Ausgabe 
26.1.1867
 
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L. Bamberger.

Parlament auf jeden

oder Tod!

Paris, Januar 1867.

felnve Schläfer, so wird es weniger von Unglück und Beschämung.

Denn : kommen wird das

Thut aber nicht voraus Jever seine Schuldigkeit, setzt er nicht alle Kraft daran, basz es aus freien Männern zusammen­trete, dann werden, die Feinde des freien Bürgers ihre Äreackuren bineinseken, und die Kreaturen werven Eure Rechte im Stiche lassen und mit Füßen treten helfen. Die fremden Volker aber werden denken : Solches sei Euer Wille gewesen. Denn nimmer werden sie glauben : Ihr seiet aufgerufen worden, aus freier Wahl einen Reichstag zu, entsenden, und Ihr hattet Euch schwach- müthig Eures Rechts begeben; Ihr hättet der Stlmmxn gespo - tet, die Euch zuriefen : Erwählet Männpr des Rechts, der Fr ei beit, der Zukunft. Sie werden für wahp halten, daß die Kreaturen der Finsterniß, und Gewalt die Vertreter deutschen

Geister und deutschen Willens seien und werden zum Schluß kommen: . . , , ... ,

Deutschland wollte mcht einig noch frei lein!

So würden sie urtheilen und sie würden Recht haben.

Roch aber ist es nicht zu spät! Roch ist die Stunde nicht verronnen, die für eine unermeßbare Zukunft bas nchichal Deutschlands besiegeln soll! Roch seit Ihr Herren, das wahr zu machen, was ringsum die Welt Euch zuruft, was die Zeichen ver Geschichte mit Flammenschrift auf Euren Weg schreiben. Gehet hin und wählet!

Wählet freie Männer!

Lasset sie geloben, sich fest zu klammern an das große Gut, das ihren Händen anvertraut wirv, an die Zukunft Deutschlands. Dies ist der Wendepunkt seiner Geschichte. Dies ist : Leben

Hierauf wurde ver Vorschlag des Central-Wahl-Comitus : den Abgeordneten Diäten und Reisekosten zu vergüten", als eine gemeinsame Angelegenheit des ganzen Hessischen Gebietes nörvlich ves Mains hingeftellt und auch von der Bersamm ung gutgeheißen, wenn nicht unterdessen eine gesetzliche Regelung dieser Angelegenheit durch unsere Lanvstände erfolge.

Herr Hofgerichtsrath Völcker schlug alsdann, Namens des Central-Wahl-Comitäs, den Herrn

Adalbert von Rabenau

zu Fricdelhausen

als Abgeordneten in den norddeutschen Reichstag für den Wahl­kreis Gieszen-Grünberg-Nivva vor und bemerkte, daß derselbe |td) bereit erklärt habe, eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen. Herr v. Rabenau sei ein liberaler und entschiedener Mann und stehe auf dem Boden ves vom Central-Wahl-Eomito unterm 15 December v. I. veröffentlichten Programms (siehe Anzeige­blatt Nr. 102 v. 1866), man könne ihm sonach getrost die An­gelegenheiten unserer Provinz zur Vertretung im Reichstag in die Hände legen. Herr Völcker entwickelte noch in längerer Rede und unter Hinweis auf Die langjährigen Bestrebungen der Deut­schen, daß es eine Nothwendigkeit sei,, jetzt sein Wahlrecht aus­zuüben unv ermahnte nochmals die Wähler in ihren Kreisen va- hin zu wirken, daß Vie Wahl eine allfeittge werde, da durch- aus keine Gründe vorhanden seien, sich der Wahl zu enthalten, denn nur dadurch, daß der Wille des Volks nach Einigung sich überall laut kundgebe, könne auch aus dem jetzt zusammentretenden Reichstag ein. großes deutsches Vaterland an der Hand Preußens hervorgehen. Die Schamröthe müsse jedem Deutschen in s Gesicht steigen, wenn wir Urtheile hörten, wie sie in der "S"mme an der Fremde" ausgesprochen seien und um so unbegreiflicher wäre Das Zaudern ver Deutschen, das ihnen aus der Hanv Preußens dargebotene anzunehmen. Hierauf ergriff Herr v. Rabenau das Wort und entwickelte in folgender Reve seine Zündsätze .

Der deutsche Bund hat während der fünfzig Jahre: Jemeö Bestehens, - vom 5. Novbr. 1816 bis 14. Ium 1866 - für Die zeitgemäße politische Wiedergeburt der deutschen Nation ° -u. L !ich,- glih-»! - B-i S,Sff,mg °--i

tuns am 5. Novbr. 1816 zu Frankfurt a. M. bezeichnete ver K K. Präsidialgesandte, Graf von Buol-Schauenstein, Die Aufgab derselben dahin :daß Deutschland tn dem Bund als ein Ganzes, - als eine politische Einheit, - Meder als ' Macht in der Reihe der Völker erscheinen solle." Ich acceptire heute noch diese Worte als mein politisches Programm, aber ich will nicht, baß sie Worte bleiben, sondern ich will, daß

Arbeitern unv Denkern hinter das Geheimniß seiner Kraft. Der andere verkündet'S mit Freude : Deutschlands Auferstehung ist der Freiheit Morgenroth, denn nur die Freiheit wirv uns Vie Stärke geben, mit ihm zu wetteifern!

