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ifio kamen und wir auf Ihrem Hofe abstiegen? Es war gerade um Weihnach­ten, ehe Sie nach England gingen, und ich war noch so klein! . . ."

Ach ja, ja wohl!" rief Rudolph hastig und suchte den Standpunkt des Gespräches zu verrücken, weil ihn diese Specialitäten etwas verlegen machten. Und wir duzten uns damals, und haben wir nicht damals zusammen getanzt?"

Ganz richtig, und Sie kamen hernach zu uns auf den Forsthof, auf die Jagd, und versprachen mir, wenn Sie einen Rehbock schössen, so wollten Sie mir von England aus eine recht schöne englische Scheere schicken aber Sie haben nicht Wort gehalten!"

Ah, das war sehr schlecht von dem Rudolph!" rief dieser mit einem ko- mischen Ernste.

Natürlich, Sie haben es vergessen!"

Nein, Väschen, Sie sollen das schönste Etuis voll englischer Scheeren be­kommen, aber unter Bedingungen!"

Nun? und welche Bedingungen?"

Erstens müssen Sie mir das Räthsel unserer verwandtschaftlichen Bezüge lösen, sodann mir versprechen, daß die Scheeren unsere Freundschaft nicht entzwci- schnciden, und dann mir wieder das alte brüderliche Du geben!"

Pauline lächelte;Da werd' ich mich schon noch länger mit deutschen Scheeren behelfen müssen, denn die letztere Bedingung wird nicht zu erfüllen sein. Es schickt stch nicht mehr, Sie zu duzen, denn ich bin kein Kind mehr, und dann die Leute hier im Hause. Und ferner sind wir beide eigentlich gar nicht verwandt. Onkel Gottfried, der Commcrzienrath, war Commis bei meinem Großvater in Laubheim bei Wetterfeld gewesen, und hat meine Mutter heirathen wollen, aber der Großvater gab sie ihm nicht, weil er kein Vermögen noch Ge­schäft hatte, und das nahm sich der Onkel zu Herzen und ging in's Ausland. Später aber warb der Förster Hain um meine Mutter und sie willigte ein, weil sie von Gottfried Balder nichts mehr gehört hatte. Und als dieser später nach Laubheim kam, fand er meine Mutter schon verheirathet, und als Mutter meh- rerer Kinder. Aber sie war ihm noch immer gut, und wußte c< cinzuleiten, daß er eine Halbschwester meines Vaters heirathete, mit ter er sehr glücklich lebte. Das war des Oheims erste Frau. Und so sehen Sie denn, daß ich eigentlich mit Ihnen so wenig verwandt bin, als mit der Cornmerzienräthin und den Fräulein vom Hause, und so," fügte sie lächelnd hinzu,kann die Scheere, die ich nicht zu verdienen im Stande bin, auch keine Freundschaft entzweischneiden."

Und in welcher Eigenschaft sind Sie denn hier, Paulinchcn?"

Eigenschaft? Ei nun, ich lege überall mit Hand an, führe mit der Gou- veruante die kleinen Kinder spazieren, nähe das Weißzeug und die Kleider, sticke die Chemisetten und Vorärmel der Cousinen der Fräulein vom Hause, wollt' ich sagen plätte, koche, backe, und mache mich nützlich, wo ich kann und wo mir ein kleiner Wirkungskreis zufallt, und habe keinen andern Ehrgeiz, als den guten Onkel zu bedienen und mir immer zum Gönner zu erhalten."

,.Das heißt also mit andern Worten: Sie sind so eine Art unbezahlter Dienstbote bei der stolzen Cornmerzienräthin!" sagte Rudolph mit Stirnrunzeln. Man läßt Sie arbeiten und gibt Ihnen zu verstehen, daß Sie für das, was Sie hier genießen, eigentlich nicht genug arbeiten können!"

«Ei, ei, was das für herbe, garstige Ausdrücke sind!" rief Pauline tadelnd und mit halb verlegenem Errölhen.Was ihr Männer doch gleich so streng und entschieden urtheilt! So schlimm ist es wirklich nicht, obschon ich leider glauben muß, daß ich von den Damen des Hauses nicht gesehen bin!"

Aber warum sind Sie heute nicht oben bei dem Feste, wo man doch Ihrer ordnenden Hand sehr bedürfen möchte?"

Das hat seine besonderen Gründe!" versetzte Pauline.Heute ist wieder ein Tag, wo die Dienerschaft beinahe ebenso viel aus dem Hause schleppt, als die Gäste verzehren, und da haben mich jene den Stephan an der Spitze wieder bei der Tante verleumdet, daß Sie mich heruntergeschickt hat, und es ist mir gar nicht unangenehm, daß ich um so ungeteilter dem guten Oheim meine Sorgfalt widmen darf!"

