amten in der Ausübung ihrer regelmäßigen Dienstfunctionen nicht weiter gehindert werden.
6) Man ist beiderseits damit einverstanden, daß bei den bezüglich des Post- und Telegraphenwesens zu treffenden besonderen Vereinbarung der Gesichtspunkt maßgebend sein soll, daß die beiden südlich des Mains gelegenen Großherzoglich Hessischen Provinzen Starkenburg und Rheinhessen hinsichtlich der Verwaltung des Post- und Telegraphenwesens in dasselbe Verhältniß treten werden, welches für die Provinz Oberhessen auf Grund der in dem norddeutschen Bunde geltenden Einrichtungen stattfinden wird. Mit Beseitigung des Fürstlich Thurn- und Taxisschen Postwesens tritt die Königlich Preußische Regierung in Bezug auf bestehende Verbindlichkeiten, namentlich was die Einrichtung des Canons betrifft, an die Stelle des Fürstlich Thurn- und Taxisschen Hauses.
Auch sollen wegen technischer Ausführung der im Absatz 2 des Artikels 10 des Hauptvertrags enthaltenen Abrede alsbald Verhandlungen zwischen beiderseitigen Commissarien stattfinden.
7) Alle Kriegsgefangenen werden innerhalb 8 Tagen nach Ratification des heutigen Friedensvcrtrags freigegeben und an Seitens der betreffenden Militärbehörden näher zu vereinbarenden Orten übernommen werden.
8) In Beziehung auf das Preußen zustehende und ihm ausschließlich verbleibende Besatzungsrecht in Mainz werden die bisher zwischen dem Bunde und der Territorialregicrung maßgebend gewesenen Bestimmungen auf das Verhältniß zwischen Preußen und der Territorialregierung Anwendung finden.
9) In Bezug auf den Absatz 1 des Artikels 11 des Hauptvertrags wird Großherzoglich Hessischer Seits anerkannt, daß mit Rücksicht auf die Besatzungsvcrhältnisse von Mainz der telegraphische Verkehr daselbst ausschließlich der Preußischen Negierung zustehen muß. Die Verwaltung und der Betrieb der zum Dienste der Eisenbahnen bestimmten Bahntclegraphen wird durch Art. 11 des Hauptvertrags nicht berührt, wohlverstanden, soweit dies nach Umständen mit der unbedingten Sicherung der Festung vereinbar ist.
10) Die Großhcrzoglich Hessische Regierung erklärt sich bereit, mit )>er Königlich Preußischen Regierung wegen Abtretung der Verwaltung und des Betriebs der im Großherzoglichen Gebiete belegencn Strecke der Main-Wcscr-Bahn in Verhandlung zu treten, wobei von dem Grundsatz ausgegangen werden "soll, daß der gesammte Reinertrag der gedachten Strecke an die Großherzogliche Regierung unverkürzt jährlich abgeliefert werden wird. Auf jeden Fall verpflichtet sich die Großherzogliche Regierung, die Verwaltung und den Betrieb der im Groß- herzoglichen Gebiet belegencn Strecke der Main-Weser-Bahn von der Kurhessischen Grenze bis Gießen nach obigem Grundsatz an Preußen abzutreten.
Wenn die Königlich Preußische Regierung cs angemessen finden sollte, ihre aus Böhmen resp. Bayern ans der Linie Schwandorf-Nürnberg -Würzburg - Aschaffenburg zurückkehreuden Truppen durch Großh. Hessisches Gebiet zu dirigiren, so ertheilt die Großherzoglich Hessische Regierung hiermit ihre Zustimmung dazu und wird den Königlich Preußischen Militärbehörden für diesen Zweck auch die durch das Großherzogliche Gebiet führende Eisenbahn zum Transport der Truppen zur Verfügung stellen, wogegen die Königlich Preußische Regierung sich verpflichtet, die Vergütung nach den Großherzoglich Hessischen Sätzen für Truppentransporte zu zahlen.
12) Kein llnterthan Sr. Königlichen Hoheit des Großhcr- zogs von Hessen und bei Rhein rc. und Sr. Majestät des Königs von Preußen wird wegen seines Verhaltens während des Kriegs verfolgt, beunruhigt, oder in seiner Person oder seinem Eigenthum beanstandet werden.
13) In Bezug auf Artikel 18 des Hauptvertrages behält man sich beiderseits für dcn Fall, daß bis zum Jahre 1892 die gedachte Saline von der Krone Preußen nicht erworben sein sollte, eine anherweite Verhandlung vor.
14) Die Ratification der vorstehenden Uebercinkunft soll als mit der Ratification des Friedensvertrags vom heutigen Tage erfolgt und angesehen werden.
Berlin dcn 3. September 1866.
(gcz.) (L. 8.) v. Dalwigk. (L. 8.) Bismark.
(L. 8.) Hofmann. (L. 8.) Savigny.