Also tosen Furcht und Hoffnung an Eurer Grenze. Nur , Ihr allein wollt nichts gewahr werven. Denn das ist ves Unglücks letzter Fluch, daß es stumpf wird gegen leinen eigenen Stachel. Hundertjähriges Elend hatte uns dahin gebracht, daß wir nicht fühlten, wie elend wir waren, hat uns taub gemacht, daß unverstanden ver Ruf an's Ohr schlägt : Tretet heraus aus eUr%kienigen, welche das Maß verloren für ihr eigenes Ge- schick, sollten sich mahnen lassen von dem Urtheil älterer Ratio- nen, deren Blick geschärft worden durch Erlebnisse eigener Große und eigenen Falls! Niemand in ganz Frankreich, der nicht die Dinge bei uns zu Haus für die größten ver neuen. Zelt "klarte. Selbü ver Sturz des Papstthums hat dieses katholische Land un- ^Uch Wender aufgeregt , als der Sturz Oesterre chs und der drei deutschen Fürsten. Sie betrachten Alles als so ferttg fo überwunden, sie sehen so als unmöglich an, daß w,r Vas^W er unvollendet sinken lassen - was sag ich? daß Wir^ s^m ß trauisck selbst zerstören, daß sie bereits fragen : Was wiid nun das einige Deutschland'zunächst beginnen? - und sie antworten sofort : Deutschland wird von uns Vas El,aß zuruckkordern. Vergeblich erwievert man ihnen :Friede, Freiheit, Eintracht. Sie neben weit genug zu glauben : Deutschland, geeinigt unter Einem Parlament, könne sich rasch zu solcher Herrlichkeit ent­wickeln, daß die seit zweihundert Jahren Frankreich elnverleibten und mit ganzer Seele ihm anhangenden Deutschen Provinzen sich möchten zum Muttervolk hingezogen fühlen.

Wie könnten wir ihnen Vie Wahrheit gestehen , wie wollten - wir? Wer würde sie uns glauben? Geht doch hin unv erzählt einem Franzosen :Dies Deutschland, das Ihr so groß und dräuenv fertig seht, hat erst noch seine besten Freunde zu Hause zu gewinnen, ehe es dran denkt, über seine Grenzen zu gehen. E- d°, °ich> Seit °°ch SM für d.» As-tz-. D-r ner, der Hesse, ver Schwab, ver macht ihm noch das Leben sauer. Der Fremde erkennt uns an, in bem er gegen uns rüstet; zu Hause verkennen hunderttausenv Landsleute noch ihre eigene Be­stimmung, invem sie nicht einmal die Hand aufheben zur Wahl

So sitzen wir draußen in der Fremde, und alle die Glück­wünsche, alle die Eifersucht, alle die Befürchtungen, die unseren Herzen zujubeln, werden zu ebensoviel bitteren Psetten, wenn eine Botschaft aus der Heimath kommt.

Sie wollen nicht wählen, Vas Parlament ist ibnen nicht gut genug! So höret einmal, mit des Frem­den Urtheil, auch einen seiner Weisheitssprüche : »So viel >der Mann werth ist, so viel auch feine Sache . laut vaut Fkomme, tant vaut la chose! Gebt einem Stümper Vas beste Instrument, er wirv ihm keinen Ton entlocken; gebt einem Künstler nur eine gespannte Saite, er wird sie beleben. Stellt einen Schwachkopf an die Spitze des glücklichsten Unternehmens, er wird es zu Grunde richten; leiht einem Mann von Genie Vie nothdürftigste Anstalt, 'er wird sie zum Geveihen^bringen. So viel der Mann werth ist, so viel Die Sache, nett Ihr selbst was werth, so wird Euer Parlament was werth fein, »tet sogar, unermeßlich viel. Seid Ihr aber faule, an euch selbst verzwei-

*-- - - sein als nichts, ein Quell

T,/Die letzten Gründe, durch welche es möglich wurde, Deutsch­land mit diesen Worten fünfzig Jahre lang in seiner Entwickelung hinzuhalten, liegen einfach dann, daß tn »>« 8« desversamtnlung nur die Fürsten, und nicht die Volker v r treten waren, sowie in dem Widerstreit Ver Interessen, - na mentlich von Oesterreich und Preußen- Run hat der altt-deutsch Bund von 1816 aufgehört zu existiren, ^5 .^ordd utsche Bund von 1866 ist an seine Stelle getreten. Art. 4 iti Vertrags zwischen Preußen und Oesterreich vom 23. Aug. 1866 besagt h-eru^r fc<r Kaiser von Oesterreich erkennt die

Nullösuna des bisherigen deutschen Bundes an, und gibt 'S ----- Deutschland»