Rudolph nickte bedeutsam und gedankenvoll, und erschien nicht mehr sehr gesprächig. Gleich darauf kam der Commerzienrath wieder herunter, verdüsterter als zuvor.Wie, Reffe, Du hast weder getrunken, noch geraucht?" fragte er, während er die weißen Glacehandschuhe auszog.Geh', Pauline, besorg' uns einige Gläser Punsch und laß uns dann allein wir wollen nun von Geschäf­ten reden. Häusliche Sorgen und Geschäftsforgen, das sind die beiden Pole, zwischen denen mein Leben hin- und herschwankt!" setzte er mit einem Seufzer hinzu und fuhr über die Stirn.Droben die tolle Lust, und hier die volle schwere Last!"

Onkel! laden Sie einen Theil derselben auf meine Schultern ab!" bat Rudolph.

Dazu bist Du auch ausersehen, mein Neffe! Und nun setz Dich hieher, wenn Du nicht müde bist, rauch' Eins und laß uns plaudern!"

7.

Als Robert Balder um zwei Uhr Morgens sich von den Cousinen und der! Tante verabschiedet hatte in den leergewordenen festlichen Räumen, und auf sein Zimmer zurückkehrte, fand er hier noch Rudolph vor, welcher mit starken Schritten auf- und abging, dichte Wolken au« seiner Cigarre blies und von unruhigen Gedanken bewegt schien.

Wie, Du noch munter, Vetter?" fragte er Robert;und so hast Du den Abend allein zugebracht?"

Keineswegs, ich war unten beim Oheim, und wir sprachen von allerlei Dingen, die ich mir seit Mitternacht hier oben noch überlegt habe. Allein da­von ein ander Mal! Du sollst mir von dem Balle erzählen, für welchen ich nicht curfähig bin. Die Tante ist wüthend auf mich, den sie so abblitzen ließ?"

Jenun, Vetter, ich denke, Du selbst gingst zu weit: die Tante ist nicht so schlimm als Du wähnst. Du hast ein Vorurtheil gegen sie. Es that mir so; leid, daß alles so gekommen ist, und ich bereute, mich auf den Scherz eingelassen^ zu haben; fürwahr, hättest Du nicht mein Wort gehabt, so würd' ich geradezu Henrietten und der Tante alle« gesagt haben

»Bah, dann hättest Du Dir selbst am meisten geschadet, und wie war die Tante gegen Dich?"

Von einer unbeschreiblichen Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit, von einer Familiarität, die ich gar zu gern Dir gegönnt hätte, damit Du eine des- fere Meinung von ihr bekommst!"

Sehr freundlich von Dir; aber ich kenne die Tante schon genugsam. Und wie stehst Du mit Henrietten, Vetter? wie findest Du sie?"

»Sie ist charmant, ein herrliches Mädchen, so geistvoll und sicher, so voll Zuversicht und Selbstgefühl, und doch wieder so hingehend und gefühlvoll...

Gegen den vermeintlichen Besitzer einer halben Million, natürlich!" sagte der echte Holländer-Neffe trocken.Allein um kurz zu sein: Du liebst sie? Liebe auf den ersten Blick, he?"

Bah, Vetter! bedenk' doch: wir kennen uns erst einige Stunden eine Ballbckanntschaft

Die gewöhnliche Einleitung eines Verlöbnisses, Wetterfelder Vetter! Ziere Dich nicht, sondern sprich offen: glaubst Du einigen Eindruck auf sie gemacht zu haben?"

Wahrscheinlich," versetzte der Wetterfelder bescheiden und doch mit freubi- gem Bewußtsein.Nach der Art uno Weise, wie sie sich gab, wie sie mich be- vorzugte, auszeichnete, glaub' ich annehmen zu dürfen, daß sie mir gut ist!"

Und Du möchtest sie heirathen, Vetter? . . ."

Ich? Oh, welch eine Idee von Dir, Robert! ich, ein armer Teufel, ihrem Vater zum aufrichtigsten Danke verpflichtet, als Buchhalter hieher verschrieben, wie soll ich mir etwas Derartiges einfallen lassen?"

Wetterfeldcr, Junge! das ist ja kein Ding der Unmöglichkeit!"

Doch, doch, Robert! erwäg' doch: das schöne stolze Mädchen, aufgewachsen 1 im größsten Ueberfluß, gewöhnt jeden Wunsch im Handumwenden erfüllt zu sehen, voll Verstand und Geist, voll Ehrgeiz, und ich, der einfache Commis, der nichts besitzt, als ein ehrliches treues Herz und fein Bißchen Fleiß und Kenntnisse und guten Willen! ..."

Das ist mehr als die meisten Freier um die Töchter reicher Emporkömm- i finge haben!" fiel ihm der echte Holländer lebhaft in's Wort.Besser, Du biederer ehrlicher Junge, sitzest Dieb in des Oheims ausgedehntes Geschäft her- ein, als solch ein Hohlkopf von Cavalerie-Licutenant oder Rouö von Diplomaten! In Dir gcwännne Onkel Gottfried eine Stütze und später einen Bundesgenossen gegen seine übermütige verschwenderische Frau. Und dann, wenn Henriette wirklich nicht das eitle herzlose Ding ist, für welches ich sie heute halte, wenn eine ernste Neigung sie wirklich im innersten Wesen erfaßt, und dem Herzen das Uebergewichk verschafft über den kalken berechnenden Verstand, dann ist ge- Wonnen Spiel, dann kann Vieles abgewandt und noch alles gut werden! ..."

