sionserhöhungkn und Unterstützung von Wittwcn und Kindern der Militärpersonen den Ständen zur Gutheißung vorgelegt. Hiernach erhält jeder Officier oder obere Militärbeamte, der im Krieg invalid geworden, eine Erhöhung der gesetzlichen Pension um 175 fl., sofern er unter dem Rang eines Hauptmanns erster Classe, um 350 fl. jährlich. Dergleichen erhalten dieselben, wenn sie verstümmelt oder erblindet sind, außerdem 350 bis 700 fl. jährlich. Wittwen gebliebener oder verwundeter Officierc erhalten neben der statutenmäßigen Pension eine Beihülfe aus Staatsmitteln von 350 bis 700 fl. überdies für jeden Sohn bis zum vollendeten 17. Lebensjahr jährlich 87 fl. 30 fr. und für jede Tochter 70 fl. Wittwen von Oberfeldwebeln und Unterofficieren erhalten jährlich 75 bis 100 Thalcr, solche der übrigen Soldaten 50 Thlr. Für deren Kinder werden bis zum 15. Lebensjahr für jedes Kind im Falle des Bedürfnisses 25 Thlr. jährlich gewährt. Das Gesetz soll innerhalb der entsprechenden Chargen auch auf die bereits pensionirten Militärpersonen unk überhaupt von Anfang dieses Jahres an zur Geltung kommen. Militärbeamte jeder Art rangiren je nach der Kategorie, welcher sie ih>er Stellung nach angehören.
Darmstadt, 28. Jan. An den auch für das 11. preußische Armeecorps in Aussicht genommenen KönigS-Manoevres, welche im Sommer nächsten Jahres stattfinden sollen, wird auch die jenem Heer- körper zugetheilte großherzoglich hessische Division theilnehmen.
Berlin. Die Unification des Wcchselstempels für den gelammten nordkeuttzhen Bund ist nunmehr fest beschlossene Sache und es liegt, wie wir hören, eine vollständig ausgcarbcitete Vorlage über diese Angelegenheit für den nächsten Reichstag bereits vor. Die Stiche wird namentlich für Hessen und Sachsen Bedeutung haben, da dort z. Z. ein Wechselstempel überhaupt noch nicht eristirt.
Berlin. Die Unterhandlungen zwischen Amerika und dem Norddeutschen Bunde wegen Regelung der NaturalisationSsrage mit Bezug auf die preußischen und norddeutschen Miiitärverhältnisse, welche der Präsident der Vereinigten Staaten in seiner letzten Botschaft erwähnte, sollen durch Eröffnungen Seitens Amerika's bevorstehen oder schon eingelcitet sein.
Berlin, 28. Jan. Der „Staatsanzeiger" meldet, daß bei der jüngst stattgefundenen Ueberrei- chung einer Adresse der westpreußischen Katholiken der König der Deputation geantwortet habe: „Bekanntlich haben meine Vorfahren und ich die Confessions- parität sorgfältig geachtet, was das sichtbare Kirchenoberhaupt schon anerkannte. Ich werde auch fernerhin durch den Einfluß der preußischen Politik das Interesse meiner katholischen Untertanen an der Würde und Unabhängigkeit des Papstes wahren."
Köln. KriegSläufte haben oft merkwürdige Erlebnesse auch in der Familie gebracht. So kommt jetzt die Nachricht von Jmmraty (Kreis Jülich), em dortiger verheirateter Reservist, der den böhmischen Feldzug mitgemacht habe, und dessen Tod optima forma bescheinigt worden, sei vor einigen Tagen wohlbehalten zurückgekehrt, zu spät, um der Hochzeit seiner Frau beizuwohnen, die seinen beklagten vermeintlichen Verlust zu ersetzen zu einem neuen Ehebund geschritten war.
Hamburg, 29. Jan. Die Bürgerschaft ging in ihrer heutigen Sitzung auf Antrag des Senates auf die Auflösung des Hamburger Militärs ein.
