der französische Botschafter am hiesigen Hose, de la Tour d'Auvergne, werde demnächst abberufen und durch Drouyn de Lhuys ersetzt werden. — Der Korrespondent ver „Pall-Mall Gazette" aus Rom theilt „aus guter Quelle" mit, daß demnächst ter Erzbischof von Westminster, Dr. Manning, und möglicherweise auch der Erzbischof von Paris, welcher Letztere sich endlich zu einem Widerruf herbeigelassen habe, zu Car- dinälen ernannt werden sollen.
Florenz, 24. Aug. Die Generale Eialdini und Lamormvra sind beide vom Könige nach seinem Schlosse San Rossore in der Nähe von Pisa be« schieden worden. E« ist begreiflich, daß Victor Emanuel dem Skandal ein Ende machen will, das durch den zwecklosen, unwürdigen Streit der hervorragend« sten Generale von Italien hervorgerufen wird. Cial- dini schließt seine letzte Broschüre mit folgenden her« absetzenden Worten der Ironie: „Nie ist einem Generale inmitten unglücklicher Schlachten ein solcher Trost vergönnt gewesen, wie General Lamormora: der Trost, Italien das Festungsviereck und Venetien verschafft zu haben. So möge sich denn General Lamormora beruhigen und trösten." Weder Gene« ral Eialdini noch Lamormora haben in den Augen des Publikums gewonnen, weder als Generale noch als Schriftsteller. Eialdini hat seinen schwankenden Charakter aufgedeckt, und man erinnert daran, daß, wie er im Jahre 1866 willenlos und ohne Ent«
» M st- «- MN-H-- eines menschlicher-ster-Präsidentschaft entschied. Menabrea lacht dem Jacob.ch ins Fäustchen, denn im Grunde hat er am mei- lassen, da
-den sich seit der zweiten Hälfte dieses Monates 1 . Zustande, welcher zur Genüge beweist, daß < quemnil cer orientalischen Verwickelungen nach Rn- ! zu uermifegt worden ist. Das ganze Pruth-Ufer i /russische Gränzstation Lipkany) bis \
6164) Durch den Wegzug des Herrn Expedienten Raab von hier ist dessen seither bewohntes Logis anderweit zu vermie- then und bis zum 1. Deeember, wohl auch früher, zu beziehen. Felsin g, neue Anlage.
.6144) Ein möblirtes Zimmer ist zu ver- miethen bei Louis Petri, Neuenweg.
6112) Ein freundliches Mansarden-.üuationen re« Reses Blattes'"'"^^ 380 ? tent Abschluß
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6115) Ein FamilienlogiLoe, um Zeit zu weite- ? Zimmern und den iiöth^-m sm,ener Abend- k-'ten, ist zu vermiethen "5lt5,ei'er 40en\
ber zu beziehen bei > zuruck, indem sie darauf Georg nach Abschluß res Gasteiner —— ----—.—.__rüstet habe.
. 3roet möb. Die „Neue fr. Pr." meldet: m Hosger^-'" bat Angesichts der sich meh
Einwilligung nach dem Ritus der katholischen Kirche taufte. — Es verlautet gerüchtsweise, der amerikanische Gesandte in Mexico sei angewiesen, Juarez für die Annexionsplane der Union in Bezug auf Mexico zu gewinnen.
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Vermischtes.
Darmstadt, 25. Aug. Gestern wurde mit der Legung d" neuen Linien des norddeutschen Telegraphennetzes in unserem Lande begonnen. Dieselben sollen bis zum 1. Oktober vollendet und dem Betrieb übergebe«, werben.
Verkitt. Die von dem orthodoxen Professor Delitzsch in Leipzig herausgegebene „Zeitschi ist für lutherische Theologie" enthält einen Artikel eines Theologen, den die Lorbeeren, welche Pastor Knak in Berlin mit seiner Behauptung, daß die Erde stille stehe, geerntet hat, nicht schlafen lassen. Die Erdumdrehung wird in demselben geradezu ein Traumgespenst und ein wahnwitziger Gcdanke-Igenannt. — Die fruchtbare Schauspiel- Dichterin Charlotte Birch-Pfeiffer ist, von Nauheim kommend, am Krankenlager ihres Mannes dahier plötzlich gestörktzn. — Berthold Auerbach läßt seinen neuen Roman : „Das "Landhaus am Rhein" zuerst in der Wiener Zeitung „Presse" abdrucken und erhält dafür ein Honorar von 12,000 Thaler. Später erscheint dieser Roman als Buch bei Cotta und wird besonders honorirt.
Hamburg, 27. Aug. Die erste Plenar-Versammlung des Zuristentages wurde heute Vormittag im großen Saale des Conventgartens durch Justizministerialrath Dr. Kalb aus München eröffnet, als Vorstand der ständigen Deputation. Derselbe schlug vor, zum Vorsitzenden den Prof. Dr. Gneist aus Berlin per Akklamation zu erwählen. Dieß geschah, der Gewählte übernahm den Vorsitz in der Versammlung und sprach sein Bedauern darüber aus, daß Geheimerath Prost Wächter theils durch Unwohlsein, theils wegen Erfüllung einer Pietätspflicht verhindert werde, dieses Mal dem Juristentage seine vielfach erprobte Thätigkeit zu widmen. Folgt nun der Bericht des Hrn. Dr. Behrend im Namen der ständigen Deputation über die Rechtsentwickelung in Deutschland seit dem letzten Juristentage, welcher demnächst im Druck erscheinen wird.
