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Weigerungsfälle mit bewaffneter Einmischung, so wurde die Waffenruhe selbst doch noch nicht erreicht, sondern allerwärts regte es sich wieder.

Die Preußen zunächst haben nicht nur Prag besetzt, son­dern sind sogar bis Zwettel vorgedrungen, haben also scbon die böhmische Gränze nach Süden überschritten und stehen im Erzherzogthum Oesterreich, olmgefähr 18 bis 20 Stunden von Wien. Eine Einnahme von Wien würde hiernach nicht mehr in das 9teicb der Unwahrscheinlichkeit gehören.

Tie österreichische Nord-Armee hat sich von ihrem ersten Schrecken zwar wieder erholt und steht 180,000 Mann stark mit 600 Geschützen in einem verschanzten Lager bei Ollmütz, zieht auch von Tag zu Tag immer neue Kräfte an fick, altem ob sie sobald wieder operationsfähig sein wird und den Preußen Schach zu bieten vermag, steht sehr in Frage.

Tie Italiener scheinen das Geschenk Venetien nicht aus Frankreichs Hand annehmen, sondern es sich selbst mit Gewalt holen zu wollen. Cialdini, der Führer der italienischen Süd- Armee, hat den Po überschritten und beabsichtigt die Oester- reicher aus Venedig hinausznwerfen. Wie dieser doppelt kühne Versuck insonderheit Frankreich gegenüber ablanfen wird, muß die Zukunft lehren.

Die Mittelstaaten Deutschlands, wenigstens Bayern, stnd nun endlich auch in schärfere Action getreten. Nach den kleinen, schon erwähnten Gefechten bei Hersfeld, Fulda, Kaltennord­heim ic. war es den Preußen gelungen, immer weiter vorzu- dringcn, Brückenau in Bayern zu besetzen und nach Kissingen ihre Truppen vorznschieben. Hier entwikelte sich zwischen ihnen und den Bayern ein achtstündiger bestiger Kampf, in welchem die Preußen zwar mehrmals durch Kartätschen zurückgewiesen wurden, endlich aber doch an der Forcirnng der Saalübergänge nicht gehindert werden konnten. Kissingen fiel in ihre Hände, und ihre Truppen drangen nach Nüdlingen auf der Straße nach Münnerstadt vor. Den Bauern gelang es hier nicht bloß Nüdlingen zu behaupten, sondern sie warfen auch die Preußen wieder aus Kissingen hinaus.

Auf diese Weise dauerte der Kampf im Herzen Deutschlands, zwischen Preußen und den Mittelstaaten, fort. Unbegreiflicher­weise tritt in diesem Kriege ein Corps nach dem andern gegen die Preußen in Action, niemals sehen wir einen vereinigten Massenkampf, der namentlich gegen die in Mitteldeutschland nur 66000 Mann starken Preußen hätte verhängnißvoll werden müssen. Nachdem sich zuerst die Baiern geniessen, und nichts vermocht hatten, haben diese Gewehr bei Fuß gestellt, dagegen ist das achte Armeecorps in den Kanipf eingetreten, der bei Aschaffen­burg begonnen, in den Straßen dieser Stadt, und bei dem Dorfe Laufach mit ungemeiner Heftigkeit fortgesetzt wurde, bei Geln­hausen in dem Engpässe zwar mit der dreimaligen Zurück- schlagung der Preußen durch die Württemberger, aber bei Aschaffenburg damit eudigte, daß sich das achte Armeecorps an die östliche Seite des Odenwaldes zurückzog, und die Preußen über Hanau nach ihrem vorgesteckten Ziele, Frankfurt a. M , vordrangen. In diese Stadt find sie wenige Tage nachher ein- gezogen, nachdem der Bundestag zuvor seine Verlegung nach Augsburg in Baiern beschlossen hatte und dorthin gefluchtet war. Das ganze linke Mainufer ist nun in dem Besitz Preußens.

Wenn auch der Lauf der seitherigen Ereignisse durch keine hervorragenden Begebenheiten ausgezeichnet worden ift, |o fyat derselbe doch stetig seinen Gang in der bisherigen Preußen gün­stigen Weise genommen. Wenden wir uns zunächst nach dem unserem engeren Vaterlande zunächst liegenden Kriegsschauplätze. Die Gefechte bei Aschaffenburg waren zwar für das \ LIL meecorps und speciell für unsere hessischen gruppen migluckuck ausgefallen, allein die Preußen selbst müssen unseren Truppen das Lvb ausgezeichneter Tapferkeit zugestehen, und nur die Führung der darmstädter Truppen hat solch' verhaiignißvollen Ausgang herbeiführen können, wie er eingetreten ist. -r,er Vder- commandant des ganzen Armeecorps, Prinz Alexander, ist um so mehr zu beklagen, als er iieben dem Verluste p vieler st in er Landsleute noch den Ruhm seiner militärischen Vergangenhei geopfert sehen muß und zwar aus dem einzigen Grunde, weil er nicht selbstständig handeln, sondern ihm dnrck den Bbercom- mandanten, Prinzen Carl von Baicrii, die Hände gebunden waren. Zurückgegangen nach dem Odenwalde stieß er beicilten- berg niit dem VII. Armeecorps HBaiern) endlich zulammen unc