Meiningen und das Königreich Sachsen haben unterdeffen ebenfalls mit Preußen Frieden geschlossen; Meiningen, nachdem der seitherige Fürst abgetreten und dcm Kronprinzen zum Ordnen der neuen Dinge Platz gemacht, Sachsen/ indem es sich den Bedingungen Preußens gefügt hat, in den norddeutschen Bund eingetreten ist und sein Militär unter den preußischen Oberbefehl gestellt hat.
Preußen ist während dieser Zeit immer weiter in seinem vorgesteckten Ziele vorgeschritten, Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt sind seinem Reiche vollständig einverleibt worden, ebenso die abgetretenen hessischen und bayerischen Gcbietsthcile. Durch diesen Zuwachs ist es Preußen möglich geworden, seine Armee um 3 Armeecorps zu verstärken.
Diese Verstärkung scheint den Nachbarn übcr'm Rheine, den Franzosen unter ihrem Kaiser Napoleon, nicht recht zu behagen, denn, wie uns die Zeitungen berichten, richtet Napoleon, trotzdem er selbst bald eine andere Richtnng nehmen wird, sein Heer nach preußischem Muster ein. Alle Waffenfähigen sollen fortan in Frankreich Soldat werden. Ein zum Ausmarsch bereites Heer von einer Million Streiter stehen ihm dadurch zur Verfügung, während ein Landsturm von 5—600,000 Mann die Sicherheit des Landes deckt. Da indessen diese vielen tausend Streiter auch neue Waffen, so eine Art Zündnadelgewehr zum vielmaligen Schießen in der Minute, erhalten sollen, so ist von dieser Seite immerhin in 1—2 Jahren noch Nichts zu befürchten und bis dahin lassen wir die Neugestaltung Deutschlands vor sich gehen, welches so Gott will, alsdann Frankreich vereint entgegenstehen wird.
Oesterreich grollt unterdessen im Geheimen. Es kann seine furchtbare Niederlage, sowie das herrliche Venetien, in das nun Victor Emanuel mit seinen Italienern eingezogen ist, nicht so leicht verschmerzen. Damit aber dieser Groll eines Tages sicht- barlich an den Tag treten kann, so ist es einstweilen beschäftigt, in seinem Innern Alles fein säuberlich einzurichtcn, so manchen Kehricht auszufcgen und alte Mauern auszubcssern. Ob es ihm gelingen, oder ob nur ein loser llcberwurf zu Stande kommen wird, der bei dem nächsten llngcwitter wieder haltlos abfällt, — das werden wir erst später erfahren. Einstweilen ist ein neuer Minister, der frühere sächsische Minister Beust, an die Spitze dieser Riesen-Bauuntcrnehmungcn und Auskehrungen gestellt worden, allein uns will bedünken, es sei an dcm Fundamente Etwas faul, ob dieser neue protestantische Minister in dem katholischen Lande darum diesen faulen Fleck treffen und, wenn er ihn getroffen, heben wird — wie kann man das wissen.
Das österreichische Kaiserhaus hat eigentlich viel Pech. Vor einiger Zeit war ein kaiserlicher Prinz, von edlem Charakter, nach dcm fernen Mittelamcrika gezogen, um dort cin aus dcn Fugen gehendes Land Mexiko neu umzugcstalten, zu rege- neriren, wie der Lateiner sagt. Französische Waffen unter einem Marschall Bazaine sollten ihm dabei bchülflich sein, allein liegt es daran, daß der französisch-österreichische Kitt schon seit Na- poleon 1. Zeiten nicht recht halten will, oder daß das vorerwähnte österreichische Pech allein Schuld ist, oder daß die Mexikaner und mit ihnen die Nordamerikaner ihr warmes Klima nicht erkältet haben wollen, genug, der Kaiser Maximilian soll nach neuesten Nachrichten die Hauptstadt Mexiko und mit ihr dcn Thron Montezuma's verlassen haben, um aus Amerika auszuschcidcn und wieder nach seinem herrlichen Privatschlosse Miramare am adriatischen Meere zurückzukehrcn. Ein edler Fürst mit dcn besten Absichten scheidet damit von einem unglücklichen Lande, nachdem ihm seine edle Gemahlin gebrochen und geisteskrank schon vorangegangen war.
Während in Mittelamerika durch das Eingreifen der vereinigten Staaten von Nordamerika die Dinge für die beiden europäischen Fürsten Napoleon und Maximilian eine so ver- hänguißvollc Wendung genommen haben, eine Wendung, die namentlich für Ersteren noch außerordentlich schwer in ihren Folgen werden kann, steht Nordamerika selbst wieder an dem Vorabende großer Ereignisse Kaum daß es in einem vierjährigen Titanenkampfe seine Freiheit aufs Neue errungen und die Sclavcn-Panhei des Südens überwältigt hat, drohen ihm diese ganzen Errungenschaften durch seinen eigenen Präsidenten wieder entrissen zu werden. Johnson, der Nachfolger des ermordeten Patrioten Lincoln, hat sich im Laufe seiner Präsidentschaft nach