Vetter, ich verstehe Dich nicht!" rief der Wetterfeldcr;wovon redest Du denn eigentlich?"

Laß cs gut sein, ich denke und grüble laut, Rudolph," sagte der echte Hollander.Die Zeit ist eine mächtige Zauberin; sie kann Dinge schaffen, die zuvor in'« Reich der Träume zu gehören schienen. Es können Zeiten kommen, Vetter, wo Du noch als Schwiegersohn des Oheims willkommen geheißen würdest!"

Du wirst mir immer räthfelhafker, Robert! Und woher denn diese Unruhe, diese Aufregung?"

»Frage nicht, laß mich einfach gewähren, und vertraue Dich mir an!" er- wiederte Robert und drückte ihm herzlich die Hand.Ich will Dir wohl, und wenn cs Dich glücklich machen kann, Henriettens Hand und Herz um ihrer selbst willen zu erringen, so will ich Dir helfen. Sag an, glaubst Du ihr Herz er­werben zu können und würde es Dich glücklich machen?"

Ja," versetzte ter Wctterfelder froh und feierlich. (Forts, folgt.)

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Gründung eines pomologischen Instituts zu Geisenheim.

Nach einer Mittheilung der ZeitschriftDer Land- wirth" soll im Rheingau mit Anlage einer ähnlichen Anstalt zur Förderung der Obstcultur wie in ProS- kau vorgegangen werden. Die Gemeinde Geisen­heim hat das Anerbieten gemacht, für diese Anstalt, wenn sie auf ihrer Gemarkung errichtet wird, 20 Mor­gen geeignetes Ackerland in passender Lage herzu- gcden. (Zeitsch. landw. Vereine.)

Hopfenbau in Württemberg.

Nach demWütttemb. Wochenblatt für Land- und Forstwirth'chaft" (Nr. 50 v. I.) umfaßte der Hopfenbau in Württemberg in 1866 eine Fläche von 12058% Morgen. Es wird zu dieser Angabe bemerkt:Da matt in der Regel den Capitalwcrth der Hopfenpflanzungen zu 1 fl. p. Stange anschlägt, so würde durch den Hopfenbau Württembergs die bedeutende Capitalsumme von mehr als 14 Millionen reprättntirt, während der Brutto-Ertrag pro Jahr 5060000 Ctr. betragen mag." (Landw. Zeitsch.)

dwivthschaftli

Setzkartoffel und ihr Ertrag.

Theodor Pauli berichtet über einen Kartoffelbau­versuch, der in seinen Resultaten interessant und wich- tig genug ist, um der Ocffcntlichkeit mitgetheilt zu werden. Er schreibt: Im vorigen Frühjahre ließ ich, wie immer, meine zur Aussaat bestimmten rothen rauhschaligcn Neunwochenkartoffeln auslescn und auf einem trockenen Speicher abwelkcn. Da indessen beim Setzen dieser Vorrath nicht ganz für das be­treffende Grundstück ausreichte, so war ich genöthigt, die weiter erforderlichen Setzkartoffeln au« dem Keller holen zu lassen; da dieselben bereit« stark gekeimt waren, so mußten sie entkeimt Werden. E« war mir auffallend, daß trotz ter ganz gleichartigen Beschaf­fenheit des Boden« die nicht abgewelkt gewesenen und entkeimten Kartoffeln erst um circa 6 7 Tage später au« dein Boden kamen, al« die anderen; wa« mich aber noch mehr überraschte, war das, daß Vic von ihren alten Keimen befreiten Kartoffeln außer»

(Hierzu eine Beilage.)

d> e s.

ordentlich vielkcimig oder buschig wuchsen. Durch Hcrausnchmen eines Stockes überzeugte ich mich, daß an jeder Stelle, wo ein alter Keim ausgcbro» chen war, 3 4 Keime stch gebildet hatten, in Folge dessen denn an« einer solchen Sehkartoffel oft 12 15 Stengel entstanden Waren. Während ich nun bei ter in dieser Woche stattgehabten Erndte dieser Kar­toffeln von den abgewelkten Steckkartoffeln durch­schnittlich den Ikfachen Ertrag erhalten habe, bekam ich ^von den nicht abgewclkten und gekeimten Kar­toffeln nur die vierfache Erndte. Neues habe ich damit allerdings nicht entdeckt, allein, wie ich Weiß, daß noch gar viele Landwirthe da« Abwelkcn der Setzkartoffeln außer Augen lassen, und daher bereit« gekeimte Kartoffeln zum Setzen nehmen 'müssen, so ist e« doch gut, von Zeit zu Zeit auf Die Wichtig­keit de« besseren Verfahrens aufmerksam machen.

(Durch die allgem. land- u. forstw. Ztg.)