vielseitige Nachrichten sprcckcn davon, daß diese beiden vereinig­ten Armeceorps den Preußen Sckach geboten und sic in ihrem Siegeslauf eingchaltcn haben, nachdem sie bereits Darmstadt besetzt, ihre Truppen über Darmstadt nach dem Odeuwalde vorgeschoben und Darmstadt selbst ansehnliche Eontributionen auferlegt hatten. Auch Frankfurt hat die Last solcher Contri- butionen in enormem Grade fühlen müffen. Nachdem ihm zuerst 6 Millionen Thaler, sowie eine Lieferung von 600 Pfer­den und den nöthigeu Rationen Lebensmittel als Kriegscontri- bution auferlegt worden war, sind ihm nun noch nachträglich 20 Millionen dictirt worden. So reich auch Frankfurt ist, muß es doch unter dieser Auflage in seinem Wohlstände ruinirt werden. Auch Mainz ist bereits in Mitteidschaft gezogen. Der Belagerungszustand ist verhängt, und die ersten Schüsse sind bereits gewechselt worden.

Wenden wir uns nach dem Kriegsschauplätze in Böhmen, so süid die Preußen dort immerwährend vorgedriingeu, und ihre Linien stehen, nachdem sich die dre iArmeen vereinigt haben, vor Wien, um dort den Entscheidungskampf zu kämpfen. Die österreichische Nordarmee hat sich, nachdem sie in Ollmütz unter Benedeck eine hinreichende Besatzung zurückgelassen hat, über die March zurückgezogen, um durch Ungarn über Preßburg sich mit der nach Wien geworfenen Südarmee, die zum größten Theile Italien verlassen hat, zu vereinigen. Obgleich diese Ver­einigung durch die Preußen sehr gehindert wurde, indem die­selbe Lundenburg den Knotenpunkt der Eisenbahnen zwischen Mähren und Wien besetzt hatten, so soll dieselbe doch, freilich auf dem Umwege durch Ungarn, gelungen sein. Mitten in diese Truppenmärsche fällt urplötzlich das Gerücht von einer fünf­tägigen Waffenruhe, und Unterzeichnung der Friedensprälimina­rien durch Oesterreich, nachdem dieselben durch Preußen und Fraiikreich vereinbart worden waren.

Auf dem KriegsschauplätzeItalien" haben die Verhält­nisse gleichfalls eine andere Gestalt angenommen. Oesterreich hat thatsächlich auf den Besitz Venetiens verzichtet. Ist auch die Abtretung an Napoleon nicht vollständig acceptirt worden, so zieht doch Oesterreich unter Zurücklassung von Besatzungs­truppen in dem Festungsvierecke seine Armee immer mehr aus Italien zurück, um sie an die Donau zur Vertheidigung Wiens zu werfen. Als darum Cialdini den Po überschritt, sprengten die Oesterreicher die Befestigungswerke bei Rovigo in die Luft, gingen nach Padua und von da nach Treviso zurück, während die' Italiener allmählig nachrückten. Auch die Flotten haben nunmehr ihre Kräfte gemessen. Die italienische war nach Lissa an der dalmatinischen Küste gesegelt, nm dort die Forts zum Schweigen zu bringen und eine Landung zu bewerkstelligen. Schon war es ihr in der That gelungen, ein Fort verstummen zu machen, als die österreichische Flotte erschien, und ein furchtbarer Kampf entstand, indem eine österreichische Panzerfregatte eine italienische in den Grund bohrte, eine andere in die Luft sprengte, das österreichische Linienschiff Kaiser von 4 italienischen Panzer­fregatten umringt, gleichfalls die eine in den Grund bohrte, die andere in die Flucht trieb, und schließlich die österreichische Flotte gegen die italienische Herr des Meeres blieb. Italienische Berichte schreiben sich jedoch den Sieg zu.

Die Contribution von vielen Millionen in Frankfurt wird aufrechterhalten, trotzdem sich eine Deputation nach Berlin ver­fügt hatte, um dieserhalb um Gnade zu bitten. Da sich die Stadt standhaft weigerre, Schritte zur Zahlung zu thun, so wurde mit dem ersten Zwangsacte begonnen und den Senatoren der Stadt zahlreiche Einquartirung (5070 Mann für Einen) gegeben.

Zwischen der Mainarmee der Preußen und dem VII. und VIII. Bundesarmeecorps haben die Gefechte eine immer grö­ßere Ausdehnung genommen. Am 24. Juli stießen die Preußen auf die Württemberger bei Tauberbischofsheim und begannen einen hartnäckigen Kampf, der damit endete, daß sich die Würt­temberger nach tapferem Widerstande zunächst auf Großrinder­feld zurückzogen. Am gleichen Tage war ein Gefecht der Ba­dener bei Werbach, welches gleichfalls mit dem Rückzüge der­selben trotz großer Bravour eudete. Am 25. Juli fand der Rückzug des VIII. Armeecorps gegen Würzburg am Main statt. Zu gleicher Zeit avancirten die Baiern von Würzburg

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