Kiel. Die norddeutsche Bundesmarine nimmt schon eine ganz achtbare Gestalt an. Nach den neuesten ofstciellen Zusammenstellungen zählt dieselbe 55' Dampf- uud Segelfahrzeuge sowie eine Ruderflottille von 36 Schaluppen; von Geschützen., haben erstere 495, letztere 68 an Bord. Was die Zahl der Geschütze anbetrifft, so wird unsere Marine darin jetzt noch übertroffen von England, Frankreich, Italien, Holland (1670 Geschütze), Oesterreich (1063 Gesch.), Rußland (2300 Gesch.), Spanien (1071 Gesch.), Türkei 2370 Gesch.), sowie von den Vereinigten Staaten Nordamerika'S. Der norddeutschen Bundesmarine stehen dagegen an Geschützzahl die Flotten folgender europäischen Staaten nach: Dänemark (407 Gesch.), Portugal (343 Gesch.), Schweden (462 Gesch.) und Griechenland (108 Gesch.). Wir haben jetzt drei Panzerfregatten („König Wilhelm", „Friedrich Karl" und „Kronprinz") mit zusammen 55 Geschützen; 1 Panzerkorvette („Hansa") mit 8 Geschützen uud 2 Panzerfahrzeuge („Arminius" und „Prinz Adalbert") mit zusammen 7 Geschützen; ferner: 5 gedeckte Korvetten mit 140 Geschützen, 5 GlattdeckS-Corvetten mit 68 Geschützen, 2 Aviso'S mit 6 Geschützen, 8 Kanonenboote 1. Klaffe mit 24 und 14 Kanonenboote 2. Klaffe mit 28 Geschützen. Zu den Dampffahrzeugen zählen weiter noch: die königl. Dacht „Grille" und 4 zum Hafendienst verwendete Fahrzeuge. Die Segelschiffflotte zerfällt in 3 Fregatten („Gefion", „Thetis" und „Niobe") mit zusammen 112 Geschützen, 3 Briggs mit 38 Geschützen, ferner in daö Kasernenschiff „Barbarossa" mit 9 Gefchützen und 3 zum Hafendienst bestimmte Fahrzeuge. Von Ruderfahrzeugen endlich sind 32 Kanonenschaluppen mit je 2 und 4 Kanonenjollen mit je 1 Geschütz vorhanden. Erwähnenswerth ist noch, daß das Offiziercorps der Seewehr gegenwärtig 48 Mitglieder zählt, wovon 39 dem See-Officiereorps, 9 aber der See-Artillerie angehören.
Frankfurt a. b. O. Aus Stettin meldet die „Oder-Ztg." folgenden Vorfall: Der Gefreite Adolph Fritz von der 6. Compagnie des 14. Regiments ist gestern Nachmittag in der Militär-Schwimmanstalt ertrunken. Fritz sollte „fich freischwim- men", d. h. er hatte gewissermaßen die Schlußprüfung nach beendetem Schwimmunterricht abzulegen. Bevor die für die Dauer des Freischwimmens vorgeschriebene Zeit abgelaufen war, bat Fritz, ihn aus dem Wasser zu lassen, da feine Kräfte zu Ende gingen; sein Schwimmlehrer lachte ihn aus und gebot ihm, im Wasser zu bleiben; noch einmal und zum dritten Mal und immer kläglicher wiederholte der Unglückliche seine Bitte, und als er sich endlich an das Floß anklammern wollte, da stieß der Schwimmmeister ihn mit der zu etwa nöthig werdender Unterstützung bestimmten Stange in das Wasser zurück und tauchte ihn unter. Als der Gequälte nicht wieder empor- kam, da war freilich Schreck und Angst groß, die Schwimmmeister und Offiziere liefen zusammen, man machte Rettungsversuche; jetzt aber waren alle Bemühungen umsonst, und erst nach Stunden konnte durch den städtischen Leichensucher die Leiche des Unglücklichen aus dem Wasser gezogen werden.
München, 26. Aug. Die „Wiener Presse" ließ fich aus Cronach schreiben, daß G. Chorinsky auf der Festung Rosenberg sehr Bequem lebe, drei Zimmer bewohne, mehrere Diener zur Verfügung habe und alle Sonntage zur Stadt in die Kirche fahren soll. Auf Grund näherer Erkundigungen können wir folgende authentische Mittheilungen machen: Der Festungssträfling Gustav Chorinsky befindet fich in einem vergitterten und mit dreifachem Verschluß versehenen SträflingS- Local, welches mit einer Kasernbettlade, einem Kaserntisch, einem Stuhl, einem von demselben gemieteten alten Kanapee und einer alten Komode versehen ist. Die Verpflegung wird von ihm selbst bestritten, und er erhält Speise und Trank, wie die übrigen Sträflinge, von dem Kasernhausmeister, und zwar um denselben Preis und in gleichem Maß. Der Profo- sengehülfe bringt ihm das Essen; eine weitere Bedienung hat er nicht. An Sonn- und Feiertagen besucht er die Festungskirche, welche mit den Sträflingslocalen durch einen Gang in Verbindung steht, gleich den übrigen Sträflingen. Freie Bewegung ist ihm mit den übrigen Civilfträflingen auf dem Walle rückseits der Stadt unter strenger Beaufsichtigung Vor- und Nachmittags je eine Stunde gestattet; außerdem ist er eingeschlossen. Die Beschäftigung des Gustav Chorinsky besteht in Situations- und Freihandzeichnen.
Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Giessen.


