die Eröffnung des Reichstags des norddeutschen Bundes durch S. M. Cem König von Preußen. Derselbe verliest folgende Thronreve :
Erlauchte, edle und geehrte Herren vom Reichs- tage des norcceutschen Bundes!
Es ist ein erhebender Augenblick, in welchem Ich in Ihn Mitte trete: mächtige Ereignisse haben ihn yerbeigeführt, große Hoffnungen knüpfen sich an denselben. Daß es mir vergönnt ist, in Gemeinschaft mit einer Versammlung, wie sie seit Jahrhunderten keinen deutschen Fürsten umgeben Hal, diesen Hoffnungen Ausdruck zu geben, dafür danke ich der göttlichen Vorsehung, welche Deutschland dem von seinem Volke ersehnten Ziele aus Wegen zuführt, die wir nicht wählen oder voraussehen. Im Ver- trauen auf diese Führung werden wir jenes Ziel um so früher erreichen, je klarer wir die Ursachen, welche uns und unsere Vorfahren von demselben entfernt haben, im Rückblick auf die Geschichte Deutschlands erkennen.
Einst mächtig, groß und geehrt, weil einig und von starken Händen geleitet, sank das deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern in Zerrissenheit und Ohnmacht. Des Gewichtes im Rathe Europas, des Einflusses auf die eigenen Ge- schicke beraubt, ward Deutschland zur Wahlstatt der Kampfe fremder Mächte, für welche es das Blut seiner Kinder, die Schlachtfelder und Die Kampfpreise hergab.
Niemals aber hat Die Sehnsucht des deutschen Volkes nach seinen verlorenen Gütern aufgehört, und die Geschichte unserer Zeit ist erfüllt von den Bestrebungen, Deutschland und Dem Deutschen Volke Die Größe seiner Vergangenheit wieder zu erringen.
Wenn diese Bestrebungen bisher nicht zum Ziele geführt, wenn sie die Zerrissenheit, anstatt sie zu heilen, nur gesteigert haben, weil man sich durch Hoffnungen oder Erinnerungen über den Werth der Gegenwart, durch Ideale über die Bedeutung der Thatsachen täuschen ließ, so erkennen wir daraus Die Nothwendigkeit, Die Einigung des Deutschen Volkes an Der Hand der Thatsachen zu suchen, und nicht wieder Das Er- reichbare Dem Wünschenswerthen zu opfern.
In Diesem Sinn haben Die verbündeten Regierungen tm Anschlüsse an gewohnte frühere Verhältnisse, sich über eine Anzahl bestimmter und begrenzter, aber praktisch bedeutsamer Einrichtungen verständigt, welche ebenso im Bereiche ver unmittelbaren Möglichkeit, wie des zweifellosen Bedürfnisses liegen.
Der Ihnen vorzulegende Verfassungs-Entwurf muthet der Selbstständigkeit Der Einzelstaaten zu Gunsten Der Gesammlheit nur Diejenigen Opfer zu, welche unentbehrlich sinD, um Den Frieden zu schützen, die Sicherheit Des BunDesgebieles unD die Ent- Wickelung Der Wohlfahrt seiner Bewohner zu gewährleisten.
Meinen hohen Verbündeten habe ich für Die Bereitwilligkeit zu danken, mit welcher sie den Bedürfnissen des gemeinsamen Vaterlandes cntgegengefommen sind. Ich spreche diesen -Uanf in dem Bewußtsein aus, daß ich zu derselben Hingebung für das Gesammtwohl Deutschlands auch dann bereit gewesen sein würde, wenn die Vorsehung Mich nicht an die Spitze Des mächtigsten und aus diesem Grunde zur Leitung des Gemeinwesens berufenen Bundesstaates gestellt hätte. Als Erbe der preußischen Krone aber fühle ich Mich stark in dem Bewußtsein, daß alle Erfolge Preußens zugleich Stufen zur Wiederherstellung und Erhöhung der deutschen Macht und Ehre geworden sind.
Ungeachtet des allgemeinen Entgegenkommens und obschon die gewaltigen Ereignisse des letzten Jahres die Unentbehrlichkeit einer Neubildung Der Deutschen Verfassung zu allseitiger Ueber- zeugung gebracht unD Die Gemüther für Die Annahme derselben empfänglicher gemacht hatten, als sie früher waren und später vielleicht wiederum sein würden, haben wir doch in den Verhandlungen von Neuem Die Schwere Der Aufgabe empfunDen, eine volle Uebereinstimmung zwischen so vielen unabhängigen Regie- rungen zu erzielen, welche bei ihren ZugestänDnissen obenein Die Stimmungen ihrer LanDstande zu beachten Habben.
Je mehr Sie, Meine Herren, sich diese Schwierigkeiten ver- gegenwärtigen, um so vorsichtiger werden Sie, davon bin ich überzeugt, bei Prüfung Des Verfassungs - Entwurfes Die schwer wtegenDe Verantwortung für Die Gefahren im Auge behalten, welche für Die friedliche und gesetzmäßige Durchführung des begonnenen Werkes entstehen könnten, wenn Das für Die jetzige Vorlage hergestellte EinverstänDniß Der Regierungen für Die vom Reichstage begehrten AenDerungen nicht roieber gewonnen würde. Heute kommt es vor Allem Darauf an, Den günstigen Moment zur Errichtung des Gebäudes nicht zu versäumen; der vollen-
b'cn Thatsachen.)