Wien. Man schreibt der „Südd. Pc.": Nach den vielen falschen Nachrichten über die Ebergenyi kann ich Ihnen nachfolgende zuverlässige Mittheilung geben. Sie hat bis jetzt noch gar nichts gestanden, als daß sie in München war und eine Frau, die sie als die wahrscheinliche Mörderin der Gräfin Chorinky bezeichnet und Baronin Horvath nennt, bis zu dem Hause, in welchem die Gräfin wohnte, begleitet habe. Sie ist im Gefängniß sehr ruhig, benimmt sich sehr anständig und taclvoll, und ißt die gewöhnliche Kost der Häftlinge, obwohl für sie 400 Gulden im Depositenamte liegen.
Wien, 26. Jan. Eine sonderbare Rolle spielen die Reichsminister, ocer, wie die Ungaren sagen, die gemeinsamen Minister Beust und Becke, während sie den Sitzungen der ungarischen Delegation anwohnen. Sie müssen Verhandlungen in ungarischer Sprache anhören, von denen sie kein Wort verstehen. Der Finanz - Minister Frhr. v. Becke mußte sogar einige magyarische Worte sprechen, die auf Deutsch heißen: „Ich bitte geehrter Herr Präsident, dieses vorlesen zu lassen." Der Minister hatte diese Worte wie ein Papagei auswendig lernen müssen; dafür belohnten ihn die Magyaren mit Eljen-Rufen. Ein Wunder, daß die Herren v. Beust uuv Becke in der ungarischen Delegation anders als im Schnürrock erscheinen dürfen. Wie lange wird die Comödie
dauern? Denn die Herren Magyaren verstehen sammt und sonders hinlänglich Deutsch. UebrigenS scheinen sie es nicht darauf anzulegen, in Wien die Herzen zu gewinnen. Die Einladungen zu einem gemeinschaftlichen Bankette waren bereits ergangen, als die Ungarn ablehnten. Will man nicht einmal mit einander speisen? In ihrer gestrigen dritten Sitzung ist die ungarische Delegation in den Besitz einer Geschäftsordnung und, was noch wichtiger ist, der Budgetvorlage gelangt.
Der Kriegsminister Feldmarschall-Lieutenant Freiherr v. Kuhn soll, wie der Pester Lloyd erfährt, bereits den Antrag gestellt haben, den österreichischen Officieren die Civilkleidung außer Dienst zu gestatten. Es sollen jekoch von militärischer Seite selbst noch Einwendungen vorgebracht werden. Nichtsdesto weniger glaubt man, baß die Sache doch durchgeführt werden würde. Im letzten Falle werde der Kaiser auf dem am 11. Februar stattfinkenden Bürgerballe in Civilkleidung erscheinen, womit einer der sehnlichsten Wünsche der Residenzbevölkerung in Erfüllung ginge.
Pest, 28. Jan. Der croatische Landtag beschloß die Absendung einer Ausgleichsdeputation zum ungarischen Landtag nach Pest. — Die Ankunft des Königs ist unbegründet.
Rom, 28. Jan. Das „Giornalc di Roma" sagt, Deutschland schließe sich den katholischen Demonstrationen der anderen Nationen in der Lebensfrage der Unabhängigkeit des Papstes an, und führt als Beweis dafür an: die Adresse der Katholiken Preußens an den König, die Resolution Der Universität von Münster zu Gunsten des Papstes, die nach Rom gesandten zahlreichen Gaben und Die Münchener Adresse an Den König von Baiern. Diese Hingebung erfreue den Papst und tröste ihn für den Kummer, den unverständige und undankbare Söhne der Kirche ihm bereiten, weßhalb er auch Gott für Die Einigung Der Treuen innigst danke und diejenigen segne, welche sich bei kiesen Demonstrationen betheiligen.
Paris, 26. Jan. Der General Baille, welcher Die zweite Division des römischen Expekitionscorps befehligt, ist (wie schon gemeldet) auf sein Verlangen zur Verfügung gestellt worden. Wie man hört, verlangte derselbe seines Commandos enthoben zu werden, da er bei Dem anti-päpstlichen Geiste, Der unter Den französischen Truppen im Römischen herrscht, und der sich bei mehreren Gelegenheiten in sehr ernsten Demonstrationen kund gab, die Verantwortlich- feit für gewisse Vorfälle, die sich ereignen könnten, nicht länger tragen will. — Der kaiserliche Prinz, Dem man mehrere Male Den ersten Preis bei den Arbeiten Der siebenten Klasse des Gymnasiums Bonaparte hat zukommen lassen, wird sich an Dem nächsten Banqnette betheiligen, welches das Gymnasium Char- lemagne geben wird. Man will ihn bei Der jungen Generation absolut populär machen. Bei Der allgemein herrschenden Stimmung sind aber solche Mittel Tropwn in Den Rhein.
Paris, 27. Jan. Das allgemeine Tagesgespräch bildet natürkich Der Finanzbericht Des Herrn Magne, welcher sich keiner sehr günstigen Beurtheilung erfreut. Man sinDet cS recht lobenswerth, Daß Die traurigen finanziellen Zustande Frankreichs so unverhüllt Dar- gestellt sind; man hätte aber gewünscht, Daß auch einige Heilmittel für Diese Mittel angegeben wären und Daß Herr Magne sich nicht blos begnügt hatte, zu sagen: „Wir haben sehr bedeutende Deficits, also machen wir eine Anleihe von einer MiliarDe! —: Es giebt hier immer noch Blätter, Die so gewissenlos sind, zum Kriege anzureizen. So theilt das „Journal de Paris" mit, in Deutschland gingen Die Rüstungen sehr stark vorwärts nnD so würde Die Festung Mannheim in VertheidigungszustanD versetzt.
Paris, 29 Jan. Im Senate sprach in Der Verhandlung über Das Militärgesetz Der Aomiral Bouet-Willaumctz für das Gesetz; Michel Chevalier gegen Dasselbe. Michel Chevalier glaubt, Daß Das Gesetz von 1832 für Die Verteidigung des Landes genüge; Die Ereignisse von 1866 hätten bewiesen, daß keine von allen Nationen mehr Der Schiedsrich- ter in Europa sein könne; Preußen, Frankreich, Oesterreich uttD England müßten einig sein und sich nicht in Streitigkeiten erschöpfen, um nicht von Den beiden Kolossen, Amerika und Rußland erdrückt zu werden, Die zu Ende Des Jahrhunderts jeder 100 Millionen Einwohner haben würden. Chevalier will, Daß man nochmals proklamiren solle, das Kaiserreich sei Der Friede, und auf ein Gesetz verzichte, welches kostspielig und beunruhigend sei. Der Marschall Niel antwortet, Chevalier habe früher behavpet, der Krieg sei unmöglich geworden; seitdem hätten die Kriege von Sebastopol, Italien und Deutschland stattgefunden. Chevalier könne sich wohl einmal irren, wenn er die Unmöglichkeit neuer Kriege be« Haupte. Niel fügt hinzu: „Sie sprechen von den
guten Absichten Der Mächte Die uns umgeben, seien Sie sicher, Daß nichts diese guten Absichten mehr befestigen wird, als das neue Gesetz; auf diese Weise wird der Friede sicher." Niel erklärt nochmals Das Gesetz, welches der Senat Darauf mit 125 gegen eine Stimme annimmt.
Constantinopel, 28. Jan. Das Verbleiben Des Fürsten Gortschakoff im auswärtigen Amte wirD hier als ein Zeichen türkenfeindlicher Politik gedeutet. — Auf Kreta fanden unbedeutende Scharmützel statt. In der letzten Woche brachten zwei türkische Fregatten frische Truppen und Vorräthe nach Kreta. Der Flügel-Adjutant des Sultans überbrachte einen Fir- man, der die jüngst verheißenen Concessionen der Pforte bestätigt.
Vermischtes.