Die Rcdaction.
Vetere Ausbau desselben kann alsdann getrost Dem ferneren vereinten Wirken Der Deutschen Fürsten unD Lolksstämme überlassen bleiben.
Die OrDnung Der nationalen Beziehungen Des norddeutschen BunDes zu unfern LanDSleuten im SüDen Des Main ist Durch Die FrieDensschlüsse Des vergangenen Jahres Dem freien Uebereinkom- meti beider Theile anheimgestellt. Zur Herbeiführung dieses Ein- Verständnisses wird unsere Hand den süddeutschen Brüdern osten und entgegenkommend vargereicht werven, sobalv Der norddeutsche Bund in Feststellung seiner Veriaffung weck genug vorgeschritten sein wird, um. zur Abschließung von Verträgen befähigt zu sein.
Die Erhaltung des Zollvereins, die gemeinsame Pflege der Volkswirthschaft, Die gemeinsame Verbürgung für Die Sicherheit des deutschen Gebietes werden Grundbedingungen der Verständigung bilden, welche voraussichtlich von beiden Theilen angestrebt werden.
Wie die Richtung des deutschen Geistes im Allgemeinen Dem FrieDen unD seinen Arbeiten zugewanDt ist, so wird Die LunDeS- genoffenschast der deutschen Staaten wesentlich einen Defensiven Eharakter tragen. Keine feindliche Tendenz gegen unsere Nachbarn, kein Streben nach Eroberung hat Die deutsche Be- wegung der letzten Jahrzehnte getragen, sonDern lediglich Das BeDürfniß, Den weiten Gebieten von den Alpen bis zum Meere die GrunDbevingungen des staatlichen Gedeihens zu gewähren, welche ihnen Der Entwickelungsgang früherer IahrhunDerte ver- kümmert hat. Nur zur Abwehr, nicht zum Angriff einigen sich Die deutschen Stämme, und daß ihre Verbrüderung auch von ihren Nachbarvölkern in diesem Sinne aufgefaßt wird,^beweist die wohlwollende Haltung der mächtigsten europäischen Staaten, welche ohne Besorgniß und ohne Mißgunst von denselben Vor« theilen eines großen staatlichen Gemeinwesens Besitz ergreifen sehen, deren sie sich ihrerseits bereits seit Jahrhunderten erfreuen. Nur von uns, von unserer Einigkeit, von unserer Vaterlandsliebe hängt es daher in diesem Augenblicke ab, dem gejammten Deutsch- land die Bürgschaften einer Zukunft zu sichern, in welcher es, frei von Der Gefahr, wieder in Zerrissenheit und Ohnmacht zu verfallen, nach eigener Selbstbestimmung feine verfassungsmäßige Entwickelung und seine Wohlfahrt pflegen und in dem Rathe Der Völker seinen frieDliebenDen Beruf zu erfüllen verman.
Ich hege Das Vertrauen zu Gott, Daß Die Nachwelt im Rückblick auf unsere gemeinsamen Arbeiten nicht sagen werde, Die Erfahrungen Der früheren mißlungenen Versuche seien ohne Nutzen für das deutsche Volk geblieben, daß vielmehr unsere Kinder mit Dank auf diesen Reichstag als den Begründer der deutschen Ein- heit, Freiheit und Macht zurückblicken werden.
Meine Herren! Ganz Deutschland, auch über die Grenzen nuseres Bundes hinaus, harrt der Entscheidungen, Die hier getroffen werDen sollen.
Möge durch unser gemeinsames Werk Der Traum von Jahr- hunDerten, das Sehnen und Ringen der jüngsten Geschlechter der Erfüllung entgegengeführt werden.
Im Namen aller verbündeten Regierungen, im Namen Deutschlands fordere Ich Sie vertrauensvoll auf : helfen Sie uns die große nationale Arbeit rasch und sicher durchführen.
Der Segen Gottes aber, an welchem Alles gelegen ist, begleite unD fördere das vaterländische Werk!
(In den übrigen europäischen Ländern hat sich im Laufe der vorigen Woche die Lage der Dinge so wenig geändert, daß wir in unterer nächsten Rundschau das Wichtigste Nachträgen werden. Wir Haden natürlich das zuerst vollständig gebracht, was unserem Herzen am nächsten steht, nämlich die Neugestaltung unseres deutschen Vaterlandes und der damit zusammenhängen-
Geld-Cours vom 21. Februar 1867.
Preuß. Kassen - Scheine "
Preuß. Friedrichöd'or . . '
Pistolen.......•
„ Doppelte ....••.....
Holl. st. 10 Stücke...........
Rand - Dueaten..... .......
20 Sngl. Sovereigns
Ruff. Imperials
Dollars in Gold
i st- 1- 45-1
„ 9. 5b;— 5 71
„ 9. 43-45
„ 9. 44-46
„ 9. 50-52
„ 5. 33-35
„ 9 271-28;
„ 11. 49-53
„ 9. 44-46
„ 2. 27-28
Redaktion, Druck und Verlag Der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) m Gießen.