Berlin. Berliner Blätter melden, daß vor einigen Tagen der Dortige Apotheker Cöhn verhaftet und seiner Apotheke ein Verwalter gesetzt worden ist, weil er sich bei der Lieferung von Arznei an Die Armeeverwaltung im Jahr 1866 arger Gewissenlosigkeiten schuldig gemacht habe. Cöhn hatte — ihnen zufolge — dem Johanniter-Orden Unentgelt» üch Medikamente geliefert, und zwar in so namhafter Menge, Daß diese scheinbare patriotische Opferwilligkeit Veranlassung dazu gab, ihm auf fein Ansuchen einen großen Theil der Arzneilieferung für das Heer zu übertragen. Als nach Beendigung des Feldzuges die nicht zur Verwendung gekommenen Arzneien an die Medicinaldepots abgegeben werden sollten, stellte sich bei der Prüfung, welche in solchen Fällen rücksichtlich deren Brauchbarkeit, bezw. Unverdorbenheit vorgenommen wurde, heraus, daß die von Cöhn gelieferten Medikamente theils vorschriftswidrig zusammengesetzt, theils Die BestanDtheile, welche sie enthalten sollten, gar nicht oDer Doch nur in sehr geringem Grad enthielten, so daß deren Wirkung fast gleich Null oder in gewissen Fällen sogar eine ganz entgegengesetzte, als die zu erwartende, war, wie z. B. bet Morphium. Letzteres hat bekanntlich Die Eigenschaft, zu beleben, wenn es in geringer Dosis genommen wirD; hier aber hatte es die Bestimmung, Den SchwerverwunDeten als betäubenDes, schmerzstillenDeS Mittel zu Dienen. Gerade mit solchen theuren Medikamenten, wie Morphium, Chinin ic., ist der meiste Betrug verübt worden. Abgesehen, von der bedeutenden Summe, um welche die Militärverwaltung auf diese Weise betrogen worden, erscheint dieses Verbrechen , welches dadurch an Den armen verwundeten .und erkrankten Soldaten begangen wurde, als ein nichlswürDiges und abscheuliches. Nach ungefährer Schätzung soll der von Cöhn Durch Diesen Betrug erworbene Gewinn sich auf 200,000 Thlr. belaufen.
Berlin, 21. Jan. Seit Begründung des nord- Deutschen BunDes ist Das deutsche Seewesen in einem recht erfreulichen Aufschwünge begriffen und namentlich hüt auch das Rettungswesen zur See große Fortschritte gemacht. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat Die NorDseeküsle mit Rettungsstationen gleichsam cernirt, und sie hat Das schone Verdienst aufzuweisen, im vorigen Jahre an 200 Menschenleben Dem sicheren WellentoDe entrissen zu haben. Die Deutsche Seefischerei hat ebenfalls neue Impulse erhalten. Für Die Nordsee bestehen bereits 3 Fischerei-Gesellschaften unD für Die Ostsee haben sich kürzlich 2 solche Gesellschaften gebilDet. Augenblicklich geht man in Hamburg Damit um, einen allgemeinen Deutschen nautischen Verein in'S Leden zu rufen.
Breslau, 24. Jan. Mit Dem heutigen Personenzuge der Posener Bahn kamen 300 ostpreußische Arbeiter hier an. Sie waren sämmtlich von kräftigem Körperbau unD standen meistens in einem Alter von 20 bis 30 Jahren. Nachdem sie in den Wartezimmern des Bahnhofgebäudes eine gute Fleischsuppe, Reiß, Rindfleisch und Brod erhalten hatten, wurden sie mittelst Extrazuges nach Oberschlesien, zunächst nach Katkowitz, befördert, wo sie in Den kgl. Steinkohlenbergwerken verwendet werden sollen.
Loudon. Der berühmte Schauspieler Charles Kenn ist heute gestorben, erst 57 Jahre alt. Er war Der zweitgeborene Sohn des großen Tragöden Edmund Kenn, mit Dem er zuletzt im Jahre 1833 in Shakespeare's Othello aufgetreten war. Die kon- Doner Bühne hatte er schon 1827, somit im Alter von 16 Jahren, betreten, einen Ruf aber erlangte er erst nach Dem Jahre 1835, bei seiner Heimkehr von Amerika, und seine größte Blüthezeit begann im Jahre 1838 mit seiner Darstellung des Hamlet. Vor fünf Jahren machte er mit feiner Frau, Die ebenfalls Schauspielerin ist, eine große Kunstreise Durch CanaDa, Die Vereinigten Staaten, Die westinDischen Inseln und Australien, Die ihm einen Reingewinn von 12,000 L. eingebracht haben soll, doch er hat sich von Den Strapazen dieser Reise nie wieder erholt.
Redaction, Druck und Verlag der Bruhl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


